Empowerment in der sozialen Altenarbeit


Term Paper, 2018
15 Pages, Grade: 2,0

Excerpt

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Empowerment in der Sozialen Arbeit
2.1. Definition „Empowerment“
2.2. Historischer Hintergrund
2.3. Ziele von Empowerment

3. Empowerment in der teilstationären Tagespflege
3.1. Konzept der Tagespflege des Diakonischen Werkes Bethanien e.V
3.1.1. Zielgruppe und Ausschlusskriterien
3.1.2. Leitbild der Pflege und Betreuung
3.1.3. Leistungen
3.2. Methoden und Konzepte des empowermentorientierten Arbeiten
3.2.1. Biographiearbeit und biographische Anschlussfähigkeit
3.2.2. Lebensbewältigung im Alter
3.2.3. Lebensweltorientierte Altenarbeit

4. Grenzen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der demografische Wandel ist allgegenwärtig und andauernd ein aktuelles Thema der Wissenschaftsdisziplinen. Die damit einhergehende Individualisierung und Pluralisierung der Lebenslagen im Alter sowie die stetig älter werdende Gesellschaft, erfordern innovative Zukunftsmodelle und Programme um ein altengerechtes Leben in der Gesellschaft sicherzustellen und zu gewährleisten. Diese sozialpolitischen Bemühungen stellen auch die Soziale Arbeit vor neue Herausfoderungen und Aufgaben, die sich über Lebensbegleitung und Orientierungshilfe sowie Betreuung psychisch kranker Hochaltriger bis hin zur Sterbebegleitung in Einrichtungen erstecken können (Karl, 2004, S. 446).

In der Sozialer Arbeit hat kaum ein anderer Begriff wie „Empowerment“ das Selbstverständnis und das Handeln so tiefgreifend und nachhaltig geprägt. Empowerment heißt wörtlich übersetzt „Selbstbemächtigung“ und „Selbstbefähigung“ und entstand aus der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre in den USA (Herriger,2006, S. 9). Vor dem Hintergrund, dass auch SeniorInnen nach einem Maß an höchster Selbstbestimmung und Selbstgestaltung der eigenen Lebensführung streben und ein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und gesellschaflicher Anschlussfähigkeit haben, könnten die sozialpädagogischen Theorien an der Lebensphase Alter anknüpfen und so der Sozialen Arbeit einen professionellen und mothodischen Zugang zur sozialen Altenarbeit ermöglichen. Dabei sollen das Gemeinwesen und die Selbsthilfepotentiale der älteren Menschen im Mittelpunkt stehen(Schweppe, 2002, S. 516f.).

Empowerment soll älteren Menschen zu mehr Selbstbestimmung und damit zu mehr Lebensqualität verhelfen, indem die Soziale Arbeit mit alten und älteren Menschen, ihre AdressatInnen als Gestalter seiner Umwelt begreift und ihre Selbstgestaltungskräfte und Ressourcen stärkt um eigenständig belastenden Lebenslagen zu bewältigen (Sohns, 2007, S. 76).

Diese Arbeit soll aufzeigen wie die Konzepte und Ansätze des Empowerments im Rahmen der teilstationären Altenhilfe umgesetzt und von welchen Berufsgruppen sie tatsächlich praktiziert werden. Dazu gibt das folgende Kapitel (2) erst einen Einlick in die Definition des Empowerment- Ansatzes, seinen historischen Entstehungshintergrund und seine zentralen Ziele ein. Im Anschluss daran wird Empowerment im Pflege- und Betreuungskontext der Tagespflege(3.) thematisiert. Es erfolgt eine Beschreibung des konzeptionellen Rahmen der Tagespflege des Diakonisches Werkes Bethanien e.V. (3.1.). Daran angeknüft werden die empowermentorientieren Arbeitsweisen der Tagespflege (3.2.) herausgearbeitet und diese mithilfe der Theorien der Biographiearbeit (3.2.1.), Lebensbewältigung nach Böhnisch (3.2.2.) und Lebensweltorientierung nach Thiersch (3.2.3.) kurz theoretisch begründet. Nach der theorethischen Einbettung in die sozialpädagogischen Ansätze sollen Grenzen des Empowerment- Konzeptes (4.) beschrieben werden. Zum Schluss erfolgt ein Fazit und ein kurzer Ausblick (5.) für die Soziale Arbeit.

