Die Moralphilosophie beschäftigt sich seit jeher mit den Motivationsgründen guten Handelns und der Frage, wieso das tatsächliche Verhalten der Menschen zuweilen ihren eigens gesetzten moralischen Prinzipien und Vorstellungen widerspricht. Die vernunftbasierte Akzeptanz der Gültigkeit eines Gesetzes resultiert folglich nicht in dessen uneingeschränkter Ausführung in der Praxis.
In dem Werk ,,Kritik der praktischen Vernunft“ beschäftigt sich Kant unter anderem mit diesen genannten Fragen, indem er den Kern moralischen Handelns definiert und erläutert, wie Motivationsgründe zu solchen Handlungen führen können. Wie hierbei Handlungen aus reiner Vernunft heraus entstehen können erläutert das Kapitel ,,Von den Triebfedern der reinen praktischen Vernunft“. Denn die Vernunft kann nur gesetzgebend sein, wenn sie ,,als reine Vernunft praktisch“ ist.
Des Weiteren verdeutlicht Kant in diesem Absatz, worin sich moralische von unmoralischen Handlungen unterscheiden. Diese Definition ist von besonderer Bedeutung, da das grundlegende Ziel dieses Kant’schen Werkes darin besteht, die Existenz reiner praktischer Vernunft zu beweisen. Mit dieser Argumentation begründet der Philosoph gleichzeitig, wie rationale Erwägungen Einfluss auf das Handeln der Menschen nehmen können und so die rein von der Vernunft gelenkte Bestimmung des Willens durch ein formales Prinzip möglich wird. Im Folgenden möchte ich diese für die Philosophiegeschichte maßgeblichen Gedanken Immanuel Kants ausführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Triebfeder und das moralische Gesetz
3. Das Gefühl der Achtung und das moralische Gesetz
4. Die Wirkung der „Triebfeder“
4.1 Die Pflicht moralisch zu handeln
5. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Motivationsgründe moralischen Handelns in Immanuel Kants „Kritik der praktischen Vernunft“, insbesondere im Hinblick auf das dritte Hauptstück „Von den Triebfedern der reinen praktischen Vernunft“. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, wie das moralische Gesetz, das von der Vernunft bestimmt wird, als Triebfeder fungieren kann, um den menschlichen Willen trotz sinnlicher Neigungen zu moralisch wertvollem Handeln zu bewegen.
- Analyse des Begriffs der „Triebfeder“ in Kants Moralphilosophie.
- Unterscheidung zwischen „Moralität“ und „Legalität“ des Handelns.
- Die Rolle des Gefühls der „Achtung“ als vermittelndes Element zwischen Vernunft und Sinnlichkeit.
- Der Zusammenhang zwischen moralischem Gesetz, Selbstsucht, Eigendünkel und der Unterdrückung von Neigungen.
- Die Bedeutung der Pflicht als oberstes Lebensprinzip im Kantischen Idealismus.
Auszug aus dem Buch
Die Triebfeder und das moralische Gesetz
Kants Anspruch an moralische Handlungen setzt eine unmittelbare Willensbestimmung durch das moralische Gesetz voraus. Handlungen, die eben diesen Anspruch erfüllen, beinhalten „Moralität“, während solche, die das Gesetz zwar achten, aber durch vernunftferne Gefühle motiviert werden, lediglich „Legalität“ enthalten. Letztere, also gefühlsgesteuerte Handlungen, welche bloß „Legalität“ enthalten, sind zwar pflichtgemäße Handlungen, jedoch ist der ihnen zugrundeliegende Motivationsgrund unabhängig von dem intersubjektiven moralischen Gesetz. Denn die Handlung basiert auf den individuellen, nicht verallgemeinerbaren Neigungen der jeweils handelnden Person.
Damit eine Handlung „Moralität“ enthalten kann, ist es also notwendig, dass der Motivationsgrund allein auf dem rationalen, moralischen Gesetz basiert und somit gänzlich unabhängig von subjektiven Handlungsgründen geformt wird. Diese Unterscheidung nimmt Kant in diesem Kapitel zum ersten Mal vor. Der Philosophieprofessor Nico Scarano vermutet, dass die begriffliche Unterscheidung erst nach seinen handlungstheoretischen Überlegungen möglich ist.
