Die folgende Arbeit soll den Schwerpunkt Arbeitszeitgestaltung im Zusammenhang mit einer möglichen Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten im Rettungsdienst näher beleuchten.
Das Gestalten menschenwürdiger Arbeitsplätze ist aus Sicht des Autors in der grundlegenden moralischen Verantwortung eines jeden Arbeitgebers zu sehen. Dieser erwähnte Arbeitsplatz setzt sich aus multifaktoriellen Vorstellungen zusammen. So sind hier beispielsweise ein gewisses Mitbestimmungsrecht, wertschätzende Kommunikationsgepflogenheiten und gesundheitsfördernde Maßnahmen zu nennen. Diese Aufzählungen lassen sich noch um einiges erweitern und die Schwerpunkte variieren interindividuell.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Terminologie und Situationsbeschreibung
2.1 Terminologie der Hausarbeit
2.2 Situationebeschreibung: Schichtmodelle im deutschen Rettungsdienst
3 Gesundheitliche Aspekte
3.1 Leistungsfähigkeit des Menschen
3.2 Circadiane Rhythmik
3.3 Schlaf
3.4 Maladaptive Verhaltensweisen
3.5 Kardiovaskuläre Erkrankungen
3.6 Psychovegetative Belastungen
4 Soziale Aspekte
5 Sicherheit und Unfallgefährdung
5.1 Empirischer Zusammenhang
5.2 Unfallrisiko
6 Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Arbeitszeitgestaltung, insbesondere prolongierten Dienstzeiten, und deren Auswirkungen auf die Gesundheit sowie die Arbeitssicherheit im deutschen Rettungsdienst. Ziel ist es, auf Basis existierender wissenschaftlicher Erkenntnisse die Risiken für das Personal zu beleuchten und die Notwendigkeit einer evidenzbasierten Anpassung der Schichtmodelle zu diskutieren.
- Gesundheitliche Auswirkungen von Schichtarbeit und Nachtarbeit
- Einfluss von prolongierten Arbeitszeiten auf kognitive Leistungsfähigkeit und Unfallrisiko
- Soziale Teilhabe und Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeitszeit
- Gefahrenpotenziale im Rettungsdienst (ACE-Matrix)
- Empirische Evidenz und notwendiger Forschungsbedarf für den deutschen Rettungsdienst
Auszug aus dem Buch
3.1 Leistungsfähigkeit des Menschen
Die Leistungsfähigkeit eines Menschen nimmt mit zunehmender Arbeitszeit ab. Proctor beschreibt dieses Phänomen anhand sinkender Aufmerksamkeit und schwächer werdenden exekutiven Funktionen bereits nach acht Stunden (Proctor, White, Robins, Echeverria, & Rocskay, 1996, S. 124-132). Weitere Arbeiten untermauern diese Ansicht. Da es jedoch unterschiedliche Definitionen der Erschöpfung gibt und hier diverse Branchen außerhalb des Gesundheitswesens betrachtet werden, soll hierauf zunächst kein Bezug genommen werden. Alluisi et al. Kommen zu dem Schluss, dass Arbeitszeiten von 40 Stunden pro Woche, verteilt auf fünf Tage, optimal seien (Alluisi & Fleishman, 1982, S. 165-246). Eine Verlängerung über 40 Stunden würde sich negativ auf die Produktivität auswirken. Bendak (2000, S. 399-416) verglich unter anderem die Nachteile von 12-Stunden-Schichten im Gegensatz zu 8-Stunden-Schichten. Die Resultate waren Zunahme an Erschöpfung, die auf lange Sicht mit gesundheitlichen Problemen verbunden sein kann, erhöhtes Fehlerrisiko und dadurch höhere Unfallwahrscheinlichkeit bei 12-Stunden-Schichten, zunehmende Wahrscheinlichkeit abnehmender Motivation und höheres Risiko für niedrigere Produktivität und ökonomische Einbußen. Bezüglich der kognitiven Ressourcen bleibt festzuhalten, dass eine Wachphase von 17 Stunden einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille gleichzusetzen ist, eine durchwachte Nacht (24 Stunden) mit 0,8 Promille (Lamond & Dawson, 1999, S 265-262).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz der Untersuchung des Arbeitsplatzes im Rettungsdienst vor dem Hintergrund einer angespannten Personalsituation und der moralischen Verantwortung für gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen.
