"Benachteiligung in der Schule" wird in unserer Gesellschaft vorrangig mit der ungerechten Behandlung von Mädchen assoziiert; dass aber auch - oder gerade - Jungen Nachteile in der Schule erleiden, hat sich erst in den letzten Jahren herauskristallisiert.
In dieser Arbeit soll es zunächst darum gehen, das 'Miteinander' von Mädchen und Jungen in der Schule zu beleuchten. Dazu wird die Entwicklung von der Mono- zur Koedukation, wie wir sie heute in den meisten Klassenzimmern finden, dargestellt. Dieser historischen Betrachtung schließt sich eine Betrachtung der aktuellen Kritikpunkte am koedukativen Unterricht an. Dieser Einstieg soll als theoretischen Grundgerüst für die Beantwortung der Frage dienen, inwiefern die Nachteile für Jungen in der Schule bedingt sind durch eine koedukative Unterrichtsorganisation.
Anschließend wird ein Vergleich zwischen Mädchen und Jungen bezüglich ihrer Schulleistungen angestellt: Dazu wird die Verteilung der Geschlechter auf die verschiedenen Schulformen, zum einen die aktuelle Situation und zum anderen die Entwicklung der letzten dreißig Jahre, untersucht; außerdem werden die Ergebnisse der PISA- Studie einbezogen.
Im nächsten Punkt wird die Entwicklung und Beeinflussung von Geschlechtsrollen dargestellt, um zu beleuchten, welche Probleme, die Jungen in der Schule aufweisen, in ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisation bzw. in dem sich gewandelten Verhältniss zwischen den Geschlechtern wurzeln.
Im nächsten Punkt wird in einer Abschlussbetrachtung zusammengefasst, wie sich diese Nachteile speziell im Schulalltag äußern und außerdem, welche Implikationen sich dadurch für die Organisation von Unterricht ergeben. Das Ende der Arbeit stellt eine Abschlussbetrachtung des Sachgegenstands meinerseits dar.
Inhaltsverzeichnis
0.Vorwort
1. Einleitung
2. Ko- und Monoedukation
2.1. Rückblick: Von der Monoedukation zur Koedukation
2.1.1. Antike bis 18.Jahrhundert
2.1.2. Das 19. Jahrhundert
2.1.3. Das 20. Jahrhundert
2.2. Ursachen für aktuelle Kritik an der Koedukation
3. Mädchen und Jungen in der Schule
3.1. Leistungsunterschiede
3.2. Erklärungsversuche
4. Geschlechtsspezifische Sozialisation
4.1. Die Entstehung von Geschlechtsrollen
4.2. Beeinflussende Variablen
4.2.1. Die Peer-group
4.2.2. Die Familie
4.2.3. Die Schule
4.3. Gesamtbetrachtung: Veränderung der Geschlechtsrollen zum Nachteil von Jungen
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
5.1. Benachteiligung von Jungen gegenüber Mädchen im Schulalltag
5.2. Koedukation vs. Monoedukation: Vor- und Nachteile dieser Formen der Unterrichtsorganisation
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Benachteiligung von Jungen im schulischen Kontext im Vergleich zu Mädchen. Ziel ist es zu analysieren, wie gesellschaftliche Geschlechtsrollenbilder, Sozialisationsprozesse und spezifische Unterrichtsformen diese Diskrepanz beeinflussen und welche Ansätze für eine reflexive pädagogische Praxis existieren.
- Historische Entwicklung von Monoedukation zu Koedukation
- Analyse geschlechtsspezifischer Leistungsunterschiede (PISA-Studie)
- Einfluss der Peer-group, Familie und Schule auf die männliche Sozialisation
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rollenfindung von Jungen
- Potentiale und Herausforderungen der "reflexiven Koedukation"
Auszug aus dem Buch
4.2.2. Die Familie
„Obwohl Eltern in der Regel davon ausgehen, sie würden ihre Kinder nicht verschieden erziehen, lassen sich noch immer deutliche Unterschiede in den Verhaltensmöglichkeiten von Mädchen und Jungen ausmachen;“ das bedeutet, Eltern haben unterschiedliche Erziehungsziele für Mädchen und Jungen. Allerdings muss an dieser Stelle gleich die Einschränkung gemacht werden, dass es zu einfach wäre, Eltern als eine einheitliche Größe zu sehen. Denn häufig haben Vater und Mutter verschiedene Erwartungen an ihren Sohn. Besonders Väter sind besorgt, wenn ihr Sohn zu weich oder zu sensibel wirkt. Unbewusst ermutigen sie sie dazu, das zu tun, was sie selbst als Kinder gelernt haben: Gefühle von Angst zu verbergen oder diese Gefühle in Aggressionen und Gewalt auszuagieren. Mütter dagegen vermitteln meist andere Ziele, wie Menschlichkeit oder emotionale Zugänglichkeit. Eben Eigenschaften, die sie als wichtig erachten und sich auch von einem Mann als Partner wünschen. Väter vertreten dagegen eine traditionelle Vorstellung von der Rolle eines Mannes.
