Sexismus als Form struktureller Gewalt an Schulen

Eine Analyse von Ursachen und Folgen geschlechterbezogener Bildungsdisparitäten


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Relevanz von Sexismus heute

2 Sexismus als Form struktureller Gewalt
2.1 Geschlechterstereotype und deren Folgen
2.1.1 Entstehung von Genderrollen
2.1.2 Folgen von Geschlechterstereotypen
2.2 Äußerung von Sexismus im Alltag

3 Sexismus an Schulen
3.1 Differentielle Bildungsbeteiligung von Jungen und Mädchen
3.2 Geschlechterdifferenzierte Schulleistungen
3.3 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze
3.4 Möglichkeiten zum Umgang mit Sexismus an Schulen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1 Relevanz von Sexismus heute

Sexismus tritt in allen Bereichen unseres Lebens auf. Ob Werbung, die Rollenklischees bedient, die noch immer großen Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen, welche sich auch negativ auf die Altersarmut von Frauen auswirken oder gar Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Jeder wird früher oder später – ob bewusst oder unbewusst – mit Sexismus konfrontiert. Auch die Schule ist von der Problematik nicht ausgeschlossen.

Das Deutsche Institut für Internationale pädagogische Forschung legte den Gesamtbericht "PISA 2009 - Bilanz nach einem Jahrzehnt" vor. Das Deutsche Bildungssystem habe sich zwar insgesamt deutlich verbessert, jedoch seien geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede nach wie vor deutlich. Mädchen zeigen höhere Leistungen im Lesen, wogegen Jungen im mathematischen Bereich glänzen konnten (Gender und Schule, 2018). Diese Leistungs- und Interessenunterschiede wirken sich auch auf die spätere Berufswahl aus. Einige Ausbildungsberufe, die bei Frauen in den Top 10 liegen, wie Friseur*in, Zahn-/medizinische*r Fachangestellte*r oder Verwaltungsfachangestellte*r liegen bei Männern zwischen dem 31. Und 134. Rang der beliebtesten Ausbildungsberufe (Beicht, 2014). Um dem entgegenzuwirken entstanden Initiativen wie die Girls‘ Day und später auch Boys‘ Day Aktionstage um den Schülern einen Einblick in Berufe zu bieten, die nicht den Geschlechterklischees entsprechen (girls-day.de, 2018). Das deutsche Bildungssystem setzt sich also bereits mit der Thematik des Sexismus und Lösungsansätzen auseinander. Doch was genau ist Sexismus und welche Rolle spielt Geschlechterbezogene Diskriminierung an Schulen? Welche Folgen haben Geschlechterstereotype für Schüler*innen und wie kann dem entgegengewirkt werden? Die Frage, wie sich Sexismus äußert, welche Auswirkungen das auf Schulen hat und wie damit umgegangen werden kann soll in der folgenden Arbeit thematisiert werden.

2 Sexismus als Form struktureller Gewalt

Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wird unter Sexismus die aufs Geschlecht bezogene Diskriminierung verstanden.

Der Duden definiert Sexismus als „Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts“. Die verschiedenen Definitionsansätze sind vielfältig, der Kern jedoch der gleiche: Sexismus bezeichnet ein auf das Geschlecht von Personen gerichtetes Vorurteil (Glick P. &., 2000). Im täglichen Dialog kommt häufig das Gefühl auf, dass Sexismus von vielen Männern und auch Frauen in seiner Wirkung und seinem Auftreten nicht wahrgenommen wird. Ist man jedoch erstmal für das Thema sensibilisiert, stößt man immer wieder darauf. Wie sich Sexismus im Alltag äußern kann und wie sich Geschlechterstereotype auf die Gesellschaft und einzelne Personen auswirken wird im Folgenden diskutiert.

2.1 Geschlechterstereotype und deren Folgen

2.1.1 Entstehung von Genderrollen

Geschlechterrollen sind gesellschaftlich tief verankert. Die Vorstellung, dass Jungen gern Fußball spielen, raufen und „hart im Nehmen“ sind wogegen Mädchen gerne kochen, malen und eher Gefühle zulassen und zeigen, spiegeln sich in Werbung, Erziehung und auch oft der eigenen Erwartungshaltung wieder. Doch wie entstehen solche Geschlechterstereotype?

Das biosoziale Rollenmodell nach Eagly & Wood (1999) und Wood und Eagly (2002) geht davon aus, dass Geschlechterstereotype durch die Beobachtung, der Tätigkeiten des jeweiligen Geschlechts in einer Gesellschaft entstehen. Da in den meisten Gesellschaften die Arbeitsverteilung nach wie vor so gelegt ist, dass sich vorwiegend Frauen um häusliche Arbeiten, wie Kochen, Putzen oder Kindererziehung kümmern, während Männer beispielsweise für Reparaturen, Finanzen oder das Einkommen zuständig sind, wird der Eindruck erweckt, Femininität zeichne sich durch Eigenschaften wie Fürsorglichkeit, Einfühlungsvermögen oder ähnliches aus, Männlichkeit hingegen drückt sich unter anderem über Durchsetzungsvermögen oder Selbstbehauptung aus (Rau, 2013, S. 43 f.). Man geht also von einer Wechselwirkung von Arbeitsteilung und Genderrollen aus. Aktivitäten lassen auf Geschlechterspezifische Eigenschaften schließen, diese vermeintlichen „Spezialgebiete“ führen wieder dazu, dass Geschlechterspezifische Aktivitäten durchgeführt werden. Im Umkehrschluss müsste das heißen, dass sich mit einer Änderung der Arbeitsteilung auch Rollenbilder verändern und sich zunehmend angleichen.