2. Empowerment in der Sozialen Arbeit

Der Empowerment – Gedanke hat sich 1890 in der Praxis der Sozialen Arbeit etabliert und wurde zu der Leitlinie des Selbstverständnisses und des Handelns der Sozialen Arbeit. Seitdem wurden viele sozialpädagische Ansätze und Theorien der Sozialen Arbeit wie die Sozialraumorientierung, die Lebensweltorientierung nach Thiersch, die Lebensbewältigung von Böhnisch und die Biographiearbeit hervorgebracht. Sie alle tragen den Leitgedanken des Empowerments und verfolgen das zentrales Ziel, Menschen in belastenden Situationen und Lebenskrisen durch Selbstbemächtigung und Selbstbefähigung zu helfen, diese möglichst eigenständig zu bewältigen und zu überwinden (Herriger, 2006, S. 33f.). Das folgende Kapitel soll eine Einführung in die Definitionen von Empowerment geben.

2.1. Definition „Empowerment“

Empowerment ist kein spezifischer Ansatz, sondern fungiert als Pool von Methoden und Ansätzen, in den sich viele sozialpädagogische Konzepte und Theorien der Sozialen Arbeit wie Lebensweltorientierung, Lebensbewältigung und biografische Anschlussfähigkeit einordnen lassen (Herriger, 2006, S. 11). Es existieren zahlreiche Definitionen zur Begriffsahnnährung an das Handlungskonzept Empowerment. Herriger spricht in diesem Zusammenhang von „vier Zugängen zu einer Definition von Empowerment“ (Herriger, 2006, S. 1). In diesem Sinne wird Empowerment je nach Gewichtung als politischer, lebensweltlicher, reflexiver oder kollektiver Prozess verstanden.

Herriger definiert Empowerment als „programmatisches Kürzel für eine psychosoziale Praxis (bezeichnen), deren Handlungsziel es ist, Menschen das Rüstzeug für ein eigenverantwortliches Lebensmanagement zur Verfügung zu stellen und ihnen Möglichkeitsräume aufzuschließen, in denen sie sich die Erfahrung der eigenen Stärke aneignen und Muster solidarischer Vernetzung erproben können“ (Herriger 2006, 11).

Eine weitere Definition von Theunissen/Plaute (1995) definiert Empowerment als „einen Prozeß, in dem Betroffene ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, sich dabei ihrer eigenen Fähigkeiten bewußt werden, eigene Kräfte entwickeln und soziale Ressourcen nutzen. Leitperspektive ist die selbstbestimmte Bewältigung und Gestaltung des eigenen Lebens“ (S. 12).

Keupp definiert Empowerment als „Prozess in dem die Menschen sich ermutigt fühlen, ihre eigenen Angelegenheiten in die Hand zu nehmen, eigene Kräfte und Kompetenzen zu entdecken und ernst zu nehmen und selbst erarbeitete Lösungen schätzen zu lernen“ (Keupp, 1996, S.164).

Allen Definitionen ist gemein, dass Empowerment ein zeitlich abhängiger Entwicklungsprozess ist, indem Betroffene das Vertrauen in die eigenen Stärken gewinnen und dazu befähigt werden mehr Selbstbestimmung und Autonomie über ihr eigenes Leben zu erlangen um belastenden Situationen eigenständig meistern zu können (Herriger, 2006, S. 13ff.). Empowerment befähigt Menschen in Lebenskrisen oder innerhalb schwerer Schicksalsschläge das höchste Maß an Selbstbestimmung und Autonomie wiederzuerlangen. Dabei bezieht sich das Konzept Empowerment auf unterschiedliche Handlungsebenen. Empowerment ist ein Drei-Ebenen-Modell. Die individuelle Ebene, die organisatorische und institutionelle Ebene stehen in wechselseitiger Wirkung mit dem Empowermentprozess eines Menschen (Nau, 2015, S.155f.). In Anlehunng an Nau und Sohns werden im Folgenden die drei Organisationsebenen von Empowerment ausdifferenziert:

