Serialität im Kinderkanal. Vom Märchen zum Blockbuster


Hausarbeit, 2015
34 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Eine Einführung.
2.1 Serialität in Literatur und Medien.
2.2 Das Märchen.

3. Schwerpunkt Serialität.
3.1 Serialität als Erzählstrategie.
3.2 Ansprüche an Serien.
3.3 Bedeutung von Serialität in der Lebenswelt der Kinder.

4. Schwerpunkt Märchen.
4.1 Das Wesen des Märchens.
4.2 Ein Märchen auslegen: Dornröschen.
4.3 Bedeutung von Märchen in der Lebenswelt der Kinder.

5. Serialität im Märchen.
5.1 Märchenserien: Handlungsanalyse bei Dornröschen.
5.2 SimsalaSerialität: Eine kritische Analyse des Kikahits.
5.3 Serialität und Märchen in der Schule.

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Märchenschloss, Märchenprinz, Märchenfilm und Märchenserie - Es wäre ein leichtes diese Wortfamilie fortzusetzen, denn jeder besitzt eine Vorstellung zum Thema Märchen. Die meisten von uns kennen Märchen wahrscheinlich aus der eigenen Kindheit, denn, um es mit den Worten von Bruno Bettelheim zu sagen, „Kinder brauchen Märchen“ (Bettelheim 1980, 3) oder, wie es Rufus Beck ausdrückt, „Kinder lieben Märchen und werden stark fürs Leben“ (Beck 2008, 3). Märchen faszinieren, weil sie uns in eine andere Welt entführen. Sie öffnen uns die Augen für fremde Dinge und lassen jeden von uns ein bisschen träumen. Doch was sagen uns Märchen? Wie können sie einen Beitrag zur Erziehung leisten und wie setzt man sie im Bereich Schule ein? Diese Fragen werde ich in der vorliegenden Arbeit näher betrachten, hierzu exemplarisch ein Märchen auslegen und eine Projektidee für die Schule vorstellen.

Serialität im Kinderkanal: Serien - jeder von uns kennt sie, die meisten von uns mögen sie und einige sind vielleicht sogar regelrechte Serienjunkies. Egal welcher Wochentag, egal welcher Sender, egal welche Uhrzeit - irgendwo ist immer eine Serie zu finden. Von Arrow, dem modernen Robin Hood, bis zu Sturm der Liebe, einer deutschen Seifenoper, ist für jeden etwas dabei. Doch was hat Serialität mit Märchen zu tun? Und was genau ist Serialität überhaupt? Sind Märchenserien eine gute Möglichkeit um Kindern Märchen durch moderne Medien zu vermitteln oder werden sie dem Originalmedium Buch niemals gerecht werden können? Und was hat es mit großen Hollywood-Märchenverfilmungen auf sich? Eignen sie sich besser? Was erwarten wir als Rezipienten überhaupt von Serien? Was erwarten Kinder? Und weil sowohl das Thema Märchen, als auch das Thema Serialität faszinierend sind, habe ich mich für das Thema Serialität im Kinderkanal: Vom Spinnrad zum Blockbuster entschieden. Ich werde die zentrale Fragestellung untersuchen, wie Serialität in Märchen umgesetzt wird, was das für unsere Kinder bedeutet und wie dies in Form eines Schulprojektes behandelt werden kann.

Nun beginne mit einem Es war einmal und hoffe auf ein Happy End, das keiner Cliffhanger bedarf, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

