Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache. Bedingungen, Problemfelder und Folgen


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Differenzierung zwischen Deutsch als Zweit- und Fremdsprache

III. Die Lerner - Voraussetzungen

- Das Alter

- Einstellung und Motivation

IV. Die vier sprachlichen Grundfertigkeiten

- Die rezeptiven Fertigkeiten

- Die produktiven Fertigkeiten

- Landes- und Kulturkunde

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Deutsch als Fremdsprache gilt als eine sehr junge Disziplin, welche sich zunachst in den sechziger Jahren als Nischendisziplin der Germanistik zu etablieren begann und von den Linguisten vorneweg als „Gastarbeiterlinguistik“1 bezeichnet wurde, seither aber immer mehr an unabhangiger Bedeutung gewann und den gesellschaftlichen Entwicklungen vorausschauend Rechnung trug.

Kummerte sich das Bildungssystem bisher jahrelang nicht um Lehrer mit dieser wichtigen fachdidaktischen Zusatzqualifikation, so ist die Nachfrage aufgrund des Zuwanderungsgesetzes aus dem Jahre 2005 und der Einfuhrung verpflichtender Integrationskurse sowie dem aktuellen Fluchtlingsstrom und der Einschulung von etwa 300.000 Fluchtlingen fur tausende von Lehrern mit der notwendigen Zusatzausbildung gestiegen.2 Nach wie vor gilt die Sprache als ein Garant, um aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben und ist die Grundvoraussetzung fur beruflichen Erfolg. Dabei ist das Erlernen einer Sprache weit mehr als ein Bildungsgut oder eine berufliche Qualifikation: Es ist ein Bestandteil der Personlichkeitsentwicklung.3 Und das beginnt bereits mit dem Eintritt in den Kindergarten, wenn auslandische Kinder auf die Zweitsprache Deutsch als Sozialisationssprache angewiesen sind, um erste soziale Kontakte zu knupfen und freundschaftliche Beziehungen aufzubauen.4

Schon jetzt ubersteigt die Nachfrage nach Deutschkursen bei weitem das Angebot an qualifizierten Lehrern, sodass man auf ehrenamtliche Heifer angewiesen ist, die beispielsweise Fluchtlinge als Tutoren beim Deutschlernen unterstutzen. Zwar stellt der Beruf als DaF / DaZ-Lehrer - anders als im offentlichen Schulsystem- meist als freiberufliche Honorarkraft einen Verzicht auf finanzielle und soziale Sicherheiten dar, bietet aber gleichzeitig einen spannenden und vielseitigen Unterrichtsalltag, in welchem man mit den unterschiedlichsten Menschen und Nationalitaten in Beruhrung kommt.

In der vorliegenden Ausarbeitung wird gemaB der Fragestellung zunachst einmal die inhaltliche Unterscheidung der Begriffe 'Deutsch als Fremdsprache' versus 'Deutsch als Zweitsprache' vorgenommen. Daran anschlieBend liegt das Augenmerk auf den Umstanden der Fremdsprachenlernenden.

Im Fokus stehen zum einen die biologische Voraussetzung der Fremdsprachenlernenden wie das Alter, aber auch kognitiv-emotionale Aspekte wie die Einstellung und Motivation, die einen hohen Einfluss auf den Spracherwerb haben. Ferner wird naher auf die Vermittlung der Inhalte wie die rezeptiven und produktiven Grundfertigkeiten und die Landeskunde eingegangen. Im letzten Abschnitt der Ausarbeitung erfolgt ein allgemeines Fazit mit einem abschlieBenden Ausblick, der die Ausarbeitung insgesamt abrundet.

II. Differenzierung zwischen Deutsch als Zweit- und Fremdsprache

Oft werden die Begriffe “Zweit-“ und „Fremdsprache“ im Alltag synonym verwendet. Selbst in der Sprachlehrforschung und Fremdsprachendidaktik ist die Unterscheidung zwischen den beiden Richtungen der Fremd- und Zweitsprache nicht immer auf Anhieb erkennbar.