Individuelle Ebene:

Die individuelle Ebene wird auch als psychologisches Empowerment verstanden und meint das Bewusstsein und das Selbstvertrauen dafür, dass Betroffene ihre Angelegenheiten selbstständig klären und bewältigen können. Um Entwicklungsprozesse zur Stärkung der persönlichen Ressourcen und des sozialen Zusammenhaltes voranzutreiben ist neben der Einzelarbeit auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von zentraler Bedeutung ( Nau, 2015, S. 155).

Organisatorische Ebene:

Die organisatorische Ebene konzetriert sich auf die Stärkung und den Ausbau vorhandener sozialer Netzwerke wie z. B. Familienangehörige, Freunde, Bekannte, Mitarbeiter aber auch die Gemeinschaft (Sohns, 2007, S. 79).

Institutionelle Ebene:

Hier steht das unmittelbare Wohnumfeld mit seinen Infrastrukturen im Vordergrund und die Eröffnung von Räumen der Mitbestimmung. Sie sind wichtige Voraussetzungen für die Lebensqualität und soziale Teilhabe. Die Aufgabe Sozialer Arbeit besteht darin institutionelle Angebote an die Lebenswelt des Menschen anzupassen und diese zu verbinden (Sohns, 2012, S. 79).

2.2. Historischer Hintergrund

In diesem Kapitel soll der historische Entstehungshintergrund des Empowerments rekonstruiert werden. Ursprünglich stammt das Konzept des Empowerments aus den USA und hat seine Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung und der Gemeindepsychologie. Durch den Kampf gegen gesellschaftliche Benachteiligung und Rassendiskrimmierung in den sechziger Jahren kristallisierte sich das Konzept des Empowerments heraus, in dem Menschen lernen, ihr eigenes Leben zu bewältigen. Der Psychologe Julian Rappaport aus den USA griff Mitte der 1980er das Konzept Empowerment auf (Sohns, 2007, S. 75). Rappaport beobachtete, dass Menschen mit Behinderungen zunehmend entmündigt wurden, da sie kindlich und unselbstständig erschienen. In der Independent-Living-Bewegung wurde deutlich, dass Menschen mit Behinderungen die Rolle des Patienten anzunehmen haben und ohne zu hinterfragen den Anweisungen von Ärzten und anderen Berufsgruppen Folge zu leisten haben. Der amerikanische Psychologe beschäftigt sich damit, diese Menschen zu befähigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch erst 1981 aus der Black-Power-Bewegung heraus, führte Rappaport den Begriff „Empowerment“ in dem Kontext von Ungleichheiten ein (Nau, 2015, S. 152).

2.3. Ziele von Empowerment

Das Ziel von Empowerment ist die aktive Gestaltung der individuellen Lebenswelt eines Menschen. Entscheidungen selbst zu treffen und in der Lage zu sein, das Leben selbstständig zu gestalten sowie die Teilnahme an der sozialen Umwelt. Empowerment versteht sich als Entwicklungsprozess, indem Betroffene dazu befähigt werden sollen mehr Selbstbestimmung und Autonomie über ihr eigenes Leben zu erlangen (Nau, 2015, S. 152).

