Die Wirtschaft im römischen Rheinland und die Provinz Germania Inferior


Bachelorarbeit, 2016
51 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Die Provinz Germania Inferior
I. Geographie
II. Eroberung
III. Bevölkerung
IV. Fokus Köln

C. Wirtschaft
I. Begriff Wirtschaft
II. Infrastruktur
1. Das Straßennetz
2. Der Rhein als Wasserstraße
III. Wirtschaftsfaktoren
1. Ius Italicum
2. Militär
IV. Die Wirtschaft im römischen Rheinland
1. Landwirtschaft
a. Villa Rustica
b. Nahrungsmittelbedarf Militär
2. Rüstungsindustrie
a. Materialgewinnung zur Ausrüstung der Armee
b. Herstellung von Waffen und Rüstungen
3. Gewerbe
a. Handel
b. Glas
c. Keramik
d. Stein
Bonner Zentrum für Lehrerbildung

D. Fazit und Ausblick

E. Quellen und Literaturverzeichnis

A. Einleitung

In dieser Arbeit wird das Thema: Die Wirtschaft im römischen Rheinland behandelt. Dabei konzentriere ich mich insbesondere auf die Provinz Germania Inferior (im Folgenden auch „Niedergermanien“).

Der römische Einfluss im Rheinland begann durch die Eroberung dieser Region 55 v.Chr. und endete nach mehreren Kämpfen mit den Franken im Jahre 455 n.Chr., nachdem die letzte Schlacht unweit der CCAA, durch den Feldherrn Aegidius, verloren ging.1 Somit währte der römische Einfluss auf das Rheinland etwa 510 Jahre lang.

Die zentrale Fragestellung, mit der sich diese Arbeit auseinandersetzt, ist die Frage, welche verschiedenen Arten von Wirtschaft im römischen Rheinland existierten und welche Faktoren die Wirtschaft besonders förderten beziehungsweise beeinflussten.

Zur Beantwortung dieser Frage muss zunächst der Bedarf in dieser Region ermittelt werden. Nur anhand dessen können die verschiedenen Wirtschaftsstränge und -strukturen verdeutlicht werden. Hierbei wird teilweise auch ein Vergleich zur vorrömischen Zeit gezogen, damit die Unterschiede, die durch die Römer herbeigeführt wurden, deutlich werden.

Hauptsächlich wird auf die Zeit nach 50 n.Chr. eingegangen. In dem Jahr 50 n. Chr. wurde Köln zur colonia erhoben. Trotz der Erhebung zur colonia behielt Köln weiterhin den Status als Stadt, war aber einem anderen Recht unterworfen als die übrigen Städte in der Provinz.

Durch die Erhebung zum Zentralort der Provinz wurde insbesondere der wirtschaftliche Einfluss der Stadt erheblich gesteigert. Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (im Folgenden „CCAA“) als Zentralort soll im Fokus dieser Arbeit liegen. Daneben werde ich aber auch auf andere Orte zentrierter Siedlungsformen und die ländlichen Regionen eingehen.

Bei dem wirtschaftlichen Fokus steht insbesondere der Handel, sprich die Güter, mit denen gehandelt wurde und die Materialien, aus denen sie hergestellt wurden, im Vordergrund. Im Rahmen der Beurteilung des Imports wie auch des Exports von Handelswaren sind archäologische Funde besonders bedeutend. Dennoch sollen nicht nur archäologische Quellen Aufschluss über die Wirtschaft geben. Diese können allein kein vollständiges Bild über die Wirtschaft in Niedergermanien abgeben, da durch die dichte Bebauung im heutigen Köln nur ein Bruchteil der Hinterlassenschaften der Römer entdeckt werden konnte.

Eine gute Ergänzung zu den archäologischen Quellen sind literarische Quellen. Besonders in Tacitus Werken wird viel über die zu betrachtende Region geschrieben. Daneben finden sich Andeutungen auf Ressourcen und die Nutzung agrarischer Flächen auch in Caesars Kommentaren über den gallischen Krieg (de bello gallico).

