Ko- und Monoedukation: Von der Benachteiligung von Jungen in der Schule


Zwischenprüfungsarbeit, 2004

29 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0.Vorwort

1. Einleitung

2. Ko- und Monoedukation
2.1. Rückblick: Von der Monoedukation zur Koedukation
2.1.1. Antike bis 18.Jahrhundert
2.1.2. Das 19. Jahrhundert
2.1.3. Das 20. Jahrhundert
2.2. Ursachen für aktuelle Kritik an der Koedukation

3. Mädchen und Jungen in der Schule
3.1. Leistungsunterschiede
3.2. Erklärungsversuche

4. Geschlechtsspezifische Sozialisation
4.1. Die Entstehung von Geschlechtsrollen
4.2. Beeinflussende Variablen
4.2.1. Die Peer-group
4.2.2. Die Familie
4.2.3. Die Schule
4.3. Gesamtbetrachtung: Veränderung der Geschlechtsrollen zum Nachteil von Jungen

5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
5.1. Benachteiligung von Jungen gegenüber Mädchen im Schulalltag
5.2. Koedukation vs. Monoedukation: Vor- und Nachteile dieser Formen der Unterrichtsorga- nisation

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

0. Vorwort

Männer

„Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit.
Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit.
Männer sind so verletzlich, Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.

Männer kaufen Frauen, Männer steh’ n ständig unter Strom.
Männer baggern wie blöde, Männer lügen am Telefon.
Männer sind allzeit bereit, Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit.


Männer haben's schwer, nehmen' s leicht,
außen hart und innen ganz weich.

Sind als Kind schon auf Mann geeicht.
Wann ist ein Mann ein Mann? [...]


Männer haben Muskeln, Männer sind furchtbar stark
Männer können alles, Männer kriegen ’nen Herzinfarkt
Männer sind einsame Streiter, müssen durch jede Wand, müssen immer weiter. [...]

Wann ist ein Mann ein Mann ?“[1]

Wann ist ein Mann ein Mann? - diese Frage hat sich nicht nur Herbert Grönemeyer vor bereits zwanzig Jahren gestellt. Wie in dem Liedtext deutlich wird, scheint die Rolle des Mannes völlig gegensätzlichen Anforderungen ausgesetzt zu sein. Allerdings hat sich Herr Grönemeyer nicht damit befasst, was das für Jungen in der Schule bedeutet und welche Benachtei-ligungen sich dadurch eventuell für sie ergeben. Genau das aber soll in dieser Hausarbeit geschehen.

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll es speziell darum gehen, welche Nachteile Jungen im Vergleich zu Mädchen in der Schule haben und wie diese Nachteile mit Unterrichtsformen und -inhalten zusammenhängen. Dazu wird zunächst in einem kurzen Überblick die Entwicklung von der Monoedukation zur Koedukation dargestellt. Daran anschließend wird ein Vergleich zwischen Mädchen und Jungen bezüglich ihrer Schulleistungen angestellt: Dazu wird die Verteilung der Geschlechter auf die verschiedenen Schulformen, zum einen die aktuelle Situation und zum anderen die Entwicklung der letzten dreißig Jahre, untersucht; außerdem werden die Ergebnisse der PISA- Studie einbezogen. Im nächsten Punkt wird die Entwicklung und Beeinflussung von Geschlechtsrollen dargestellt, um daran zu zeigen, welche Nachteile Jungen durch ihre geschlechts-spezifische Sozialisation und die sich gewandelten Verhält-nisse zwischen den Geschlechtern haben. Im nächsten Punkt wird in einer Abschlussbetrachtung zusammengefasst, wie sich diese Nachteile speziell im Schulalltag äußern und außerdem, welche Unterrichtsorganisation angemessen ist. Das Ende der Arbeit stellt eine Abschlussbemerkung meinerseits dar.

2. Ko- und Monoedukation

Heute besuchen die meisten Kinder Schulen, in denen koedukativ unterricht wird. Das war nicht immer so; der Weg von getrenntgeschlechtlichen zu koedukativ geführten Schulen hat eine lange Entstehungsgeschichte. Einen Übersicht darüber, wie diese Entwicklung verlaufen ist soll der folgende Rückblick geben.