2. Eine Einführung

2.1 Serialität in Literatur und Medien

Im Folgenden wird eine Einführung in die beiden Bereiche der vorliegenden Arbeit gegeben. Zunächst der Themenbereich Serialität. „Serien erobern die Welt“ (tv pur Nr. 6/15, 122) sagt ein Artikel der Fernsehzeitung tv pur. Natürlich handelt es sich dabei um einen Werbeartikel für eine Zeitschrift, aber es wird zusätzlich beschrieben, wie erfolgreich Serien sind. Sie faszinieren, fesseln, machen süchtig und sind nicht mehr aus dem modernen Fernsehprogramm wegzudenken (vgl. tv pur Nr. 6/15, 122). Doch was sind Serien? „Bei den Serien glaubt man, sich an der Neuheit der Geschichte (die immer die gleiche ist) zu erfreuen, tatsächlich erfreut man sich aber an der Wiederkehr des immer konstanten narrativen Schemas.“ (Eco 1987, 52). Dieses Zitat von Eco zeigt, was Zuschauer an Serien fasziniert. Der Zuschauer verfolgt jede Episode, die ihm ein Rätsel aufgibt, bei welchem er mitfiebern kann, dessen Lösung er entgegenstrebt und über die er sich erfreut, als wäre er selbst eine Figur der Serie. Und auch wenn man den Eindruck hat, dass das Rätsel nun gelöst ist, bringt dies ein neues Problem zum Vorschein, welches den Rezipienten erneut fordert und so zum Teil der Serie macht. Nach eben diesem Schema sind Serien aufgebaut. Es entsteht ein Gefühl der Zufriedenheit, sobald etwas abgeschlossen werden kann, und es beginnt ein neuer Reiz, wenn etwas anderes beginnt (vgl. Kelleter 2012, 12f.). Der Held der Serie gerät immer wieder in Konfliktsituationen, die er zu lösen sucht. Der Aufbau der Handlung einer Serie ist deshalb vergleichbar mit einer Parabel. Die Spannungskurve steigt nach der Lösung eines Problems wieder an, um neue Spannung zu erzeugen. Damit variieren zwar die einzelnen Erzählungen, trotzdem wiederholt sich das Erzählschema fortlaufend. Eben diese Spannungskurven, die sich im Verlauf einer Serie stetig wiederholen, werden nur ersichtlich, wenn man den Sachverhalt als Ganzes betrachtet und nicht die abgeschlossenen Einzelgeschichten (vgl. ebd., 13). Wirft man einen Blick in den Duden, findet man zu dem Wort Serie die Erklärung, dass es sich um eine zusammengehörige Reihe, eine Folge oder Gruppe handelt (vgl. Duden 2000, 888). Was meint nun aber der Begriff Serialität ? Im Duden ist hierzu nichts zu finden. Betrachtet man daraufhin alle weiteren aufgeführten Wörter mit Zusammenhang zum Wort Serie, fällt auf, dass alle Dinge mit dem Menschen in Verbindung stehen. Seien es Serienanfertigungen, ein Serientäter oder das Adjektiv serienmäßig (vgl. ebd.). Alles benötigt den Menschen, um Dinge zu konstruieren oder zu instruieren. Serialität würde demnach das Merkmal von Serien beschreiben. Es stellt eine Folge gleicher Dinge dar, die mit weiteren Folgen zusammenhängt, zu ihnen gehört, und so zur Serie wird.

Giesenfeld definiert Serialität als eine Form der Narration, die Geschehen erzeugt und gestaltet, geradezu kreiert (vgl. Giesenfeld 1994, 1). Serialität besitzt verschiedene Funktionen. Sie ist gemeinschaftsbildend, sich wiederholend, besitzt einen rituellen Charakter und sie ist ein Erzählprinzip, das sich immer mehr zu einer kulturellen Praxis entwickelt hat (vgl. Kelleter 2012, 17f.) und bezeichnet die Serienbildung einzelner Teile zu einem Ganzen (vgl. Rothemund 2013, 67).