Da nicht allzu oft archäologische Funde gemacht werden, ist die Sekundärliteratur auf einem sehr aktuellen Stand. Mit dem Thema Wirtschaft in der Provinz Niedergermanien befasste sich insbesondere Peter Rothenhöfer sehr ausführlich in seinem Werk: „Die Wirtschaftsstrukturen im südlichen Niedergermanien“. Er geht detailliert auf die verschiedenen Arten von Wirtschaft ein und gewährt so einen großen Einblick in die damaligen Strukturen.

Auf Köln bezogen ist daneben besonders das Werk von Werner Eck: „Köln in römischer Zeit“ nennenswert. Er gibt hier einen Gesamtüberblick über das Leben im römischen Köln und berichtet nicht nur über die Wirtschaft, sondern unter anderem auch über die Entstehung, die Politik und die Bevölkerungsschichten. Zuletzt sind die Aufsätze von Constanze Höpken in diversen Zeitschriften zu nennen. Siebefasst sich ausführlich mit den Themen Keramik und Glas. Diese beiden Rohstoffe waren neben der Landwirtschaft ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich zunächst die geographischen und zeitlichen Grenzen der Provinz Germania Inferior abstecken. Im Anschluss werde ich mich mit dem Begriff der Wirtschaft auseinandersetzen. Dabei muss neben einer Definition auch auf die Unterschiede des Wirtschaftsverständnisses in der damaligen und der heutigen Zeit eingegangen werden.

Neben dem Begriff der Wirtschaft soll in dem die Wirtschaft behandelnden Kapitel auch auf die verschiedenen Wirtschaftszweige in der damaligen Zeit eingegangen bzw. diese genauer erläutert werden.

Im abschließenden Fazit soll dann ein Resümee gezogen sowie ein Ausblick auf die Zeit nach den Römern in der Provinz Germania Inferior gegeben werden.

B. Die Provinz Germania Inferior

Hinter dem Begriff der Provinz Germania Inferior versteckt sich zum einen ein geographisches Gebiet, was anhand natürlicher sowie von den Römern gesteckter Grenzen beschrieben werden kann.

Die Provinz beschreibt daneben aber auch einen bestimmten Zeitraum. Spricht man von der Provinz Germania Inferior so ist zeitlich stets die Provinz unter der Herrschaft der Römer gemeint. Charakteristisch für die Provinz ist darüber hinaus die Besiedelung durch Einheimische und Römer gleichermaßen wie auch die Anwesenheit römischer Soldaten, auf die weiter unten eingegangen werden soll.

I. Geographie

Der Begriff „römisches Rheinland“ beschreibt die Provinz Germania Inferior. Diese Provinz war ein gallisches und germanisches Siedlungsgebiet. Das gesamte Gebiet der Provinz Germania Inferior erstreckte sich auf etwa 20.000 km².2

Im Norden wie im Osten markierte der Rhein die Grenze der Provinz.3 Im Süden wurde das Gebiet durch den Vinxtbach und die Nordeifel begrenzt. Im Jahre 1810 wurden am Vinxtbach zwei Weihesteine gefunden, welche die Grenzfunktion des Baches belegen.4 Die Maas, ein weiterer Fluss markierte im Westen die Grenze der Provinz.

Innerhalb der geographischen Grenzen bestand die Provinz aus verschiedenen Regionen, die durch ihre natürlichen Voraussetzungen jeweils für unterschiedliche Arten von Wirtschaft geeignet waren. So eigneten sich etwa die Gebirgszüge zwischen Aachen und dem mittleren Rheintal besonders für den Abbau von Stein und Erz.

Die Lösszone zwischen Köln und Tongeren dagegen bot sich aufgrund der günstigen Bodenbeschaffenheit für Agrarwirtschaft an. Der Begriff Löss beschreibt eine bestimmte Ablagerung von Materialien, die das Ausgangssubstrat für ackerbaulich günstigen Boden ist. Typischerweise besteht das Löss aus einem homogenen ungeschichteten Sedement aus überwiegend Schluff mit einem Karbonatanteil.5

Hinzu kam das niederrheinische Flachland, das sich durch Lehm-, Schotter- und Sandböden auszeichnete und zur Weidewirtschaft und Viehzucht genutzt wurde. Für die Landwirtschaft war es hingegen untauglich.6

