Die Verkündigung der lebendigen Hoffnung. Die Ostergeschichte

Evangelische Religionslehre, 3. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2018
37 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Soziokulturelle Voraussetzungen
1.2 Fachliche Voraussetzungen und Entwicklungsstand der SuS
1.3 Methodische Voraussetzungen

2. Didaktische Analyse
2.1 Begründung des Themas vor dem Hintergrund der Lerngruppe
2.2 Einbettung der Stunde in den Gesamtzusammenhang
2.3 Legitimation des Themas vor dem Hintergrund des Bildungsplans
2.4 Lernziele

3. Sachanalyse
3.1 Das Markusevangelium
3.2 Die Auferweckung Jesu
3.3 Die Verkündigung der Hoffnung: Das leere Grab (Mk 16,1-8)

4. Methodische Analyse
4.1 Ritualisierter Beginn
4.2 Hinführungsphase
4.3 Erarbeitungsphase
4.4 Arbeitsphase
4.5 Ergebnissicherung
4.6 Abschluss

5. Unterrichtsskizze

6. Literaturverzeichnis

Anhang

Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur Zweiten Staatsprüfung am 15.03.2018 mit dem Thema „Die Verkündigung der lebendigen Hoffnung: Das leere Grab“

1. Bedingungsanalyse

1.1 Soziokulturelle Voraussetzungen

In der betreffenden Religionsgruppe der Klasse 3 der Parkschule G. befinden sich 13 Kinder. Diese sind zwischen acht und neun Jahre alt, wovon sieben Kinder Jungen und sechs Kinder Mädchen sind. Die Lerngruppe setzt sich aus den SuS der Klassen 3a und 3b zusammen. Drei Kinder kommen aus der Klasse 3a, zehn aus der Klasse 3b. Diese klassenübergreifende Mischung hat jedoch keine erkennbaren, negativen Auswirkungen auf das soziale Klima innerhalb der Religionsgruppe. Die Lerngruppe ist auch bezüglich ihrer religiösen Zugehörigkeit sehr heterogen: acht Kinder sind evangelisch, ein Kind ist serbisch-orthodox, ein Kind ist griechisch-orthodox und drei Kinder sind konfessionslos. Entsprechend unterschiedlich ist demnach das religiöse Vorwissen der SuS. Zudem wurden die Kinder im vergangenen Schuljahr in vier verschiedenen Religionsgruppen unterrichtet, sodass auch dadurch unterschiedliches Vorwissen besteht. Besonders hervorzuheben ist Luisa[1], die auf Grund einer Muskelerkrankung im Rollstuhl sitzt. Sie wird während des Unterrichts von einer Lernbegleitung unterstützt und zielgleich, nach dem Bildungsplan der Grundschule, unterrichtet. Ihre Aufgaben erledigt Luisa gewissenhaft, ist dabei sehr selbstkritisch und stellt hohe Ansprüche an sich selbst. Aus diesem Grund, sowie auf Grund der Auswirkungen ihrer Muskelschwäche, arbeitet sie bei schriftlichen Aufgaben oft langsamer als die anderen Kinder. Zudem ist Luisa sehr schüchtern und meldet sich nur selten. Nur wenn sie sich ganz sicher ist, traut sie sich, etwas beizutragen. Sie ist trotz ihres Handicaps gut in die Lerngruppe integriert und die anderen Kinder gehen sehr rücksichtsvoll mit ihr um. Zu nennen ist auch Rafael, der durch unangebrachte Äußerungen auffällt. Er hat eine niedrige Frustrationstoleranz und fühlt sich oft ungerecht behandelt. Zudem traut er sich selbst sehr wenig zu und äußert oft, dass er etwas nicht könne, ohne es tatsächlich versucht zu haben. Trotzdem hat er gute Ideen und kann durchaus wertvolle Beiträge liefern. Ich versuche, Rafael immer wieder zu ermutigen und zu motivieren. Generell arbeite ich in dieser Lerngruppe mit positiven Verstärkern in Form von Lobkärtchen. Eine weitere Besonderheit stellt die Tatsache dar, dass unsere Lerngruppe erst diese Woche von einer Schülerin verlassen wurde, die nochmals das zweite Schuljahr besuchen wird. Diese aktuelle Veränderung könnte einen Einfluss auf das Verhalten der SuS haben.