2.2 Das Märchen

In den Bereich Märchen soll an dieser Stelle lediglich kurz eingeführt werden, da an anderer Stelle eine ausführliche Definition unter Verwendung von Beispielen erfolgt. Das alte Wort maere, das Märchen bedeutet, heißt übersetzt Kunde, Erzählung und hat diesen Namen vor allem auf Grund seiner vorwiegend mündlichen Überlieferung (vgl. Das aktuelle wissen.de Lexikon 2001, Band 14, 89). Märchen stellt durch die Nachsilbe -chen ein Diminutiv[1] dar, durch die früher die Bedeutung herabgesetzt wurde. Deshalb wurden Märchen mit etwas Erfundenem, also Lügengeschichten gleichgesetzt (vgl. Lüthi 2004, 1). Das Märchen gehört zum Bereich der Prosaerzählung und erzählt Geschichten, in denen Zeit und Raum nicht festgelegt sind und übernatürliche Mächte herrschen. Die Weltordnung im Märchen endet immer mit einem Happy End für den Guten, der belohnt wird, und mit einer Bestrafung des Bösen. Besonders ist im Märchen auch, dass nur selten explizite Namen genannt werden. Meistens sind lediglich Typen, wie der König, die Hexe oder ähnliche, zu finden. Auch bekannte Namen wie Hänsel und Gretel stehen lediglich für Typen. Märchen sind in allen Ländern und Traditionen zu finden und sind wichtiges Kulturgut. Einer der ersten Märchenautoren war der Franzose Charles Perrault, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts Märchen verschriftete und es damit vor allem in den oberen Schichten Frankreichs in Mode brachte. In Deutschland wurde das Märchen im 18. Jahrhundert vor allem durch Christoph Martin Wieland und Johann Karl August Musäus bekannt. Zur eigentlichen Gattung Märchen wurde es jedoch erst durch die Brüder Grimm[2], mit ihrer Sammlung der Kinder- und Hausmärchen. Diese beinhaltet viele Übertragungen der französischen Märchensammlung von Perrault. Ursprünglich wurden Märchen für Erwachsene geschrieben. Da sie scheinbar vernunftwidrig waren, wurden sie jedoch, im Verlauf des 19. Jahrhunderts, der Kinderliteratur zugeteilt, zu der sie auch heute noch gezählt wird (vgl. Das aktuelle wissen.de Lexikon 2001, Band 14, 89). Unterscheiden lassen sich zwei Strömungen des Märchens. Das Kunstmärchen und das Volksmärchen, um das es in der vorliegenden Arbeit gehen wird. Das Kunstmärchen stellte vor allem in der Romantik eine wichtige Gattung dar. Es beinhaltet Motive und Erzähltechniken des Volksmärchens, geht jedoch auf einen Autor zurück. Zudem zeichnet es sich durch eine gewisse Naivität aus, die eine symbolisch angedeutete Welt- oder Kunstanschauung verbirgt. Dadurch wird den Figuren und Begebenheiten eine tiefe Bedeutung zuteil, auf Grund derer das Kunstmärchen auch für erwachsene Leser interessant ist. Bekannte Kunstmärchen wurden von Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Hauff und Hans Christian Andersen verfasst. Das Volksmärchen entstand in der Romantik, in der man die Ansicht vertrat, dies seien Texte, die vom einfachen Volk erfunden und lediglich mündlich weiter gegeben worden waren. Durch spätere Forschungen wurde jedoch belegt, dass beinah immer auch eine schriftliche Fassung vorlag und damit ebenfalls Vermittlung stattgefunden hat. Folglich ist das Volksmärchen ein Märchen, das weder einen Autor besitzt, noch eine Entstehungszeit oder einen Entstehungsort aufweisen kann (vgl. ebd.).

3. Schwerpunkt Serialität

3.1 Serialität als Erzählstrategie

Schon seit Homers Illias kennen wir das serielle Erzählen (vgl. Kelleter 2012, 18). Doch was ist das? Serialität ist eine Erzählstrategie, da sie durch ihren Aufbau Interesse weckt und stetig mit Spannung und Entspannung spielt. Sie bringt eine Ungewissheit mit sich, da nie sicher ist, wie die Erzählung letztlich enden wird. Das Ende wird aufgeschoben und man erfährt ständige Veränderungen während der Erzählung (vgl. ebd., 12). Der Zuschauer hat damit die Möglichkeit selbst mitzudenken, wird sogar dazu aufgefordert. Anders als bei geschlossenen Erzählungen ist der Zuschauer hier mehr als nur der, der von außen zuschaut. Er ist dabei, mitten drin (vgl. Kelleter, Stein 2012, 259). Jede Handlung bietet dem Zuschauer verschiedene Akteure zur Identifikation, unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Handlung weiter verlaufen kann und wie die Akteure agieren können. Durch diese Dynamik fühlt sich der Zuschauer involviert. Er kann mitdenken, sich in Figuren hineinversetzen, einfühlen, überlegen, wie er handeln würde, mit Figuren trauern, sich über sie ärgern und Teil von etwas Größerem sein. Er wird mitgenommen in die Welt der Serienfiguren und verschmilzt mit deren Welt (vgl. ebd., 260).

