Offener Unterricht und Unterrichtsplanung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Offener Unterricht
1.1 Problemstellung
1.2 Begriffserklärung Offener Unterricht
1.3 Öffnung der Schule
1.3.1 Inhaltliche Öffnung
1.3.2 Methodische Öffnung
1.3.3 Organisatorische Öffnung
1.4 Merkmale des Offenen Unterrichts
1.5 Ausgestaltung verschiedener Lernbedingungen
1.6 Formen des Offenen Unterrichts
1.6.1 Wochenplan
1.6.2 Freiarbeit
1.6.3 Stationenlernen
1.6.4 Projektunterricht
1.6.5 Werkstattunterricht/Atelierunterricht
1.6.6 Gesprächskreis

2 Motive und Grundlagen Offenen Unterrichts
2.1 Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen
2.1.1 Familiäre Lebenswirklichkeit
2.1.2 Elterliche Erziehungsmethoden
2.1.3 Umgang mit Medien
2.1.4 Spiel- und Freizeitverhalten
2.1.5 Die multikulturelle Gesellschaft
2.1.6 Umweltbedingungen
2.1.7 Industrie und Wirtschaft
2.2 Ziele des Offenen Unterrichts
2.2.1 Raum und Zeit schaffen für die Durchführung der vom Kind selbst gewählten Aktivitäten
2.2.2 Förderung der Selbständigkeit und Eigenverantwortung
2.2.3 Stärkung des Selbstvertrauens und der Persönlichkeitsbildung
2.2.4 Entwicklung des Problembewusstseins
2.2.5 Erhaltung bzw. Entwicklung der kindlichen Neugier und Lernfreude
2.2.6 Ganzheitliches Lernen
2.2.7 Soziales Lernen

3 Bedarf Offener Unterricht einer Planung?
3.1 Offene Unterrichtsplanung
3.2 Prinzipien Offener Unterrichtsplanung
3.2.1 Offenheit des Planes für notwendig werdende Veränderungen
3.2.2 Alternativen für vorgesehene Vorgänge
3.2.3 Offenlegung der Entscheidungsvorgänge
3.2.4 Kooperation von Lehrer und Schüler
3.2.5 Personalität der Beteiligten

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Die vorliegende Arbeit[1] befasst sich mit dem Thema „Offener Unterricht und Unterrichtsplanung“. Da sich die deutsche Grundschulpädagogik seit den 1980er Jahren verstärkt auf Konzepte der Reformpädagogik vom Anfang des 20. Jahrhunderts besinnt, sucht man unter dem Schlagwort „Öffnung von Unterricht“ nach Möglichkeiten, Unterricht so zu gestalten, dass Kinder ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend ihren Lernprozess individuell und aktiv mitbestimmen können.

Im ersten Kapitel erfolgen eine Begriffserklärung des Offenen Unterrichts sowie eine Beschreibung der Merkmale Offenen Unterrichts. Darüber hinaus werden geeignete Unterrichtsformen betrachtet, die das selbständige Lernen und eigenverantwortliche Handeln der Schüler[2] fördern. Das zweite Kapitel enthält Ausführungen über die Motive und Grundlagen Offenen Unterrichts, wobei veränderte gesellschaftliche und individuelle Rahmenbedingungen sowie die daraus folgenden Aspekte der veränderten Kindheit skizziert werden. Die aus diesen Veränderungen resultierenden Zielsetzungen des Offenen Unterrichts werden im Anschluss dargelegt. Im dritten Kapitel wird die Offene Unterrichtsplanung thematisiert, wobei die Prinzipien dieser Form der Planung umrissen werden.

Leitendes Interesse bei der Erstellung dieser Arbeit war, aus der komplexen Thematik des Offenen Unterrichts die wichtigsten Inhalte darzustellen und ihre Bedeutung für die Unterrichtsplanung und die praktische Durchführung des Unterrichts zu beleuchten.