Insgesamt ist das fachliche Vorwissen der Kinder sehr heterogen. Salome verfügt bei biblischen Geschichten über ein breites Hintergrundwissen. Ihr sind viele Geschichten bekannt und sie durchdringt den theologischen Hintergrund meist schnell. Gleichwohl ist sie eine eher zurückhaltende Schülerin. Bezüglich des Arbeitsverhaltens handelt es sich um eine sehr aktive und engagierte Lerngruppe, mit der sowohl Phasen der Einzelarbeit als auch performative Phasen möglich sind.

Dadurch, dass die Religionsstunde außerhalb der regulären Religionsstunden stattfindet, wird dies zunächst eine ungewohnte Situation für die SuS darstellen.

1.2 Fachliche Voraussetzungen und Entwicklungsstand der SuS

Die Klasse besitzt sehr unterschiedliche Vorerfahrungen in Bezug auf die Ostergeschichte. In diesem Schuljahr war es mir darum wichtig, die Unterrichtseinheit Freut euch, Jesus lebt! sehr ausführlich zu gestalten, weshalb die SuS nun ein sehr breites Vorwissen bezüglich der Vorgeschichten besitzen. Die unterschiedlichen Voraussetzungen aus den vergangenen Schuljahren habe ich vor Beginn der Unterrichtseinheit abgefragt, um die Unterrichtsplanung am Vorwissen der SuS ausrichten zu können.

Die SuS der Klasse 3 sind zwischen acht und neun Jahre alt und lassen sich damit nach Piaget dem konkret-operationalen Denken zuordnen. „Ausgehend von konkreten Phänomenen können Kinder nun schrittweise abstraktere Operationen anstellen.“[2] Den Kindern ist es demnach möglich, ausgehend von der Geschichte Das leere Grab, abstrakte Vorstellungen der Aussage anzustellen. Durch die Arbeit an und mit der Geschichte und der konkreten Auseinandersetzung mit selbiger, erlangen sie ein vertieftes Verständnis, wodurch ihnen die Aussage der Geschichte deutlich wird. Fowler spricht in diesem Alter von einem mythisch-wörtlichen Glauben. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kinder zunehmend in der Lage sind, die Perspektive anderer zu übernehmen und die Fähigkeit des logischen Denkens zu entwickeln. Den Kindern ist es demnach möglich, sich in die Frauen der Geschichte Das leere Grab einzufühlen.[3]

Ausgehend von Piaget eignen sich die SuS die Geschichte vom leeren Grab mittels Akkomodation und Assimilation an.[4] Durch die Akkomodation verändert sich die Denkstruktur des Kindes auf Grund der Arbeit mit der Geschichte. Anhand der Geschichte können die SuS den eigenen Glauben, die eigene Hoffnung, überdenken. Dadurch wird eine Passung zwischen dem Phänomen, der Geschichte, und der eigenen Denkstruktur der Kinder erzeugt. Die Geschichte wird demnach nicht nur oberflächlich kennengelernt, sondern verinnerlicht und mit dem eigenen Leben in Verbindung gebracht. Fowler hingegen ist der Ansicht, dass es den SuS auf der mythisch-wörtlichen Stufe noch nicht möglich ist, über das eigene Leben zu reflektieren. Fowler nutzt zur Verdeutlichung die Metapher des Flusses. Die SuS sind bereits in der Lage, dem Fluss einer Erzählung zu folgen und ihn zu beschreiben. Die Reproduktionsebene ist den Kindern demnach zugänglich. Allerdings ist es ihnen noch nicht möglich, den Fluss zu verlassen und über ihn zu reflektieren. Reorganisation und Transfer stellen daher noch eine große Herausforderung dar.[5] Dies hätte zur Folge, dass die SuS nur oberflächlich an der Geschichte arbeiten, jedoch nicht in der Lage sind, einen Transfer auf das eigene Leben zu leisten und dieses mit der Geschichte in Verbindung zu bringen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die meisten SuS der Lerngruppe bereits dazu fähig sind, zumindest in Ansätzen über das eigene Leben und den eigenen Glauben zu reflektieren. Entwicklungs- und Stufenmodelle dürfen dabei nicht als starre Vorgaben betrachtet werden, sie versuchen lediglich, eine Interpretationshilfe für Verhaltensweisen der SuS zu geben.

