Die Kulturen mischen sich, Deutschland ist ein Einwanderungsland – ob im Beruf und bei der Arbeit, beim Elternabend in KiTa oder Schule oder im Freundeskreis – Menschen aus verschiedenen Ethnien, Religionen und Zivilisationen begegnen sich heute überall. Das Bewusstsein für Chancen, aber auch für Konfliktpotentiale ist gewachsen. Diese kulturelle Diversität stellt an alle beteiligten Personen oft hohe Anforderungen; Missverständnisse und Verständigungsschwierigkeiten scheinen durch unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Haltungen und Werte vorprogrammiert. Man könnte wie Obelix einfach ausrufen: Die spinnen, die Römer! – In einer zunehmend von wechselseitigen Abhängigkeiten geprägten Welt kann Interkulturelle Kompetenz aber in vielerlei Hinsicht von entscheidender Bedeutung sein: ob beim Aufbau einer internationalen Mitarbeiterstruktur, bei der Lösung von Konflikten oder bei der Zusammenarbeit zur Thematisierung der drängendsten Probleme der Welt – von HIV/AIDS bis zu den sozialen, ökologischen und kulturellen Herausforderungen der Globalisierung. Ein erfolgreicher Umgang mit Angehörigen anderer Kulturkreise erfordert aber spezifische Einstellungen und Fähigkeiten auf zwischenmenschlicher Ebene: „Interkulturelle Kompetenz“. Interkulturelle Kompetenz setzt Wissen und die Bereitschaft, es zu erwerben, voraus: Was heißt Kultur? Welche Dimensionen der Kultur gibt es? Was ist interkulturelle Kompetenz, welche Ziele hat sie und welche Hindernisse sind zu überwinden? Kann jeder Mensch interkulturelle Kompetenz erwerben? Und wie geht das? Das sind zentrale Fragen, die es im Kontakt mit anderen Kulturen zu beantworten gilt.
Die vorliegende Arbeit definiert in der Form eines Fachartikels den Begriff "interkulturelle Kompetenz" und geht näher auf den Begriff "Kultur" und ihre Dynamik ein.
Es werden Hindernisse und Schwierigkeiten sowie Möglichkeiten und Grenzen beim Erwerb eben dieser Kompetenz näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was heißt „Kultur“?
3. Drei Dimensionen der Kultur
4. Kultur und Identität
5. Dynamik und Hybridität von Kultur
6. Definitionen Interkultureller Kompetenz
7. Erwerb von Interkultureller Kompetenz
8. Interkulturelle Kompetenz als prozessualer Begriff lebenslangen Lernens
9. Hindernisse und Schwierigkeiten - Stereotypen und Vorurteile
10. Möglichkeiten und Grenzen
11. Ausblick
12. Literatur:
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Relevanz interkultureller Kompetenz in einer zunehmend globalisierten Gesellschaft und analysiert, wie Individuen diese Kompetenz erwerben und in interkulturellen Begegnungen anwenden können, um Missverständnisse und Konfliktpotenziale zu minimieren.
- Grundlagen des Kulturbegriffs und dessen Dimensionen.
- Die Rolle von Identität in interkulturellen Situationen.
- Prozessuale Modelle und Definitionen interkultureller Kompetenz.
- Herausforderungen durch Stereotypen und Vorurteile.
- Möglichkeiten und Grenzen beim Erwerb interkultureller Fähigkeiten.
Auszug aus dem Buch
3. Drei Dimensionen der Kultur
Bestimmte Codes, Gedanken, Gefühle und Handlungskompetenzen – sie alle gehören zur mentalen Dimension der Kultur. Sie sind nicht beobachtbar und liegen sozusagen „unter der Oberfläche“. Daneben werden noch zwei weitere Dimensionen unterschieden: die materiale und die soziale. Die materiale Dimension der Kultur umfasst Medien und andere kulturelle Artefakte wie literarische Werke und Gemälde, Gebäude oder Theateraufführungen – sie ist beobachtbar, ebenso wie die soziale Dimension, die die konkrete Interaktion in Gruppen und Gesellschaften, sowie die sozialen Strukturen und Institutionen umfasst, die eine Gesellschaft etablieren (ebda). Kultur hat also einige sichtbare, sofort erkennbare Aspekte, und andere, die man nur vermuten und intuitiv erahnen kann.