Um die aktive Lebensgestaltung aufzubauen und zu bewahren sind folgende Kompetenzen und Hilfestellungen von bedeutsamer Rolle:

- „Stärkung des Selbstwertgefühls
- Die gelernte Erwartung, hilflos zu sein, umdefinieren
- Die eigene Unsicherheit aushalten und Konflikte eingehen zu können
- Gegenseitige Unterstützung stabilisieren
- Einschüchterungsversuchen von außen begegnen
- Die damit verbundene Belastung privater Beziehungen durchstehen
- Orientierung entwickeln und Wegbegleitung bei der Suche nach Lebenssinn
- Aufbau und Renovierung von sozialen Netzwerken
- Förderung der Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeiten des Einzelnen
- Förderung des Zusammenschlusses von Personen zur besonderen Durchsetzung von gemeinsamen Interessen“ (Nau, 2015, S. 153).

3. Empowerment in der teilstationären Tagespflege

In Deutschland hat sich das Empowerment-Konzept stark in der Sozialpädagogik verbreitet und erst in jüngster Zeit erscheint Empowerment zunehmend in der Pflegefachliteratur (Nau, 2015, 152). So heißt es in der Fachliteratur aus der Gesundheits- und Krankenpflege „Auch kranke oder gesundheitsgefährdende Menschen können ihre eigenen Erfahrungen gesundheitsfördernd nutzbar machen. Durch geplante, bewusste und konstruktiv begleitete Lernprozesse können Menschen sich aktiv mit ihrer Lebenswirklichkeit auseinandersetzen und dabei nicht nur ihre gesundheitlichen Risiken mindern, sondern auch ihre Fähigkeiten neu entdecken und entfalten“ (Menche, 2011, S. 205). Im §71 SGB XII ist die Altenhilfe rechtlich verankert. Sie fokussiert sich auf die Unterstützung und Pflege älterer Menschen und ist ein fester Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. Es ist die Entscheidung der Kommunen welche Bildungs- und Beratungsangebote ausgebaut werden und in wie weit die Soziale Arbeit dabei mitwirken kann und darf ( Kricheldorff, 2010, S. 66).

Die Soziale Altenarbeit ist ein junges und neuartiges Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit, welches sich aus dem sozialgesellschaftlichen Wandel über das Verständnis vom Alter(n) heraus entwickelt hat. Das Bild des betreuten alten Menschen wurde ab Mitte der 1970er Jahre vom Leitbild des aktiven alten Menschen abgelöst, das den Fokus auf die Aktivitätstheorie nach Tartler (1961) sowie die Kontinuitätstheorie von Atchley (1989) legt und für die Soziale Arbeit handlungsweisend sind. Im Mittelpunkt dieser Theorien steht die selbstbestimmte und autonome Lebensgestaltung unter Einbeziehung der Biografie sowie der erworbenen Ressourcen und Kompetenzen (Kricheldorff, 2010, S. 68). Dieses aktuelle Verständnis entspricht auch den Kozepten der Sozialen Arbeit wie z.B. Lebenswelt- und Ressourcenorientierung im Sinne von Empowerment nach Herriger (2004). Im nachstehenden Kapitel wird der konzeptionelle Rahmen der Tagespflege des Diakonischen Werkes Bethanien e.V. dargestellt.

3.1. Konzept der Tagespflege des Diakonischen Werkes Bethanien e.V.

Leitbild der Tagespflege des Diakonischen Werkes Bethanien e.V. ist der gemeinsame Auftrag „leben helfen“. In der Praxis bedeutet dies „hinschauen und begleiten, hinhören und beraten, pflegen und heilen, trösten und fördern.“ (Diakonisches Werk Bethanien e.V., 2017, S. 4). Die Tagespflege ist eine teilstationäre Einrichtung und richtet sich an hilfebedürftige, behinderte und/ oder desorientierte Menschen, die ihr alltägliches Leben nicht mehr selbstständig organisieren und bewältigen können. Desweiteren muss eine Pflegebedürftigkeit im Sinne des § 14 SGB XI vorliegen. Insbesondere legt das Diakonische Werk großen Wert darauf, pflegende Angehörige zu unterstützen und durch das Teilen der Pflegeverantwortung somit zu entlasten. Das Pflege- und Betreuungverständis der Tagespflege zeichnet sich durch eine lebenweltorientierte Betrachtungsweise des älteren Menschen aus und bezieht seine individuelle Lebenslage in den Pflege- und Betreuungsprozess mit ein. Die Tagespflege nimmt den sozialen und demografischen Wandel in den Blick und leitet daraus ihr Handeln für die Praxis ab (Dieakonisches Werk Bethanien e.V., 2017, S. 5f.).