Serien sind, auf Grund ihrer Beliebtheit bei den Zuschauern durch eben diese Nähe, dem Bereich Populärkultur zuzuordnen. In dem Aufsatz von Kelleter und Stein wird Populärkultur als „Kultur für das Volk, gemacht vom Volk“ (Kelleter, Stein 2012, 262) definiert. Zudem steht populäre Serialität im Fokus der Öffentlichkeit. Sie gibt einem durch das intensive Erleben der Serie das Gefühl von Gemeinschaft, auch wenn diese nicht tatsächlich vorhanden ist, sondern nur gedanklich besteht. Populärkultur ist als Praxisfeld der Moderne zu sehen, da sie verschiedene Rollen und Funktionen, sowohl für den Autor, als auch für den Nutzer beinhaltet (vgl. Kelleter 2012, 14ff.). Je intensiver das Volk diese Populärkultur rezipiert, desto mehr Selbstbewusstsein entwickelt es. Dies hat zur Folge, dass sich Produktion, Rezeption und Wahrnehmung dahingehend verändern, dass sie sich mehr und mehr an der Masse orientieren, sich damit kommerzialisieren und auf moderne Medien konzentrieren. Sie orientieren sich am Mainstream und verfallen damit dem Wandel der Zeit. Populärkultur schafft damit größere Möglichkeiten der Reproduktion, ist an größere Massen adressiert und hat durch vermehrte Vernetzung den Anschluss an verschiedene Lebenswelten. Für viele Rezipienten hat die Populärkultur damit eine enorme Relevanz für ihre persönliche Lebenswelt (vgl. ebd., 16). Serialität in Fernsehserien bietet ein festes Schema, hat seinen festen Sendekanal, sowie seine feste Sendezeit, wodurch ein Rhythmus des Konsums entsteht - sofern keine DVDs erworben wurden, die den Konsum flexibler machen. Würde der Rezipient diesen Rhythmus unterbrechen, bestünde die Gefahr, den Anschluss an die Serie zu verlieren, weshalb die Erzählstrategie Serialität dazu führt, dass die Zuschauer Woche für Woche oder sogar Tag für Tag zur selben Uhrzeit vor dem Fernseher sitzen. Wer also Rezipient von Serien ist, schafft sich unbewusst eine Art parallele Zeitebene. Ist er beispielsweise an dem Tag, an dem seine Serie läuft, auf einer Geburtstagsparty, wird er wissen, dass er die Party um 20:00 Uhr verlassen muss, damit er um 20:15 Uhr gemütlich auf dem Sofa seine Serie anschauen kann (vgl. Giesenfeld 1994, 2f.). Serialität ist demnach vor allem im Fernsehen möglich. Darum stehen gerade Fernsehserien im Fokus der Untersuchungen. Der Erfolg beim Zuschauer ist das angestrebte Ziel der Serialität. Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, wollen sich Serien immer weiter entwickeln, verändern, verbessern, Spannung erzeugen und sich immer wieder neu erschaffen. Einige der modernen Serien lässt dieses Spiel um den Publikumserfolg immer komplexer werden. Es entstehen immer neue Handlungszweige, Kreuzungen der Charaktere oder Abwandlungen des bisher Bekannten. Auf Grund des großen Serienangebots versuchen sie einen Spagat zwischen dem Altbekannten der Serie, auf das sich der Zuschauer verlässt und das die Serie ursprünglich ausmacht, und der ästhetischen Differenzierung, die durch eine eigene Geschichte der Serie geschaffen werden soll. Aber genau diese Wechsel zwischen Komplexitätssteigerung und der Reduktion selbiger bestimmt das Wesen der aktuellen Serien, die solch einen großen Erfolg haben (vgl. Kelleter 2012, 19ff.). Erfolg haben die Serien auch, weil sie vor allem Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich egal wann und wie oft, in eine andere Welt zu flüchten. Wichtig für Serialität als Erzählstrategie sind außerdem ihre Eigenschaften. Fernsehserien verfolgen alle ein bestimmtes Schema, welches sie im Verlauf lediglich variieren. Dies ist das grundlegende Gestaltungsprinzip. Der Stil, die Handlung, die Figurendarstellung wirken oft ähnlich wie in anderen Serien (vgl. Giesenfeld 1994, 4). Ständige Wiederholungen machen die potentielle Endlosigkeit von Serien erst aus. Es wird immer dieselbe Geschichte einfach neu erzählt (vgl. Kelleter 2012, 27). Damit einher geht auch, dass die Spannbreite an Dramatik relativ gering ist. Auf Grund der immer wieder aufkommenden Konfliktsituationen, ist auch keine richtige Entwicklung in der Handlung zu erkennen. Serien tendieren nun mal dazu, wiederholbar zu sein, immer wieder neue Episoden rausbringen zu können und sich dabei jede Richtung, in die die Handlung laufen könnte, offen zu lassen. Serien sind immer wieder in der Lage, sich neu zu erschaffen. Dafür bedarf es Kreativität, bereits Erzähltes nochmal als etwas Neues zu verpacken. Durch immer dieselben Themen, die die Lebenswelt der Rezipienten betreffen oder sich zumindest auf sie übertragen lassen, wird eine Parallelwelt geschaffen, die es dem Zuschauer ermöglichen soll, für 45 Minuten aus seinem Alltag auszubrechen, um anschließend wieder, mit neuem Mut und dem Wissen, mit den Problemen nicht alleine zu sein, in die Realität zurückzukehren. Die dargestellten Charaktere sollen so normal wie irgend möglich wirken, um dem Zuschauer das Gefühl zu geben, er sei genau wie die Menschen auf dem Fernsehbildschirm. Auch wenn es sich, beispielsweise wie in der neuen US-Serie Reign[3], um eine Zeit handelt, zu der der Zuschauer keinerlei Bezug hat, kann er sich doch in die Serie einfühlen, da die Zeit und der Raum lediglich den Background der Geschichte darstellen und die Handlung der Figuren eigentlich im Zentrum steht. Der Rezipient registriert dabei vor allem die ihm bekannten Verhaltensmuster der Figuren und lässt dabei die Kulisse außer Acht (vgl. Giesenfeld 1994, 4). Serialität ist als Erzählstrategie also deshalb so erfolgreich, weil sie dem Rezipienten die Möglichkeit gibt, sich in eine Welt zu flüchten, die sich vom äußeren Aufbau von der seinen unterscheidet, aber in der die Charaktere ähnliche Probleme zu bewältigen haben wie er und damit als Identifikationsmöglichkeiten dienen. Er fühlt sich deshalb mit der Serie verbunden. Zudem können Serien gut in den Alltag eingebunden werden, da sie feste Sendezeiten besitzen. Weiterhin weisen Serien eine potentielle Endlosigkeit auf und können, je nach Kreativität und Ideenreichtum der Produzenten, unendlich fortgesetzt werden.

