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Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit - Gibt es einen Herr über den Text im Nibelungenlied?

Title: Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit - Gibt es einen Herr über den Text im Nibelungenlied?

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Cathy Zuber (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Einführung und Abgrenzung der Fragestellung

Das wohl bekannteste Werk des Mittelalters beginnt mit den berühmten Worten:

„Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
Von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder h(?)ren sagen.“1

Die Einleitungsstrophe des Nibelungenlieds, die zwar nur in der Handschrift C überliefert ist und dem Epos vermutlich nachträglich vorangestellt wurde, erwähnt alte Sagen von denen im Folgenden berichtet werden soll. Der moderne Rezipient erfährt nicht, um welche alten Erzählungen es sich handelt, wessen Heldentaten dargestellt werden und wer derjenige ist, der die alten Geschichten hier neu darstellt. Auch erwähnt der Erzähler nicht, in welchem Verhältnis die alten Sagen und das daraus entstandene Großepos stehen. Ausgehend von der ungeklärten Urheberschaft und den Interferenzen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit des Nibelungenlieds stellt sich die Frage, wie die mediävistische Forschung mit dem Epos umgeht und wie die Frage der Autorschaft erklärt wird, ob ein möglicher Urtyp angenommen werden soll, oder ob die Überlieferungsgeschichte und die verschiedenen erhaltenen Handschriften (Hs.) und Fragmente die zentrale Rolle spielen. Anhand der Positionen von Joachim Heinzle, Alois Wolf, Jan-Dirk Müller und Walter Haug sollen vier Umgangsweisen mit dem Nibelungenlied aufgezeigt werden. Bei diesen Untersuchungen handelt es sich nicht um die Suche nach dem möglichen Autor. Vielmehr werden das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit und die Frage nach einer angemessenen Autorkonzeption diskutiert. Nach der Beschreibung der Forschungsansätze werden Textstellen aus dem Epos herangezogen um auf diese Weise Belege oder Defizite für die Theorien herauszustellen. Um die Ausgangslage zu erläutern, wird zu Beginn der Ausführungen eine kurze Darstellung des Inhalts und den überlieferten Handschriften und Fragmenten stehen. In einer abschließenden Zusammenfassung wird, ausgehend von den vier Positionen, eine weitere Möglichkeit des Umgangs mit dem Nibelungenlied entwickelt und mit Textpassagen belegt. Aufgrund des großen Umfangs des Epos beschränkt sich die Darstellung der Textstellen vor allem auf die doppelte Jugendgeschichte Siegfrieds.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I. 1. Einführung und Abgrenzung der Fragestellung

I. 2. Forschungsstand

II. Inhaltliche Diskussion

II. 1. Fakten zum Nibelungenepos

II. 2. Vier Forschungspositionen zum Nibelungenepos

II. 2.1. Joachim Heinzle: Das Nibelungenlied

II. 2.2. Alois Wolf: Heldensage und Epos

II. 2.3. Jan- Dirk Müller: Spielregeln für den Untergang

II. 2.4. Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion

II. 2.5. Zusammenfassung der Positionen

II. 3. Entwurf einer möglichen Theorie zum Umgang mit dem Nibelungenlied

III. Abschließende Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse

IV. Literaturverzeichnis

V. Anlagen

V. 1. Die Hortverweigerung 39. Aventiure, Strophen 2367-2373

V. 2. Hagens Schilderung von Siegfrieds Jugend, 3. Aventiure, Strophen 83-101

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ungeklärte Urheberschaft des Nibelungenlieds und die Interferenzen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Ziel ist es, anhand von vier zentralen mediävistischen Forschungspositionen eine angemessene Theorie zum Umgang mit dem Epos zu entwickeln, die den widersprüchlichen Charakter des Textes und die Rolle der Rezipienten stärker berücksichtigt.

  • Analyse des Forschungsstandes zur Autorschaft und zur Überlieferungsgeschichte.
  • Gegenüberstellung der Theorien von Heinzle, Wolf, Müller und Haug.
  • Untersuchung der "Vokalität" und des Verhältnisses von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
  • Erarbeitung einer neuen Theorie zur Entstehung und Interpretation des Werkes unter Einbeziehung des Publikums.
  • Beleg der theoretischen Ansätze anhand der Jugendgeschichte Siegfrieds.