Auch Caesar berichtet in seinem de bello gallico von Getreidevorkommen sowie von der Viehzucht und bestätigt so ebenfalls die Nutzung der natürlichen Ressourcen in der Provinz Germania Inferior. So schreibt er beispielsweise in seinem vierten Buch: „Nachdem er die Getreideversorgung geregelt […] hatte, begann er mit dem Marsch in die Gegend, in der die Germanen sein sollten.“7

Im Rahmen der Eroberungszüge legte Caesar stets Wert darauf, dass die von ihm eingenommenen Gebiete und verbündeten Stämme zur Versorgung des römischen Heers beitrugen. Dies wird insbesondere in seinem Werk de bello gallico deutlich, in dem er den gallischen Krieg beschreibt und im Zuge dessen auch die Versorgung des Heeres aus den vorhandenen landwirtschaftlichen Ressourcen (s.o.).

Auch schildert er, dass es in gallischen Stämmen und Ortschaften bereits Handel und Kaufleute gab: “Wenn Kaufleute in die Städte kommen […]“8. Die Römer brachten somit nicht erst den Handel in die Provinz, sondern bauten auf den vorhandenen Wirtschaftsstrukturen auf. Die vorhandene Agrarwirtschaft und Viehzucht sowie die bereits vorhandenen Handelsstrukturen bildeten somit die Basis für die Wirtschaft nach der Eroberung durch die Römer.

II. Eroberung

Die germanische Provinz, die später als Germania Inferior bezeichnet wird, wurde durch die Eroberung durch die Römer zu dem Gebiet, welches oben als das römisches Rheinland beschrieben wird. Da diese Eroberung die Voraussetzung dieser Arbeit ist, soll sie kurz zusammenfassend dargestellt werden. Eine ausführliche Darstellung der einzelnen Schlachten und Siege der Römer würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen und soll deshalb nicht erfolgen.

Dem Konsul Gaius Iulius Caesar wurde im Jahre 59 v. Chr. durch einen Volksbeschluss die Statthalterschaft über das diesseitige Gallien und Illyricum für fünf Jahre übertragen.9 Mit dieser Statthalterschaft wollte sich Caesar eine Machtstellung gegen seine innenpolitischen Gegner aufbauen.10

Zu erläutern ist dann der Schritt Caesars aus der römischen Innenpolitik hin zur Eroberung Galliens, der das Rheinland ganz besonders geprägt hat. Grund für den Feldzug gegen Gallien war nach Caesars Argumentation, dass die benachbarten Völker sich bedrohlich und nicht rechtens verhielten.11 So eroberte Caesar nach und nach die gallischen Regionen bis an den Rhein. Den Rhein stellte Caesar als Grenze zwischen Gallien und Germanien dar, sodass er auch eine Grenze in seiner Gallienpolitik war.12

Endgültig eingenommen war Gallien im Jahre 53 v. Chr. Caesar schildert im sechsten Buch über die gallischen Kriege das Kriegsjahr 53 vor Christus, wobei er auch über die Zerschlagung der Eburonen berichtet. Er vermittelt in seinen Schilderungen den Anschein, dass alle Mitglieder des Stammes entweder im Kampf gefallen oder aus dem Gebiet geflohen waren: „Daraufhin floh ein Teil der Feinde in den Ardenner Wald, andere in die endlosen Sumpfgebiete. […]. Viele wanderten aus ihrer Heimat aus und vertrauten sich und ihre gesamte Habe wildfremden Menschen […] an.“13 Durch die Niederschlagung des Aufstandes um Ambiorix gegen die Römer und die damit verbundene Flucht der ansässigen Eburonen wurde fruchtbares Gebiet frei und herrenlos und die Machtposition der Römer endgültig gefestigt. 14

Das von den Römern eroberte Land, auf das sich diese Arbeit bezieht, wurde zunächst nicht in verschieden Provinzen oder Gebiete geteilt, sondern insgesamt als Provinz Germania bezeichnet. Bereits in seinen Berichten über das Jahr 14 n. Chr. wird von Tacitus in seinen Annalen über die Präsenz von zwei im Rheinland stationierten Heeren berichtet. Wörtlich schrieb er: „Zwei Heere standen am Rhein, das so genannte obere (superior) unter dem Legaten Gaius Silius, das untere (inferiorem) befehligte Auslus Caecina.“15 Die Bezeichnung dieser beiden Kommandobereiche war letztendlich ausschlaggebend für die Benennung der Provinz Germania Inferior.