Die Tagespflege bietet ein breites Spektrum an Angeboten für die Gäste an:

- Soziale Betreuung in Form von Gesprächsmöglichkeiten
- Therapeutische Angebote nach einem Krankenhausaufenthalt
- Pflege und Versorgung am Tag
- Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz
- Entlastung pflegender Angehöriger (vgl. Diakonisches Werk Bethanien e.V., 2017, S.

3.1.1. Zielgruppe und Ausschlusskriterien

Zielgruppe sind Menschen die zum einen pflegebedürftig sind und aus diesem Grund nicht alleine bleiben und sich selbst versorgen können. Perosnen, die durch Rehabilitation und realitätsorientierende Maßnahmen in ihrer Autonomie gefördert werden können und pflegebedürftige Menschen, die noch mobil sind. Ausschlusskriterien sind das Vorliegen einer hochgradigen Hinlauftendenz, akute Erkrankungen sowie Aggressivität mit einer Selbst- und Fremdgefährdung.

3.1.2. Leitbild der Pflege und Betreuung

Die Tagespflege wird als Begegnungsstätte verstanden, die es den Gästen ermöglicht soziale Kontakte zu knüpfen und tagesstrukturierende Angebote wahrzunehmen. Weiterhin beinhaltet das Leitbild der Tagespflege eine individuelle und personenorientierte aktivierende Pflege unter Berücksichtung der vorhandenen Ressourcen und der persönlichen Lebenssituation. Gleichzeitig sollen Angehörige entlastet werden um mehr Zeit für ihre Familie zu haben und ihrer Arbeitstätigkeiten nachgehen können. Der Mensch wird als bio-psycho-soziale Einheit verstanden und wird nicht auf seine Krankheit reduziert. Neben der körperlichen Pflege werden demnach auch seelische, geistige und soziale Bedürfnisse in den Pflege- und Betreuungsprozess eingebunden und im höchsten Maße gefordert und gefördert. Um den Pflege- und Betreuungsprozess zu unterstützen und das Zusammenleben zu erleichtern werden pflegende Angehörige diesbezüglich beraten und geschult (Diakonisches Werk Bethanien e.V., 2017, S. 9)

Ziele der Tagespflege sind:

- Schaffung einer fröhlichen und gesundheitsfördernden Atmosphäre
- Stärkung vorhandener Ressourcen und Wiederherstellung verloren geglaubter Fähig keiten und Kompetenzen
- Gewährleistung in der vertrauten Umgebung so lange wie möglich leben zu können
- Entlastung der Pflegepersonen
- Verhinderung von Vereinsamung und Isolation
- Nachsorge und Weiterbehandlung nach einem Krankenhausaufenthalt
- Steigerung der Lebensqualität und der Teilhabe (vgl. Diakonisches Werk Bethanien e.V., 2017, S. 10f.)

3.1.3. Leistungen

Die Tagespflege bietet ein breites Spektrum aus folgenden Betreuungsangeboten:

- „Körper- und Behandlungspflege
- Orientierungsübung zu Person, Ort, Zeit, Wetter, etc.
- Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen durch Zeitungslektüre und Diskussionsmöglichkeiten
- 10-Minuten-Aktivierung
- spezielle Erinnerungspflege, orientiert an der Biografie der Gäste mit Einsatz von individuellen „Erinnerungsschlüsseln“ (z.B. alte und/oder typische Gerätschaften aus Familie, Leben und Beruf)
- Biographiearbeit (singen, tanzen, Seniorentänze, Aktivierung, Erhalt der Lebensfreude)
- Möglichkeit zu Einzelgesprächen
- Validative und empathische Grundhaltung des Personals
- Trauerarbeit
- Gedächtnisübung mit Hilfe methodisch eingesetzter Materialien z.B. zur Wortfindung, Erinnerung, Konzentration
- seniorengerechte Bewegungsangebote und Spiele zur Aktivierung und Koordination der Geschicklichkeit
- Mithilfe bei der Gartenpflege zur Anregung der Sinne
- musische Tätigkeiten (z.B. Singen, Rhythmusinstrumente, Sitztänze)
- kulturelle Angebote (z.B. Filmvorführungen, Lesezeiten)
- kreatives Gestalten zur Erhaltung der Feinmotorik (z.B. Basteln, Malen, Stricken, Handwerken)
- besondere Gestaltung von Festen und Jahreszeiten
- Spaziergänge im Parkgelände
- Mitgestaltung bei der Vor-, Zu- und Nachbereitung von Mahlzeiten, um die Kompetenz und Koordinationsfähigkeit bei der Durchführung von Alltagsverrichtungen zu erhalten
- Gruppen- und/oder individuelle Einzelbetreuung
- Ruhezeiten und Erholung
- Interessenbezogene Beschäftigungs- und Aktivierungsangebote
- Annehmen und Förderung in der Rolle als Mann oder Frau
- Wahrung der Intim- und Privatsphäre
- Enger Kontakt zu Angehörigen/ Pflegediensten und Ärzten
- Beratung in sämtlichen pflegerelevanten Bereichen
- Aktivitäten in der Gruppe
- Integration wird in die Gästegruppe wird angestrebt
- Möglichkeit Besuch zu empfangen
- Anbindung an die Gemeinde und das Altenpflegeheim Kronberg
- Fahrdienst von Haustür zu Haustür“ (Diakonisches Werk Bethanien e.V., 2017, S. 10ff.)

3.2. Methoden und Konzepte des empowermentorientierten Arbeiten

In Hinblick auf das Angebot der Tagespflege des Diakonisches Werkes Bethanien e.V. ist eine starke Affinität zu Empowerment-geleiteten Ansätzen erkennbar, jedoch wir das Empowerment- Konzept an keiner Stelle direkt genannt. Desweiteren werden die empowermentorientierten Betreuungs- und Unterstützungsangebote nicht von angestellten SozialarbeiterInnen praktiziert, sondern vom Pflegefachpersonal selbst.

Im folgenden Kapitel sollen die empowermentorientierten Angebote der Tagespflege aufgegriffen und in die Theorien der Biographiearbeit (3.2.1.), der Lebensbewältigung nach Böhnisch (3.2.2.) und der Lebensweltorientierung nach Thiersch (3.2.3) eingebettet werden.

3.2.1. Biographiearbeit und biographische Anschlussfähigkeit

Alter geht mit verändernden und verschiedenartigen Lebenslagen sowie komplexen Bewältigungsanfoderungen einher. Die Profilierung Soziale Arbeit könnte darin liegen, die biografische Anschlussfähigkeit mithilfe der Biographiearbeit herzustellen und zu fördern. Biographiearbeit bedeutet Wertschätzung der Person und kann dabei helfen an der bisherigen Lebensgeschichte anzuknüpfen und diese in Relation zu den gegenwärtigen Lebensverhältnissen zu setzen. Biographische Anschlussfähigkeit macht es möglich Umorientierungsprozesse anzutreiben, die Selbstgestaltungspotentiale zu aktivieren und individuelle Ressourcen zu sichern. Eine biographisierte Lebensführung kann aber nur gelingen, wenn sie von sozialen und gesellschaftlichen Strukturen in der Lebenswelt gefördert und abgesichert wird (Schweppe, 2002, S. 516).