3.2 Ansprüche an Serien

Wie im vorangegangenen Abschnitt ersichtlich geworden ist, haben Menschen das Verlangen nach einer Parallelwelt, die in Form einer fiktionalen Welt durch Serien dargestellt wird (vgl. Giesenfeld 1994, 3). Nachfolgend wird gezeigt, wieso Rezipienten solch großes Interesse an Fernsehserien haben und welche Ansprüche sie dabei besitzen. Um ein möglichst aktuelles Ergebnis darlegen zu können, habe ich eine Umfrage erstellt, an welcher 70 Personen teilgenommen haben. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden nun vorgestellt.[4] Von 70 Personen waren 46 weiblich und 24 männlich. Der jüngste Teilnehmer war 16 Jahre alt und der älteste 75. Damit ergibt sich eine sehr große Spannbreite der Ergebnisse. Zudem sind viele verschiedene Berufsgruppen vertreten. Vom Schüler und Studenten, über den Sparkassenbetriebswirt und den Beamten bis hin zum Schlosser und zum Akademiker. Mir war es wichtig, dass die Teilnehmer ihre Berufe angeben, um eventuellen Klischees, bezüglich des Niveaus von Serien, vorzubeugen. Die Umfrage bestand aus elf Fragen, von denen vier ja/nein Fragen waren und eine zur Erfassung der Daten beitrug. Zunächst wollte ich wissen, ob überhaupt regelmäßig Serien geschaut werden. 72,06 % beantwortete die Frage mir einem ja. Anschließend wollte ich für den Überblick erfahren, ob die Teilnehmer mehrere Serien verfolgen, worauf 73,53% ebenfalls mit ja antworteten. Danach wollte ich herausfinden, was die absolute Lieblingsserie der Teilnehmer ist, um einen Eindruck zu erhalten, wie die verschiedenen Interessen gestreut sind. Als absolute Lieblingsserie gaben die meisten The Big Bang Theory an. Entgegen meiner Erwartung handelte es sich hierbei ausschließlich um Frauen. Gefolgt von Game of Thrones, was ausschließlich von Männern angegeben wurde. Den dritten Platz belegten Criminal Minds, Grey’s Anatomy und Bones- Die Knochenjägerin, die wiederum ausschließlich von Frauen genannt wurden. Obwohl eine Mehrheit auszumachen war, verteilten sich die verschiedenen Serien sehr. Da mir bewusst war, dass es vielen schwer fallen würde, sich auf eine Lieblingsserie zu beschränken, gab es im Folgenden die Möglichkeit weitere Serien zu nennen. Lediglich 18 Personen gaben an, keine weiteren Serien zu verfolgen. Alle anderen Teilnehmer listeten mehrere Serien auf, die sie besonders gerne schauen. Auch hier wurde The Big Bang Theory sehr häufig genannt. Fünfzehn weitere Personen gaben an, diese Serie zu verfolgen. Auch How I Met Your Mother wurde von elf Personen angegeben. Es scheinen also gerade amerikanische Comedyserien besonders populär zu sein. Um dieses Genre nochmals zu bestätigen, ließ ich die Teilnehmer das Genre ihrer Serien angeben, wobei 26 Personen das Genre Comedy nannten. Auch Action und Crime wurden sehr häufig genannt. Weiterhin wollte ich wissen, ob die Teilnehmer die Serie regelmäßig verfolgen. Darauf antworteten 71,21% mit ja. Nun interessierte mich, ob die Serien sogar täglich geschaut werden, worauf lediglich 18,18% mit ja antworteten. Diese geringe Zahl lässt sich zum einen darauf zurückführen, dass viele Serien nicht täglich, sondern nur