Fur gewohnlich wird Deutsch als Zweitsprache mit dem naturlichen Erwerb gleichgesetzt, Deutsch als Fremdsprache wird hingegen als ein gesteuertes Lernen in Bildungsinstitutionen aufgefasst.1 Eine Abgrenzung zwischen beiden fallt also nicht immer leicht, und nicht selten findet eine Kombination aus gesteuertem und ungesteuertem Lernen der deutschen Sprache statt. Der ungesteuerte, naturliche Spracherwerb ergibt sich aus der reinen Interaktion mit der Umwelt, bei der der Lerner die Fremdsprache auf ahnliche Weise erwirbt wie das Kind seine Muttersprache, wohingegen das gesteuerte Sprachenlernen in Bildungsinstitutionen stattfindet, indem man die Sprache als explizites Regelwissen aufnimmt, einubt und abrufbar macht.2 Es stimmt insofern, dass Deutsch als Zweitsprache zwar uberwiegend in Form eines naturlichen Erwerbs stattfindet (wie beispielsweise beim fruhen kindlichen Zweitsprachenerwerb), bei dem aber spater ebenfalls auBere Steuerungsinstanzen involvier sind, angefangen bei der Forderung im Kindergarten bis hin zu den Orientierungskursen bei erwachsenen Migranten.3 Das Wort „Zweitsprache“ lasst vordergrundig vermuten, dass es sich um eine zweite erworbene Sprache handeln wurde. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Wenn beispielsweise nach der Erstsprache zwei weitere Schulfremdsprachen erworben wurden, handelt es sich bei der „Zweitsprache“ ergo um eine vierte Sprache. Man wurde aber immer noch von einer „Zweitsprache“ reden, sofem es sich um eine Sprache handelt, welche die Person in ihrer Lebenswelt und ihrem Alltag unmittelbar gebraucht.4

Zusammenfassend kann man festhalten, dass mit ,,Deutsch als Zweitsprache“ jener Bereich des Faches bezeichnet wird, der sich auf den Spracherwerb und die Sprachvermittlung vomehmlich im deutschsprachigen Sprachraum konzentriert, der im groBen Umfang zwar naturlich erworben aber auch gesteuert wird und vor allem in den Alltag des Lemers integriert ist. Haufig handelt es sich bei den DaZ-Lemern um Arbeitsmigranten und deren Kinder.5 Deutsch als Fremdsprache hingegen wird uberwiegend in Institutionen gesteuert erworben und kann innerhalb und auBerhalb des deutschsprachigen Raums stattfinden.6 Der Lebensmittelpunkt fur DaF-Lemer liegt demzufolge meist auBerhalb eines deutschsprachigen Landes, sodass diese mit der deutschen Sprache fast nur im Sprachunterricht und in Kursen in Beruhrung kommen. GemaB der Schichtzugehorigkeit, sind die DaF-Lerner auch eher der Mittel- und Oberschicht der Herkunftslander zuzuordnen und haben eine abgeschlossene Schulbildung. Sie streben einen Studien- oder Arbeitsaufenthalt in Deutschland oder in einem anderen deutschsprachigen Land an.

III. Die Lerner - Voraussetzungen

- Das Alter

,,Was Hanschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“. Trifft diese Volksweisheit auch auf das Erlernen einer Fremdsprache zu?11 Zum Problem des ungesteuerten Fremdsprachenerwerbs gibt es nahezu eine unuberschaubare Reihe an Untersuchungen und Projekten, auf die in dieser Arbeit allerdings nicht naher eingegangen werden kann. Dem lernpsychologischen Gesetz zufolge sollen Dinge, die fruh gelernt werden, auch insgesamt besser haften bleiben. In welchem Alter sollte also bestmoglich mit dem Lernen einer Fremdsprache begonnen werden? Lernen Kinder oder Erwachsener besser? Als kritische Grenze fur den Spracherwerb gilt in vielen Theorien die Pubertat, ab der der Spracherwerbsmechanismus an Einfluss verliert oder gar endet.12 Diese Hypothese ist allerdings nach wie vor umstritten, ohne dass dazu ein empirisch abgesichertes Ergebnis vorliegt.

Man kann nicht generell sagen, dass Kinder sich fremde Sprachen grundsatzlich leichter aneignen. Aber es gibt bestimmte Anteile der Sprache, die in den fruhen Stadien der Ausbildung der Himorganisation besonders gut aufgenommen werden konnen.13 Dazu zahlen die paraverbalen Anteile wie etwa Intonation und Aussprache, die sich bei Kindern selbst in mehreren Sprachen muhelos auf muttersprachahnlichem Niveau einstellen. Erfahrungswerte zeigen, dass spate Fremdsprachenlerner ihren muttersprachlichen Akzent nur schwer loswerden konnen und aufgrund ihrer Aussprache leichter als Fremde identifiziert werden. Insofem ist nicht die Lange eines Aufenthalts im Land entscheidend, sondern vor allem das Alter zum Zeitpunkt der Einreise. Das normalerweise schlechtere Abschneiden von Erwachsenen bei der Aussprache konnte auch dadurch erklart werden, dass die Bereitschaft, eine bereits erworbene soziale Identitat aufzugeben, bei einem Erwachsenen deutlich geringer ist als bei einem Kind.14 "Vgl. Huneke, H.W., Steinig W.: Deutsch als Fremdsprache. Eine Einfuhrung. 4. uberarb. und erw. Aufl. Berlin 1997.