Um circa 85 n. Chr. sind die beiden Militärbezirke (superior und inferior) zur Provinz erhoben worden. Ausschlaggebend für die Gründung der Provinz waren die militärischen Erfolge. Die Gründung der Provinzen sollte signalisieren, dass die Regionen nun endgültig eingenommen waren und Probleme wie Aufstände nun endgültig behoben worden waren.

III. Bevölkerung

In der Provinz Germania Inferior waren verschiedene Stämme heimisch, von denen zwei Stämme jedoch eine herausragende Rolle hatten. Dies waren zum einen die Bataver und zum anderen die Ubier.

Die Bataver, ein germanischer Stamm am Mündungsdelta des Rheins, lebten hauptsächlich auf einer Insel im Rhein. Sie waren laut Tacitus von allen Stämmen die Tapfersten.16 Diese begannen den Bataveraufstand, welcher ein letzter Versuch war, die Römer vom Rhein zu vertreiben. Der Aufstand endete im Jahre 70 n. Chr. nach mehreren Schlachten, im Laufe derer die Römer den Aufstand niederschlugen.17

Der andere wichtige Bevölkerungsstamm, der in der Provinz Germania Inferior ansässig war, sind die Ubier gewesen.18 Nicht nur wegen der Übersiedelung der Ubier auf die linke Rheinseite spielten sie seit der Gründung der römischen Provinz Germania Inferior eine erhebliche Rolle bei der Versorgung der Armee.19

Die Ubier siedelten sich an in dem Gebiet, das vormals die Eburonen bewohnt hatten, und zogen somit auf die linke Rheinseite, da sie von den Sueben auf der rechten Rheinseite bedroht wurden. Nicht bestätigt ist allerdings, wann die Ubier genau dorthin übersiedelten, da es keine eindeutigen Quellen diesbezüglich gibt.20

Gleiches gilt für die Frage, ob die Übersiedelung der Ubier freiwillig oder unfreiwillig passierte. Mit einer freiwilligen Übersiedelung ist gemeint, dass die Ubier für sich entschlossen in das freigewordene Gebiet umzusiedeln. Wohingegen eine unfreiwillige Übersiedelung bedeutet, dass die Ubier durch die Zugeständnisse der Römer, gemeint sind hier die zugesprochenen Ländereien und der Schutz gegen Feinde, in das Gebiet ziehen mussten.

Durch diese Übersiedlung - gleich ob man sie als freiwillig oder unfreiwillig beschreibt - wurde den Ubiern der fruchtbare Boden von den Römern anvertraut beziehungsweise zugesprochen.21 Allerdings wird gemeinhin angenommen, dass überwiegend die Stammesmitglieder auswanderten, die entweder an bedrohten Grenzregionen lebten oder keinen bzw. nur wenig fruchtbaren Grundbesitz besaßen.22

Die Umsiedelung der Ubier kam den Römern in jedem Fall sehr gelegen. Soweit man davon ausgeht, dass die Römer an der Umsiedlung beteiligt waren, werden hier zwei Ziele der Römer besonders deutlich. Zum einen wird so die Bestellungen der fruchtbaren Regionen der Provinz Germania Inferior und die Versorgung des Heeres, das in der Region stationiert war, sichergestellt. Zum anderen konnten die Römer so sicher sein, dass die neu angesiedelten Ubier den ihnen neu zugesprochenen Grundbesitz gegen Feinde verteidigen würden und so die Rheingrenze vor dem Einfall der Germanen schützen würden.23