1.3 Methodische Voraussetzungen

Hervorgehoben sei an dieser Stelle der Stuhlkreis, der im Religionsunterricht eine übergeordnete Rolle einnimmt, da er eine geeignete Sozialform für die Gesprächsführung darstellt. Auf Grund dessen, dass ein gewöhnlicher Stuhlkreis einen Nachteil für Luisas Mitarbeitsmöglichkeiten hätte, bildet die Gruppe ihren Stuhlkreis um eine Tischgruppe, die sich im Zentrum des Raumes befindet. Dadurch ist es allen Kindern in gleichem Maßmöglich, Dinge in die Mitte zu legen, herauszunehmen oder zu verschieben. Ansonsten sitzen die SuS in einem „U“. Als festes Eingangsritual darf ein Kind eine Kerze in der Kreismitte anzünden, anschließend wird gemeinsam gebetet, wobei ein Kind das Gebet vorlesen darf. Zum Abschluss der Stunde wird gemeinsam das Lied Herr dein Name sei erhöht gesungen.

2. Didaktische Analyse

2.1 Begründung des Themas vor dem Hintergrund der Lerngruppe

Die SuS beschäftigen sich in der vorliegenden Stunde mit der biblischen Erzählung Das leere Grab. Dabei stellt der Hoffnungsaspekt der Auferstehung Jesu die Kernaussage dar. Da dieser als Zentrum des christlichen Glaubens angesehen werden kann, steht es außer Frage, dass er auch für die Religionsgruppe von tragender Bedeutung ist. Im Sinne eines kompetenzorientierten Religionsunterrichts stellt der Lebensweltbezug eine grundlegende Variable dar. Die meisten Kinder hatten bereits Kontakt mit Verlustsituationen. Situationen, in denen sie sich wie die Frauen fühlten, nachdem Jesus gekreuzigt wurde. In denen Gefühle der Trauer und Verzweiflung vorherrschend waren und kein Raum für Hoffnung blieb. Aus diesem Grund bieten insbesondere die Gefühle einen Anknüpfungspunkt an die Lebenswelt der SuS. Durch das Nachempfinden der Trauer und des Verlustes kann das besondere Erlebnis der Auferstehung und der dadurch entstandenen Hoffnung ebenso intensiv nachempfunden werden. Und genau darauf zielt die vorliegende Stunde: Die SuS die Hoffnung der Frauen am Grab nachspüren zu lassen, ihnen selbst die Hoffnung zu geben, dass es nach dem Tod weitergeht - bei Gott. Die Erarbeitung der Erzählung innerhalb der Unterrichtseinheit Freut euch, Jesus lebt!, zeigt den SuS, dass auch sie diese Hoffnung haben dürfen. Eine Hoffnung, dass mit dem Ende des irdischen Lebens nicht alles vorbei ist. Die Osterbotschaft ist die Grundlage dieser Hoffnung. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Die Frauen am Grab erfahren diese wundervolle Botschaft und schöpfen - obwohl zunächst erschrocken - daraus Hoffnung. Ziel ist es, dass die SuS einen vertieften Bezug zur Erzählung herstellen und sie als eine Botschaft erfahren, deren Hoffnungsgedanke auch für sie von Relevanz sein kann. So wie die Frauen erfahren, dass Jesus lebt, dass er für die Sünden der Menschen gestorben ist und ihnen damit die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gibt, ebenso können dies auch die SuS erfahren.