1 Offener Unterricht

1.1 Problemstellung

Besonders in den letzten zehn Jahren entfachte sich eine schulpolitische und pädagogische Diskussion, die den Offenen Unterricht, Öffnung von Schule, offene Curricula etc. thematisierte, wobei die Subjektivität des Kindes und die Kritik an geschlossenen Curricula in den Mittelpunkt rückten. Die weitgehende Ausklammerung der Schülersubjektivität wird hauptsächlich der Dominanz des lernzielorientierten Unterrichts zugeschrieben.[3] Die teilweise übertriebene Kritik an der lernzielorientierten Didaktik löste erhebliche Missverständnisse in der Praxis aus. Offener Unterricht wurde häufig mit laissez faire verbunden. Man verstand diesen als Unterricht, der unkontrolliert bzw. unkontrollierbar ablaufen müsse, und bei dem jegliche lernzielorientierte Unterrichtsplanung abgelehnt werden müsse. Nach wie vor muss jedoch die Forderung nach Lernzielorientierung von Unterricht für jeden schulischen Unterricht erfüllt werden, das heißt, die Kritik am lernzielorientierten Unterricht bedeutet nicht, dass der Begriff des Offenen Unterrichts ein Synonym für lernzielfreien Unterricht ist.[4]

1.2 Begriffserklärung Offener Unterricht

Es existiert bislang keine eindeutige Definition für den Begriff des Offenen Unterrichts, was folgendes Zitat JÜRGENs deutlich machen soll. „Den Offenen Unterricht gibt es nicht! Man kann "Offenen Unterricht" als einen Ober- bzw. Sammelbegriff oder [...] als eine "Bewegung" bezeichnen, so wie man auch von der "Reformpädagogik" als eine (internationale) Bewegung spricht.“[5] Auch WALLRABENSTEIN charakterisiert Offenen Unterricht als „Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Öffnung mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs.“[6] Folglich stellt der Ausdruck Offener Unterricht eine Begriffseinheit für „verschiedene Reformansätze“[7] dar, die sich auf unterschiedliche Theorien beziehen - von PESTALOZZI bis MONTESSORI, von den deutschen Reformpädagogen wie PETERSEN oder GAUDIG bis hin zum französischen Reformpädagogen FREINET. Der Begriff des Offenen Unterrichts wurde aus den in England gebräuchlichen Ausdrücken „open education“ und „informal education“ sowie aus dem in den USA verwendeten Begriff „open classroom“ entwickelt.[8]

1.3 Öffnung der Schule

Offener Unterricht ist weitgehend im Zusammenhang mit der Öffnung der Schule zu verstehen. Er schließt die inhaltliche, methodische und organisatorische Öffnung der Schule ein.[9]

1.3.1 Inhaltliche Öffnung

Die inhaltliche Dimension beinhaltet die Bereitstellung vielfältiger Lernangebote und das Einbeziehen lebensrelevanter Lerninhalte und Erfahrungen der Kinder.[10]

1.3.2 Methodische Öffnung

Die methodische Dimension schließt die Wahl neuer Unterrichtsformen zur Erschließung der Thematik sowie die Mitgestaltung des Unterrichts durch die Kinder ein.[11]

1.3.3 Organisatorische Öffnung

Die organisatorische Dimension betrifft die Organisation von Lehr- und Lernprozessen, wobei eine Öffnung für veränderte Unterrichtsabläufe und Organisationsformen des Unterrichts, wie z.B. Freie Arbeit, Projekte und Wochenpläne, erfolgen soll.[12]

1.4 Merkmale des Offenen Unterrichts

Offener Unterricht ermöglicht den Schülern Mitbestimmung an unterrichtlichen Entscheidungen bezüglich der Inhalte, Arbeitsweisen und Materialien. Zudem werden Erfahrungen, Bedürfnisse und Fragen der Schüler einbezogen sowie die unterschiedliche Ausgangslage der Schüler berücksichtigt. Offener Unterricht bietet ein vielfältiges Angebot an Arbeitsmaterialien und Lernsituationen. Darüber hinaus werden soziale Beziehungen und kooperatives Verhalten gefördert.[13] Die Lehrerrolle verändert sich dahingehend, dass die Dominanz eingeschränkt wird und der Lehrer[14] eine Berater-, Moderator- und Helferrolle einnimmt. Demgemäß wird den Schülern größere Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit übertragen.[15]

