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Rational-Choice-Theorien und ihre Bedeutung bei der Analyse der Bundestagswahl 2002

Title: Rational-Choice-Theorien und ihre Bedeutung bei der Analyse der Bundestagswahl 2002

Research Paper (undergraduate) , 2003 , 37 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Holger Quadfasel (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Summary Excerpt Details

Bei der Bundestagswahl 2002 wurde die alte Regierung mit einem äußerst knappen Vorsprung vor den konkurrierenden Parteien im Amt bestätigt.

Was war diesem Ergebnis nicht alles vorausgegangen: Die Jahrhundertflut in Ostdeutschland und ihre dramatischen Folgen, der drohende Irakkrieg, die beiden Fernsehduelle, die antsemitische Diskussion um die FDP sowie der Machtkampf der beiden Kanzlerkandidaten: Bestimmt wurde der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2002 zu einem Großteil von Personalisierung der Wahlkampagne, Inszenierung durch die Medien und vielmehr durch eine Dramatisierung als eine sachliche Darstellung der politischen Inhalte. Damit lag diese Strategie ganz im Trend der „Amerikanisierung“, welche in den letzten Jahren immer stärker in die deutschen Wahlkämpfe Einzug gehalten hat. Ziel war es dabei vor allem, Meinungen zu polarisieren, um so die noch unentschlossenen Wähler emotional für die eigene Partei zu gewinnen.

Diesen gefühlsorientiert handelnden Menschen steht der „rationale Wähler“ gegenüber, der im Vorhinein exakt einen Plan über die Vorteile und Nachteile seiner Wahlentscheidung aufstellt und auf diese Weise niemals spontan aus einer Gefühlskomponente heraus handelt: Ganz im Gegenteil ist sein Handeln stets bewusst auf ein politisches Ziel ausgerichtet.

Doch besitzt das Konzept des rationalen Wählers, welches bereits im Jahr 1957 von Anthony Downs entwickelt und seit den 80er Jahren in der Wahlforschung immer wieder zur Erklärung von Wahlverhalten herangezogen wurde, überhaupt noch eine Relevanz für die Analysen des Ergebnisses der Bundestagswahl 2002? Wird in den Nachbetrachtungen der Wahl berücksichtigt, inwieweit sich die Wähler an politischen Sachfragen orientiert oder sie eher spontan gewählt haben? War das Ergebnis der Bundestagswahl lediglich ein reiner Zufall und somit verursacht von Wählern, die aus dem Affekt heraus ihre Stimme abgegeben haben? Oder verbergen sich dahinter genau abgewogene Wählermeinungen?

Von Interesse ist darüber hinaus, wie die wissenschaftliche Theorie und die Praxis miteinander in Verbindung stehen: Denn was passiert, wenn das Modell von Downs mit der Realität einer politischen Wahl konfrontiert wird? Handelt der Wähler rational, wenn er wählt? Handelt er irrational? Und: Kann rationales Wählen in der Praxis überhaupt von irrationalem Wählen unterschieden werden?

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Fragen zu erörtern und zu beantworten.



Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rational-Choice-Theorien

2.1. Die Grundlagen von Rational-Choice-Modellen

2.1.1. Der Ursprung und die Idee von Rational-Choice

2.1.2. Der Begriff der Rationalität

2.1.3. Das zugrunde liegende Menschenbild

2.1.3.1. Der Homo Ökonomicus

2.1.3.2. Kritik und Konkurrenzmodelle

2.2. Modelle rationaler Wahlhandlungen

2.2.1. Warum ausgerechnet Downs?

2.2.2. Das Modell des rationalen Wählers

2.2.2.1. Die Grundannahmen

2.2.2.2. Der rationale Wähler im Zweiparteiensystem

2.2.2.3. Der rationale Wähler im Mehrparteiensystem

2.2.2.4. Das Problem der Informationskosten

2.2.2.5. Das Wahlparadoxon

2.2.3. Das „RREEMM“-Akteursmodell

3. Die Bedeutung von Rational-Choice-Theorien im Rahmen von Analysen der Bundestagswahl 2002

3.1. Das Wahlergebnis und seine Interpretationen

3.2. Die Rolle von Rational-Choice-Theorien innerhalb der Wahlanalysen

3.2.1. Zufallssieg oder Leistungssieg?

3.2.2. Die Berücksichtigung des rationalen Wählers

3.2.3. Der Versuch einer Erklärung

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit das theoretische Konzept des „rationalen Wählers“ von Anthony Downs zur Analyse der Bundestagswahl 2002 geeignet ist. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob das in der Fachliteratur oft als Zufallsereignis interpretierte Wahlergebnis durch rationale Kosten-Nutzen-Kalkulationen der Wähler erklärt werden kann oder ob diese Theorie in der politischen Praxis aufgrund der Schwierigkeit, rationale von irrationalen Motiven zu unterscheiden, an ihre Grenzen stößt.

  • Grundlagen und Menschenbild der Rational-Choice-Theorie
  • Modell des rationalen Wählers nach Anthony Downs
  • Analyse der Bundestagswahl 2002 im Lichte ökonomischer Wahlmodelle
  • Diskussion des Wahlparadoxons und alternativer Erklärungsansätze
  • Methodische Probleme bei der empirischen Unterscheidung von rationalem und irrationalem Wahlverhalten

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Der Ursprung und die Idee von Rational-Choice

Ein hauptsächlicher Ursprung von Modellen rationaler Wahlhandlungen liegt in den aus der Soziologie stammenden Handlungstheorien, deren Ziel es ist, individuelles Handeln von Akteuren zu erklären. Im Gegensatz zu ihren Vorläufern erkennen diese Theorien an, dass die bloße Nennung der Ziele eines Individuums für die Erklärung seines Handelns nicht ausreichend ist, weswegen sie das zielgerichtete Verhalten eines Akteurs nicht nur im Allgemeinen analysieren: Stattdessen untersuchen sie die Wahlhandlung in Bezug auf eine bestimmte, konkrete Situation – nämlich genau auf diejenige Situation, in der das Individuum die Entscheidung fällt. Durch die Koppelung von Vermutungen über die individuellen Ziele und die institutionellen, kulturellen und situationellen Rahmenbedingungen, in denen sich das Individuum befindet, versuchen die Vertreter der Handlungstheorien den Vorgang des individuellen Entscheidens zu erklären (vgl. Büschges / Abraham / Funk 1998: 120 f.).

Dabei ist es nur natürlich, dass es in der Soziologie keinesfalls nur „eine richtige“ oder sogar „die wahre“ Handlungstheorie gibt (vgl. Roth 1998: 23): Vielmehr ist eine Vielzahl von Vorschlägen für eine allgemeine Handlungstheorie vorhanden, die von behavioristischen Lerntheorien, über den Ansatz des normorientierten Homo Sociologicus bis hin zu phänomenologischen Alltagstheorien reicht (vgl. Hill 2002: 29, bezogen auf Turner 1988, 1998). So viele Theorien es allerdings in der Soziologie zur Erklärung des menschlichen Entscheidungsvorganges in einer bestimmten Situation auch gibt: Allen Ansätzen muss gemeinsam sein, dass sie grundsätzlich auf alle Akteure und Handlungssituationen übertragbar sein sollten (vgl. Hill 2002: 29).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Ausgangslage der Bundestagswahl 2002 und führt in die zentrale Forschungsfrage ein, ob das Konzept des rationalen Wählers zur Erklärung des Wahlergebnisses beitragen kann.

2. Rational-Choice-Theorien: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Rational-Choice-Ansatzes, definiert den Begriff der Rationalität und stellt das Modell des Homo Ökonomicus sowie weiterführende Ansätze wie das RREEMM-Modell vor.