einmal in der Woche ausgestrahlt werden, und zum anderen darauf, dass ein beliebtes Medium zum Konsum von Serien nicht der herkömmliche Fernseher ist, sondern der Computer, oder besser das Internet. Das liegt daran, dass am Computer immer dann Serien konsumiert werden können, wenn der Rezipient Zeit dazu hat. Er kann Serien legal streamen[5], wann immer er möchte und ist nicht an das Fernsehprogramm gebunden. Zudem kann er online auch Serien konsumieren, die es im deutschen Fernsehprogramm (noch) nicht gibt. Nachdem die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, viele verschiedene Serien anzugeben, war ich daran interessiert, zu erfahren, wie viel Prozent ihres Fernsehkonsums denn durch das Schauen von Serien gedeckt wird. Die geringste Zahl war hierbei 5%, die nur 5 der Teilnehmer angaben. Die höchste Zahl war 100%, die aber lediglich einmal genannt wurde. Auch hier ist wieder die enorme Spannbreite der Konsumenten zu erkennen. Mit Hilfe der beiden letzten Fragen, werde ich die Frage beantworten, was Rezipienten von Serien erwarten. Giesenfeld hat hierfür auch schon einige Aspekte herausgearbeitet, von denen er denkt, dass sie besonders wichtig sind. Serien sollen handlungsintensiv, erlebnisvoll, abwechslungsreich, voller Höhepunkte und mit vielen Spannungsbögen sein. Sie sollen lebensbedrohende Situationen enthalten, bei denen in letzter Minute die erwartete Rettung eintritt (vgl. Giesenfeld 1994,6). Ob Giesenfeld mit diesen Annahmen richtig liegt, habe ich mit meiner Umfrage geprüft. Hierzu wollte ich wissen, was die Rezipienten an ihren Lieblingsserien besonders mögen und was sie von einer guten Serie erwarten. Die drei am häufigsten genannten Schlagworte waren Unterhaltung, Spannung und Humor. Außerdem wurde noch sehr häufig genannt, dass die Serie die Fähigkeit haben muss, den Rezipienten so zu fesseln, dass er seinem Alltag entfliehen und die Arbeit einfach mal vergessen kann. Aber auch die Darsteller, deren Beziehungen und ihre Dramen, sowie gute Identifikationscharaktere waren den Teilnehmern sehr wichtig. Trotz Humor ist es auch von Bedeutung, dass ernste Themen angesprochen und behandelt werden, denn auch die Realitätsnähe spielt eine wichtige Rolle. Zudem wollen Zuschauer, dass ihre Serien nicht vorhersehbar sind und es immer wieder neue Aufgaben gibt, die es zu lösen gilt. Giesenfelds Aspekten stimme ich auf Grund dieser Umfrage zu. Natürlich erwartet jeder etwas anderes von einer Serie, trotzdem überschneiden sich die Wünsche und Erwartungen. Abschließend ist zu erkennen, dass Serienmacher genau wissen, wie sie ihre Zuschauer in ihren Bann ziehen können. Allein diese Umfrage hat verdeutlicht, wie wichtig Serien für viele Menschen sind. Um diesen Punkt zu schließen, möchte ich an dieser Stelle gerne eine Teilnehmerin zitieren: „Anders als beim Film haben Serien das Potenzial, die Leute über einen längeren Zeitraum hinweg in eine Geschichte mit hineinzunehmen. Wenn im Film eine Figur stirbt, ist das traurig. Stirbt eine Figur in der Serie, stirbt quasi ein Familienmitglied. Man fühlt sich zur Crew dazugehörig und ist schon fast ein Teil dieser Familie“.