IV. Fokus Köln

Für die CCAA änderte sich gesetzlich, durch die Erhebung Region zur Provinz, nichts, da das Koloniegesetz weiterbestand.24 Darüber hinaus ist in historischen Quellen nichts in Bezug auf mögliche Provinzgesetze überliefert. Dies legt den Schluss nahe, dass die civitates in der Provinz nicht einer Militärverwaltung unterstanden, sondern ihre eigene Gesellschaft bilden konnten.25

Nachdem die Ubier, nach der Zerschlagung der Eburonen durch Caesar, das heutige Kölner Stadtgebiet bezogen, wurde eine Art Siedlung, das oppidum Ubiorum, erschaffen. Diese Siedlung ist der Vorgänger der CCAA, welche später durch den Bau der Stadtmauer genauer begrenzt wurde. Rechtlich gesehen verwaltete diese Siedlung sich selbst bzw. unterstand dem Heer.26 Die Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium wurde im Jahre 50 n. Chr. gegründet, sprich ca. 35 Jahre vor der Erhebung der Region zur Provinz. Der allgemein verbreitete Grund für diese Erhebung zur Provinz war die Bitte der Kaiserin Agrippa an ihren Gemahl Claudius, das oppidum zu einer Veteranenkolonie zu erheben, so Galsterer.27 Auch Tacitus nennt dies als Grund zur Erhebung des oppidum zur Kolonie.28

Das erste öffentliche Gebäude, das nach der Gründung der Kolonie CCAA gebaut wurde, war die Stadtmauer. Sie wurde ungefähr 20 Jahre nach der Gründung der Kolonie fertig gestellt.29 Durch die Stadtmauer wurde das ebenfalls zur CCAA gehörende Umland vom Stadtzentrum getrennt. Diese Trennung bedeutete insbesondere Schutz für die innerhalb der Stadtmauer lebenden Bewohner.

In der CCAA, erhielten zuerst römische Veteranen Land und villa rusticae, allerdings wird davon ausgegangen, dass die Erhebung der CCAA zur Kolonie auch die ubischen Einwohner mit dem römischen Bürgerrecht versehen haben und Grundbesitz erhalten konnten.30

C. Wirtschaft

Bevor auf die Wirtschaft im römischen Rheinland eingegangen wird, soll zunächst der Begriff „Wirtschaft“ definiert werden. Im Anschluss daran muss zunächst die Infrastruktur näher beschrieben werden, die die Basis der Wirtschaft im römischen Rheinland darstellte.

Daran anschließend werden die beiden Hauptwirtschaftsfaktoren - das Ius Italicum sowie das Militär - erläutert um dann abschließend die Wirtschaft als Kombination der verschiedenen Aspekte darzustellen.

I. Begriff Wirtschaft

„Die Wirtschaft, auch Ökonomie genannt, besteht aus Einrichtungen, Maschinen und Personen, die Angebot und Nachfrage generieren und regulieren. Einrichtungen sind Unternehmen bzw. Betriebe und Haushalte. Maschinen unterstützen und ersetzen auf Produktion, Transformation, Konsumation und Distribution von Gütern zielende Aktivitäten von Arbeitskräften, Mittelsmännern und Endkunden. Diese erhalten oder entrichten Geld für Erstellung, Vermittlung und Anforderung respektive Erwerb oder tauschen ihre Eigentümer und Leistungen aus.“31

Auch wenn diese Definition sehr modern formuliert ist, beinhaltet sie einige Aspekte, die sich auf die Wirtschaft im römischen Rheinland übertragen lassen. Abgesehen von den Maschinen, treffen die Aussagen auf den gewerblichen Bereich sowie auf den landwirtschaftlichen Bereich der damaligen Zeit zu.

Der Konsument mit der größten Nachfrage war die römische Armee. Einrichtungen und Personen, die Angebot und Nachfrage regulierten bzw. generierten waren durch die nicht vorhandene Technik jedoch anders organisiert als in der heutigen Zeit. Dennoch wussten die Bewohner beziehungsweise Eigentümer der landwirtschaftlichen Höfe auch ohne die heutzutage üblichen Maschinen ihre Ländereien so zu bestellen, dass sie den maximalen Ertrag in einem Jahr erzielten.

