Zusammenfassung von Markus Caspers "Zeichen der Zeit. Eine Einführung in die Semiotik"


Zusammenfassung, 2016

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Caspers: Zeichen der Zeit – Eine Einführung in die Semiotik

Intro

- Schuh als nonverbales Zeichen, ein Kommunikationsinstrument, das den Mitmenschen Informationen über Vorlieben und Vorstellungen mitteilt à Über die Nachricht, die ein bestimmtes Kleidungsstück sendet ist man sich manchmal gar nicht bewusst, jedoch kann Kleidung auch voll bewusst eingesetzt werden um etwas bestimmtes zu signalisieren à Kleidung als Bedeutungsträger
- Indexikalisches Zeichen: Anzeichen für etwas, z.B. eine dunkle Wolke als Anzeichen für Regen à etwas, das auf etwas anderes hinweist (=Indizes) à Erscheinung, Zustand oder Hinweis auf etwas (Ort, Zeit, Ereignis). Spur, Fährte, Symptom à Häufig in Kriminalromanen o.ä. zu finden à Wenn ein Detective eine warme Motorhaube fühlt, ist das ein Anzeichen dafür, dass der Wagen bis vor kurzem bewegt wurde
- Der Kriminalroman verdeutlicht ein Axiom der Semiotik und Kommunikationswissenschaft: Man kann nicht nicht-kommunizieren, man kann nicht nichts deuten (Watzlawick) à Jede Handlung, bewusst oder unbewusst, kann von jemand anderem gelesen werden à Handlung als Zeichen, dessen eigentliche Bedeutung oder Inhalt oder Sinn nicht in der Handlung selbst liegt, sondern in einer dahinter liegenden Ebene
- Ein Regenschirm ist nicht nur ein Objekt um Regen abzuweisen, sondern wird zum Zeichen eines sozialen Gebrauchs à es bedeutet Regenwetter

1. Das Zeichen

- Ein Zeichen besteht aus zwei Seiten, die untrennbar miteinander verbunden sind = Dichotomie à Begründer der modernen strukturalen Linguistik, Ferdinand de Saussure, hat dafür ein Bild gefunden: Ein Zeichen sei wie ein Blatt Papier – zwei Seiten, untrennbar miteinander verbunden
- Funktion von Zeichensystem: Die Kommunikation und die Bedeutungsproduktion mittels der Kopplung einer Form mit einem Inhalt à Wir können über Dinge kommunizieren, die es im wirklichen Leben gar nicht gibt, wir können abstrakt denken und unsere Zeichenverwendung ist unabhängig von Ort und Zeit
- Im Sehen liegt der Ursprung des Verstehens à Wahrnehmung kommt ein entscheidender Anteil am Denken zu à Wahrnehmen heißt die Sinnesdaten zu ordnen, zu vergleichen, zu analysieren
- Wir verstehen deshalb Bilder schneller als Sprache und tun uns schwer Bilder sprachlich zu erfassen à Semiose (= die Bildung bzw. Herstellung von Zeichen) basiert auf der Kopplung einer sinnlich wahrnehmbaren Form mit der Vorstellung einer geistigen Einheit, eines Begriffs oder Begriffsfeldes à Dieser Begriff ist als Abstraktion zu begreifen, im seltensten Fall überlappt der Vorstellungsbegriff mit einem realen Objekt der Wahrnehmung à Abstraktionsleistung: macht es uns möglich, über Sachverhalte und Emotionen zu kommunizieren, die nicht unserer eigenen, direkt unserer Lebenswirklichkeit entspringenden sind
- Ein Zeichen muss einen Bezug zu etwas haben, aber es ist nicht Dasselbe, sondern etwas von etwas anderem Unterschiedenes. Es steht für etwas anderes.
- Beispiel: Verkehrsschild „Fahrradfahren verboten“ à Das wissen wir, weil ein Fahrrad zu sehen ist à aber das auf dem Schild abgebildete Fahrrad hat keine Pedale, Kurbeln, Speichen à Trotzdem enthält das Bild genug visuelle Marker, die die Identifikation des Bildes mit dem Begriff Fahrrad einfach machen à es geht um das idealtypische Fahrrad à Aber jeder weiß was das Schild bedeutet und jeder Fahrradfahrer fühlt sich angesprochen, sei es ein Mountainbike, ein Herrenrad oder ein BMX