Diese Erfahrung bewirkt auf der Ebene der Lebenswelt der Kinder, dass sie über ihren eigenen Glauben nachdenken. Dadurch kann eine Antwortsuche angeregt werden, bei der sich die SuS selbst fragen, was die Auferstehung Jesu für sie bedeutet. Hierauf gibt es keine Pauschalantwort. Jeder muss diese Frage vor dem Hintergrund seines individuellen Glaubens und unter Berücksichtigung der eigenen Erfahrungswelt beantworten. Selbstverständlich werden nicht alle Kinder diese Frage für sich mit eindeutiger Klarheit beantworten können. Allerdings stellt der Glaube ein Entwicklungsfeld dar, das sich ständig weiter entwickelt und veränderbar ist. Den SuS müssen daher immer wieder Möglichkeiten gegeben werden, den eigenen Glauben zu reflektieren. Ziel ist es daher, den SuS Gelegenheiten zum Perspektivenwechsel und einer anschließenden vertieften Reflexion anzubieten. Dadurch werden die SuS angeregt, den eigenen Glauben immer wieder zu hinterfragen und eine eigene Position auszubilden. Durch die Thematik können die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, die Empathiefähigkeit und die Identitätsbildung gestärkt werden. Der Fähigkeit einen anderen Blickwinkel einzunehmen kommt jedoch nicht nur im Religionsunterricht eine tragende Funktion zu, sondern auch im alltäglichen Miteinander. SuS befinden sich immer wieder in Situationen, in denen es hilfreich ist, die Situation auch mit den Augen des Anderen sehen zu können. Insbesondere bei Konfliktsituationen kann die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel zur Konfliktlösung beitragen. Die Entwicklung der Empathiefähigkeit wird durch das Nachempfinden der Gefühle der Frauen geschult. Empathiefähigkeit benötigen die SuS im täglichen Umgang mit ihren Mitmenschen. Für die Gefühle des Gegenübers sensibel zu sein, kann einen Beitrag zu einem gemeinschaftsfördernden Miteinander leisten. Insbesondere im Lern- und Lebenskontext Schule kann dies von besonderer Bedeutung sein. Sich in einen anderen Menschen einzufühlen ist äußerst anspruchsvoll und gelingt auch nicht jedem Erwachsenen. Empathie kann jedoch geübt werden. Einen Perspektivenwechsel zu vollziehen und zu versuchen sich vorzustellen, was das Gegenüber in dem Moment braucht, stellt dabei die Schlüsselfähigkeit dar. Die Identitätsbildung wird vor allem durch das Diskutieren verschiedener Glaubensansichten geschult. Indem die SuS einen eigenen Standpunkt finden, diesen benennen und gleichzeitig offen für die Glaubensansichten der anderen sind, findet eine Abgrenzung statt, die geprägt ist von gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz. Durch diese Abgrenzung haben die SuS die Möglichkeit, sich selbst und ihren Glauben besser kennen- und verstehen zu lernen. Entsprechend hat die Erzählung vom leeren Grab nicht nur in der Gegenwart eine tragende Bedeutung, sondern gerade im Hinblick auf die Zukunft der SuS und einer reflektierten Glaubenspraxis. Je dialogfähiger die SuS werden und je reflektierter sie mit ihrem eigenen Glauben umgehen, desto positiver lässt sich der Zukunft entgegen blicken. Ziel sollte es deshalb sein, die SuS in der Ausbildung ihres Glaubens zu unterstützen und ihnen Raum für eine individuelle Entwicklung zu geben. Dazu kann die vorliegende Stunde einen wichtigen Beitrag leisten.