Dr. Karla K. Deardorff hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2006 eine Studie zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“ durchgeführt. Sie zeichnet Kultur wie einen Eisberg, mit sofort sichtbaren Aspekten und den weit größeren, unsichtbaren unterhalb der Wasseroberfläche. Stoßen zwei Eisberge aufeinander, so entstehen Konflikte – und die Ursachen für diese Konflikte liegen zumeist im Bereich unterhalb der Oberfläche (vgl.: Abb.1) Bolten ist der gleichen Ansicht und beschreibt diese sichtbaren und unsichtbaren Komponenten von Kultur als „perceptas“ (das Wahrnehmbare) und „conceptas“ (das zugrunde liegende, nicht sichtbare Handlungskonzept). In der Interaktion mit kulturell fremden Menschen tendiert man dazu, aus den beobachteten „perceptas“ Rückschlüsse auf kulturspezifische Standards, die „conceptas“ zu schließen (Erll/ Gymnich, S.24). In der Kindheit werden die Grundmuster kultureller Verhaltensweisen, Werte und Glaubenssätze erlernt. Diese kulturelle Konditionierung verläuft in allen Kulturen ähnlich. „Diesen Prozess des Hineinwachsens nennt man „Sozialisati-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die zunehmende kulturelle Diversität in Deutschland und stellt die zentrale Frage nach der Bedeutung und Erlernbarkeit interkultureller Kompetenz.
2. Was heißt „Kultur“?: Beleuchtet das Fehlen eines einheitlichen Kulturbegriffs und definiert Kultur als System von Konzepten und Überzeugungen.
3. Drei Dimensionen der Kultur: Unterscheidet zwischen der mentalen, materialen und sozialen Dimension und nutzt das Eisbergmodell zur Veranschaulichung.
4. Kultur und Identität: Analysiert den Einfluss kultureller Herkunft auf das Individuum und die Bedeutung von Identitätsentwicklung in fremden Kulturen.
5. Dynamik und Hybridität von Kultur: Erklärt Kultur als dynamischen Fluss, der durch ständige Hybridisierungsprozesse in Bewegung bleibt.
6. Definitionen Interkultureller Kompetenz: Setzt sich mit verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und Teilkompetenzen der interkulturellen Kompetenz auseinander.
7. Erwerb von Interkultureller Kompetenz: Beschreibt notwendige Einstellungen wie Offenheit und Motivation für den Lernprozess interkultureller Fähigkeiten.
8. Interkulturelle Kompetenz als prozessualer Begriff lebenslangen Lernens: Begründet, warum interkulturelle Kompetenz ein lebenslanger, mehrdimensionaler Lernprozess ist.
9. Hindernisse und Schwierigkeiten - Stereotypen und Vorurteile: Erörtert die Funktion und Problematik von Stereotypen bei der Wahrnehmung des „Fremden“.
10. Möglichkeiten und Grenzen: Reflektiert die individuellen Voraussetzungen beim Erwerb interkultureller Kompetenz und zieht Grenzen der Lernbarkeit.
11. Ausblick: Betont die wirtschaftliche und praktische Notwendigkeit interkultureller Kompetenz für den Erfolg in Beruf und Alltag.
12. Literatur:: Listet die verwendeten Quellen der wissenschaftlichen Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Kultur, Identität, Sozialisation, Enkulturation, Hybridisierung, Stereotypen, Vorurteile, Eisbergmodell, Kommunikation, Diversität, Reflexionskompetenz, lebenslanges Lernen, Wahrnehmungssensitivität, interkultureller Dialog.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz in einer globalisierten Welt und analysiert die wissenschaftlichen Hintergründe sowie die praktische Relevanz dieses Begriffs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Kultur, die Identitätsbildung, die Dynamik interkultureller Interaktionen, der Prozess des Kompetenzerwerbs sowie der Umgang mit Vorurteilen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Prozesse zu schaffen, die interkulturelle Kompetenz definieren, und aufzuzeigen, wie diese im Alltag und Berufsleben erlernt und angewendet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene Ansätze der Kulturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Kultur, der Dynamik interkultureller Begegnungen, verschiedenen Modellen zur Beschreibung interkultureller Kompetenz sowie den Herausforderungen durch Stereotypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturelle Kompetenz, Identität, Eisbergmodell, Hybridisierung, Vorurteile und Reflexionskompetenz.
Welche Rolle spielt das Eisbergmodell in dieser Arbeit?
Das Eisbergmodell nach Deardorff verdeutlicht, dass nur ein kleiner Teil einer Kultur sichtbar ist (perceptas), während der Großteil unter der Oberfläche verborgen bleibt (conceptas) und häufig Konflikte verursacht.
Warum ist interkulturelle Kompetenz ein lebenslanger Prozess?
Da Kultur sich ständig wandelt und interkulturelle Begegnungen hochkomplex sind, erfordert der Erwerb dieser Kompetenz kontinuierliches Lernen und die fortlaufende Reflexion der eigenen Haltung.
Können interkulturelle Fähigkeiten unbegrenzt erlernt werden?
Die Arbeit weist darauf hin, dass es Grenzen gibt; während Wissen und bestimmte Techniken trainierbar sind, basieren grundlegende Fähigkeiten wie Empathie stark auf der individuellen Persönlichkeit und Sozialisation.
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- M.A. Claudia Manall (Author), 2013, Interkulturelle Kompetenz. Hindernisse und Schwierigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423996