Diese Hausarbeit betrachtet Joachim Gaucks Abschiedsrede primär aus pragmalinguistischer Perspektive. Indem die Pragmatik Sprache als (kommunikative) Handlung versteht, präsupponiert sie, dass dem (sprachlichen) Tun Intentionalität zugrunde liegt. Dieser pragmatischen Maxime folgend werden im Analyse- und Interpretationsverlauf der Arbeit die Redeabsichten des Politikers eruiert und sein Argumentationsgang detailliert nachvollzogen. Hierzu wird sich des Topos-Modells bedient, um die Argumentationsstruktur differenzierter erarbeiten zu können. Außerdem werden flagrante sprachlich-stilistische und lexikalische Mittel, von denen der Orator in seiner Rede – allen voran für persuasive Zwecke – Gebrauch macht, Beachtung finden und deren Funktion resp. Wirkung erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Abschiedsrede des Altbundespräsidenten Joachim Gauck
2.1 Das Exordium – „Wie soll es aussehen, unser Land?“
2.2 Die Narratio – Die Darstellung gegenwärtiger Problemfelder in Politik und Gesellschaft
2.3 Die Argumentatio – Gauck als Mahner und Ratgeber
2.3.1 Gaucks Argument gegen ein umbruchsaversives Verhalten
2.3.2 Gaucks Argument für die Integration des Populismus in den politischen Diskurs
2.3.3 Ratio und Emotio als Quellen eines (Verfassungs-)Patriotismus
2.3.4 Gaucks Rechtfertigung erhöhter Sicherheitsmaßnahmen und sein Plädoyer für politisches Engagement
2.4 Die Conclusio – Gaucks optimistischer Blick in die Zukunft
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Abschiedsrede des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck aus einer pragmalinguistischen Perspektive, um die zugrunde liegenden Redeabsichten, den Argumentationsgang sowie die verwendeten rhetorischen Mittel zu eruieren.
- Pragmalinguistische Analyse politischer Kommunikation
- Anwendung des Topos-Modells zur Strukturierung der Argumentation
- Untersuchung von persuasiven sprachlich-stilistischen Mitteln
- Interpretation des gesellschaftspolitischen Mahn- und Ratgebers Gauck
- Analyse der Konstruktion von Gemeinschaft und (Verfassungs-)Patriotismus
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Gaucks Argument gegen ein umbruchsaversives Verhalten
Im weiteren Verlauf der Rede zeigt sich Gauck zunächst bestrebt, den Bürgern angesichts ebenjener verhängnisvoll erscheinenden Herausforderungen unserer Zeit Mut zu machen, denn schon seit jeher seien Umbruchsituationen stets von großen Ängsten vor dem Neuen, Unwägbaren und Unausweichlichen begleitet gewesen. Besonders diese furchtsamen Erfahrungen seien aber doch reich an Potential, denn an dem historischen Beispiel der industriellen Revolution illustriert Gauck seine These, dass
die Menschen […] es immer wieder vermocht [haben], eine zunächst als bedrohlich empfundene Entwicklung zu ihrem Guten zu nützen. Sie haben sich mit dem Unvertrauten vertraut gemacht, sich erweiterte Erkenntnis- und Handlungsräume erschlossen und sich schließlich im Neuen beheimatet.
An dieser Stelle wird deutlich, dass das (geschichtliche) Exemplum „als eine Art induktiv aus der Empirie gewonnenes Argument“ (Ueding 4 2005, S. 73) herangezogen wird. Mit der im Kontext des verwendeten Geschichtstopos gestellten Interrogatio: „Warum sollten wir historische Erfahrungen wie diese nicht ernst nehmen?“ plädiert der Agitator nämlich dafür, aus der Historie zu lernen. Vielmehr scheine es nur so, als seien wir nicht fähig, „unsere Demokratie den neuen Herausforderungen anzupassen“. Dass es sich hierbei um eine Illusion handele, welcher viele bereits anheimgefallen seien, hat Gauck zuvor bereits durch die Verwendung des Konjunktivs suggeriert: „Es ist, als befänden wir uns alle in einer Übergangssituation: […].“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Anlass der Abschiedsrede von Joachim Gauck ein und benennt die pragmalinguistische Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Analyse.
2. Die Abschiedsrede des Altbundespräsidenten Joachim Gauck: Das Hauptkapitel unterteilt die Rede in ihre klassischen rhetorischen Bestandteile (Exordium, Narratio, Argumentatio, Conclusio) und analysiert detailliert die verwendeten Sprachmittel, Topoi und Argumentationsstrategien.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und charakterisiert Gaucks Rede als eine politische Beratungsrede, die durch eine konsensorientierte und appellative Sprachfunktion geprägt ist.
Schlüsselwörter
Joachim Gauck, Abschiedsrede, Pragmalinguistik, Politische Kommunikation, Argumentation, Topos-Modell, Verfassungspatriotismus, Demokratie, Populismus, Rhetorik, Überzeugung, Diskurs, Gesellschaft, Freiheit, Politolinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Abschiedsrede des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck vom 18. Januar 2017 aus einer pragmalinguistischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die rhetorische Struktur der Rede, der Einsatz von politischem Vokabular, die Argumentationsführung unter Verwendung von Topoi sowie die strategische Konstruktion eines Gemeinschaftsgefühls.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Redeabsichten Gaucks offenzulegen und aufzuzeigen, mit welchen sprachlichen Mitteln er als Mahner und Ratgeber auftritt und versucht, die Bürger zur Bewahrung und Entwicklung der Demokratie zu motivieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Politolinguistik und nutzt das Topos-Modell zur differenzierten Analyse der Argumentationsstruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Rede in ihre klassischen rhetorischen Phasen: das Exordium, die Narratio, die Argumentatio (mit Unterpunkten zu Populismus, Patriotismus und Sicherheitsfragen) sowie die Conclusio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Pragmalinguistik, Politische Kommunikation, Argumentation, Demokratie, Verfassungspatriotismus und Rhetorik.
Wie bewertet Gauck in seiner Rede den Umgang mit Populismus?
Gauck plädiert dafür, Populisten nicht voreilig aus dem politischen Diskurs auszuschließen, sondern den gesellschaftlichen Austausch als notwendigen „Sauerstoff“ der Demokratie zu begreifen, sofern dabei die demokratischen Regeln gewahrt bleiben.
Warum hält Gauck erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für gerechtfertigt?
Gauck argumentiert, dass Sicherheit eine unabdingbare Voraussetzung für den Schutz der Freiheit ist und ein starker Rechtsstaat notwendig ist, um Vertrauen bei den Bürgern zu bewahren.
Wie definiert Gauck die „Trennlinie“ innerhalb unserer Gesellschaft?
Laut Gauck verläuft die entscheidende Trennlinie nicht entlang der Herkunft oder Religion, sondern zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten, wobei die politische Haltung das ausschlaggebende Kriterium ist.
- Quote paper
- Dustin Runkel (Author), 2017, Pragmalinguistische Analyse und Interpretation der Abschiedsrede Joachim Gaucks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423546