2.2 Einbettung der Stunde in den Gesamtzusammenhang

Die SuS der Religionsgruppe beschäftigen sich seit den Faschingsferien mit der Passion Christi und der Frage, wer Jesus eigentlich war beziehungsweise, für wen ihn die Leute hielten. Die SuS haben erfahren, wie Jesus in Jerusalem einzog, dass er im Tempel ein Zeichen setzte und mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feierte. Sie haben gehört dass Jesus verhaftet wurde und durch performative Phasen nachempfunden, wie sich dies für die Beteiligten angefühlt haben muss. Es wurde die Verleugnung durch Petrus thematisiert, bei der die Kinder ebenfalls über verschiedene Methoden einen Zugang finden konnten. Darauf folgten die Verurteilung, die Kreuzigung und Grablegung Jesu. Nachdem Jesus unschuldig verurteilt, gekreuzigt und begraben wurde, ist für die SuS der 3. Klasse aber schon klar: Dabei bleibt es nicht! Sie wissen bereits teilweise, dass Jesus nicht tot bleibt. Jedoch bedarf es der Möglichkeit einer vertieften Auseinandersetzung mit den Gedanken und Gefühlen der Frauen am Grab, um den Hoffnungsaspekt des christlichen Glaubens begreifen zu können. Mit der Erzählung Das leere Grab wird nun die Verzweiflung und Trauer in Freude und Hoffnung verwandelt. Diese Botschaft, die das Osterfest mit sich bringt, ist ein schöner Zuspruch für die Kinder der Religionsgruppe. Auf die heutige Stunde wird die Geschichte der Emmausjünger folgen, da auch diese nicht allen SuS bekannt ist, aber einen zentralen Aspekt der Auferstehung darstellt: Jesus zeigt sich seinen Jünger, er nimmt ihnen den Schmerz und die Trauer, zeigt ihnen einen Weg für die Zukunft auf und macht ihnen Hoffnung. Diese Stunde bietet eine gute Möglichkeit die Lebenswelt der SuS mit der Auferstehung Jesu in Beziehung zu setzen. In der letzten Religionsstunde vor den Osterferien werden die bereits ermittelten Fragen der Kinder zur Ostergeschichte thematisiert. Das bietet den SuS nochmals die Möglichkeit, das wichtigste Ereignis des Christentums zu begreifen und einen Bezug zum eigenen Leben herzustellen.

2.3 Legitimation des Themas vor dem Hintergrund des Bildungsplans

Der evangelische Religionsunterricht in der 3. Klasse wird auf der Grundlage des Bildungsplans 2016 erteilt. Das Thema der vorliegenden Stunde regt zur Reflexion des eigenen Glaubens an und bietet damit einen Ausgangspunkt für Gespräche über verschiedene Glaubensansichten. Dazu bedarf es einer Kommunikationsfähigkeit. Die Fähigkeit zur Kommunikation und zum Führen von Dialogen stellt eine wichtige Bezugsnorm zur Leitperspektive „Bildung für Akzeptanz und Toleranz von Vielfalt“[6] dar. Indem die SuS lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, Diskussionen zu führen und Meinungsverschiedenheiten zu erkennen und zu akzeptieren, lernen sie, dass Glaube etwas sehr Individuelles ist, das sich nicht vereinheitlichen lässt. Wir leben in einer pluralen Glaubensgesellschaft, in der verschiedene Religionen und Weltanschauungen aufeinander treffen. Die Fähigkeit, diese Tatsache nicht nur zu akzeptieren, sondern zu tolerieren, stellt eine Grundvoraussetzung für ein, durch Frieden und Wertschätzung geprägtes, Miteinander dar.