1.5 Ausgestaltung verschiedener Lernbedingungen

- Lernumwelt: z. B. Klasse mit Werkstattcharakter, offene Lernflächen und -zonen, Leseecke, Karteienregale, Forschertisch, Klassendruckerei, Bastelecke, Fördermaterialien etc.
- Lernorganisation: z.B. Freie Arbeit, flexible Tages- und Wochenpläne, Projekte, individuelle Zeiteinteilung, wenig Frontalphasen, Lernberatung, Sitzkreis, Klassenrat etc.
- Lernmethoden: z.B. reichhaltige Formen entdeckenden, praktischen Lernens, Freiheit bei individueller Arbeit, Selbstkontrolle, freie Entscheidungen für Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe, Möglichkeiten für Experimente etc.
- Lernatmosphäre: individuelle Lernvoraussetzungen der Lerner akzeptieren, Förderungsorientierung, Vertrauen und gegenseitige Offenheit, deutliche Abmachungen und Regeln, Förderung des Gemeinschaftsgefühls etc.
- Lerntätigkeiten: Kinder arbeiten praktisch, stellen etwas her, untersuchen, entscheiden über Inhalte, stimmen über gemeinsame Vorhaben ab, experimentieren, verfassen freie Texte, dokumentieren, besprechen Konflikte, diskutieren etc.
- Sichtbare Lernergebnisse: Geschichten, Wandzeitungen, Ausstellungen, Theaterstücke, eigene Lernmittel, Berichte, eigene Sachbücher etc.[16]

1.6 Formen des Offenen Unterrichts

Die bekanntesten Lernformen, deren Grundstrukturen eine Öffnung von Unterricht besonders gut ermöglichen und welche die Aktivitäten im Unterricht wesentlich auf die Schüler verlagern, wobei der Lehrer eher als Helfer, Moderator oder Anreger fungiert, sind Wochenplan, Stationenlernen, Werkstattarbeit, Freiarbeit und Projektunterricht, welche im Folgenden näher erläutert werden.[17]

1.6.1 Wochenplan

Der Wochenplan ist eine Sammlung verschiedener Aufgaben aus unterschiedlichen Inhaltsbereichen, die ein Schüler innerhalb einer Woche lösen kann.[18] Tages-, Wochen- oder Monatspläne stellen ein bedeutendes Hilfsmittel für die Organisation, Planung und Überprüfung der Lernarbeit im Offenen Unterricht dar. Sie bieten einen Anteil verbindlicher Themen bzw. Pflichtaufgaben, offene Lernangebote für alle Schüler sowie Ideen und Materialien für Aktivitäten an Projekten. Jeder Schüler erhält einen schriftlichen Plan, auf dem vorwiegend in tabellarischer Form die Lernangebote des Tages, der Woche bzw. des Monats für die verschiedenen Fächer und Lernbereiche notiert sind.[19] Ferner enthalten sie Zusatzaufgaben, die den Bedürfnissen der Schüler entsprechen, beispielsweise zur Förderung oder Wiederholung, sowie ein Angebot freiwillig zu leistender Aufgaben.[20] Somit erhalten die Kinder die Möglichkeit, einen bestimmten Anteil der Unterrichtszeit weitgehend selbstständig zu planen oder zu gestalten.[21] Die Wochenplanarbeit darf nicht mit dem Begriff des Offenen Unterrichts gleichgesetzt werden, sondern Wochenpläne (und Freie Arbeit) stellen kennzeichnende Formen des Offenen Unterrichts dar, damit den Schülern Freiraum für entdeckendes, praktisches Lernen und Selbstverantwortung ermöglicht werden kann sowie Perspektiven und Durchsichtigkeit des Lernens gesichert werden können.[22] Demzufolge sind Wochenpläne unter dem Aspekt der Entwicklung zu betrachten: „Kinder sollten allmählich lernen, aktiv an der Erstellung ihrer Pläne mitzuwirken.“[23]