Die gewerbliche Wirtschaft, auf die in dieser Arbeit ebenfalls eingegangen wird, wird ebenfalls von dieser Definition erfasst. In der gewerblichen Wirtschaft werden Produkte hergestellt und für den Erwerb angeboten. Dieser Erwerb erfolgte durch Bezahlung von Münzen oder je nach Region durch den Warentausch. Der Erwerb jeglicher Güter erfolgte auf dem Markt oder aber an den Produktionsorten selber, jedoch auf jeden Fall in der Nähe des Kunden, sodass Produktionsstätten auch über einen Ladenbereich verfügen mussten um verkaufen zu können.32

II. Infrastruktur

„Grundausstattung einer Volkswirtschaft (eines Landes, einer Region) mit Einrichtungen, die zum volkswirtschaftlichen Kapitalstock gerechnet werden können, die aber für die private Wirtschaftstätigkeit den Charakter von Vorleistungen haben.-Klassische Beispiele sind Verkehrsnetze (Straßen, Schienen- und Wasserwege) sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen (Energie, Wasser, Kommunikationsnetze), ohne deren Existenz eine privatwirtschaftliche Güterproduktion oder Leistungserstellung nicht oder zumindest nur mit geringerer Effizienz möglich wäre (wirtschaftsnahe Infrastruktur).“33

Um die Wirtschaft im römischen Rheinland analysieren und auswerten zu können, ist es unerlässlich die Märkte zur römischen Zeit zu betrachten. Die Märkte waren die übliche Handelsart zur damaligen Zeit. Sie fanden sowohl in den Städten als auch in den ländlichen Gebieten statt, jedoch stets in der Nähe von Siedlungs- und Lagerorten.34

Darüber hinaus gilt es die geographische Infrastruktur zu analysieren. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die verschiedenen Transportwege über Land und über Wasser wie auch die verschiedenen genutzten Transportmittel zu betrachten, die zur Versorgung der stationierten Heere sowie für den Im- und Export genutzt wurden.

Die gut ausgebauten und variablen Transportmittel und -wege führten dazu, dass nicht nur der Transport innerhalb der Provinz bzw. innerhalb der Region möglich war, sondern auch weitere Wege gemeistert werden konnten, wie beispielsweise in die Schweiz. All dies hatte zur Folge, dass die Voraussetzungen für die Versorgung der Provinz Germania Inferior sehr gut waren.

1. Das Straßennetz

Die folgende Straßenkarte zeigt einen Überblick über das Straßennetz in der gesamten Provinz Niedergermanien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Das Straßennetz in der Provinz Niedergermanien35

Abgebildet sind allerdings lediglich die wichtigsten Straßen der Provinz Germania Inferior. Diese Straßen wurden primär gebaut, um die römische Armee in Kriegszeiten schnellstmöglich aufzurüsten, zu unterstützen und zu versorgen. Aber nicht nur die Versorgung sollte sichergestellt werden, sondern auch die Kommunikation zwischen den verschiedenen Militärstandorten.36

Die Straßen standen allerdings nicht ausschließlich dem Militär zur Verfügung, sondern durften auch von der Bevölkerung genutzt werden. Die Bevölkerung nutzte die Straßen, um zu anderen Orten zu gelangen oder auch um Handelsgüter zu transportieren. Der Ausbau der Straßen in der Provinz ist eines der Symbole für die römische Herrschaft in diesem Gebiet.37

Nach dem heutigen Forschungsstand geht man davon aus, dass das damalige Straßennetz aus drei wichtigen Achsen, den Hauptachsen, bestand:

Die erste Hauptachse war die Verbindungsstraße zwischen Neuss (Novaesium), Köln (CCAA), Trier (Augusta Treverorum), Metz (Divodurum) und Lyon (Lugdunum).38 Diese Städte lagen zwar nicht alle in der Provinz Niedergermanien, die jeweilige Lage der Orte verdeutlicht jedoch die Importanz dieser einen Hauptachse des Straßennetzes. Diese Verbindungsstraße verband die CCAA als Hauptstadt Niedergermaniens mit Zentralgallien und da es von Lyon aus eine Verbindung zum Mittelmeer gab, auch mit dem Mittelmeerraum.39 Diese Achse war die erste und somit älteste Achse in der Provinz.40