Das Problem, das hier deutlich wird ist, dass durch das gewandelte Rollenverständnis von Mann und Frau auch auf Seiten der Eltern weniger Einigkeit über die Geschlechtsidentität von Jungen herrscht. Das überträgt sich natürlich auf den Sohn, dem gegensätzliche Anforderungen an seine Geschlechtsrolle vermittelt werden. In diesem Punkt hatten es frühere Generationen leichter, da damals noch eine allgemein anerkannte Übereinstimmung gültig war und somit Eindeutigkeit über die Rollenverteilung von Mann und Frau herrschte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Nachteile von Jungen in der Schule und stellt die Untersuchung der geschlechtsspezifischen Sozialisation sowie der Unterrichtsformen als zentrales Thema dar.
2. Ko- und Monoedukation: Dieses Kapitel liefert einen historischen Rückblick auf die Entwicklung von der Monoedukation zur Koedukation und beleuchtet die Ursachen für die aktuelle Kritik an letzterer.
3. Mädchen und Jungen in der Schule: Es werden statistische Daten zur Verteilung der Geschlechter auf verschiedene Schulformen sowie die Ergebnisse der PISA-Studie hinsichtlich der Leistungsunterschiede präsentiert.
4. Geschlechtsspezifische Sozialisation: Die Autoren untersuchen die Einflüsse von Peer-group, Familie und Schule auf die Entwicklung der männlichen Geschlechtsrolle und analysieren die Benachteiligung von Jungen.
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Hier werden die Ergebnisse synthetisiert und das Konzept der „reflexiven Koedukation“ als Ansatz für eine verbesserte Unterrichtspraxis diskutiert.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass weiterhin ein dringender Forschungsbedarf besteht, um die notwendige Sensibilität für die Geschlechterrolle im Schulalltag zu etablieren.
Schlüsselwörter
Koedukation, Monoedukation, Jungenbenachteiligung, Geschlechtsspezifische Sozialisation, PISA-Studie, Lesekompetenz, Peer-group, Rollenbilder, Geschlechtsidentität, Reflexive Koedukation, Unterrichtsorganisation, Geschlechterstereotype, Leistungsunterschiede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Beobachtung, dass Jungen im modernen Schulsystem gegenüber Mädchen benachteiligt sind, und hinterfragt die Ursachen dieser Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Koedukation, der Analyse von Schulleistungen und dem Einfluss von Sozialisationsinstanzen wie Peer-groups und dem Elternhaus auf das Verhalten von Jungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen geschlechtsspezifischer Sozialisation und schulischem Erfolg aufzuzeigen und Lösungsansätze für eine gerechtere Unterrichtspraxis zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur, aktueller Studien (wie PISA) und pädagogischer Diskurse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen, statistische Auswertungen zur Schulformwahl und eine tiefgehende Betrachtung der Sozialisation von Jungen in verschiedenen Lebensbereichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Koedukation, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Jungenbenachteiligung, Rollenidentität und reflexive Koedukation.
Warum wird die Lesekompetenz in der Arbeit als so wichtig erachtet?
Lesekompetenz wird als Basiskompetenz für alle Schulfächer gesehen, bei der Jungen laut PISA-Ergebnissen signifikante Defizite aufweisen, was ihre Bildungschancen langfristig schmälert.
Was versteht die Autorin unter der "reflexiven Koedukation"?
Dies ist ein pädagogisches Prinzip, das über die formale Gleichstellung hinausgeht und Unterrichtsgestaltungen kritisch daraufhin prüft, ob sie Geschlechterstereotype abbauen oder stabilisieren.
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- Anonym (Author), 2004, Ko- und Monoedukation: Von der Benachteiligung von Jungen in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42398