Nach Deaux und Kite sind Geschlechterstereotype zum einen Annahmen darüber, wie sich männliche und weibliche Personen in ihrem Verhalten unterscheiden, zum anderen aber auch die Erwartung, wie sie sich unterscheiden sollten (Deaux & Kite, 1993). Sobald dem Geschlecht nun in einer Situation eine gewisse Bedeutung zugeschrieben wird, werden Geschlechterstereotype relevant. Die Folge ist, dass Beteiligte sowohl sich selbst, aber auch anderen Beteiligten aufgrund ihres sozialen Geschlechts bestimmte Eigenschaften, Interessen, Fähigkeiten oder Aufgaben zuschreiben, was sich schlussendlich in unterschiedliche Verhaltensweisen und Erwartungen niederschlägt (Hannover, 2010, S. 28 f.).

2.1.2 Folgen von Geschlechterstereotypen

Übersetzt man Bettina Hannovers Erkenntnisse in ein weiteres Beispiel aus dem schulischen Alltag könnten sich Geschlechterrollen folgendermaßen zeigen und auswirken: In einer Kunststunde ist es die Aufgabe der Schüler verschiedene Vasen und Schüsseln, die die Lehrkraft mitgebracht hat abzuzeichnen. Ob das Geschlecht hierbei für das Ergebnis der Aufgabe relevant ist, hängt von Mehreren Faktoren ab: Zum einen von den Geschlechterstereotypen der Lehrkraft. Hält die Lehrkraft es für wahrscheinlicher, dass Schüler des einen Geschlechts die Aufgabe besser bewältigen werden als Schüler des anderen Geschlechts? Geht die Lehrperson davon aus, dass Jungen schlechter zeichnen als Mädchen, könnte sie diesen besonders einfachere Vorlagen geben oder gar selbst übergriffig handeln und in die Arbeit des Jungen eingreifen um sie zu „verschönern“. Zum anderen ist es von Bedeutung, ob das Kind selbst schon einen Zusammenhang zwischen seinem Geschlecht und seinen Fähigkeiten sieht. Verstärkt wäre der Effekt, wenn der Junge der einzige seines Geschlechts in einer Mädchengruppe wäre, was seinen Fokus auf seine Geschlechtszugehörigkeit lenken könnte und damit unter Umständen auf das Stereotyp geringerer künstlerischer Fähigkeiten von Jungen. Die Erfolgszuversicht sowie die Leistung der Kinder können darunter leiden. „Sind Personen solchen [...] [Erfahrungen] immer wieder ausgesetzt, so können sich entsprechende stabile Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Personen entwickeln“ (Hannover, 2010, S. 28).

2.2 Äußerung von Sexismus im Alltag

Die Erscheinungsformen des alltäglichen Sexismus haben sich im Laufe der Zeit, auch mit einer Annäherung der Arbeitsfelder und dem langsamen aufbrechen der Rollenbilder verändert. Sexismus ist weniger offensiv, er ist subtiler geworden. Sozialpsychologisch lassen sich drei subtile Formen von Sexismus unterschieden: der moderne Sexismus, der Neosexismus und der ambivalente Sexismus (Becker, 2014).

Die Ideen des modernen Sexismus und des Neosexismus entstanden im Rahmen einer Messung „um versteckte Vorurteile gegenüber Frauen“(ebd.) nachzuweisen. Beide Formen gleichen sich in der Negierung der derzeitig vorherrschenden Ungleichheit und darin, dass Maßnahmen gegen Sexismus verhindert werden. Den Neosexismus betrifft außerdem der Konflikt zwischen der eigentlichen Wertevorstellung, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden sollen, gleichzeitig aber einer Ablehnung aufgrund negativer Einstellung Frauen gegenüber (ebd.). Die drei Komponenten „Leugnung fortgesetzter Diskriminierung“, „Widerstand gegen vermeintliche Privilegien der Frauen“ und „Ablehnung von Forderung nach Gleichbehandlung“ vereinen dabei beide Konzepte. Die Differenzierung beider Konzepte ist zwar herausfordernd, jedoch lässt sich sagen, dass Fokus des modernen Sexismus eher auf der ersten Komponente, der Leugnung der Diskriminierung liegt, während der Neosexismus hauptsächlich die letzten beiden Komponenten abbildet (ebd.).

[...]

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Details

Titel
Sexismus als Form struktureller Gewalt an Schulen
Untertitel
Eine Analyse von Ursachen und Folgen geschlechterbezogener Bildungsdisparitäten
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V424382
ISBN (eBook)
9783668698482
ISBN (Buch)
9783668698499
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexismus, form, gewalt, schulen, eine, analyse, ursachen, folgen, bildungsdisparitäten
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Sexismus als Form struktureller Gewalt an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424382

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