Jürgen Kocka: Klassengesellschaft im Krieg - Rezension unter Anwendung der Techniken der historischen Quellenanalyse


Rezension / Literaturbericht, 2004
17 Seiten, Note: 2-

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Der Autor
1.2 Das Werk

2. Inhaltliche Zusammenfassung
2.1 Fragestellung und Begriffe
2.2 Arbeiter und Unternehmer in der Industrie
2.2.1 Die Ausgangsituation 1914
2.2.2 Verarmung und Not der Arbeiter
2.2.3 Veränderungen in der sozioökonomischen Situation der Arbeiter
2.2.4 Protestbereitschaft und Proteste in der Arbeiterschaft
2.2.5 Abwehrhaltungen und Zusammenschlüsse in der Unternehmerschaft
2.3 Die Polarisierung des Mittelstandes
2.3.1 Die Ausgangsituation 1914
2.3.2 Die Proletarisierung des „neuen Mittelstandes“
2.3.3 Linksrutsch der Angestellten
2.3.4 Die Reaktion der Beamten
2.3.5 Handwerker und Kleinhändler
2.3.6 Die Trennung von „altem“ und Neuem Mittelstand“
2.4 Klassengesellschaft und Staat
2.4.1 Klassengesellschaftliche Tendenzen und Gegentendenzen: das Verhältnis Stadt-Land, Generationen, Konfessionen und Minderheiten
2.4.2 Struktur- und Funktionsveränderungen des Staates
2.4.3 Staatsmonopolistischer Kapitalismus?
2.4.4 Tendenzen zur Verselbständigung des Staates und deren restriktive Bedingungen
2.4.5 Sozialgeschichtliche Bedingungen der Revolution
2.5 Nachwort zur Methode

3. Zusammenfassung

3.1 Kritische Stimmen

3.2 Einordnung in den Forschungstand

4. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Innerhalb einer Präsenzveranstaltung zum Thema „Deutschland zur Zeit des Kaiserreichs“ war eine Kommilitonin mit der Untersuchung eines Buches von Jürgen Kocka betraut und hielt zu diesem Thema ein Referat. Sie berichtete über ihre Schwierigkeiten beim Verstehen des Textes und die viele Zeit, die sie deshalb in die Vorbereitung ihres Referates investiert hatte. Bei den Suche nach einem geeigneten Hausarbeitsthema stieß auch ich auf Jürgen Kocka und ein Werk, dass mich nach Titel und grobem Überblick sehr interessierte. Obwohl ich durch die Arbeit meiner Kommilitonin gewarnt bin, möchte ich es im Folgenden vorstellen.

1.1 Der Autor

Zum besseren Verständnis seines Werkes sollte man zunächst einen Einblick in die Arbeit und das Wirken Prof. Dr. Jürgen Kockas geben[1]. Grundlage seiner Arbeit ist das Studium der Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft, Germanistik, Soziologie und Philosophie an Universitäten in Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika, welches er im Jahr 1968 mit dem Grad eines Doktors im Fach Geschichte an der Freien Universität in Berlin abschloss. Im Jahre 1972 habilitierte er für Neuere Geschichte an der Universität Münster. Von 1973 bis 1988 war er an der Universität Bielefeld als Professor für allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozialgeschichte beschäftigt. Seit 1988 hat er eine Professur für Geschichte der industriellen Welt an der FU Berlin inne. Seit 1998 ist er Direktor des Zentrums für vergleichende Geschichte Europas in Berlin. Seit 2001 ist er Präsident des Wirtschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Ich zitiere seine Biographie so ausführlich, um die Schwerpunkte seiner Arbeit deutlich zu machen. Dabei handelt es sich zum einen um europäische Geschichte, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der Sozialgeschichte Deutschlands, zum anderen um die Geschichte der Industrialisierung, mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung.

1.2 Das Buch

Das vorliegende Werk mit dem Titel „Klassengesellschaft im Krieg. Deutsche

Sozialgeschichte 1914-1918“ ist als zweite, durchgesehene und ergänzte Auflage bei Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1978 erschienen. Die, ihr vorangehende erste Auflage erschien 1973 bei ebenjenem Verlag.

Das Buch erschien als achter Band in der wissenschaftlichen Reihe „Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft“ deren Mitherausgeber Jürgen Kocka war, und bis heute ist.

Der Titel impliziert vielleicht ein Überblickswerk, das entspricht aber nicht dem tatsächlichen Buchinhalt. Es handelt sich um eine methodische Untersuchung, deren Thema Kocka bereits in seinem eigenen Geschichtsstudium begegnete, und dass er mit Hilfe studentischer Proseminare als wissenschaftlicher Assistent auszuarbeiten die Gelegenheit hatte[2].

2. Inhaltliche Zusammenfassung

Im Folgenden wird der Inhalt des Werkes stark gerafft wiedergegeben. Die Kapitelüberschriften unter Punkt „2“ entsprechen dabei dem Original, um Kockas Arbeitsweise zu verdeutlichen. Aufgrund der Raffung wird auf Unterüberschriften verzichtet.

2.1 Fragestellung und Begriffe

Im diesem ersten Kapitel führt Jürgen Kocka zunächst in den theoretischen Teil seiner Untersuchung ein. Die historische Forschung zum ersten Weltkrieg belief sich nach seinen Worten bis dahin auf Erkenntnisse zur Kriegsschuldfrage und Kriegszielpolitik, wobei er die Fischerkontroverse hervorhebt. Ebenso sieht er den deutschen Parlamentarismus bereits ausgiebig betrachtet.

Die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sei hingegen weitgehend unbeleuchtet, Kocka vermisst eine sozialökonomische Interpretation der Gesamtgeschichte dieses Zeitraums und bemängelt die fehlende systematische Erforschung, bisher nur von einigen ostdeutschen und amerikanischen Historikern betrieben.

