Einleitung
Die Aufklärung hat in Europa eine eklatante Wirkung gezeigt, sowohl in geistigem, wie auch im gesellschaftlichen Sinne. Den Höhepunkt bildete die Französische Revolution, die zur Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte führte. So sollten auf den Grundwerten der Aufklärung basierend alle Menschen frei und mit gleichem Recht leben dürfen. Doch wen betraf diese Definition?
(...)
Wohl grüßten freie Männer sich als Brüder,
Nur Bürger gab es, nicht mehr Herr und Knecht;
Wohl sangen sie der Liebe Bundeslieder
Und fühlten sich als ein erneut Geschlecht.
Doch auf die Schwestern blickten stolz sie nieder,
Der Menschheit Hälfte blieb noch ohne Recht,
Blieb von dem Ruf: „Für alle!“ ausgenommen-
Ihr muss erst noch der Tag des Rechtes kommen.
(...)1
Eine rechtliche Gleichstellung hatte die Aufklärung für die Frauen also nicht bewirkt. Daher auch das bewusste Hinzufügen eines Fragezeichens an das Thema dieser Arbeit. Überwiegend wird das achtzehnte Jahrhundert als das „Jahrhundert der Frau“ bezeichnet2. Inwiefern das zutrifft und ob es konkrete Verbesserungen für Frauen gab, soll im folgenden erläutert werden. Dazu werde ich zunächst auf die Frauenbilder der Philosophie eingehen und dann, basierend auf darstellenden Werken, das reelle Leben der Frauen im 18.Jahrhundert kurz charakterisieren. Dabei sollen die herkunftsbedingten Unterschiede Beachtung finden. Die Literaturlage zum Thema „Frauen in der Aufklärung“ ist reichlich, oft aber stark an Einzelaspekten wie zum Beispiel Bildung und Literatur orientiert, was die Sozialgeschichte der Frauen in den Hintergrund treten lässt.
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1 Louise Otto-Peters: Freiheit für alle. 1847. In: H. Brandes (Hrsg.): Der Menschheit Hälfte blieb noch ohne Recht, Wiesbaden 1991, S.8.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauenbild
3. Frauenleben
3.1 Alltag
3.1.1 Arbeit
3.1.2 Ehe und Familie
3.2. Bildung
3.2.1 Unterrichtung der Mädchen
3.2.2 Literatur für Frauen
3.2.3 Salons
4. Ansätze zur Veränderung
5. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht kritisch, inwieweit der Begriff „Jahrhundert der Frau“ für das 18. Jahrhundert zutrifft und ob für Frauen während der Epoche der Aufklärung tatsächlich greifbare rechtliche oder gesellschaftliche Verbesserungen erzielt werden konnten.
- Das Frauenbild in der Philosophie des 18. Jahrhunderts
- Die realen Lebensumstände von Frauen in Alltag und Beruf
- Die Rolle der Bildung und Erziehung für Frauen
- Bedeutung von Literatur und Frauenzeitschriften
- Die Salonkultur als Ort des geistigen Austauschs
- Frühe Ansätze zur rechtlichen und gesellschaftlichen Veränderung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Ehe und Familie
Ohne Launen, gleichmütig, ruhig, gefällig, leicht zu amüsieren, an eine beinahe klösterliche Lebensweise gewöhnt, mit allem zufrieden, wenn sie nur in meinem Gesicht (dessen verschiedene Ausdrucksweisen sie mit der ganzen Klugheit des Gefühls kennt) den Ausdruck meiner Zufriedenheit oder Zärtlichkeit liest – sie bequemt sich, ohne daß es ihr Mühe oder Zwang bereitet, nach meinem Geschmack, nach meiner Laune (...)22.
In dieser Weise beschreibt im 18. Jahrhundert ein Mann seine junge Ehefrau. Sonst ist die rein private Ausgestaltung der Ehe schwer nachvollziehbar, in der Regel ist sie durch ein mehr oder weniger gemeinschaftliches Leben, Kinder und die gegebene Rollenaufteilung geprägt.
Rein rechtlich waren Frauen im Prinzip unmündig, konnten in der Regel nicht prozessieren, Verträge unterzeichnen. Ihr Vermögen wurde meist vom Ehemann verwaltet23. Zusammengefasst kann man bewerten, dass die Frau nur über ihren Ehemann definiert wurde. Zumindest formal (Anschrift auf Briefen, Anrede in offiziellen Einladungen) ist dies auch heute noch aktuell.
Am Beginn einer Ehe stand die Auswahl des zukünftigen Partners, traditionell geschah dies durch die Eltern der Braut. Das galt vor allem für die adligen und bürgerlichen Schichten und setzte sich, mit wenigen Ausnahmen, auch während der Aufklärung fort.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen den Idealen der Aufklärung und der rechtlichen Realität von Frauen, die von den neuen Menschenrechten weitgehend ausgeschlossen blieben.