2.1. Rückblick: Von der Monoedukation zur Koedukation

2.1.1. Antike bis 18. Jahrhundert

Von Antike bis Neuzeit war die schulische Bildung alleine Jungen vorbehalten; erst im 18. Jahrhundert, die Zeit der Aufklärung, setzte sich die Vorstellung der Vernunft als oberste Instanz für menschliches Handeln gegen Gott und die Kirche durch. Das Postulat der Gleichheit aller Menschen beeinflusste maßgeblich das Schulkonzept: „Alle Angehörigen der Gesellschaft- also auch die Mädchen- sollten die Möglichkeit haben, sich für das zukünftige Leben in der Gesellschaft vorzubereiten.“[2] In mehreren deutschen Ländern wurde im späteren 18. Jahrhundert die Schulpflicht eingeführt, was der Schule zu einem höheren Stellenwert verhalf. Jedoch war nur die Elementarbildung koedukativ ausgestattet; wobei die Ausbildung der Mädchen dabei immer im Hintergrund stand und auch die weiterführende Schulen blieben weiterhin den Jungen vorbehalten.

2.1.2. Das 19. Jahrhundert

An der Schwelle zum 19. Jahrhundert kam die Frauenbewegung auf. Eine wichtige Rolle spielte dabei der 1865 gegründete ADV (Allgemeiner Deutscher Frauenverein)[3], der 1867 auf seiner ersten Generalversammlung, zum ersten Mal eine Anfrage bezüglich der Koedukation stellte . Aufgrund der Brisanz und der Aussichtslosigkeit wurde dieser Antrag jedoch nicht weitergeleitet, und erst 1897 forderte der ADV eine Angleichung des höheren Mädchenschulwesens an das höhere Jungenschulsystem.

Die erste Koedukationsdebatte

„Während der Öffnung der Primarschulen für beide Geschlechter entstand die erste Koedukationsdebatte.“[4] In der Diskussion ging es nicht um die Frage nach intellektuellen Fähigkeiten von Mädchen und Jungen, sondern darum, ob Mädchen und Jungen aus sittlichen Gründen getrennt oder gemeinsam unterrichtet werden sollten. Besonders die Kirche plädierte die getrenntgeschlechtliche Edukation, was dazu führte, dass in Städten und Kirchen monoedukative Schulen geführt und auf dem Land Mädchen und Jungen zusammen unterrichtet wurden. „Zum Gymnasium und zur Universität hatten Mädchen nach wie vor selten Zugang. Mädchen erhielten somit eine Grundausbildung [...] die [sie] auf ihre mütterliche Rolle vorbereitet.“[5]

2.1.3. Das 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand das Erkämpfen des Rechts auf Bildung für Frauen im Vordergrund, was Diskussionen über die Koedukation in den Hintergrund stellte. Mädchen aus der Unterschicht bekamen wenn überhaupt eine dürftige Einführung ins Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Unterricht der Töchter des gehobenen Bürgertums bestand aus Anstandsregeln, gepflegter Konversation, Französisch, Musik und Handarbeit.[6] „Im Jahre 1920 wurde an der Reichsschulkonferenz ein Antrag des deutschen Lehrerinnenvereins angenommen, der eine Regelung des Mädchenschulwesens analog des Knabenschulwesens forderte.“[7]

Regressive Entwicklung während der NS- Zeit

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieser Trend zur Koedukation wieder teilweise unterbrochen, da sich die Bildung der Mädchen wieder zunehmend an der Vorbereitung auf die Mutterrolle orientierte. In der Regel war es üblich, dass Jungen und Mädchen drei oder vier Jahre gemeinsam die Volksschule besuchten, dann aber getrennt wurden.

Die zweite Koedukationsdebatte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Westdeutschland die Koedukationsfrage wieder neu aufgeworfen: Die Kirche verlangte, die Bildung der Frau ihrem Wesen anzupassen; die Frauenbewegung plädierte die Gleichheit der Geschlechter und setzte sich somit für die Koedukation ein. Im Osten wurde mit der ersten Verfassung der DDR von 1949 die formale Gleichstellung von Mann und Frau besiegelt; logische Folge daraus war, dass auch Mädchen und Jungen zusammen unterrichtet wurden, um Mädchen und Jungen die gleiche Bildung zu ermöglichen. Zunächst glaubte man, dass so die Chancengleichheit der Geschlechter realisiert worden sei; aber schon Anfang der 70-er Jahre wurden durch die neue Frauenbewegung erneut Zweifel an der Koedukation laut: Aus formaler Sicht war die Gleichstellung von Mädchen und Jungen gesichert; die Realität zeigte aber, dass das System selbst geschlechterdiskriminierende Strukturen und Interaktionsformen aufwies. Gefordert wurde eine konkrete Gleichstellung von Mädchen und Jungen im Schulalltag.

