Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Religionsstunde mit dem Thema "Der blinde Bartimäus" (1. Klasse Grundschule)


Unterrichtsentwurf, 2015
17 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse

2. Sachanalyse

3. Didaktische Analyse

4. Methodische Analyse

5. Reflexion

Literaturverzeichnis

1. Bedingungsanalyse

1.1 Soziokulturelle Voraussetzungen

In der Klasse 1a der Grundschule sind 23 Kinder im evangelischen Religionsunterricht, 2 Kinder sind freigestellt. Bei der Klasse 1a handelt es sich um eine sehr aufgeweckte, unruhige Klasse. Dass eine erste Klasse aufgeweckt und unruhig ist, ist wohl am Anfang normal, im Vergleich mit der Parallelklasse jedoch, ist die 1a um einiges unruhiger, sodass selbst die Klassenlehrerin manchmal Probleme hat, sie in den Griff zu bekommen. Es ist immer wieder eine Herausforderung in dieser Klasse zu unterrichten und man muss für alle Eventualitäten gewappnet sein. Das soziale Klima ist sehr unterschiedlich. Die Mädchen der Klasse sind sehr fleißig, hilfsbereit, haben es jedoch mit den Jungs nicht leicht. An dieser Stelle möchte ich einen Schüler besonders hervorheben. Sch.1 ist einer der Drehund Angelpunkte der Klasse. Macht er Quatsch, machen es alle. Die Jungs stiften sich gegenseitig an und ist einer zur Ruhe gekommen, beginnt der Nächste. Die Mädchen sagen oft, dass es ihnen zu laut und zu unruhig ist, jedoch sind sie in der Unterzahl und können nicht zu den Jungs durchdringen. Sch.2 ist der typische Mitläufer. Ständig wandert sein Blick zu Sch.1, der schon in der hintersten Ecke des Klassenzimmers sitzt. Sobald Sch.1 loslegt, ist Sch.2 dabei. Auch Sch.3 ist schwer zu erreichen. Wenn er möchte, kann er super mitarbeiten, merkt er jedoch, dass die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist, wird er zum Clown. Sch.4 hingegen tut sich noch sehr schwer und weint beinah jeden Tag. Hat man einen Schüler zur Ruhe gebracht, legt der nächste los. Trotzdem können alle wunderbar mitarbeiten, wenn die Stunde denn so geplant ist, dass die SuS keinerlei Möglichkeit haben sich ablenken zu lassen und 45 Minuten vom Unterricht gefesselt sind. Dies setzt jede Woche aufs Neue eine kreative Planung der Stunde voraus, denn dann ist es eine wunderbare Klasse.

1.2 Fachliche Voraussetzungen und Entwicklungsstand der SuS

Die fachlichen Voraussetzungen der Klasse zum Thema Jesus und wie er Menschen hilft, sind sehr gut, da die letzten Stunden bereits davon handelten. Vom blinden Bartimäus wissen sie hingegen eher wenig, da auch nur wenige Kinder der Klasse von Zuhause biblische Geschichten erzählt bekommen. Der allgemeine Entwicklungsstand der SuS ist sehr heterogen. Die Mädchen sind schon sehr weit, wollen lernen und sind motiviert. Die Jungen hingegen, sind sehr unterschiedlich. Sch.1 macht zwar viel Quatsch, jedoch kann er trotzdem immer etwas zum Unterricht beitragen, arbeitet sehr schnell und hilft auch seinen Mitschülern beim Bewältigen von Aufgaben. Sch.4 ist sehr empfindlich und weint schnell, weshalb ein einfühlsamer und vorsichtiger Umgang mit ihm sehr wichtig ist. Entsprechend weit zurück liegt er in seiner Entwicklung. Man muss ihm häufig helfen, ihm Tipps geben oder Dinge mehrmals erklären. Es muss bei der Unterrichtsvorbereitung deshalb auf diese Heterogenität und Vielfalt der Klasse geachtet werden. Kein Kind darf unterfordert oder überfordert werden.