Betrachtet man die prozessbezogenen Kompetenzen des Bildungsplans 2016, wird durch die Ostereinheit insbesondere die Deutungsfähigkeit der SuS geschult. „Die SuS können Sprach- und Ausdrucksformen wie Metaphern, Symbole oder Bilder, die auf eine andere Dimension von Wirklichkeit verweisen, erkennen und deuten“[7] und sind in der Lage, religiöse Texte inhaltlich wiederzugeben und dazu eigene Deutungen zu formulieren.[8] Diese anzubahnenden prozessbezogenen Kompetenzen fordern eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Ostergeschichte. Die Deutungsfähigkeit wird insbesondere durch Möglichkeiten der aktiven Begegnung und des eigenen Erlebens geschult. Aus diesem Grund stellt die Übernahme anderer Perspektiven eine Voraussetzung für das erfolgreiche Anbahnen der genannten prozessbezogenen Kompetenzen dar. Mit der prozessbezogenen Kompetenz „Die SuS können sich in Gedanken, Gefühle und Sicht- beziehungsweise Verhaltensweisen anderer Menschen (Mitmenschen, biblische Figuren, Vorbilder) hineinversetzen“[9] wird erneut die Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit zum Dialogfähig-Sein gefördert. Indem die SuS sich in die Frauen hineinversetzen und bereits in der Stunde zur Kreuzigung deren Trauer und Verzweiflung nachempfinden, ist es ihnen ebenso möglich, die Freude, Erleichterung und Hoffnung der Frauen nach der Auferstehung Jesu nachzuempfinden. Zum einen wird dadurch die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel weiter vertieft, zum anderen bietet dies wiederum die Möglichkeit, eine eigene Position auszubilden, diese mit denen anderer Kinder zu vergleichen und dadurch die eigene Identität und den eigenen Glauben zu stärken. Nicht nur bezüglich der prozessbezogenen Kompetenzen lässt sich die Erzählung vom leeren Grab durch den Bildungsplan legitimieren. Auch innerhalb der inhaltsbezogenen Kompetenzen lässt sich die Erzählung verankern. Die inhaltsbezogene Kompetenz Bibel: „Die SuS können eine für sie bedeutsame Aussage eines biblischen Textes gestaltend zum Ausdruck bringen und sich darüber austauschen“[10]. In dieser Teilkompetenz spiegelt sich erneut die Notwendigkeit, sich vertieft mit der Erzählung auseinanderzusetzen, eine eigene Deutung zu entwickeln, um sich anschließend darüber austauschen zu können. Die Kinder wurden während der gesamten Ostereinheit durch ein breit gefächertes Aufgabenangebot dazu angeleitet, sich in verschiedene Perspektiven hineinzuversetzen. Durch dieses breite Angebot an - insbesondere performativen - Aufgaben wurde die gesamte Einheit von Anfang an intensiv erlebt, wodurch die bedeutenden Aussagen der biblischen Texte zum Ausdruck gebracht wurden. Insbesondere der an die Arbeitsphasen anschließende reflexive Austausch gab den SuS Raum, um verschiedene Deutungen zu äußern, zu diskutieren und sich auf einen Dialog einzulassen. Eine weitere Teilkompetenz lässt sich der inhaltsbezogenen Kompetenz Jesus Christus zuordnen: „Die SuS können beschreiben, wie vom Wirken Jesu und seinem Verhältnis zu Gott erzählt wird ([…] Passion, Ostern, Himmelfahrt, […])“[11]. Während der gesamten Ostereinheit steht die Person Jesus Christus im Fokus. Die SuS haben ihn und seine Freunde auf diesem Weg begleitet und konnten diesen Weg mitgehen. Auch die inhaltsbezogene Kompetenz Kirche und Kirchen findet in der Unterrichtseinheit durch eine Teilkompetenz Beachtung: „Die SuS können die Bedeutung der Feste und Festzeiten ([…] Passion und Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten […]) erläutern und sie in das Kirchenjahr einordnen“[12]. Um einen Lebensweltbezug herstellen zu können, ist es unbedingt notwendig, das Osterfest in das Kirchenjahr einzuordnen. Der christliche Glaube steht in einer engen Verbindung zum Jahreskreis. Der Frühling mit dem Erwachen der Natur stellt eine Möglichkeit dar, das Osterereignis mit der Lebenswelt der SuS in Verbindung zu bringen. Durch eine solche Verbindung wird das Osterereignis auf eine persönliche Art für jeden individuell erfahrbar und verdeutlicht seine Bedeutung.

2.4 Lernziele

Das Hauptanliegen der vorliegenden Stunde lautet: Die SuS arbeiten den Hoffnungsgedanken der Auferstehung Jesu durch verschiedene Zugänge heraus und setzen sich mit den Gedanken und Gefühlen der Frauen auseinander.

