Analyse des Machtbegriffs in Niccolò Machiavellis "Il Principe"


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinführung

Aus dem Leben Niccolò Machiavellis

Tugenden und Untugenden des Fürsten

Begriff der Macht
Wege zur Macht

Kriege als notwendiges Mittel Gestaltung des Machterhalts

Die Skrupellosigkeit Machiavellis

Literaturverzeichnis

Primärliteraturen

Sekundärliteraturen

1. Hinführung

Niccolò Machiavelli, aus politisch-philosophischer Sicht wohl einer der umstrittensten Autoren, nicht nur zu seinen Lebzeiten, denn auch heute noch scheiden sich die Geister, ob sein bekanntestes Werk „Il Principe“ aus dem Jahr 1532 eher in die Kategorie Genie oder doch Wahnsinn eingeordnet werden sollte. Abwertender Weise wurde dieses Werk oft als "Handbuch für Tyrannen" abgestempelt, ohne den zeitgeschichtlichen Aspekt dahinter in Betracht zu ziehen. Machiavelli lebte Ende des 15. Jahrhunderts, eine Zeit die durch brutale Machtkämpfe und Kriege gekennzeichnet war. Das Politikverständnis, sowie wir es heute kennen, war zu seinen Lebzeiten völlig anders. Machiavelli gilt als Vorreiter, wir müssen „[…] festhalten, daß [sic!] in den Schriften dieses Mannes sich die politische Theorie endgültig auf eigene Füße stellt. (Miethke 1993, 145) Allein die Tatsache, dass sich heutzutage noch mit einem fast 500 Jahre altem Werk bedeutende, aktuelle Themen in Bezug setzen lassen können, zeigt, dass er sich deutlich von anderen politischen Theoretikern abhebt.

Zentrales Thema des „Il Principe“ sind Ideen der Herrschaftslehre sowie Handlungsanweisungen an Machthaber, in denen Skrupellosigkeit, Grausamkeit und Täuschung zentrale Rollen spielen. Letztere werden als Tugenden deklariert, die notwendig dafür sind, Macht zu erhalten, zu festigen und auszubauen. Eben genau dieses lässt sich auch im Handeln von heutigen Machthabern wie Kim Jong Un oder Baschar-Al-Assad wiedererkennen.

Diese Hausarbeit behandelt den Machtbegriff, so wie ihn Niccolò Machiavelli in seinem Werk „Il Principe" aufführt. Die Darstellung von Machiavellis Grundgedanken steht hierbei im Vordergrund, ein Aktualitätsbezug muss aufgrund des Rahmens von 12-15 Seiten außen vorgelassen werden.

Die Literaturrecherche zu diesem Thema gestaltete sich recht mühelos und unkompliziert. Die Primärliteratur, also das Werk „Il Principe“ selbst, bat selbstverständlich die meisten relevanten Informationen und wurde demzufolge auch relativ häufig als Zitatquelle benutzt. Schließlich war es Niccolò Machiavelli selbst, der den Machtbegriff ausarbeitete und neu definierte, welcher das zentrale Thema dieser Hausarbeit darstellt. Als Sekundärliteratur habe ich vorwiegend ältere Literatur verwendet, die vor ungefähr 20 bis 30 Jahren veröffentlicht wurde, da diese zum einen vielzähliger vorhanden war und dies zum anderen auch nicht ausschlaggebend war, da sich das Werk „Il Principe“ von Niccolò Machiavelli mittlerweile fast zum 500. Mal jährt und die Aktualität nicht oberste Priorität besaß. Besonders die Monografie „Machiavelli“ von August Buck aus dem Jahre 1985 trug zum besseren Verständnis von Machiavelli selbst und dem Verständnis seines Machtbegriffs bei, ebenso tat dies die Monografie Quentin Skinners „Machiavelli zur Einführung“ aus dem Jahr 1990. Letztere bot Aufschluss über die einzelnen Lebensabschnitte Machiavellis und fungierte somit als große Hilfe für seine Biographie in Kapitel zwei. Für das Kapitel drei, welches sich mit den Tugenden und Untugenden von Fürsten aus der Sicht Machiavellis beschäftigt, erschwerte sich die Suche nach Literatur, die meinen Ansprüchen genügte. Deshalb wird sich in diesem Kapitel hauptsächlich auf Primärliteratur berufen, um die entscheidenden Punkte genügend darzulegen. Insgesamt betrachtet hat sich die Literaturrecherche jedoch als einfacher wie anfangs gedacht herausgestellt und ich konnte zu allen Kapiteln meiner Hausarbeit genügend recherchieren.