2. Frauenbild: Dieses Kapitel analysiert, wie zeitgenössische männliche Philosophen Frauen durch das Naturrecht legitimiert als untergeordnete, gefühlsbetonte Wesen definierten, deren Hauptzweck die Ehe und die Versorgung des Mannes war.
3. Frauenleben: Hier werden die tatsächlichen Lebensumstände beleuchtet, wobei zwischen der harten Erwerbsarbeit der Frauen aus dem Volk und der Haus- und Repräsentationspflichten bürgerlicher oder adliger Frauen differenziert wird.
3.1 Alltag: Dieser Abschnitt beschreibt die vielfältigen, oft unbezahlten oder unterbezahlten Tätigkeitsfelder von Frauen, von der Landwirtschaft und Heimarbeit bis hin zur eingeschränkten Erwerbstätigkeit in der Stadt.
3.1.1 Arbeit: Es wird dargelegt, dass Frauen im 18. Jahrhundert in der Regel der Zugang zu qualifizierten Berufen versperrt blieb und sie vorwiegend einfache oder ungelernte Tätigkeiten ausführten.
3.1.2 Ehe und Familie: Dieses Kapitel zeigt die rechtliche Unmündigkeit der Frau in der Ehe auf, in der sie über ihren Ehemann definiert wurde und ihr Vermögen oft nicht selbst verwalten konnte.
3.2. Bildung: Es wird diskutiert, wie Bildung einerseits als Chance zur Überwindung der Ungleichheit gesehen, andererseits jedoch primär auf die Erziehung zur Ehefrau und Mutter ausgerichtet wurde.
3.2.1 Unterrichtung der Mädchen: Der Fokus liegt hier auf dem eingeschränkten Schulzugang, der Mädchen primär auf ihre häuslichen Pflichten vorbereiten sollte, während eine umfassende wissenschaftliche Ausbildung die Ausnahme blieb.
3.2.2 Literatur für Frauen: Dieses Kapitel behandelt den Lesekanon des 18. Jahrhunderts und die Entstehung der Frauenzeitschriften, die zwar eine Plattform boten, aber das traditionelle Frauenideal festigten.
3.2.3 Salons: Hier wird die Rolle der Frau als Organisatorin der Salonkultur beschrieben, die intellektuelle Teilhabe ermöglichte, Frauen jedoch in der Praxis oft auf die Funktion einer Muse beschränkte.
4. Ansätze zur Veränderung: Das Kapitel würdigt die vereinzelten Stimmen von Männern und Frauen, wie Olympe de Gouges, die bereits früh eine rechtliche und politische Gleichstellung einforderten.
5. Schluss: Das Fazit stellt fest, dass es keine revolutionären Verbesserungen für die Gesamtheit der Frauen gab, die Aufklärung jedoch wichtige Grundsteine für spätere emanzipatorische Bestrebungen legte.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Frauenbild, 18. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Ehe, Frauenarbeit, Bildung, Mädchenerziehung, Literatur, Frauenzeitschriften, Salonkultur, Emanzipation, Olympe de Gouges, Bürgerrechte, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Lebenssituation und den gesellschaftlichen Status von Frauen während der Epoche der Aufklärung und hinterfragt die Behauptung, es habe sich um das „Jahrhundert der Frau“ gehandelt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Untersuchung deckt ein breites Spektrum ab, darunter philosophische Frauenbilder, die ökonomische Realität von Frauenarbeit, Fragen der Bildung, die Rolle der Ehe sowie die Entstehung der Salonkultur und erste feministische Bestrebungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwiefern für Frauen während des 18. Jahrhunderts konkrete Verbesserungen in Bezug auf ihre rechtliche und gesellschaftliche Stellung erreicht werden konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von zeitgenössischen philosophischen Schriften sowie historischer Literatur und darstellenden Werken, um ein differenziertes Bild der Sozialgeschichte der Frauen zu zeichnen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung theoretischer Frauenbilder der Philosophie, die reale Lebenswelt in verschiedenen sozialen Schichten sowie spezifische Aspekte wie Bildung, Medienkonsum und die Salonkultur.
Was charakterisiert diese Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit ist durch einen kritischen Blick auf die aufklärerischen Ideale geprägt, wobei sie soziale Unterschiede zwischen den Ständen betont und die Diskrepanz zwischen theoretischem Diskurs und der täglichen Lebenspraxis aufzeigt.
Inwiefern beeinflusste die Französische Revolution die Lage der Frauen?
Obwohl die Revolution Ideale der Gleichheit formulierte, wurden Frauen von den politischen Bürgerrechten ausgeschlossen, was zu Protesten einzelner Vordenkerinnen wie Olympe de Gouges führte.
Welche Rolle spielten die Frauenzeitschriften im 18. Jahrhundert?
Sie boten eine Plattform für Informationen und erste schriftliche Äußerungen von Frauen, dienten jedoch oft dazu, das traditionelle Frauenideal zu vermitteln, statt revolutionäre Aufbruchstimmung zu fördern.
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- Katharina Silo (Author), 2001, Verbesserung der Lage der Frauen in der Aufklärung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42454