3.2.2. Lebensbewältigung im Alter

Ein Zugang zur Lebensphase Alter(n) kann über die Theorie der Lebensbewältigung von Böhnisch hergestellt werden. Für Böhnisch bedeutet Lebensbewältigung biografische Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Integrität zu erlangen und zu erhalten. Lebensbewältigung bezieht sich auf die individuellen Lebensentwürfe- und situationen, die eigenen Fähigkeiten und Stärken sowie auf die sozialen Ressourcen und die gesellschaftlichen Hindernisse der Partizipation. Im Alter muss insbesondere die Auseinandersetzung mit dem eigenen körperlichen Verfall, mit Krankheit, mit Behinderung oder mit Pflegebedürftigkeit bewältigt werden. Auch der Austritt aus dem Berufsleben und der Verlust des sozialen Netzwerkes können bei älteren Menschen eine Sinnkrise auslösen und zur Isolation führen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig neue sinnstiftende Lebensinhalte zu erarbeiten, die Selbstgestaltungskräfte und die eigenen Ressourcen zu stärken um Lebenskrisen eigenmächtig zu bewältigen (Schweppe, 2002, S. 517).

3.2.3. Lebensweltorientierte Altenarbeit

Soziale Arbeit könnte sich als lebensweltorientierte Altenarbeit begreifen, indem sie neue Räume der Selbstbestimmung in der unmittelbaren Lebenswelt eröffnet und die Milieubedingungen für alte Menschen verbessert. Soziale Räume stellen einen fruchtbaren Boden für die Entwicklung der eigenen Selbstgestaltungskräfte dar und eröffnen neue Sinnstrukturen und Orientierungshilfen. Aufgabe der lebensweltorientieren Altenarbeit ist es die Individualität des Einzelnen im gesellschaftlichen Kontext zu entfalten und die selbstbestimmte und autonome Lebensführung zu fördern (Schweppe, 2002, S. 518).

4. Grenzen

Das Empowerment- Konzept im Kontext der teilstationären und stationären Altenhilfe stößt bei körperlichen Einbussen, hoher Pflegebedüftigkeit und fortgeschrittener Krankheitsprozessen an seine Grenzen, sodass die Aktivierung der Selbsthilfepotentiale nicht mehr gelingt und auch nicht mehr gefödert werden kann. Dementsprechend ist die eigene Verantwortungsbereitschaft- fähigkeit, die die KlientInnen mit sich bringen eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung von Empowerment (Sohns, 2007, S. 94).

5. Fazit

Die Soziale Arbeit fand im Gegensatz zu den Lebenphasen Kindheit und Jungend lange keinen richtigen Zugang und Anschluss zur Lebensphase Alter. Laut Aner und Karl (2010, S. 09) liegen die Gründe hierfür in den rechtlichen bzw. den fehlenden rechtlichen Rahmenbedingungen für ältere Menschen. Anders als Kinder und Jugendliche haben ältere Menschen keinen Anspruch auf Bildung und Förderung ihrer Entwicklung.

Die Altenpflege ist ein stetig wachsendes und bedeutsames Arbeitsfeld, jedoch unterliegt die soziale Altenarbeit zwei wesentlichen Strukturproblemen. Einerseits verfügt das Altenhilfegesetz aufgrund des vorherrschenden medizinischen Paradigmas lediglich über sehr starre und wenig auf die Veränderungen im Alter angepasste Strukturen an Unterstützungs- und Bildungsmöglichkeiten. Es fehlt eine breitgefächerte und adäuate Ausdifferenzierung der Unterstützung- und Bildungsangebote für ältere aktive und gesunde Menschen, die weder krank noch pflegebedürftig sind, jedoch Unterstützung bei einer gelingenden Lebensführung nach Familie und Beruftätigkeit benötigen. Hier liegt der Fokus auf Sinnfindung, Lebenszufriedenheit, Autonomie und gesellschaftliche Teilhabe. Andererseits hat es die Soziale Arbeit unter der Dominanz des medizinisches Pflegeverständnisses nicht geschafft sich innerhalb der Altenhilfe durch Konzepte und Ansätze zur Lösung von alterspezifischen Problemlagen zu positionieren und zu profilieren. Der soziale Wandel des Alters birgt aber auch Chancen und neue Möglichkeiten für das Handlungsfeld der Sozialen Altenarbeit (Aner Karl, 2010, S.12).