Begonnen wird mit einem Auszug aus dem Leben Machiavellis, um den geschichtlichen Hintergrund sowie seine Gedankengänge begreifen zu können. Kapitel drei handelt von den Tugenden bzw. Untugenden Machiavellis, die seinem Werk „Il Principe“ nicht statisch festgelegt sind, sondern situationsabhängig variieren. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Kern dieser Hausarbeit, dem Machtbegriff. Dieser wird unterteilt in die Erlangung der Macht, das Instrument der kriegerischen Handlungen sowie die Festigung und Ausbau der Macht, sobald ein Fürst diese für sich gewonnen hat. Abschließend wird der Frage nachgegangen, ob die Vorwürfe der Skrupellosigkeit in Niccolò Machiavellis Werk „Il Principe“ gerechtfertigt sind und auch einer objektiven Meinung entsprechen.

2. Aus dem Leben Niccolò Machiavellis

Niccolò Pietro Michele Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz geboren und verbrachte dort auch seine Jugend. Interessant wird sein Leben jedoch erst ab dem Jahr 1498. Durch seine Begabung in den so genannten menschlichen Wissenschaften (lat. Studia humilitatis), dessen Ausprägung er dem Ehrgeiz seines Vaters zu verdanken hatte, wurde Machiavelli schon im jungen Alter von 29 Jahren in den "Rat der Zehn" gewählt. Ihm fehlte zwar die Verwaltungspraxis, jedoch umfasste sein Intellekt die lateinische Sprache, breit gefächerte rhetorische Fähigkeiten sowie Kenntnisse in alter Geschichte und Moralphilosophie. (vgl. Skinner 1990, 16). Diese Voraussetzungen waren perfekt für die Ausübung eines politischen Amtes. Er unternahm Auslandsreisen zur Förderung seiner Kompetenz, unter anderem verschlug es ihn nach Frankreich, zu König Ludwig XII. Es war das erste Mal, dass ihm bewusst war, wie angreifbar und unentschlossen sich Italien für andere Länder präsentierte. (vgl. Skinner 1990, 22).

1502 führte es Niccolò Machiavelli in das Herzogtum der Romagna, er wurde Botschafter aufgrund politischer Spannungen zwischen Romagna und Florenz. „Diese Gesandtschaft bezeichnet den Beginn der für Machiavelli diplomatischen Laufbahn wichtigste Periode, der Periode, in der er die Rolle spielen konnte, die ihm am meisten lag: die eines direkten Beobachters und Ratgebers der zeitgenössischen Staatskunst.“ (Skinner 1990, 24).

Die Aufzeichnungen, die er in den folgenden Jahren tätigte, bildeten die Grundlage für seine Werke „Il Principe" und „Discorsi". Er beobachtete den Herzog von Romagna, Papst Julius II. und Kaiser Maximilian, während er zeitgleich immer wieder Bericht zu den genannten Personen nach Florenz erstattete. Doch an allen dreien konnte Machiavelli kein gutes Haar fassen. "Die grundlegende Schwäche, die sie alle teilten, war die fatale Unflexibilität angesichts ändernder Umstände. Cesare Borgia [Herzog von Romagna] war zu allen Zeiten in seiner Selbstsicherheit arrogant; Maximilian war immer vorsichtig und übermäßig unschlüssig; Julius II. War immer draufgängerisch und übermäßig aufgeregt." (Skinner 1990, 34).

„Machiavelli gehörte stets zu den Beobachtern im inneren Kreis der Entscheidungsträger, konnte durch Rat und Hilfe manches bewirken, hatte Einfluss und Verantwortung" (Miethke 1993, 148), doch als im Jahr 1512 die Medici die Herrschaft in Florenz übernahmen, bedeutete dies das Ende seiner politischen Karriere. Er wurde der Verschwörung gegen die Regierung angeklagt und ins Exil geschickt. Auf einem Landgut in der Nähe von Florenz versuchte er sich nun als Schriftsteller. (vgl. Drescher, Bergfort, Lorenz 2005, 119). Er schrieb unter anderem die Geschichte Florenz' nieder, begann mit der Ausarbeitung seines Werkes „Il Principe", ebenso weitere Werke folgten.