2. Das semiotische Dreieck

- Semiotik ist eine alte Denk- und Verfahrenssituation, die bei den Griechen beginnt (Aristoteles)
- Bisher wurde gesagt: Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht, deshalb ist ein Fahrrad auch erstmal nur ein Fahrrad und seine Form verbinden wir mit dem Inhalt Fortbewegung aus eigener Kraft à Das macht es nicht automatisch zu einem Zeichen, denn das Fahrrad als Objekt steht an sich nicht für etwas anderes, als sich selbst à erst wenn ich es bewusst wahrnehme und in Beziehung zu meinem Leben, meiner Umwelt setze, kann ein Zeichen daraus werden
- Erste Folgerung: Zeichen existieren nicht an sich, sondern nur für uns à wir sind es, die aus Objekten, Handlungen und Zuständen, Zeichen machen à ohne uns, den Interpreten, ergibt sich aus einer wahrgenommenen Form kein Zeichen
- Beispiel: Verkehrszeichen „Fahrradfahren verboten“ à Das abgebildete Fahrrad ist eine bildliche Repräsentation eines gedachten Fahrrads, es würde als Fortbewegungsmittel nicht funktionieren, es deckt auch nicht alle Fahrradtypen ab, dennoch sind wir bereit, dieses Bild eines Fahrrads stellvertretend für alle Fahrräder dieser Erde gelten zu lassen à Es ist ein Bild für unsere Idee vom Fahrrad
- Zweite Folgerung: Das Bild des Fahrrads im Verkehrszeichen bzw. seine Form bezieht sich auf tatsächlich existierende Fahrräder, ohne diese zu sein à es hat eine Bezugsfunktion, es hat ein Referens
- Überblick: Ein Zeichen hat zwei Seiten, die sinnlich wahrnehmbare Form Signifikant und das damit verbundene gedankliche Konstrukt Signifikat à sowohl Form, als auch Inhalt beziehen sich auf etwas in der Welt Vorhandenes, auch wenn es sich dabei nur um einen Gedanken handelt
- Der Bezug des Signifikanten zum Referens wird durch einen Code geregelt, den wir kennen bzw. lernen müssen
- Die Beziehung des Signifikats zum Referens scheint natürlich bzw. aus Erfahrungswissen gebildet zu sein
- Ständiges Bezeichnen und Zeichenlesen = Tätigkeit des Zeichenmachens = Semiose
- Es gibt kein Arsenal fertiger Zeichen, die nur darauf warten, endlich von uns erkannt, gelesen und wieder vergessen zu werden à Zeichen sind Produkte der Kultur (mal flüchtig, mal beständig)

