Einleitung
Was ist Hilfe und was ist Kontrolle? Bereits bei der begrifflichen Definition dieser Termini stoßen wir auf erste Schwierigkeiten, da diese Begriffe so weit gefächert sind und eine allumfassende Legaldefinition schier unmöglich macht. Auch innerhalb der Sozialen Arbeit wird das Konzept „Hilfe und Kontrolle“, das auf den ersten Blick sehr kontrovers und widersprüchlich erscheint, stark diskutiert. Im Rahmen meiner Hausarbeit will ich versuchen die Ausgangspunkte dieser Diskussion transparent zu machen. Ebenso soll das Spannungs-, aber auch das Abhängigkeitsverhältnis von Hilfe und Kontrolle dargestellt werden. Meiner Meinung nach ist es sinnvoll über die Geschichte der Sozialen Arbeit zum eigentlichen Thema, der gegenwärtigen Diskussion über Hilfe und Kontrolle hinzuführen, da bereits die historische Entwicklung der Fürsorgetätigkeit zeigt, dass Hilfe immer in engem Zusammenhang mit unterschiedlichen Machtverhältnissen und dadurch mit Kontrolle zu verstehen ist. Anschließend soll eine Zusammenfassung des Aufsatzes „Sozialarbeiterisches Alltagshandeln zwischen Hilfe und Kontrolle“ von Siegfried Müller jene Problematik verdeutlichen. Im besonderen soll hier die gesellschaftliche Funktion von Sozialer Arbeit bestimmt werden.
Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung
1. Von der Hilfe aus Nächstenliebe bis hin zur professionellen Sozialarbeit
1.1 Unterstützung der Familienhilfe durch kirchliche Einrichtungen
1.2 Bettelbewegungen - Gemeinden und Städte als Armenpolizei
1.3 Die industrielle Revolution - Der Beginn eines vielschichtigen Wohlfahrtssystems Bismarcks Sozialpolitik
1.4 Der Erste Weltkrieg - Kriegswohlfahrtspflege und die Gründung des Wohlfahrtsstaats
1.5 Die Weimarer Republik – erste Vermutungen von gesellschaftlichen Ursachen für das Massenelend
1.6 Die Machtergreifung Hitlers – „rassenhygienische“ Wohlfahrtspflege
1.7 Nachkriegszeit – Gründung der NATO zur Sicherung von Menschenrechten
1.8 Eine neue Wirtschaftskrise und neue Handlungsfelder für die Soziale Arbeit
2. Soziale Kontrolle
3. Das Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit
4. Sozialarbeiterisches Alltagshandeln zwischen Hilfe und Kontrolle (Müller) (Aspekte einer gesellschaftlichen Funktionsbestimmung)
4.1 Die Problemstellung
4.2 Soziale Arbeit als Hilfe und Kontrolle zugleich
4.3 Die Problemlage als Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen Funktionsbestimmung
4.4 Drei gesellschaftliche Hauptfunktionsgewichte
4.4.1 Das prohibitive Funktionsgewicht
4.4.2 Das balancierende Funktionsgewicht
4.4.3 Das präparative Funktionsgewicht
4.5 Perspektiven
B) Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit. Ziel ist es, die historische Entwicklung dieser ambivalenten Beziehung nachzuzeichnen und auf Basis des Ansatzes von Siegfried Müller eine gesellschaftliche Funktionsbestimmung vorzunehmen, um den professionellen Handlungsspielraum von Sozialarbeitern kritisch zu reflektieren.
- Historische Genese der Sozialen Arbeit von der Armenpflege zum Wohlfahrtsstaat.
- Theoretische Fundierung des Spannungsverhältnisses von Hilfe und Kontrolle.
- Analyse des sozialarbeiterischen Alltagshandelns nach Siegfried Müller.
- Klassifizierung gesellschaftlicher Hauptfunktionsgewichte (prohibitiv, balancierend, präparativ).
- Reflektion über Professionalität und Handlungsspielräume unter staatlichem Einfluss.
Auszug aus dem Buch
4.2 Soziale Arbeit als Hilfe und Kontrolle zugleich
Sowohl das Hilfs- als auch das Kontrollparadigma sind in der Sozialen Arbeit verankert und haben einen realen Gehalt. Problematisch für eine Funktionsbestimmung Sozialer Arbeit ist ihre Widersprüchlichkeit, die sich auch nicht durch den Verweis ihrer Agitation auf unterschiedlichen Ebenen, aufheben lässt. Bereits die unterschiedlichen Handlungsfelder Sozialer Arbeit befinden sich teilweise in widersprüchlichen Verhältnissen zueinander.