Offiziell wurde Machiavelli erst im Jahre 1521 politisch rehabilitiert, aber es war ihm nicht vergönnt, zur politischen Tätigkeit in verantwortungsvoller Position zurückzukehren. (vgl. Kersting 1988, 20). Als 1527 in Florenz die Medici als Folge der Niederlage gegen die Truppen Kaiser Karl V. gestürzt werden, wurde die republikanische Verfassung wiedereingesetzt und Machiavelli als Anhänger der Medici von allen Ämtern ausgeschlossen. (vgl. Ebenda, 27).

Kurz darauf, am 21. Juni 1527, verstarb er an Krankheit in Florenz und wurde in der Familiengruft in der Kirche Santa Croce beigesetzt. (vgl. Ebenda, 29).

3. Tugenden und Untugenden des Fürsten

Der allgemein bekannte Tugendbegriff orientiert sich stark an Moral und christlichen Werten. Unterschieden wird beispielsweise zwischen Tugenden wie Liebe, Glaube und Hoffnung. Wenn der ethische Tugendbegriff definiert werden soll, wird auf die vier Kardinaltugenden: Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung und Klugheit verwiesen. Tugend lässt sich also als „[…] durch Übung gewonnene Fähigkeit, beharrlich das [sittlich] Gute zu tun" (Großes Universal Lexikon 1975, Spalte 1577) beschreiben.

Wohingegen für Machiavelli ein ganz anderer Maßstab entscheidend ist. Für ihn ist alles in dem Sinne tugendhaft, was dazu beiträgt, den Bestand eines Staates aufrecht zu erhalten beziehungsweise gefahrenabwendend zu funktionieren scheint. Der moralische Tugendbegriff ist in dem Sinne kontrahierend zu Machiavellis Tugendbegriff, dass sobald moralisch fragwürdige Entscheidungen, die einer dringlichen Situation geschuldet sind, als tugendhaft angesehen werden, wenn davon der Bestand eines Staates oder der des Machterhalts abhängig ist. (vgl. Hoeges 2000, 187)

„Da die Erfahrung der Wirklichkeit lehrt, dass ein Mensch, der sich ohne Rücksicht auf die Bosheit seiner Mitmenschen darum bemüht, gut zu sein, scheitert, muß [sic!] der Fürst, der sich behaupten will, lernen, […] sein Verhalten an den politischen Zwängen [zu] orientieren." (Buck 1985, 70) Die Tugend ist in diesem Fall kein Wert für sich, sie ist an eine Handlung gebunden und die Tugendhaftigkeit dieser ist an dem letztendlichen Erfolg zu messen.

„Nicht mehr ein Tugendideal ist Maß und Richtschnur für die Handlungen des Fürsten, sondern deren Wahrnehmung durch andere und die damit einhergehenden Konsequenzen für den politischen Herrschaftsspielraum des Fürsten." (Schröder 2004, 47)

Deshalb ist es für einen Fürsten wichtig, dass er stets im Blick behält, dass sein Machterhalt im Großen und Ganzen davon abhängt, wie seine Reputation innerhalb des Volkes scheint und was es über ihn denkt. Die Außenwahrnehmung spielt eine große Rolle, demnach ist es legitim, das Volk in der Hinsicht zu täuschen. "Jeder sieht, was du scheinst, wenige fühlen was du bist, und diese wagen es nicht, der Meinung der Menge zu widersprechen, welche die Majestät des Landes zu ihrem Schutze hat." (Machiavelli 2001, 88).

So ist es wenig förderlich, wenn ein Fürst nach außen auftritt, als würde er für Weichheit, Wankelmütigkeit, Leichtsinn und Feigheit plädieren. Viel wichtiger ist es Stärke, Mut und Größe mit den eigenen Handlungen zu verkörpern. (vgl. Ebenda, 90)

Je volksnaher ein Fürst handelt, desto beliebter und angesehener ist er auch in der Gesellschaft. Die Arbeitsmoral sowie die Arbeitsmotivation hängen von Besteuerung, Schauspiel und Festen sowie Berechenbarkeit des Fürsten ab. Dabei sollte dieser jedoch stets seine Würde wahren, an dieser darf es zu keinem Zeitpunkt Zweifel geben. (vgl. Ebenda, 110). „Wohltaten gelten nur dann als wirkungsvoll, wenn sie nicht in zu hohem Maße ausgeschüttet werden. Ist dieses oder ein Notfall der Grund für plötzliche Wohltaten, so werden diese vom Volk nicht entsprechend honoriert. (vgl. Buck 1985, 67)