2 Terminologie und Situationsbeschreibung: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe definiert und das vielfältige Spektrum an Schichtmodellen im deutschen Rettungsdienst skizziert.
3 Gesundheitliche Aspekte: Hier werden physiologische und psychologische Belastungen durch Arbeitszeitverlängerungen, Schlafdefizite und circadiane Rhythmusstörungen wissenschaftlich analysiert.
4 Soziale Aspekte: Dieses Kapitel thematisiert die negativen Auswirkungen unflexibler oder prolongierter Arbeitszeiten auf die soziale Teilhabe und das private Umfeld der Beschäftigten.
5 Sicherheit und Unfallgefährdung: Das Kapitel belegt den Zusammenhang zwischen Arbeitszeitdauer und dem Risiko für Unfälle oder kritische Situationen und führt hierfür die Gefahrenmatrix ein.
6 Konklusion: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und spricht sich aufgrund des bestehenden Unfallrisikos gegen Dienstzeiten aus, die 12 Stunden überschreiten.
Schlüsselwörter
Rettungsdienst, Arbeitszeitgestaltung, Schichtarbeit, Gesundheit, Unfallrisiko, Leistungsfähigkeit, circadiane Rhythmik, prolongierte Arbeitszeit, Burnout, soziale Teilhabe, Gefahrenmatrix, Schlafhygiene, Arbeitssicherheit, Personalsituation, Notfallsanitäter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Arbeitszeitgestaltung im deutschen Rettungsdienst auf die Gesundheit der Beschäftigten und das damit verbundene Unfallrisiko.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen gesundheitliche Folgen von Schichtarbeit, die Auswirkungen von Übermüdung auf die kognitive Leistung, soziale Aspekte sowie spezifische Unfallgefahren im Rettungseinsatz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen von Arbeitszeiten, die acht Stunden überschreiten, auf die langfristige Gesundheit und Sicherheit im Rettungsdienst kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich vorhandener empirischer Studien zu Arbeitszeitmodellen und deren Auswirkungen aus verschiedenen Branchen, übertragen auf den Rettungsdienst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden gesundheitliche Aspekte wie Schlaf und Leistungsfähigkeit, soziale Auswirkungen sowie empirische Daten zum Unfallrisiko und Gefahrensituationen im Rettungsdienst detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Arbeitszeitgestaltung, Rettungsdienst, Unfallrisiko, circadiane Rhythmik und gesundheitliche Prävention.
Welche Rolle spielt die sogenannte "ACE-Matrix" im Rettungsdienst?
Die ACE-Matrix dient als Gefahrenmatrix, um die vielfältigen Gefahrenquellen (Atemgifte, Elektrizität, Verkehr, etc.) für Personal, Umwelt und Material im Rettungsdienst systematisch darzustellen.
Warum wird im Rettungsdienst von Dienstzeiten über 12 Stunden abgeraten?
Aufgrund des deutlich ansteigenden Unfallrisikos nach der neunten Arbeitsstunde sowie der kumulativen Erschöpfung wird aus Fürsorgegründen für Patienten und Personal von Schichten über 12 Stunden abgeraten.
Wie unterscheidet sich die Arbeitssituation im Rettungsdienst von anderen Branchen?
Im Rettungsdienst wechselt die Arbeitsintensität oft sprunghaft zwischen Phasen extremer Belastung ("Seconds of terror") und Phasen der Unterforderung, was die Planung gesundheitsgerechter Schichten erschwert.
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- Christian Elsenbast (Author), 2018, Gefährliche Arbeitszeiten? Gesundheitsgefährdung und Arbeitszeitgestaltung im Rettungsdienst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424473