- Einstellung und Motivation

Andere Bereiche der Sprache, wie etwa die Auffassung von Grammatik, konnen wiederum von Erwachsenen leichter aufgenommen werden als von Kindem. Letztendlich bedeutet es nicht, dass nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene noch mit Erfolg eine Fremdsprache lernen konnen, auch wenn sie ab einem gewissen Alter aufgrund biologischer Veranderungen mit bestimmten Lernproblemen konfrontiert sind.7

- Einstellung und Motivation

Verschiedene sozialpsychologische Faktoren wie beispielsweise der Sprachkontakt mit Einheimischen, Bindungen an das Aufnahmeland und Zukunftsplane haben einen groBen Einfluss auf den Spracherwerb und die Sprachkompetenz des Lernenden.8 Selbstverstandlich hat derjenige, der mit Freude lemt und einen Sinn in dem Gelernten sieht, auch bessere Chancen, eine neue Sprache zu lernen. Dies betrifft aber nicht nur das Fremdsprachenlernen, sondern samtliche Lembereiche.

Beim Fremdsprachenlernen gibt es die Unterscheidung zwischen der instrumentellen und der integrativen Motivation. Jemand, der eine neue Fremdsprache lernt und sich dadurch beispielsweise ein besseres berufliches Einkommen verspricht, ist demzufolge instrumentell motiviert.9

Die Mehrzahl der Fluchtlinge istjung und motiviert darin, umgehend einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung in Deutschland zu finden. Das erhoht naturlich auch den Anreiz, die Sprache auf dem schnellstmoglichen Weg zu lernen. Derjenige hingegen, der eine positive Einstellung und Sympathie gegenuber der Kultur der Zielsprache empfindet und sich in die neue Gesellschaft integrieren mochte, ist entsprechend integrativ motiviert.

Beide „Motivationstypen“ konnen unabhangig voneinander zu einem erfolgreichen Lernen fuhren, allerdings soil aller Voraussicht nach beim integrativen Lerner ein hoherer Grad an fremdsprachlicher Kompetenz erlangt werden.10

[...]


1 URL: https://www.uni-due.de/~bvs007/ressourcen/pdf dokumente/38/unikate 38 08.pdf (abgerufen am 22.03.2016).

2 URL: http://www.welt.de/politik/deutschland/articlel47770018/Schulsvstem-bremst-Deutschlehrer-fuer- Fluechtlinge-aus.html (abgerufen am 22.03.2016).

3 Vgl. Apeltauer, Emst(Hrsg.): Gesteuerter Zweitsprachenerwerb. VoraussetzungenundKonsequenzenfur den Unterricht. Munchen 1987 S. 99.

4 Vgl. Gunther, Britta; Gunther, Herbert: Erstsprache und Zweitsprache. Einfuhrung aus padagogischer Sicht. Weinheim; Basel 2004, S. 129.

1 Vgl. Rosier, Dietmar: Deutsch als Fremdsprache. Stuttgart 1994, S. 30.

2 Vgl. Heyd, Gertraude: Deutsch lehren. Grundwissen fur den Unterricht in Deutsch als Fremdsprache. Frankfurt amMain 1990, S. 13.

3 Vgl. Rosier, Dietmar, S.30.

4 Vgl. ebd, S. 31.

5 Vgl. Helbig. Gerhard; Gotze, Lutz; Henrici, Gert; Krumm, Hans-Jurgen: Deutsch als Fremdsprache: Ein intemationales Handbuch. (Handbucher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; Bd. 19). Berlin; New York 2001, S. 617.

6 Vgl. Rosier, Dietmar, S.31.

7 Vgl. Heyd, Gertraude, S. 23.

8 Vgl. ebd., S. 619.

9 Vgl. Rosier, Dietmar, S. 10.

10 Vgl. ebd., S. 14.

12 Vgl. Rosier, Dietmar, S. 12.

13 Vgl. Apeltauer, Ernst, S. 95.

14 Vgl. Rosier, Dietmar, S. 27.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache. Bedingungen, Problemfelder und Folgen
Hochschule
Universität Stuttgart  (Linguistik)
Veranstaltung
Sprachdidaktik II
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V424190
ISBN (eBook)
9783668698222
ISBN (Buch)
9783668698239
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch als Fremdsprache
Arbeit zitieren
Christine Schmidt (Autor), 2016, Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache. Bedingungen, Problemfelder und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424190

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