Soziale Altenhilfe ist noch ein junges Arbeitsfeld und muss weiterhin erschlossenen werden. In Angesicht des demografischen Wandels steht die Soziale Arbeit vor neuen gesellschaftlichen Herausforderungen aber auch neuen Chance und Möglichkeiten. Sie sollte keine Randstellung in der Altenhilfe sein.

Literaturverzeichnis

Aner, K. (2010). Soziale Altenhilfe als Aufgabe Sozialer Arbeit. In K. Aner U. Karl (Hrsg.), Handbuch Soziale Arbeit und Alter (S. 33-50). Wiesbaden: VS Verlag.

Beetz, S. (2014). Empowerment für Lebensqualität im Alter. In A. Monika (Hrsg.), Älter werden im Quartier: Soziale Nachhaltigkeit durch Selbstorganisation und Teilhabe (S. 153-163). Kassel: univerity press.

Diakonisches Werk Bethanien e.V. (2017). Konzeption Tagespflege. Qualitätsmanagement Handbuch. Auf: http://www.tagespflege-ewersbach.de/sites/default/files/dokumente/konzeption_tp.pdf [Zugriff am 19.02.2018].

Herriger, N. (2006 ). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (3., erweiterte und aktualisierte Aufl.). Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer.

Karl, F. (2004). Soziale Arbeit. In Kruse Martin (Hrsg.), Enzyklopädie der Gerontologie. Alternsprozesse in multidisziplinärer Sicht (S. 437-447). Bern: Verlag Hans Huber.

Keupp, H. (1987). Psychosoziale Praxis im gesellschaftlichen Umbruch. Bonn: Psychiatrie Verlag.

Kricheldorff, C. (2010). Bildungsarbeit mit älteren und alten Menschen. In K. Aner U. Karl (Hrsg.), Handbuch Soziale Arbeit und Alter (S. 99-109). Wiesbaen: VS Verlag.

Menche, N. (2011). Pflege heute. Lehrbuch für Pflegeberufe (5. Aufl.). München: Urban Fischer Verlag.

Nau, J. (2005). Empowerment als Konzept für die Pflege. PflegePädagogik, 03/ 05, 152-158. Auf: http://www.printernet.info/artikel.asp?id=533 158 PRINTERNET 03/05 [Zugriff am 19.02.2018].

Schweppe, C. (2002). Soziale Altenarbeit. In W. Thole (Hrsg.), Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch (4. Aufl., S. 505-522). Wiesbaden: VS Verlag.

Sohns, A. (2007). Empowerment als Leitlinie Sozialer Arbeit. In B. Michel-Schwartze (Hrsg.), Methodenbuch Soziale Abeit. Basiswissen für die Praxis (2., überarbeitete und erweiterte Aufl., S. 73-99). Wiesbaden: VS Verlag.

Theunissen, G. Plaute W. (2003). Handbuch Empowerment und Heilpädagogik. Freiburg: Lambertus Verlag.

Thiersch, H., Grunwald, K. Köngeter, S. (2010). Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. In W. Thole (Hrsg.), Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch (3., überarbeitete und erweiterte Aufl., S. 175-196). Wiesbaden: VS Verlag.

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Details

Title
Empowerment in der sozialen Altenarbeit
College
University of Applied Sciences Düsseldorf
Course
Soziale Arbeit in der Altenhilfe
Grade
2,0
Author
Year
2018
Pages
15
Catalog Number
V424096
ISBN (eBook)
9783668694101
ISBN (Book)
9783668694118
File size
522 KB
Language
German
Tags
Empowerment, Soziale Arbeit, Altenhilfe, Seniorenarbeit, Alter(n), Demografischer Wandel
Quote paper
Natalie Alber (Author), 2018, Empowerment in der sozialen Altenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424096

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