Neutestamentliche Exegese zur Perikope Markus 6, 14-29


Hausarbeit, 2004
29 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Intention der Arbeit

2. Übersetzungswahl
2.1 Vergleich der Übersetzungen
2.2 Begründung der Übersetzungswahl

3. Abgrenzung des Textes als Perikope

4. Syntaktisch-Narrative Analyse
4.1 Schematische Darstellung der Handlungsträger
4.2 Handlungsträger
4.3 Narrative Programme

5. Semantische Analyse
5.1 Oppositionen
5.2 Textsemantische Analyse
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse der semantischen Und syntaktisch-narrativen Analyse

6. Analyse der Funktion der Perikope im unmittelbaren Kontext

7. Analyse der Funktion der Perikope im Makrotext

8. Intertextualität
8.1 Der Prophet Elia
8.2 Auferstehung von den Toten

9. Synoptischer Vergleich
9.1 Betrachtung der Perikope unter wirkungsgeschichtlichen Gesichtspunkten

10. Textpragmatische Erwägungen
10.1 Position des Autors mittels der Perikope im Zusammenhang mit der Aussageabsicht des Makrotextes
10.2 Kirchengeschichtliche Wirkung der Perikope

11. Schlussbetrachtung
11.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
11.2 Hermeneutische Reflexion

12. Literaturverzeichnis

1. Intention der Arbeit

Für meine exegetische Hausarbeit zum Neuen Testament werde ich die Perikope Mk 6, 14-34 „Das Ende Johannes des Täufers“ bearbeiten.

Bei der ersten Begegnung mit dieser Perikope drängten sich mir folgende Fragen auf:

Herodes ist betrübt, als er das Versprechen einlösen und Johannes töten lassen muss. Muss er ihn denn wirklich töten lassen?

In welchem Verhältnis steht Herodes zu seiner Frau, die er laut Johannes gar nicht haben darf?

In welcher für mich eigenartig oder befremdlich wirkenden Beziehung stehen Herodes und Herodias Tochter zueinender? Weshalb lässt er sich so von dem Mädchen beeinflussen und akzeptiert somit den Tod einer Person, der, wenn es nach ihm ginge, nicht notwendig gewesen wäre?

Diese persönlichen Fragen weckten bei mir das Interesse, mich näher mit dieser Perikope mittels einer neutestamentlichen Exegese zu befassen.

Im Wesentlichen erhoffe ich mir bei der Bearbeitung der Perikope einen detaillierten Einblick in das Markusevangelium als Grundlage für ein Verständnis des gesamten Neuen Testaments.

Außerdem erachte ich es für sehr wichtig - auch im Hinblick auf mein weiteres Theologie-Studium- neue Erkenntnisse über Vorgehensweisen und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens zu erlangen. Dabei scheint es mir sinnvoll, zunächst keine Sekundärliteratur heranzuziehen, um so zu einem ersten eigenen Textverständnis zu gelangen.

Eine besondere Perspektive klammere ich für die Analyse meiner Perikope trotz der oben angeführten persönlichen Fragen aus. Meines Erachtens ist es von großer Wichtigkeit sich uneingeschränkt dem Text gegenüber zu öffnen, um die gesamte Sinnweite angemessen erfassen zu können, statt bereits im Vorfeld determiniert zu sein.

2. Übersetzungswahl

2.1 Vergleich der Übersetzungen

Das Ende Johannes des Täufers

14Und es kam dem König Herodes zu Ohren; denn der Name Jesu war nun bekannt. Und die Leute sprachen: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum tut er solche Taten. 15Einige aber sprachen: Er ist Elia; andere aber: Er ist ein Prophet wie einer der Propheten. 16Als es aber Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferstanden.

17Denn er, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes ergriffen und ins Gefängnis geworfen um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet. 18Johannes hatte nämlich zu Herodes gesagt: Es ist nicht recht, dass du die Frau deines Bruders hast. 19Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht. 20Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; und wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig; doch er hörte ihn gern.

21Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. 22Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und gefiel Herodes und denen, die mit am Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir´s geben. 23Und er schwor ihr einen Eid: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. 24Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. 25Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers. 26Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen des Eides und derer, die mit am Tisch saßen, wollte er sie keine Fehlbitte tun lassen. 27Und sogleich schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis 28und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab´s dem Mädchen, und das Mädchen gab´s seiner Mutter. 29Und als das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Die Bibel, nach der Übersetzung von Martin Luther

Enthauptung Johannes des Täufers

14Und der König Herodes hörte das; denn sein Name wurde bekannt, und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferweckt worden, und deshalb sind die Wunderkräfte in ihm wirksam. 15Andere aber sagten: Es ist Elia; noch andere sagten: Er ist ein Prophet wie einer der Propheten. 16Als es aber Herodes hörte, sagte er: Johannes, den ich habe enthaupten lassen, der ist auferweckt worden.

17Er nämlich, Herodes, hatte hingesandt und Johannes festnehmen und ihn im Gefängnis fesseln lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte. 18Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben. 19Herodias aber stellte ihm nach und hätte ihn gern töten lassen, und sie vermochte es nicht. 20Denn Herodes fürchtete den Johannes, weil er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und ließ ihn bewachen, und wenn er ihn hörte, kam er in schwere Ratlosigkeit, und er hörte ihn gern.

21Und als ein gelegener Tag kam, wo Herodes seinen Würdenträgern und den Kriegsobersten und den Vornehmsten Galiläas an seinem Geburtstag ein Gastmahl gab, 22da trat ihre, der Herodias Tochter, herein und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und den Tischgenossen. Der König aber sprach zu dem Mädchen: Bitte mich um was du willst, und ich will es dir geben. 23Und er schwur ihr: Um was du mich auch bitten wirst, das will ich dir geben bis zur Hälfte meines Königreichs. 24Da ging sie hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Um was soll ich bitten? Die aber sagte: Um das Haupt Johannes des Täufers. 25Und alsbald ging sie eilends zum König hinein und bat: Ich will, dass du mir sogleich auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers gibst. 26Da wurde der König sehr betrübt; doch um der Eidschwüre und der Tischgenossen willen wollte er sie nicht abweisen. 27Und der König schickte alsbald einen Soldaten der Leibwache hin und befahl, sein Haupt zu bringen. Da ging dieser hin, enthauptete ihn im Gefängnis, 28brachte sein Haupt auf einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter. 29Als seine Jünger das hörten, kamen sie, nahmen seinen Leichnam und legten ihn in eine Gruft.

Zürcher Bibel

Das Urteil des Herodes über Jesus: 6,14-16

14 Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden, und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. 15Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet wie einer von den alten Propheten. 16Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden.

Die Enthauptung des Täufers: 6,17-29

17Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. 18Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. 19Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, 20denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. 21Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 22Da kam die Tochter der Herodias und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. 23Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. 24Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. 25Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. 26Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 27Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 28Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 29Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Einheitsübersetzung

14Und König Herodes hörte davon, denn Jesu Name war in Erscheinung getreten, und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferweckt, und darum wirken die Kräfte in ihm. 15Andere aber sagten: Elja ists! Wieder andere sagten: Ein Prophet - wie der Propheten einer! 16Als aber Herodes davon hörte, sagte er: Den ich selbst köpfen ließ: Johannes – der ists! Auferweckt ward er.

17Herodes hatte ja selber hingesandt und Johannes ergreifen und im Kerker fesseln lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. Weil er die geheiratet hatte, 18sagte Johannes zu Herodes: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben. 19Herodias aber war ihm gram und hätte ihn gern getötet, doch konnte sie nicht; 20denn Herodes fürchtete Johannes, kannte er ihn doch als gerechten und heiligen Mann. Und er hielt ihn darum verwahrt. Und war er auch, wenn er ihn hörte, sehr verlegen: Er hörte ihn dennoch gern. 21Es kam jedoch ein zeitgünstiger Tag, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Großen, den Obristen und den ersten Männern Galiläas ein Gastmahl gab. 22Und ihre, der Herodias Tochter ging hinein und tanzte. Und sie gefiel Herodes und denen, die mit ihm zu Tisch lagen. Der König sprach zum Mädchen: Bitte mich, um was du willst, ich gebe es dir. 23Und er schwur ihr gar: Um was du bittest, ich gebe es dir, wärs auch mein halbes Königtum! 24Da ging sie hinaus und sprach zu ihrer Mutter: Was soll ich erbitten? Die sprach: Den Kopf des Täufers Johannes! 25Und gleich ging sie bereitwillig zum König hinein, bat und sagte: Ich will, dass du mir alsbald in einer Schüssel den Kopf Johannes des Täufers gibst! 26Und ward auch tief betrübt der König, wegen des Eides und denen, die mit zu Tische lagen – er wollte sie nicht abweisen. 27Und gleich sandte der König einen Leibwächter mit dem Befehl, den Kopf zu bringen. Und der ging, köpfte ihn im Kerker 28und brachte seinen Kopf in einer Schüssel. Er gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn ihrer Mutter. 29Und seine Jünger hörten davon, kamen und nahmen seine Leiche fort und legten sie in ein Grab.