Vorgegeben sind in den Wochenplänen zumeist die Grundaufgaben, der zeitliche Rahmen sowie die Verpflichtung, Resultate bearbeiteter Aufgaben nach Möglichkeit selbst zu überprüfen oder durch Mitschüler oder den Lehrer kontrollieren zu lassen. Freigestellt werden ein bestimmtes Wahlangebot an Aufgaben, die Sozialformen, die Zeiteinteilung sowie die Abfolge, in der die Aufgaben und Zusatzangebote zu bearbeiten sind.[24]

Eine notwendige Voraussetzung sinnvoller Wochenplanarbeit ist die Bereitstellung eines reichhaltigen Arbeitsmaterials. Der Lehrer hat grundsätzlich die Möglichkeit und die Pflicht, auf die einzelnen Leistungen der Schüler in direktem Kontakt einzugehen, wodurch er bessere Einblicke in die Leistungsfähigkeit jedes Schülers erhält und den Schüler gegebenenfalls in die Aufgabenstellung einbeziehen kann.[25]

[...]


[1] Die vorliegende Arbeit wurde nach den Regeln der neuen Rechtschreibung verfasst.

[2] Die Bezeichnung „Schüler“ umfasst in der gesamten Seminararbeit stets beide Genera, sowohl feminin als auch maskulin.

[3] Vgl. Jürgens, E.: Die ״ neue ״ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht. Theorie, Praxis und Forschungslage, Sankt Augustin, 1994. S. 11.

[4] Vgl. ebenda, S. 13.

[5] Zit. n. Jürgens, E.: a.a.O., S. 24.

[6] Zit. n. Wallrabenstein, W.: Offene Schule – Offener Unterricht, Reinbek, 1994. S. 54.

[7] Zit. n. ebenda, S. 54.

[8] Vgl. Wallrabenstein, W.: a.a.O., S. 54.

[9] Vgl. Von Martial, I.; Bennack, J.: Einführung in schulpraktischen Studien. Vorbereitung auf Schule und Unterricht, 6. Auflage, Baltmannsweiler, 2000. S. 129.

[10] Vgl. Wallrabenstein, W.: a.a.O., S. 54.

[11] Vgl. ebenda, S. 54-55.

[12] Vgl. ebenda, S. 55.

[13] Vgl. Peterßen, W. H.: Handbuch Unterrichtsplanung: Grundfragen, Modelle, Stufen, Dimensionen, München, 1982. S. 144.

[14] Die Bezeichnung „Lehrer“ umfasst in der gesamten Seminararbeit stets beide Genera, sowohl feminin als auch maskulin.

[15] Vgl. Bennack, J.: Schulaufgabe: Unterricht, a.a.O., S. 64.

[16] Vgl. Wallrabenstein, W.: a.a.O., S. 61-62.

[17] Vgl. Bennack, J.: Schulaufgabe: Unterricht - zeitgemäß unterrichten können, Neuwied, 2000. S. 64.

[18] Vgl. Von Martial, I.; Bennack, J.: Einführung in schulpraktische Studien, a.a.O., S. 130.

[19] Vgl. Wallrabenstein, W.: a.a.O., S. 97.

[20] Vgl. Von Martial, I.; Bennack, J.: Einführung in schulpraktische Studien, a.a.O., S. 130.

[21] Vgl. Hell, P. (Hrsg.): Öffnung des Unterrichts in der Grundschule. Wochenplanarbeit - Stationentraining - Schuldruckerei, Donauwörth, 1993. S. 31.

[22] Vgl. Wallrabenstein, W.: a.a.O., S. 97.

[23] Zit. n. ebenda, S. 97.

[24] Vgl. Hell, P. (Hrsg.).: a.a.O., S. 31.

[25] Vgl. Von Martial, I.; Bennack, J.: Einführung in schulpraktische Studien, a.a.O., S. 130.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Offener Unterricht und Unterrichtsplanung
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Schulpädagogik)
Veranstaltung
Theorien und Modelle der Didaktik
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V42389
ISBN (eBook)
9783638404303
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Offener, Unterricht, Unterrichtsplanung, Theorien, Modelle, Didaktik
Arbeit zitieren
Christina Weiser (Autor), 2005, Offener Unterricht und Unterrichtsplanung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42389

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Titel: Offener Unterricht und Unterrichtsplanung


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