1.3 Methodische Voraussetzungen

Hier wäre vor allem der Stuhlkreis zu nennen, welcher mir in Religion sehr wichtig ist, da er einem die Möglichkeit gibt, offene Gespräche führen zu können. Der Stuhlkreis wird hier aus Stühlen uns Bänken gebildet. Obwohl es sich um eine erste Klasse handelt, funktioniert dieser erstaunlich gut. Ansonsten sitzen die SuS in Reihen hintereinander und nebeneinander. An der Seite sind jeweils drei Tische längs aufgestellt. So hat jeder Schüler zwei Nebensitzer, was die Gespräche untereinander anregt. Jedoch sind auch dadurch Gruppenarbeiten kein Problem, da die Tische einfach zusammen geschoben werden können. Feste Rituale sind die Lieder zu Beginn der Stunde, die im Stuhlkreis gemeinsam gesungen werden und ein gemeinsamer Segensabschluss im Stehkreis.

1.4 Institutionelle Voraussetzungen

Der Klassenraum der 1a beinhaltet alles, was man benötigt. Vorne bei der Tafel ist genug Platz, um einen Stuhlkreis zu bilden. Die Religionsstunde bei der 1a findet immer in der fünften Stunde statt, was ich für einen Nachteil halte, da die SuS schon einen sehr langen Tag hinter sich haben und entsprechend unkonzentriert sind. Auch materiell ist die 1a gut ausgestattet.

2. Sachanalyse

2.1 Sachstruktur

Um kurz einzuführen, um was es sich bei der heutigen Unterrichtsstunde handelt, werde ich zunächst kurz den Kontext beschreiben, damit die SuS wissen, wo wir uns gerade im Leben Jesu befinden. Jesus hilft vielen Menschen und ist gerade auf dem Weg nach Jerusalem, als er Bartimäus, der schon viel von Jesus gehört hat, begegnet und ihm hilft.[1] Es handelt sich hierbei um eine biblische Erzählung, die in Markus 10,46-52 steht.[2] Dies ist zwar für mich als Lehrer wichtig, jedoch für die SuS nicht notwendig. Aus diesem Grund habe ich für mich persönlich zwar in der Zürcher Bibel nachgelesen, wähle für die Kinder jedoch ein anderes Werk. Die Geschichte vom blinden Bartimäus wird in dem Buch Bartimäus freut sich, weil er wieder sehen kann durch tolle Illustrationen untermalt, welche die SuS motivieren und begeistern werden. Ich habe bereits bei der Geschichte von Jesus dem Menschenfischer die Erfahrung gemacht, dass die SuS gerne vorgelesen bekommen und sich Geschichten besonders gut merken können. Zudem ist der Text sehr kurz, sodass keine Langeweile entsteht. Dieser Aspekt ist gerade für Louis wichtig, da er immer gefordert werden muss. Die Geschichte soll aussagen, dass wir Jesus vertrauen können und dass unser Glaube uns hilft, Dinge besser verstehen zu können, uns also gewissermaßen sehend macht.

2.2 Diskussion: Wundergeschichten

Allgemein besteht Uneinigkeit darüber, ob Wundergeschichten überhaupt in der Grundschule behandelt werden sollten. Nach Piagets entwicklungspsychologischer Stufenlehre denken die SuS in diesem Alter konkretoperational. Es sind also schon konkrete Denkoperationen möglich. Nach Fowler führt das zu einem mystischwörtlichen Verständnis der Wundergeschichten. Die Kinder denken über die Vielfalt der Deutungen und Bedeutungen der Glaubensinhalte noch nicht nach. Sie nehmen diese als Wahrheit an, ohne sie zu hinterfragen.