Deshalb ist es unmöglich eine allgemeine Funktion Sozialer Arbeit zu bestimmen. Zudem existieren nicht nur die verschiedensten Tätigkeitsfelder, sondern auch die Handlungsmuster innerhalb eines Arbeitsfelds variieren. Müller erläutert dies am Beispiel des Jugendamts, das zum einen die Eltern durch erzieherische Maßnahmen unterstützt (Hilfe) und dadurch versucht ihren gesellschaftlichen Status zu verbessern (Kontrolle). D.h. also Soziale Arbeit fungiert als eine Art Spiegelbild der Gesellschaft und macht deren Schwierigkeiten transparenter. Sozialarbeiterisches Handeln kann also im gesamtgesellschaftlichen Kontext als Reaktion auf soziale Probleme verstanden werden, die staatlich organisiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Begriffs "Hilfe und Kontrolle" ein und begründet die historische Betrachtungsweise als notwendige Basis für die spätere theoretische Diskussion.
1. Von der Hilfe aus Nächstenliebe bis hin zur professionellen Sozialarbeit: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Fürsorgetätigkeit und zeigt auf, wie Hilfe historisch stets mit Machtverhältnissen und kontrollierenden Elementen verwoben war.
2. Soziale Kontrolle: Hier werden zentrale Begriffe wie soziale Kontrolle, abweichendes Verhalten sowie Stigmatisierung und Etikettierung definiert und in den Kontext der Sozialen Arbeit gesetzt.
3. Das Spannungsverhältnis von Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit: Das Kapitel beleuchtet die Ambivalenz der sozialen Interaktion zwischen Sozialarbeiter und Klient und das damit verbundene doppelte Mandat der professionellen Hilfe.
4. Sozialarbeiterisches Alltagshandeln zwischen Hilfe und Kontrolle (Müller): Der Hauptteil analysiert Siegfried Müllers Thesen zur gesellschaftlichen Funktion Sozialer Arbeit und unterteilt diese in drei spezifische Funktionsgewichte.
B) Schluss: Die Zusammenfassung resümiert, dass Hilfe und Kontrolle unweigerlich verbunden sind und fordert eine kritische Reflexion des professionellen Handelns sowie ein Streben nach dem "mildesten Mittel".
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Hilfe, Kontrolle, Sozialpolitik, gesellschaftliche Funktion, Siegfried Müller, professionelles Handeln, Stigmatisierung, Sozialpädagogik, Wohlfahrtsstaat, Hilfe zur Selbsthilfe, Interaktion, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis von Hilfe und Kontrolle innerhalb der Sozialen Arbeit und wie diese beiden Aspekte den professionellen Alltag prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung der Fürsorge, die soziologische Fundierung von Kontrolle sowie die systemische Einbettung Sozialer Arbeit in den Wohlfahrtsstaat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für das "doppelte Mandat" des Sozialarbeiters zu entwickeln und die theoretische Perspektive von Siegfried Müller zur gesellschaftlichen Funktion der Profession aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse und eine theoriegeschichtliche Darstellung, die durch eine Zusammenfassung und kritische Auseinandersetzung mit dem Werk von Siegfried Müller strukturiert ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das Alltagsverständnis Sozialer Arbeit reflektiert und das Modell der drei Funktionsgewichte (prohibitiv, balancierend, präparativ) nach Müller explizit dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen "Soziale Kontrolle", "gesellschaftliche Funktionsbestimmung", "doppeltes Mandat" und die "ambivalente Struktur" sozialarbeiterischen Handelns.
Was besagt das "prohibitive Funktionsgewicht" nach Müller?
Es bezieht sich auf kontrollierende Maßnahmen, die sich an traditionellen Ordnungsprinzipien orientieren, um abweichendes Verhalten zu sanktionieren und gesellschaftliche Normen zu wahren.
Warum ist das "doppelte Mandat" eine Herausforderung für Sozialarbeiter?
Sozialarbeiter müssen sowohl den Auftrag der Hilfe gegenüber dem Klienten erfüllen als auch die Anforderungen staatlicher Instanzen zur Kontrolle und Integration wahren, was häufig zu ethischen Dilemmata führt.
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- Nina Kayser (Author), 2004, Eine Darstellung der gegenwärtigen Diskussion über Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42382