Zur Bestimmung des Willens und der Handlungsgründe, stellt Kant lediglich zwei verschiedene Möglichkeiten vor: Erstens die menschliche Willensbestimmung durch individuell subjektive Neigungen, welche auf der Selbstliebe des jeweiligen Individuums basieren und zweitens eine Bestimmung des Willens durch das rein rationale moralische Gesetz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die moralphilosophische Problematik der Diskrepanz zwischen der Akzeptanz moralischer Gesetze und deren praktischer Ausführung ein.
2. Die Triebfeder und das moralische Gesetz: Dieses Kapitel erläutert die von Kant vorgenommene Unterscheidung zwischen „Moralität“ und „Legalität“ sowie die Definition des Begriffs der „Triebfeder“ als subjektivem Bestimmungsgrund des Willens.
3. Das Gefühl der Achtung und das moralische Gesetz: Hier wird das Gefühl der Achtung als notwendige Verbindung zwischen Vernunft und Sinnlichkeit analysiert, die den „Eigendünkel“ zurückweist und das moralische Gesetz für das Individuum wirksam macht.
4. Die Wirkung der „Triebfeder“: Das Kapitel untersucht, wie das Gesetz durch die Unterdrückung sinnlicher Neigungen und die Hervorrufung von Schmerz sowie Achtung zur Maxime des Handelns wird.
4.1 Die Pflicht moralisch zu handeln: Dieser Unterpunkt analysiert, unter welchen Bedingungen der Mensch aus Pflicht handelt und inwiefern dabei ein vernunftgeleiteter Zwang auf die menschliche Natur ausgeübt wird.
5. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass Kant das moralische Gesetz als eigentliche Triebfeder identifiziert, welche die Achtung hervorruft, wobei die Interpretation durch die Widersprüchlichkeit von Kants eigenen Ausführungen erschwert wird.
Schlüsselwörter
Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Triebfeder, moralisches Gesetz, Moralität, Legalität, Achtung, Vernunft, Willensbestimmung, Eigendünkel, Pflicht, Kategorischer Imperativ, Selbstsucht, Autonomie, Motivationsgrund
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralphilosophischen Untersuchung der Motivationsgründe bei Kant, speziell wie ein vernunftbasiertes Gesetz als Triebfeder für menschliches Handeln dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Begriffs „Triebfeder“, die Unterscheidung zwischen Moralität und Legalität sowie die Funktion des Gefühls der Achtung.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Kants Argumentation im dritten Hauptstück der „Kritik der praktischen Vernunft“ nachzuvollziehen, um zu klären, wie das moralische Gesetz den menschlichen Willen praktisch bestimmen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer interpretativen Analyse und literarischen Auseinandersetzung mit Kants Originaltexten und einschlägiger Sekundärliteratur zur Kant-Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Begriff der „Triebfeder“, das Verhältnis von Achtung und Gesetz, die Rolle der menschlichen Neigungen und die Konzeption der Pflicht als Handlungsmaxime detailliert erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Triebfeder, Moralität, Achtung, Vernunft und Kategorischer Imperativ charakterisiert.
Warum hält Kant die „Demütigung“ des Eigendünkels für notwendig?
Kant argumentiert, dass der Eigendünkel das Individuum glauben lässt, seine subjektiven Interessen hätten Gesetzesautorität; erst durch die Beseitigung dieses Eigendünkels wird das moralische Gesetz als objektiver Bestimmungsgrund anerkannt.
Wie löst die Arbeit den Widerspruch in Kants Definition der „Triebfeder“?
Die Arbeit führt dazu verschiedene Interpretationen an, wie etwa die von Lewis White Beck, der unterscheidet, dass das Gesetz selbst zwar nicht die Triebfeder ist, aber die Achtung, die es hervorruft, als solche in der Sinneswelt fungiert.
- Arbeit zitieren
- Annika Fußhoeller (Autor:in), 2017, Die Triebfeder des moralischen Gesetzes in Immanuel Kants "Kritik der praktischen Vernunft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423968