Kinder können also mythische Denkweisen und rationales Denken durchaus nebeneinander halten, ohne zugleich in Widersprüche verwickelt zu werden.[3] Diese Erkenntnisse unterstützen weitere bedeutsame Gesichtspunkte der Grundschulpädagogik, sodass die Behandlung von Wundergeschichten im Religionsunterricht der Grundschule auf jeden Fall legitim, wenn nicht sogar von überaus großer Bedeutung ist. Die Wundergeschichten besitzen nämlich viel Handlung und sind sehr anschaulich zu gestalten. Durch Wundergeschichten lernen die SuS, dass in der Bibel auch etwas passiert. Es gibt Menschen, die direkt betroffen sind, Menschen, die lediglich beobachten, Menschen, die etwas nicht gut finden und überraschende Wendungen am Ende der Geschichten. Es werden den Kindern Personen vorgestellt, die es ihnen ermöglichen, sich mit ihnen zu identifizieren. So werden die Geschichten für die SuS lebendig und sie können sich diese besser merken. Außerdem haben Wundergeschichten immer ein happy end, welches SuS fasziniert, mitreißt und bewegt. Und gerade die Erzählung vom blinden Bartimäus ist besonders bewegend. Die Geschichte ist spannend und kindgemäß. Sie bietet auf Grund vieler Nomen und Adjektive die Möglichkeit, dass Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Des Weiteren erzählt die Geschichte vorwiegend Bartimäus selbst, weshalb sich die SuS sehr gut in ihn, den Blinden, der Hilfe benötigt und diese auch erhält, hinein versetzen können. Was mir an dieser Erzählung außerdem noch sehr gefällt ist, dass sie realistisch geschildert ist. Es gibt keine Zaubereien oder Ausschmückungen, die die Kinder vielleicht dazu verleiten könnten über Magie zu spekulieren. Hier muss man den Kindern einfach erklären, was der Grund war, dass Bartimäus auf einmal wieder sehen konnte. Ich denke, dass Wundergeschichten für Kinder unentbehrlich sind. Deshalb habe ich mich für die Geschichte vom blinden Bartimäus entschieden. Kinder lieben Geschichten, in denen am Anfang ein Drama ist, die dann an Spannung gewinnen und abschließend in einem glücklichen Ende schließenso wie beim blinden Bartimäus.

2.3 Was für diese Stunde wichtig/unwichtig ist

Die Dimension Jesus Christus ist in meiner Unterrichtsstunde sehr wichtig. Die SuS haben in den vorangegangenen Stunden schon eine Menge von ihm gehört und über ihn und sein Handeln gelernt.

Die SuS sollen erfahren, dass Jesus einem breiten Spektrum an Menschen geholfen hat. Die SuS wissen, dass Jesus Kindern, hungernden Menschen und auch blinden Menschen hilft. Sie können mit dieser Geschichte also direkt an ihr bestehendes Vorwissen anknüpfen. Wichtig ist mir für diese Stunde vor allem, in Form eines Gespräches, darauf zu kommen, dass Jesus sich um alle kümmert. Er sorgt für seine Nächsten und setzt das Gebot der Nächstenliebe in Realität um. Besonders auf diese Nächstenliebe möchte ich mit den SuS eingehen. Was ist für sie Nächstenliebe? Wie können sie, als Erstklässler, Nächstenliebe vollziehen? Wo fehlt uns manchmal die Mitmenschlichkeit? Was für Fehler begehen wir oder haben wir schon mal begangen? Genau hierauf möchte ich den Schwerpunkt meiner Stunde setzen. Gerade theologische Gespräche mit den SuS finde ich sehr wichtig, denn so bringen die Kinder sich und ihre Lebenswelt mit ein und können daraus lernen. Bei dem theologischen Gespräch könnte es zur Sprache kommen, dass manche Menschen Probleme haben, krank sind oder auch sterben. Die Theodizeefrage kann also auftauchen. Jedoch möchte ich hierauf nicht meinen Schwerpunkt setzen. Zeitgeschichtliche Informationen werde ich auch nicht behandeln, da ich denke, dass diese Fakten für eine erste Klasse noch nicht relevant sind. Tragend ist hingegen die Geschichte an sich, mit all dem, was sie uns vermittelt und lehrt. Hierauf möchte ich ganz besonders eingehen, um den SuS zu ermöglichen, die Geschichte mit ihrer eigenen Lebenswelt zu verknüpfen. So haben die SuS einen besonderen Blick auf die Geschichte und einen besseren Bezug zu ihr. Kinder bringen gerne persönliche Erfahrungen mit ein und können so ein Teil der Geschichte werden. Um es den SuS zu ermöglichen, sich in Bartimäus hinein zu versetzen, muss die Geschichte authentisch und nachvollziehbar erzählt werden. Außerdem soll den SuS die Möglichkeit gegeben zu werden, sich in einen Blinden hineinzusetzen. Hierzu möchte ich nicht auf Dinge wie Blindenschrift oder ähnliches eingehen.