3.3 Bedeutung von Serialität in der Lebenswelt der Kinder

Da es in der vorliegenden Arbeit um Serialität in Bezug auf Märchen und deren Wirkung auf Kinder, geht, ist es mir ein Anliegen, Serien nicht nur im Hinblick auf Erwachsene, sondern vor allem auch auf Kinder, zu untersuchen. Im Folgenden wird erläutert, was Kinder an Serien fasziniert und welchen Stellenwert sie im Leben der Kinder einnehmen. Rechtlich gesehen sind Kinder Menschen im Alter von Null bis Vierzehn Jahren. Schon seit einiger Zeit gibt es Kindermedien. Kinder sind damit eine spezielle Kategorie Adressat (vgl. Kübler 2002, 11). Der Begriff Kindermedien meint alle Medien, die vor allem für Kinder produziert worden sind. Dies erfolgt durch Erwachsene, die dies aus verschiedenen Gründen tun (vgl. ebd., 7). Einige tun es aus Fürsorge, um Kindern altersgemäße Unterhaltung bieten zu können, andere aus dem pädagogischen Aspekt und wieder andere legen dabei lediglich Wert auf den Kommerz (vgl. ebd., 11). Natürlich gibt es verschiedene Gestaltungsmittel, die Kinderfernsehen besonders ansprechend machen. Hierbei wird viel mit visuellen und akustischen Effekten gearbeitet, die Kinder unterhalten und fesseln sollen (vgl. Michel 2006, 97ff.). Auch auf die Ausdrucksweisen und optischen Darstellungen wird großer Wert gelegt (vgl. ebd., 103ff.). Zudem ist das Tempo der Handlung von großer Bedeutung für das Verständnis des Dargestellten (vgl. ebd., 109ff.). Gerade ältere Kinder, lassen sich durch besondere Figuren in den Serien fesseln. Sie nutzen diese um die Medienwelt kennenzulernen. Dank des Merchandisings gibt es für Kinder passend zur Lieblingsserie beinah überall dazugehörige Spielfiguren zu kaufen. Dadurch wird das Interesse an der Serie noch verstärkt, da die Kinder eine emotionale Bindung zu ihren Vorbildern aufbauen. Auch die Peergroups der Kinder spielen eine wichtige Rolle, da durch gleiche Interessen ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht. Psychologisch hochwertig können Serien für Kinder außerdem sein, weil sie ihnen Raum bieten, unverarbeitete Probleme mit Hilfe von Rollenspielen aufzuarbeiten. Entweder indem sie sich mental in die Figur hinein versetzen, während der Lieblingscharakter ein ähnliches Problem löst, oder im anschließenden Rollenspiel mit Freunden, in dem Probleme thematisiert werden (vgl. Kübler 2002, 181). Kinder setzen sich also aktiv mit den von ihnen rezipierten Medien auseinander (vgl. Charlton, Neumann 1982, 118). Des Weiteren können Fernsehserien einen Ersatz für fehlende persönliche Kontakte bieten, denn Kinder brauchen Orientierungsmöglichkeiten, Vorbilder und Beratung in Bezug auf ihre Lebenswelt. Auf Grund dessen sind auch immer mehr Daily-Soap-Darsteller im Teenageralter, um den Zuschauern Identifikationsmöglichkeiten anzubieten. Die jugendlichen Zuschauer werden emotional angesprochen und haben zusätzlich genug Raum für Distanz. Der Aufbau von Kinderserien ist genauso wie der für Erwachsene. Zunächst besteht Chaos und Stress, bis das Problem am Ende der Folge gelöst wird (vgl. Kübler 2002, 183f.). Was sollte eine Serie haben, um für Kinder interessant zu sein? Am Beispiel von Pumuckl lassen sich viele Dinge festmachen, die Kinder attraktiv finden. Zum einen beinhaltet die Serie immer wieder Abenteuer, die in ähnlicher Weise ablaufen. Es gibt viel Spaß und Unterhaltung, was ein wichtiger Bestandteil des kindlichen Lebens ist. Des Weiteren ist die Empathie gegenüber der kindlichen Welt von enormer Bedeutung, die durch den väterlichen Meister Eder gut dargestellt wird. Außerdem sollen Kinderfernsehserien die Kinder für eine kurze Zeit in eine Welt aus Phantasie und Zauberei bringen können, aber trotzdem die nötige Distanz zum Medium Fernsehen ermöglichen. Daher sollte eine Serie für Kinder nicht allzu lange gehen. Auch das schafft der kleine Kobold Pumuckl bei einer Laufzeit von etwa 24 Minuten. Ferner ist ein familientaugliches Kinderprogramm für den Familienzusammenhalt und die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung. Pumuckl spricht sowohl Jung als auch Alt an (vgl. ebd., 113ff.). Vermenschlichte Tiere, Phantasiewesen und Superhelden wecken das Interesse bei Kindern ganz besonders. Pumuckl kann als Kobold in jedem Fall zu den Phantasiewesen gezählt werden.[6] Abschließend ist zu sagen, dass Serialität für die Lebenswelt der Kinder eine genauso große Bedeutung hat, wie für uns Erwachsene. Darum ist es wichtig, Kinder vom Medium Fernseher nicht fern zu halten, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, ausgewählte und für ihr Alter angemessene Serien, in Begleitung, zu konsumieren.