Die zweite wichtige Achse war die Verbindung von Köln in den Westen. Auch diese Achse verband die Städte verschiedener Provinzen miteinander. Sie verband Köln über Timeriacum, Jülich (Iuliacum), Heerlen (Coriovallum), Maastricht (Traiectum) mit Tongeren (Atuatuca) und führte von dort über Bavai (Bagacum) nach Boulogne-sur-mer (Gesoriacum/Bononia).41 Wie bereits zu Beginn dieser Arbeit erwähnt, bot sich der Boden zwischen Köln und Tongeren besonders für die Agrarwirtschaft an. Dies legt die Schlussfolgerung nahe, dass diese Strecke besonders für den Transport von Getreide und anderen

[...]


1 Steuer: Die Franken in Köln, S. 38.

2 Bechert: Wirtschaft und Gesellschaft in der Provinz Germania Inferior, S. 2.

3 Ebd.

4 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 14.

5 Lexikon der Geowissenschaften: http://www.spektrum.de/lexikon/geowissenschaften/loess/9705,

zuletzt aufgerufen am 30.12.2015 um 17:28 Uhr.

6 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 14.

7 Caesar, de bello gallico, IV, 7, 1.

8 Caesar, de bello gallico, IV, 5, 2.

9 Timpe: Caesars gallischer Krieg und das Problem des römischen Imperialismus (1965), S. 109.

10 Ebd.

11 Timpe: Caesars gallischer Krieg und das Problem des römischen Imperialismus (1965), S. 118.

12 Caesar: de bello gallico, I 1 3: „Zudem lebten sie [gemeint sind die Belger, ein gallischer Stamm] in unmittelbarer Nähe der Germanen, die das Gebiet jenseits des Rheins bewohnten […].“

13 Caesar, de bello gallico, VI, 31, 2 u. 4.

14 Caesar: de bello gallico, VI 29 f.

15 Tac. ann. 1,31,2.

16 Tac. Germ. 29.

17 Tac. hist. V 21.

18 Tac. Germ. 28.

19 Schmitz: Die Übersiedlung der Ubier auf das linke Rheinufer, S. 5.

20 Schmitz: Die Übersiedlung der Ubier auf das linke Rheinufer, S. 1 f.

21 Schmitz: Die Übersiedlung der Ubier auf das linke Rheinufer, S. 4.

22 Schmitz: Die Übersiedlung der Ubier auf das linke Rheinufer, S. 6.

23 Schmitz: Die Übersiedlung der Ubier auf das linke Rheinufer, S. 5.

24 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 219.

25 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 218 f.

26 Rüger: Germania Inferior, S. 76.

27 Galsterer: Römische Kolonisation im Rheinland, S. 11.

28 Tac. ann. 12,27,1.:

29 Galsterer: Römische Kolonisation im Rheinland, S. 12.

30 Rüger: Germania Inferior, S. 76 f.

31 Gabler Wirtschaftslexikon: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wirtschaft.html, zuletzt aufgerufen 23.12.2015 um 12:13 Uhr.

32 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 384.

33 Gabler Wirtschaftslexikon: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/infrastruktur.html, zuletzt aufgerufen 01.01.2016 um 22:43 Uhr.

34 Rothenhöfer: Wirtschaftsstrukturen im südlichen Niedergermanien, S. 211.

35 Horn: Die Römer in Nordrhein-Westfalen, S. 152, Abb. 88.

36 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 412.

37 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 410.

38 Rothenhöfer: Wirtschaftsstrukturen im südlichen Niedergermanien, S. 27.

39 Ebd.

40 Ebd.

41 Eck: Köln in römischer Zeit, S. 412.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaft im römischen Rheinland und die Provinz Germania Inferior
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
51
Katalognummer
V423666
ISBN (eBook)
9783668692503
ISBN (Buch)
9783668692510
Dateigröße
1061 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Wirtschaft, Rheinland, Rom, Köln
Arbeit zitieren
Manuel Krumbach (Autor), 2016, Die Wirtschaft im römischen Rheinland und die Provinz Germania Inferior, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423666

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