Aus den obigen Überlegungen lassen sich folgende Lernziele für die Unterrichtsstunde formulieren: Die Schülerinnen und Schüler…

- … aktivieren ihr Vorwissen zur Ostergeschichte und erfahren, dass sich die Trauer in Freude und Hoffnung verwandelt hat
- … setzen sich emotional und kognitiv mit der Auferstehungserfahrung auseinander
- … identifizieren sich durch einen ganzheitlichen Zugang mit den Frauen am Grab
Zur übersichtlichen Darstellung der genannten Merkmale subsumiert das folgende Schaubild alle bereits erörterten Ausführungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Sachanalyse

3.1 Das Markusevangelium

Die Geschichte vom leeren Grab ist im Neuen Testament in allen Evangelien zu finden. Auf Grund der Zweiquellentheorie wurde für die vorliegende Stunde die Auferstehungsgeschichte nach dem Markusevangelium gewählt. Dort steht sie in Kapitel 16, Vers 1-8. Das Markusevangelium ist das älteste Evangelium und war sowohl Lukas als auch Matthäus bekannt. Aus diesem Grund kann davon ausgegangen werden, dass die Ursprungserzählung der Osterbotschaft im Markusevangelium zu finden ist und von Lukas und Matthäus zumindest teilweise übernommen wurde. Die Abfassungszeit des Markusevangeliums lässt sich auf kurz vor 70 vermuten.[13]

Das Markusevangelium beginnt mit dem Auftreten Johannes des Täufers und fährt mit der Taufe und Versuchung Jesu fort (1,1-13). Zur Geburt Jesu oder deren Ankündigung ist im Markusevangelium nichts zu lesen. Anschließend lässt sich eine Dreiteilung des Evangeliums verzeichnen. Der erste Hauptteil (1,14-8,26) berichtet von Jesu Wirken in Galiläa. Jesus vollbringt Wundertaten und lässt damit die Herrschaft Gottes Wirklichkeit werden. Der zweite Hauptteil (8,27-10,52) kann unter der Überschrift Jesu Reisebericht zusammengefasst werden und beschreibt die Ereignisse auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem. Dieser zweite Teil wird durch das Petrusbekenntnis, den Wendepunkt der Erzählung, eingeleitet (8,27-30). Strukturiert wird dieser zweite Hauptteil durch die drei Leidensankündigungen, die bereits auf den bevorstehenden Tod am Kreuz und die Auferstehung verweisen. Der dritte Hauptteil (19,29-24,53) thematisiert Jesu Aufenthalt in Jerusalem, seine Passion sowie die Auferstehung (11-16). Durch diesen dritten Teil wird das Wirken Jesu zu seiner Vollendung geführt. Ursprünglich endete das Markusevangelium mit den Worten: „denn sie fürchteten sich“. Dieser knappe Osterbericht (Mk 16,1-8) mit seinem abrupten Ende wurde aber bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus erweitert und um Erscheinungsgeschichten ergänzt. Die Ergänzung (Mk 16,9-20) stammt demnach nicht von Markus selbst (Mk 16,9-20).[14]

3.2 Die Auferweckung Jesu

[15]