Auszug aus dem Buch

II. 2.1. Joachim Heinzle: Das Nibelungenlied

Joachim Heinzle geht in seiner 1987 zum ersten Mal erschienenen Einführung zum Nibelungenlied und seinen Aufsätzen Die Handschriften des Nibelungenliedes und die Entwicklung der Texte und Die Nibelungensage als europäische Heldensage aus dem Jahr 2003 von einem Erzählstoff aus, der bei der Entstehung des Epos mehrere Jahrhunderte alt war und sich aus verschiedenen Sagen für den ersten und den zweiten Teil des Nibelungenlieds speist. Teile der Sagen gehen laut Heinzle auf historische Wurzeln zurück:

„Außer Zweifel steht, daß in der Erzählung vom Untergang der Burgunden am Hunnenhof die Erinnerung an eine katastrophale Niederlage des ostgermanischen Volksstammes der Burgunden nachlebt. Diese hatten, von Nordosten kommend, zu Beginn des fünften Jahrhunderts den Rhein überschritten und sich auf beiden Seiten des Flusses einen Herrschaftsbereich gesichert, dessen Zentrum in der Tat Worms gewesen sein könnte. Als sie von dort aus unter ihrem König Gundaharius gegen das römische Gallien vordrangen, wurden sie um das Jahr 436 von dem römischen Feldherren Aëtius und von hunnischen Truppen, die wohl in dessen Dienst standen, vernichtend geschlagen.“

Eine weitere historische Wurzel der Sage könnte der Tod des Hunnenkönigs Attila im Jahr 453 sein. Dieser starb an der Seite eines Germanenmädchens namens Hildico. Heinzle spekuliert darüber, einen möglichen Kosenamen für Kriemhild in der germanischen Form Hildico erkennen zu können. Die Sage habe sich im Laufe der Jahre verändert und neue Ereignisse und Gestalten aufgenommen, während sie in Form knapper Lieder überliefert wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Autorschaft und der Interferenzen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Nibelungenlied.

II. Inhaltliche Diskussion: Analyse der vier mediävistischen Positionen (Heinzle, Wolf, Müller, Haug) und Entwurf einer eigenen Theorie unter Berücksichtigung der Jugendgeschichte Siegfrieds.

III. Abschließende Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die den Dichter/Bearbeiter in Relation zum mittelalterlichen Publikum und der Sagentradition neu bewertet.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Autorschaft, Mediävistik, Sagentradition, Vokalität, Joachim Heinzle, Alois Wolf, Jan-Dirk Müller, Walter Haug, Siegfried, Kriemhild, Hortverweigerung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die komplexe Frage der Autorschaft und die Entstehungsgeschichte des Nibelungenlieds im Spannungsfeld von mündlicher Sagentradition und höfischer Schriftlichkeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, der Begriff der Vokalität sowie die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Interpretation des Epos.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Entwicklung einer neuen Umgangsweise mit dem Nibelungenlied, die über die klassische Suche nach einem einzelnen Autor hinausgeht und den Text als historisches Zeugnis widersprüchlicher Traditionen begreift.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Literaturanalyse der Forschungspositionen führender Mediävisten vorgenommen, ergänzt durch textinterne Analysen spezifischer Passagen (z. B. der Jugendgeschichte Siegfrieds).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Theorien von Heinzle, Wolf, Müller und Haug, vergleicht diese kritisch und entwirft auf dieser Basis eine eigene Theorie zur Entstehung und Deutung des Werkes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nibelungenlied, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Autorschaft und Sagentradition definiert.

Welche Rolle spielt die Szene der Hortverweigerung?

Die Hortverweigerungsszene dient als Prüfstein für die verschiedenen Theorien, da sie die Diskrepanz zwischen der alten Sagentradition und der neuen schriftlichen Gesamtkonzeption besonders deutlich macht.

Inwiefern beeinflusst das mittelalterliche Publikum die Deutung?

Die Arbeit argumentiert, dass das Publikum (als Adressat des mündlichen Vortrags) ein zentraler Faktor für die Vielfalt der Einflüsse ist und die Einheit des Textes eher in dessen Endpunkt als in dessen Ursprung zu finden ist.

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Details

Title
Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit - Gibt es einen Herr über den Text im Nibelungenlied?
College
University of Freiburg
Course
Hauptseminar: Autorenschaft im Mittelalter
Grade
1,0
Author
Cathy Zuber (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V42359
ISBN (eBook)
9783638404068
Language
German
Tags
Interferenzen Mündlichkeit Schriftlichkeit Gibt Herr Text Nibelungenlied Hauptseminar Autorenschaft Mittelalter Thema Das Nibelungenlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Cathy Zuber (Author), 2004, Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit - Gibt es einen Herr über den Text im Nibelungenlied?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42359
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