Er selbst möchte die innere Struktur und das wechselseitige Verhältnis der gesellschaftlichen Klassen und Schichten Deutschlands unter dem Aspekt der Veränderung im Krieg und durch den Krieg untersuchen.

Grundsätzlich, so betont Kocka, sei ihm daran gelegen, durch klare Fragestellung und die Entwicklung von Thesen zu einer intensiveren und systematischeren Erforschung des Themas anzuregen.

Um auf vorgegebene Strukturierungskerne versichten zu können, führt er als Instrumentarien sozialwissenschaftliche Begriffe zur Strukturierung des Stoffes ein. Als Grundlage wird ihm dabei ein Modell dienen, das Marx´ Klassentheorien mit Methoden der Konfliktanalyse vereint.

Eine gute Zusammenfassung dieses Modells liefert Dieter Hertz-Eichrode in einer Rezension zu Kockas Buch, die ich im Folgenden zitieren möchte:

„Das methodische Vorgehen Kockas ist an einem Modell orientiert, das sich an die marxistische Klassentheorie anlehnt. Kocka setzt die Klassengebundenheit der Menschen voraus, ebenso die Prägung der Klassenbeziehungen durch die jeweilige Verfügungsmacht über die Produktionsmittel. Hiervon ausgehend formuliert er ein dreistufiges Modell der Klassenbeziehungen - Klassengegensatz, Klassenspannungen, Klassenkonflikt -, das er seiner Untersuchung zugrundelegt. Seine Annahme ist, dass während des Krieges die dichotomische Klassenstruktur der deutschen Gesellschaft stärker hervortreten müsste.“[3]

2.2 Arbeiter und Unternehmer in der Industrie

2.2.1 Die Ausgangsituation 1914

Die Zahl der Arbeitnehmer, so Kocka, nahm vor dem Krieg stark zu. Ein steigender Jahresverdienst, verbesserte Arbeitsschutzgesetzgebung und das neu eingeführte Sozialversicherungswesen vermittelten Ansätze ökonomischer und sozialer Sicherheit.

Die sozialökonomischen Differenzierungen nahmen ab, dafür wuchs das gemeinsame Bewusstsein der Arbeitnehmer.

Die Verbesserung der Lage der Arbeitnehmer fußte jedoch nicht auf einer Umverteilung des Einkommens, sondern auf dem kräftigen Wirtschaftswachstum zu jener Zeit.

Kocka stellt fest, dass die Arbeiterschaft eine klar differenzierbare unterprivilegierte Gruppe bildete, die vom Bürgertum abgetrennt war. Dazu trugen Ressentiments gegen die sozialdemokratische Arbeiterbewegung bei, die sich gesamtgesellschaftlich abkapselte.

Jürgen Kocka schlussfolgert eine Krisensituation und stellt die Frage, ob diese Situation auch ohne Krieg lösbar gewesen wäre. Um diese Frage zu beantworten, wird er das Verhältnis der industriellen Klassen im Verlaufe des Krieges beleuchten.

2.2.2 Verarmung und Not der Arbeiter

Zunächst fasst Kocka die Situation in der Arbeiterschaft zusammen.

Die Struktur der Arbeiterschaft unterlag im Krieg einer sehr starken Wandlung. Die Zahl der Arbeitskräfte sank, die Belegschaften wechselten häufig. Der Anteil gering qualifizierter Arbeitskräfte nahm stark zu[4], gleichzeitig schliffen sich die beruflichen Unterschiede ab.

Der Nominalverdienst stieg, aber ihm gegenüber stand eine rasch fortschreitende Geldentwertung, die den realen Jahresverdienst schmälerte. Die Lebenshaltungskosten stiegen rasant, zudem waren ab 1915 alles wichtigen Lebensmittel rationalisiert. Es blühte ein reger Schleichhandel.

Unfälle und Erkrankungen, von dieser Mangelsituation verursacht, schwächten die Wirtschaftskraft der Betriebe zusätzlich.

2.2.3 Veränderungen in der sozialökonomischen Situation der Unternehmer in der Kriegswirtschaft

Die industrielle Produktion ging stark zurück, trotzdem verzeichneten die Unternehmer Gewinne. Durch Absprachen und Kartellbildung wurden die Marktmechanismen partiell ausgeschaltet. Konkurrenz und Risiko wurden beschränkt, die Gewinne verblieben. Öffentliche Gelder und die Unterstützung durch den Staat ermöglichten ein verzerrtes Wirtschaftswachstum.

Besonders große Industrieunternehmen konnten die Kriegsverluste mehr als wettmachen. Rationalisierung der Arbeitsabläufe und Innovationen in der Massenproduktion trugen dazu bei.

[...]


[1]siehe http://www.an-morgen-denken.de/mitglieder/kocka.htm

[2]siehe Kocka, Jürgen 1978, Vorbemerkung

[3]Hertz-Eichrode, Dieter 1976, S. 578

[4]Man muss dabei allerdings eine Unterscheidung zwischen Kriegs- und Friedensindustrien vornehmen, denn in den sogenannten Kriegsindustrien, wie der Schwerindustrie, war ein starkes Plus an Arbeitskräften zu verzeichnen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Jürgen Kocka: Klassengesellschaft im Krieg - Rezension unter Anwendung der Techniken der historischen Quellenanalyse
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2-
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V42458
ISBN (eBook)
9783638404822
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jürgen, Kocka, Klassengesellschaft, Krieg, Rezension, Anwendung, Techniken, Quellenanalyse
Arbeit zitieren
Peggy Stuber (Autor), 2004, Jürgen Kocka: Klassengesellschaft im Krieg - Rezension unter Anwendung der Techniken der historischen Quellenanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42458

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