Nach dem gewaltsamen Tod Jesu am Kreuz schien alles zu Ende zu sein. Die Verzweiflung und Trauer bei seinen Nachfolgern war groß. Doch durch die Auferstehung wurden Trauer und Verzweiflung in Freude und Hoffnung verwandelt. Die Auferweckung Jesu stellt den Ausgangspunkt aller Evangelien dar und ist der Kern des Christentums. Die Evangelien wurden aus nachösterlicher Sicht verfasst. Erst durch die Auferweckung wurde die Besonderheit des Menschen Jesus deutlich. Auf der Grundlage dieser außergewöhnlichen Erfahrung wurde sein Leben und Wirken quasi rekonstruiert. Die urchristliche Osterbotschaft entfaltete sich auf Grund dessen, dass Jesus nach seinem Tod am Kreuz lebendig gesehen wurde. Er ist erschienen.[16] Eine Auferstehung ist jedoch nicht als anthropologische Möglichkeit zu verstehen, sondern als eine christologische. Ein verstorbener Mensch kann anthropologisch betrachtet nicht auferstehen, weshalb auch nicht das der Grund für die Auferstehung Jesu war, sondern weil Jesus von Gott auferweckt wurde, dürfen auch wir die Hoffnung auf die Auferweckung haben.[17] So schreibt auch Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden, als Erstling derer, die entschlafen sind.“[18] Jesus war der Erste und seinetwegen dürfen auch wir auf ein Leben nach dem Tod hoffen. Nein, mehr noch: Wir dürfen daran glauben! Paulus‘ Formulierung „auferweckt worden“ verdeutlicht, dass Jesus nicht etwa aus eigener Kraft auferstanden ist, sondern, dass Gott ihn auferweckt hat. Kein Mensch hat Macht über Leben und Tod. Aber Gott, der, der uns für wertvoll genug ansieht, um erschaffen zu werden, der ruft uns auch im Tod. Er hat Jesus auferweckt und auch wir dürfen daran glauben, ihm nachzufolgen. Allerdings würde dies im Umkehrschluss bedeuten, so formuliert es Paulus ebenfalls in seinem Brief an die Korinther, dass ein Bestreiten der Auferstehung zur Folge hätte, dass auch Jesus nicht auferstanden ist. Dies würde wiederum bedeuten, dass die Verkündigung des Christentums, ja unser Glaube an den auferstandenen Jesus, leer wäre. Unser Glaube wäre schlichtweg nichtig und alle Verstorbenen wären auf Grund ihrer Sünden verloren.[19] Und deshalb müssen wir es einfach glauben. Wir können nicht anders als zu glauben, dass Jesus, unser Christus, für unsere Sünden gestorben ist, dass er all das Leid und den Schmerz auf sich genommen hat, um uns zu erlösen und uns vor allem eines zu geben: Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es die Auferstehung von den Toten gibt und wir nach dem Tod ebenso auferweckt werden wie es Jesus wurde. Und eben dieser Glaube, diese Hoffnung ist es, die das Christentum und seinen Glauben ausmacht. Der Glaube an einen barmherzigen Gott, der den Menschen so sehr liebt, dass er ihn zu sich holt.[20]

[...]


[1] Namen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen von der Redaktion geändert.

[2] Mendl: Religionsdidaktik kompakt, 2011, S. 34

[3] Vgl. Mendl: Religionsdidaktik kompakt, 2011, S. 39

[4] Vgl. Mendl: Religionsdidaktik kompakt, 2011, S. 33

[5] Vgl. ebd., S. 39

[6] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan 2016, S. 5

[7] Ebd., S. 10

[8] Vgl. ebd.

[9] Ebd., S. 11

[10] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan 2016, S. 31

[11] Ebd., S. 34

[12] Ebd., S. 36

[13] Vgl. Wiemer: Lernkarten Bibelkunde, 2012, NT 6

[14] Zürcher Bibel: Mk 16,8

[15] Da in der kirchlichen Tradition vor allem der aktive Begriff „Auferstehung“ verwendet wird, verzichte ich im Folgenden darauf, diesen durchgehend durch die passive Form „Auferweckung“ zu ersetzen, der aus theologischer Sicht angemessener wäre. Aus diesem Grund verwende ich beide Begriffe.

[16] Vgl. Becker u.a.: Neutestamentliches Arbeitsbuch für Religionspädagogen, 2014, S. 179

[17] Vgl. Köhnlein: Passion und Auferstehung Jesu, 2015, S. 242

[18] Zürcher Bibel: 1. Kor 15,20

[19] Vgl. Zürcher Bibel: 1. Kor 15,12-19

[20] Vgl. Köhnlein: Passion und Auferstehung Jesu, 2015, S. 243

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Verkündigung der lebendigen Hoffnung. Die Ostergeschichte
Untertitel
Evangelische Religionslehre, 3. Klasse
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Schwäbisch Gmünd
Note
1,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
37
Katalognummer
V423610
ISBN (eBook)
9783668719392
ISBN (Buch)
9783668719408
Dateigröße
2855 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verkündigung, hoffnung, grab, evangelische, religionslehre, klasse
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2018, Die Verkündigung der lebendigen Hoffnung. Die Ostergeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423610

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