Die dritte Koedukationsdebatte

Diese Forderung eröffnete die nächste Entwicklungsstufe (1970-1993) in der Koedukationsdebatte: In der Zeit von 1970 bis 1990 wurde versucht, Mädchen und Jungen aus rechtlicher Sicht gleich zu behandeln, d.h. gleiches Fächerangebot und Stundenzahl für beide Geschlechter anzubieten. Seit 1985 werden kompensatorische Maßnahmen entwickelt, um der Benachteiligung von Mädchen entgegen zu wirken; seit 1990 wird das Augenmerk speziell auf die geschlechtsspezifische Sozialisation von Mädchen und Jungen gelenkt.[8]

2.2. Ursachen für aktuelle Kritik an der Koedukation

Wie dieser Rückblick deutlich macht, kamen Mädchen gegenüber Jungen lange Zeit zu kurz; Grund dafür ist, dass die schulische Bildung für Mädchen aufgrund ihrer sozialen Rolle lange Zeit nicht als notwendig erachtet wurde.

Seit einigen Jahren jedoch besteht keine Einigkeit mehr darüber, wer sich in der Rolle des, bzw. der Benachteiligten befindet: Viele vertreten immer noch die Auffassung, dass Mädchen auch heute noch in der Schule benachteiligt werden, z.B. aufgrund der Tatsache, dass Jungen mehr Aufmerksamkeit und mehr Lob von Lehrern erhalten. Immer mehr Experten aber sind der Ansicht, dass nicht mehr Mädchen, sondern Jungen zu der benachteiligten Gruppe des Schulsystems gehören. Gestützt wird diese These auf den Widerspruch zwischen der angeblichen Begünstigung von Jungen bei gleichzeitig schlechterem Schulerfolg gegenüber Mädchen: Jungen sind überrepräsentiert an Hauptschulen, dagegen unterrepräsentiert an Gymnasien; sie erzielen im Durchschnitt um eine Drittelnote schlechtere Zensuren und stellen ca. zwei Drittel der Sitzenbleiber dar.[9] Vor allem Ergebnisse der PISA- Studie haben zu der Einsicht beigetragen, dass die Verhältnisse der Geschlechter und somit auch die Frage nach der passenden Unterrichtsorganisation, wieder neu diskutiert und überdacht werden müssen.[10]

[...]


[1] Grönemeyer, Herbert: „Männer“. Album: 4630 Bochum, 1984. Online unter: http://www.letzte-version.de/discs/song.php?albumid=4&songnr=32. Stand: 12.8.04.

[2] Rhyner, Thomas; Zumwald, Bea (Hrsg.): Coole Mädchen- Starke Jungs. Ratgeber für eine geschlechtsspezifische Pädagogik. Bern; Stuttgart; Wien 2002, S.15.

[3] Siehe Faulstich-Wieland, Hannelore: Koedukation - Enttäuschte Hoffnung?. Darmstadt 1991, S. 15.

[4] Rhyner, Thomas; Zumwald, Bea (Hrsg.), 2002, S. 15.

[5] Rhyner, Thomas; Zumwald, Bea (Hrsg.), 2002, S. 15-16.

[6] Siehe Rhyner, Thomas; Zumwald, Bea (Hrsg.), 2002, S. 16.

[7] Siehe Beck-Gernsheim, E.: Starke Männer - schwache Frauen?. In: Faulstich-Wieland, Hannelore: Abschied von der Koedukation? Frankfurt am Main 1987, S. 20.

[8] Siehe Rhyner, Thomas; Zumwald, Bea (Hrsg.), 2000, S.17-18.

[9] Siehe Brinck, Christine; Frank, Gerbert: Arme Jungs!. In: Focus 5. August 2002, S. 106.

[10] Siehe Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Koedukation in der Schule. Reflektieren

– weiterentwickeln – neu gestalten. Eine Handreichung zur Gestaltung der koedukativen Schule. Soest 2002, S.7.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Ko- und Monoedukation: Von der Benachteiligung von Jungen in der Schule
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Universität)
Veranstaltung
Von Natur aus anders: Geschlechtsspezifische Unterschiede zwishen Mädchen und Jungen
Note
1
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V42398
ISBN (eBook)
9783638404372
ISBN (Buch)
9783638656627
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Monoedukation, Benachteiligung, Jungen, Schule, Natur, Geschlechtsspezifische, Unterschiede, Mädchen, Jungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Ko- und Monoedukation: Von der Benachteiligung von Jungen in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42398

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