Das Neue Testament, nach der Übersetzung von Fridolin Stier

Gemeinsamkeiten / Unterschiede

2.2 Begründung der Übersetzungswahl

Ich habe folgende Übersetzungen der Perikope Markus 6, 14-29 miteinander verglichen, um einen angemessenen Text zur Anfertigung meiner Exegese auszuwählen:

- Die Bibel, nach der Übersetzung Martin Luthers
- Die Zürcher Bibel
- Die Einheitsübersetzung
- Das Neue Testament, nach der Übersetzung Friedolin Stiers

Um mich für eine der vier Übersetzungen zu entscheiden, habe ich diese in der vorangegangenen Tabelle nebeneinander angeordnet und Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede herausgearbeitet und hervorgehoben.

Auf diese Weise war es mir möglich, einen umfassenden Blick auf die verschiedenen Texte und ihre Eigenheiten zu erlangen.

Schon das äußere Erscheinungsbild weist Unterschiede zwischen den Perikopen auf: Bei der Übersetzung von Fridolin Stier wurde gänzlich auf eine der Perikope vorangehende Überschrift verzichtet, während bei der Einheitsübersetzung noch eine zusätzliche Überschrift nach Vers 16 eingefügt wurde, die den gleichen Titel trägt wie die Perikope in der Zürcher Ausgabe (Die Enthauptung Johannes des Täufers). Vers 1-16 stehen unter dem Titel Das Urteil Herodes über Johannes.

Durch das Weglassen einer Überschrift bei Stier ist dem Leser die Möglichkeit eröffnet, den Inhalt des Textes als solchen und vor allen Dingen seine Aussage eigenständig zu erarbeiten, statt von einem bereits interpretierten Titel beeinflusst, im schlimmsten Fall sogar fehlgeleitet zu werden. In der eigentlichen Übersetzung überzeugt mich Stier allerdings nicht. Es scheint beinahe so, als habe er durch die z.T. schwer verständliche Satzkonstruktion versucht, seinem Text eine unverkennbare stilistische Note zu verleihen. So schreibt er z.B. in Vers 26: “Und ward auch tief betrübt der König“. Bei Luther dagegen liest man: „Und der König wurde tief betrübt“.

Das Versehen der Perikope mit zwei Überschriften bei der Einheitsübersetzung gibt dem Text eine zusätzliche Struktur. Die Titel verraten dem Leser im Voraus, worum es sich in dem Textabschnitt handelt und erleichtern somit das Textverständnis.

Befasst man sich mit der Verständlichkeit der Texte, so fällt auf, dass die Einheitsübersetzung – ganz besonders im Vergleich zu Stier – viele leicht verständliche Formulierungen enthält (z.B. „Hofbeamte“, „Offiziere“, „vornehmste Bürger“ statt „Große“, „Obristen“, „erste Männer“) und teilweise den Stil einer Geschichte annimmt: „Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit...“. In besonders auffälliger Weise tritt in Erscheinung, dass Herodes laut der Einheitsübersetzung sogar mit Johannes sprach (V. 20), während er ihm bei Luther, Zwingli und Stier nur zuhörte. Diese ungenaue Übersetzung des griechischen Aorist- Partizips ακούσας αυτου kann zu einem falschen Textverständnis führen, da ein Gespräch zwischen Herodes und Johannes dem Leser eine engere Bindung suggeriert als sie in Wirklichkeit existiert. Möglicherweise kann sich durch die Darstellung des Geschehens im Stile einer Geschichtserzählung bei der Einheitsübersetzung die Chance ergeben, neue Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Schüler etc.) für die Bibel zu interessieren bzw. deren Inhalt und Botschaft als nach wie vor zeitgemäß zu präsentieren. Obwohl die katholische Einheitsübersetzung als offizielle Übersetzung anerkannt ist, schließe ich persönlich sie jedoch für meine Anfertigung einer Exegese aus, da es meiner Ansicht nach Ziel der Übersetzung sein sollte, sich möglichst nah am griechischen Original zu orientieren, um somit die wahre Intention des Autors zu erkennen.