3. Das Referens

- Ein Zeichen existiert erst, wenn wir das Bezugsobjekt, das Referens, mitdenken
- Beispiel des Bildes Ceci n’est pas une pipe = Dies ist keine Pfeife: Gekonnte Visualisierung eines scheinbaren Paradoxons: Die Form eines Zeichens ist nicht das Ding, sondern eine kodifizierte Repräsentation davon à Ölfarbe auf Leinwand ist keine brauchbare Tabakpfeife à sie ist nur eine idealtypische Pfeife ohne reales Vorbild à Bild zeigt, dass Koppelung von Form und Inhalt willkürlich, arbiträr ist à Könnte die Form nicht für einen ganz anderen Inhalt stehen?
- Die Beziehungen zwischen den Komponenten eines Zeichens sind nicht ganz einfach à Kurze Zusammenfassung:
- Es gibt die sinnlich wahrnehmbare Seite eines Zeichens, die wir alltagssprachlich als Form oder Ausdruck, fachsprachlich aber als Bezeichnendes oder Signifikant benennen. Grafisch werden wir diese Seite durch Schrägstriche / / kennzeichnen
- Es gibt eine inhaltliche Seite des Zeichens, die das mentale Konzept, die Idee bzw. kulturelle Einheit benennt, fachsprachlich das Bezeichnete oder Signifikat. Grafische Kennzeichnung sollen die französischen Anführungszeichen >> << sein
- Es gibt einen Bezug zwischen Artefakt und Mentefakt (=menschliches Artefakt) à Bezug von Signifikant und Signifikat auf ein Objekt oder eine Handlung, auf ein wahrnehmbares Etwas in der realen Welt oder auf etwas, das als Mentefakt in der realen Welt vorkommt
- Signifikant /Pfeife/ mit dem Signifikat >>Rauchutensil für Tabak<< bezieht sich auf die Tabakpfeife als realen Gegenstand aus der Welt
- Da prinzipiell alles Zeichen werden kann, ergibt sich immer wieder die Frage, ob Zeichen schon immer da waren oder jeweils neu entstehen.
- Alles kann zum Zeichen für uns, aber nur durch uns werden
- Alles in der Welt kann potenziell ein Zeichen werden, es muss jedoch weder Zeichen werden, noch muss es Zeichen bleiben
- Semiose (=Zeichenwerdung): unbewusst

4. Zeichentypen

- Symbolische Zeichensysteme: Die Form der Inhalte wurde willkürlich (arbiträr) festgelegt à willkürlich bedeutet, dass es keine notwendige, natürlich, sinnhafte, mimetische (nachahmende) Beziehung zwischen der Form und dem Referens gibt
- Symbol: arbiträre Beziehung des Signifikanten zum Referens
- Dadurch dass Symbole willkürlich sind, könnte man auf die Idee kommen, sie kurzerhand umzubenennen wie in der Kurzgeschichte von Peter Bichsel à das Problem hieran wäre die Konventionalisierung
- In Comics sind nachahmende (mimetische) Sprachelemente zu finden à lautmalerische Sprache: wauwau à auch dies ist in anderen Sprachen schon wieder anders à Zeichensysteme sind in den meisten Fällen nach soziokulturellen Kriterien kulturalisiert worden
- Ikon: motivierte, abbildhafte Beziehung des Signifikanten zum Referens
- Ikonisch nennen wir Zeichen immer dann, wenn die Form wie im Beispiel Fahrrad, eine hohe Entsprechung hinsichtlich sinnlich wahrnehmbarer Qualitäten beinhaltet
- Ikon heißt ursprünglich Bild à Bilder im „reinen Sinn“ (Piktogramme, Illustrationen, Grafiken, Fotografien, Malerei), die über ein hohes Maß an Wiedererkennbarkeit verfügen, werden schneller und einfacher erlernt als Indexikalische Zeichen und Symbole à Sind nahezu selbsterschließend; Symbole und Indexe müssen immer erlernt werden
- Ikone verdeutlichen, dass Zeichen immer Kultur sind und nie natürlich à auch Ähnlichkeiten unterliegen Konventionalisierungen
- Index: „Anzeichen“; physisch hinweisende oder kausale Beziehung des Signifikanten zum Signifikat und raumzeitlicher Bezug zum Referens
- Indexikalische Zeichen (Indizes): Zustände aus denen jemand liest, was geschehen ist oder geschehen könnte à Wenn-Dann-Verhältnis

4.1 Probe: Fußgängerüberweg

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Details

Titel
Zusammenfassung von Markus Caspers "Zeichen der Zeit. Eine Einführung in die Semiotik"
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V423580
ISBN (eBook)
9783668715134
ISBN (Buch)
9783668715141
Dateigröße
1063 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenfassung, markus, caspers, zeichen, zeit, eine, einführung, semiotik
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor:in), 2016, Zusammenfassung von Markus Caspers "Zeichen der Zeit. Eine Einführung in die Semiotik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423580

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