Dies würde meiner Meinung nach, das eigentliche Thema, nämlich dass Jesus Menschen hilft und wir durch Glauben sehend werden, vernachlässigen. Deshalb ist es wichtig, dass die SuS spüren, dass man, wenn man nichts sehen kann, auf die Hilfe anderer angewiesen ist und sich auf seine anderen Sinne verlassen muss. Mit Hilfe von Spielen sollen die SuS spielerisch diese Erfahrung machen.

Warum Jesus nach Jerusalem zieht, nämlich um seinen Weg des Leidens anzutreten, möchte ich mit den SuS nicht behandeln. Im Anschluss an Bartimäus möchte ich nämlich mit der Adventszeit und der Geburt Jesu beginnen. Ich denke, dass es zu verwirrend wäre, wenn ich den SUS davon erzähle, dass Jesus sterben wird, wir aber wenige Wochen später seine Geburt feiern. Aus diesem Grund werde ich auch nicht genauer auf den Zeitpunkt der Heilung des Bartimäus im Leben Jesu eingehen.

3. Didaktische Analyse

3.1 Bedeutung für die Lebenswelt der SuS

Laut der von Klafki formulierten kritischkonstruktiven Didaktik bildet Unterricht, indem Fähigkeiten entwickelt werden. Deshalb ist es wichtig, die Bedeutung des Themas genau zu beleuchten. Zunächst zur Bedeutung des Themas im Leben der SuS.[4] Ich finde, dass die Geschichte vom blinden Bartimäus einen großen Gegenwartsbezug für die SuS hat. Gerade die Schwerpunkte der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit haben eine große Bedeutung. Sich gegenseitig zu helfen, füreinander da zu sein, sich um andere zu sorgen und die eigenen Bedürfnisse auch mal hinter die der Mitmenschen zu stellen. Ich bin mir sicher, dass die SuS im Gespräch hierzu sehr viel beizutragen haben. Kinder haben Freunde, welchen sie helfen, für die sie da sind und die ohne sie manchmal verloren wären. Sie können sich also sehr gut in diese Lage hinein versetzen. Eine Schülerin dieser Klasse erzählt bei jeder Gelegenheit von ihrem Hund. Sie weiß also was es bedeutet, sich um andere zu sorgen und zu kümmern.

[...]


[1] Vgl. Velten: Der Bibel auf der Spur, 1997, S. 68

[2] Vgl. Weth: Neukirchner Kinder-Bibel, 1993, S. 221

[3] Vgl. Fowler: Stufen des Glaubens. Die Psychologie der menschlichen Entwicklung und die Suche nach Sinn, 2000, S. 151ff.

[4] Vgl. Wiemer, Edelbrock, Käss: Basiskartei Religionsdidaktik, 2011, U6

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Religionsstunde mit dem Thema "Der blinde Bartimäus" (1. Klasse Grundschule)
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
2,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V423591
ISBN (eBook)
9783668694682
ISBN (Buch)
9783668694699
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausführlicher, unterrichtsentwurf, religionsstunde, thema, bartimäus, klasse, grundschule
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2015, Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Religionsstunde mit dem Thema "Der blinde Bartimäus" (1. Klasse Grundschule), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423591

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