[...]


[1] Diminutivum: Verkleinerungswort, im Deutschen mit den Nachsilben -chen, -lein gebildet (vgl. Das aktuelle wissen.de Lexikon 2001, Band 5, 280)

[2] Bei den Brüdern Grimm handelt es sich um Jacob Grimm, der 1785 geboren wurde und 1863 starb, und seinen Bruder Wilhelm, der 1786 geboren wurde und 1859 starb. Beide waren in der Sprachwissenschaft tätig, begründeten gemeinsam das Deutsche Wörterbuch und waren die ersten Germanisten (vgl. Das aktuelle wissen.de Lexikon 2001, Band 8, 330)

[3] Reign handelt vom Leben der schottischen Königin Mary Stuart am Hofe Frankreichs, wo sie Frankreichs Thronfolger Francis heiraten soll

[4] Alle Ergebnisse der Umfrage, inklusive selbst erstellter Diagramme und Tabellen, sind im Anhang zu finden

[5] Streaming: Vorgang der Datenübertragung über das Internet. Die Daten werden hierbei nicht heruntergeladen (deshalb legal), da die Serien direkt nach dem Empfang wiedergegeben werden kann (vgl. Das aktuelle wissen.de Lexikon 2001, Band 21, 149)

[6] Die Informationen zu Pumuckl habe ich aus der PP des Seminars

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Details

Titel
Serialität im Kinderkanal. Vom Märchen zum Blockbuster
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
34
Katalognummer
V423573
ISBN (eBook)
9783668721777
ISBN (Buch)
9783668721784
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
serialität, kinderkanal, märchen, blockbuster
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2015, Serialität im Kinderkanal. Vom Märchen zum Blockbuster, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423573

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