Ein weiterer Punkt, der einem Fürsten nicht egal sein kann, ist das Herr. Dieses ist mit einem gewissen Maß an Grausamkeit zu führen, denn ohne vorhandene Disziplin sind Siege auf dem Schlachtfeld undenkbar. Das Problem besteht darin, dass ein Heer „[…] die kriegerischen, übermütigen, grausamen und raubgierigen […]" (Machiavelli 2001, 94) Herrscher vergöttert, während das Volk friedensgesinnt ist. Eine Lösung, um beides miteinander zu verknüpfen, kennt auch Machiavelli nicht, er plädiert nur dafür, dass ein Fürst ein Fuchs und ein Löwe zugleich sein muss. Die Klugheit des Fuchses, um gestellte Fallen frühzeitig zu erkennen und die Ausstrahlung eines Löwen, um potentielle Gefahren überhaupt erst nicht aufkommen zu lassen. (vgl. Ebenda, 96)

Durchaus differenziert Machiavelli in seiner Tugendlehre zwischen Gut und Böse, Tugenden und Untugenden, jedoch ist die Unterscheidung dieser von Situation zu Situation abhängig. Denn lässt sich ein Fürst nach moralischen Grundprinzipien leiten, so ist der Staat dem Untergang geweiht. So gilt es: „[…] der Fürst muss sich um des Staates Willen der Macht des Bösen bedienen, um dem Bösen zu begegnen. (Buck 1985, 72).

4. Begriff der Macht

4.1 Wege zur Macht

Machiavelli hat zu seiner Zeit zwei bedeutende Werke geschrieben, die sich in ihrer Thematik sehr stark voneinander unterscheiden. In „Il Principe" gibt er Handlungsanweisungen für Fürstentümer, „[v]on einer Erörterung der Republiken will ich hier absehen, da ich mich bei anderer Gelegenheit ausführlich damit befasst habe." (Machiavelli 2014, 9). Damit spielt er auf sein Werk „Discorsi" an, das wie bereits erwähnt, sich auf die Thematik der Republiken bezieht. Im Folgenden soll ausgearbeitet werden, wie es laut Machiavelli möglich ist, die Macht eines Fürsten zu erlangen und vor allem, was in seinen Augen als die größere Aufgabe gilt, die erlangte Macht auch erhalten zu können. Eine Möglichkeit ist der Erhalt der Fürstenherrschaft durch Erbe, die laut Machiavelli auch als die Einfachste gilt. „[…] in den ererbten Staaten, die an das Geschlecht ihrer Fürsten gewöhnt sind, viel geringere Schwierigkeiten bestehen, die Macht zu behaupten, als in den neuerworbenen. Genügt es doch, die politischen Einrichtungen der Vorfahren lediglich nicht zu vernachlässigen und sich im übrigen [sic!] dem Zeitgeschehen anzupassen." (Ebenda, 9) Wenn das Volk an eine Fürstenfamilie gewöhnt ist, so ist die Wahrscheinlichkeit eines Hinterhalts deutlich geringer, die militärische Präsenz wird nicht in dem Maße benötigt, was eine steigende Beliebtheit eines Fürsten zur Folge hat.

Des Weiteren kann ein Fürst mittels Eroberung an Macht gewinnen. Laut Machiavelli gibt es drei Methoden, die an sich ganz unterschiedlich sind, im Endeffekt aber alle das gleiche Ziel verfolgen. „[…] erstens, sie zu vernichten; zweitens, seinen persönlichen Wohnsitz dorthin zu verlegen; drittens, sie unter ihren eigenen Gesetzten fortbestehen zu lassen, jedoch eine Abgabe von ihnen zu erheben und eine Regierung aus wenigen Bürgern einzusetzen, welche dir die Ergebenheit der anderen sichern." (Ebenda, 24) Letzteres ist insofern schwierig zu gestalten, da besonders in Republiken mehr Hass und Rachsucht vorherrscht sowie die Erinnerung an eine alte Freiheit aus den Köpfen der Bürger schwieriger zu entfernen ist. Wird durch eine Eroberung ein anderer Fürst entthront, so ist es für den „neuen" Fürsten umso einfacher, die Bürger für sich zu gewinnen und das Gebiet für sich einzunehmen, da sie aus der Vergangenheit nichts Anderes als Unterdrückung kennen gelernt haben.

[...]


Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Analyse des Machtbegriffs in Niccolò Machiavellis "Il Principe"
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V423614
ISBN (eBook)
9783668691490
ISBN (Buch)
9783668691506
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, machtbegriffs, niccolò, machiavellis, principe
Arbeit zitieren
Jan Philipp Nordenbrock (Autor), 2018, Analyse des Machtbegriffs in Niccolò Machiavellis "Il Principe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423614

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