Die Übersetzung von Martin Luther und der Zürcher Bibel weisen bei näherer Betrachtung keine gravierenden Unterschiede auf. Der Sinn der Texte ist in beiden Übersetzungen der gleiche, nur wurden des öfteren unterschiedliche Formulierungen gewählt. Beide werden - wie auch die katholische Einheitsübersetzung- im deutschen Sprachraum in den großen Kirchen als offizielle Übersetzung verwandt. Die Übersetzung der Zürcher Bibel gilt weitgehend als sehr präzise und fundiert. Dennoch habe ich für die Anfertigung meiner neutestamentlichen Exegese die Übersetzung Martin Luthers gewählt. Meine Entscheidung basiert weniger auf syntaktischen Formalien als auf persönlich-emotionalen Eindrücken.

Martin Luther beeindruckt mich als Persönlichkeit. Sowohl im Geschichts- bzw. im Religionsunterricht als auch im weiterführenden Studium wurde mir die historische Tragweite seines Handelns für die Verbreitung des Christentums aufgezeigt. Binnen kürzester Zeit übersetzte er das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche und schaffte damit die Voraussetzungen für einen überregionalen reformatorischen Wandel. Endlich hatte auch das „gemeine“ Volk die Möglichkeit, die Heilige Schrift zu lesen und die Lehre Jesu Christi in ihrem ursprünglichen unverfälschten Sinne zu verstehen.

3. Abgrenzung des Textes als Perikope

Die Perikope des Markusevangeliums 6, 14-29 „Das Ende Johannes des Täufers“ lässt sich als Rückschau auf das vorangegangene Geschehen beschreiben. Betrachtet man die Gesamtheit der Perikope, so stellt man eine Veränderung von Akteuren, Orts- und Zeitangaben sowie einen thematischen Wechsel fest. Anfang und Ende der Perikope (Mk 6, 14-16; Mk 6, 29) schließen sich zeitlich gesehen jeweils an die vorangehenden bzw. folgenden Verse und somit an den Kontext an. Mk 6, 7-13 zeugt davon, wie Jesus die zwölf Apostel in die Dörfer aussendet, damit sie das Reich Gottes verkünden, Dämonen austreiben und Kranke heilen; Jesus verleiht ihnen die Macht.

Nun findet ein Ortswechsel und ein Wechsel der aktiven Subjekte statt: Herodes wird vom Wirken Jesu in Kenntnis gesetzt und der Leser wird von diversen Volksmeinungen in Bezug auf die Identitätsfrage Jesus unterrichtet: Jesus als auferstandener Johannes, als Elia, als einer der alten Propheten. Herodes vermutet in Jesus den auferweckten Johannes.

In den Versen 17-28 handelt es sich nochmals um einen Wechsel von Ort, Zeit und Aktanten; die Tötung des Johannes stellt eine in die Berichterstattung des Wirkens Jesu eingebettete historische Rückschau dar. Es handelt sich hierbei um einen temporär abgeschlossenen Abschnitt, der detailliert beschreibt, wie es zum Tod Johannes des Täufers kommt.

Mk 6, 30 f. knüpft thematisch und zeitlich an Mk 6, 12 an: Die zwölf Apostel kehren zurück.

Bei der zugrunde liegenden Erzählung handelt es sich um eine historische Erzählung. Hierbei stütze ich mich auf die Definition des Begriffs „Geschichtserzählung“ von Heinrich Zimmermann: „Als Geschichtserzählungen kann man solche Berichte bezeichnen, die ein geschichtliches Ereignis zu ihrem Inhalt haben, aber nicht der christlichen Verkündung entstammen.“[1].

[...]


[1] Zimmermann, Neutestamentliche Methodenlehre, S.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Neutestamentliche Exegese zur Perikope Markus 6, 14-29
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Einführung in die exegetischen Methoden
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V42367
ISBN (eBook)
9783638404112
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neutestamentliche, Exegese, Perikope, Markus, Einführung, Methoden
Arbeit zitieren
Birte Hundhammer (Autor), 2004, Neutestamentliche Exegese zur Perikope Markus 6, 14-29, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42367

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