3. Die Bedeutung von Rational-Choice-Theorien im Rahmen von Analysen der Bundestagswahl 2002: Der Hauptteil verknüpft die Theorie mit der Empirie, indem er untersucht, wie Wahlanalysen zur Bundestagswahl 2002 das rationale Wahlverhalten thematisieren und kritisch hinterfragt, warum dieser Ansatz in der Praxis oft vernachlässigt wird.

4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Ergebnisse der Arbeit und stellt fest, dass die Anwendung des Rational-Choice-Ansatzes auf die Bundestagswahl 2002 in der Fachliteratur eher rückläufig ist, da eine klare Trennung zwischen rationalen und irrationalen Motiven empirisch kaum möglich erscheint.

Schlüsselwörter

Rational-Choice, Bundestagswahl 2002, rationaler Wähler, Homo Ökonomicus, RREEMM-Modell, Wahlverhalten, Parteiendifferential, Nutzentheorie, Wahlparadoxon, methodische Probleme, politische Entscheidung, Rationalität, Handlungstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Anwendung von Rational-Choice-Theorien auf das Wahlverhalten, speziell am Beispiel der Bundestagswahl 2002, und prüft die Relevanz des Modells des rationalen Wählers in der aktuellen politikwissenschaftlichen Forschung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen rationaler Wahlentscheidungen, die Kritik am Homo Ökonomicus, die Modellierung von Wählerentscheidungen nach Anthony Downs sowie die empirische Analyse der Bundestagswahl 2002 hinsichtlich rationaler vs. irrationaler Motive.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu erörtern, ob das Konzept des rationalen Wählers, der Kosten und Nutzen abwägt, eine hinreichende Erklärung für das Ergebnis der Bundestagswahl 2002 bietet oder ob dieses Modell in der Praxis an methodische Grenzen stößt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine theoretische Literaturanalyse durch, kontrastiert diese mit aktuellen Analysen der Bundestagswahl 2002 und diskutiert die Anwendbarkeit verschiedener Modelle des rationalen Handelns.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Wurzeln der Rational-Choice-Theorien und Modelle wie das RREEMM-Modell dargestellt. Anschließend wird untersucht, wie Fachliteratur das Ergebnis der Bundestagswahl 2002 interpretiert und inwiefern dabei Argumente des rationalen Wählens aufgegriffen werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere der rationale Wähler, das Parteiendifferential, die Informationskosten, das Wahlparadoxon und die Problematik der Identifikation rationaler vs. irrationaler Wahlmotive.

Warum wird das RREEMM-Modell als realistischer als der klassische Homo Ökonomicus betrachtet?

Das RREEMM-Modell integriert die Annahme begrenzter Informationen und menschlicher Unsicherheit, erkennt an, dass Akteure ihre Handlungen in einem komplexen Umfeld wählen müssen, und versucht, eine Brücke zur soziologischen Perspektive zu schlagen.

Warum kommt der Autor zu dem Schluss, dass rationale Wähler in der Praxis schwer zu identifizieren sind?

Der Autor argumentiert, dass fast jedes Motiv im Nachhinein durch eine entsprechende Argumentation als "rational" und auf ein politisches Ziel ausgerichtet umgedeutet werden kann, was eine saubere empirische Trennung zwischen rationalem und irrationalem Verhalten nahezu unmöglich macht.

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Details

Title
Rational-Choice-Theorien und ihre Bedeutung bei der Analyse der Bundestagswahl 2002
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Sozialwiss. Institut, Abteilung für Politikwissenschaft, Lehrstuhl II)
Grade
1,3
Author
Holger Quadfasel (Author)
Publication Year
2003
Pages
37
Catalog Number
V42404
ISBN (eBook)
9783638404426
ISBN (Book)
9783638834636
Language
German
Tags
Rational-Choice-Theorien Bedeutung Analyse Bundestagswahl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Holger Quadfasel (Author), 2003, Rational-Choice-Theorien und ihre Bedeutung bei der Analyse der Bundestagswahl 2002, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42404
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