Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Social Work

Versprechen allein? Nein! Theorien zur häuslichen Gewalt und Darstellung von Anti-Gewalt-Projekten für Männer

Title: Versprechen allein? Nein! Theorien zur häuslichen Gewalt und Darstellung von Anti-Gewalt-Projekten für Männer

Diploma Thesis , 2004 , 141 Pages , Grade: sehr gut (1,0)

Autor:in: Nicole Haßdenteufel (Author)

Social Work
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Einleitung

Der Fall der französischen Schauspielerin Marie Trintignant, die im August 2003 an den Folgen der Verletzungen, die ihr von ihrem Freund Bertrand Cantat zugefügt wurden, starb, sorgte in den Medien für großes Aufsehen. Auch die Öffentlichkeit war betroffen. In dem Prozess im März 2004 gestand Cantat, seiner Freundin mindestens vier schwere Ohrfeigen verpasst zu haben, weil er wegen „totaler Intensität der Liebe“ die Beherrschung verloren habe. Er und Marie seien jedoch „in einem extremen Zustand“ gewesen, und er könne sich nicht mehr an alles erinnern. Es gab Gerüchte, wonach sowohl Cantat als auch Trintignant unter starkem Alkoholeinfluss standen. Diese wurden jedoch weder von der Anklage, noch von Zeugen bestätigt. Cantat wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Trotzdem bleibt die Frage offen, wie es passieren konnte, dass „ein Linker wie Bertrand Cantat, Frankreichs stolze Stimme der Moral, immer auf der Seite der Unterdrückten“ (stern.de 18.3.2004), dessen Lieder vom Kampf gegen Gewalt handeln (TAZ 02.08.2003), die Frau, die er vorgibt zu lieben, so sehr misshandelte, dass sie an den Folgen der Misshandlung starb und ob die Tat möglicher weise hätte verhindert werden können.

Dieser relativ spektakuläre Fall enthält viele Parallelen zu anderen Fällen, die nicht so Aufsehen erregend, aber dennoch nicht minder schlimm sind. Ein Mann liebt eine Frau, misshandelt sie – für alle unverständlich, weil er doch eigentlich ein Gegner von Gewalt ist – Alkohol spielt evtl. auch eine Rolle, zumindest ein Teil der Schuld schiebt er auf das Opfer (sie seien in einem „extremen Zustand“ gewesen) und er gibt an, dass er sich nicht mehr an alles erinnern kann.

Gewalt in Beziehungen war lange Jahre ein Thema, das als Privatsache galt oder als etwas, das nur in den unteren Schichten vorkommt. Der Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass dieses Thema ab den 70er Jahren zunehmend öffentlich diskutiert wurde. Im Laufe der Jahre entstand dadurch ein vielfältiges Hilfsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Nach einiger Zeit wurde jedoch erkannt, dass diese Angebote alleine nicht ausreichen, um männliche Gewalt gegen Frauen zu verringern. Andere Strategien wurden diskutiert, zu denen v. a. auch der gesellschaftliche Umgang mit männlicher Gewalt gehörte...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Begriffserläuterung

1.1. Aggression und Gewalt

1.1.1. Aggression

1.1.2. Gewalt

1.2. Täter und Opfer

2. Ist Gewalt ein männliches Phänomen?

3. Warum werden Männer gewalttätig?

3.1. Die historische Entwicklung männlicher Gewalt in der westlichen Gesellschaft

3.2. Psychologische Theorien

3.2.1. Die psychoanalytische Triebtheorie

3.2.2. Die Psychopathologie

3.2.3. Die sozialpsychologischen Lerntheorien

3.3. Die männliche Sozialisation

a) Familie

b) Peer-Group

c) Medien

3.4. Biologische Ursachen

3.5. Alkoholmissbrauch

3.6. Sozioökonomische Faktoren

3.7. Kurzfristige Einflüsse

4. Täter-Opfer-Beziehung

4.1. Gibt es Parallelen zwischen gewaltbesetzten Partnerschaften?

4.2. Die Gewaltspirale

5. Interventions- und Handlungsmöglichkeiten

5.1. Exkurs: Aktuelle Gesetzeslage

5.1.1. 33. Strafrechtsänderungsgesetz

5.1.2. Die Verbesserung des zivilgerichtlichen Schutzes in Fällen häuslicher Gewalt

5.1.2.1. Das Gewaltschutzgesetz

5.1.2.2. Änderung von § 1361b BGB und § 14 LpartG

5.1.2.3. Weitere Änderungen

5.1.3. Das Platzverweisverfahren

5.2. Interventionen der Strafverfolgungsbehörden

5.3. Handlungsmöglichkeiten für betroffene Frauen

5.4. Handlungsmöglichkeiten für betroffene Männer

1. Entstehung in Deutschland

2. EuGeT

2.1. Was ist EuGeT?

2.2. Eine Hotline für häusliche Gewalttäter

2.3. Erste Erfahrungen und Ergebnisse

3. Täterberatung und Anti-Gewalt-Training

3.1. ProMann

3.2. Vorläufige Ergebnisse einer Evaluation sozialer Trainingskurse für Täter häuslicher Gewalt

3.3. JederMann e.V.

3.3.1. Der Verein

3.3.2. Die Adressaten

3.3.3. Ziele des Vereins

3.3.4. Das Anti-Gewalt-Training

4. Auswertung der Fragebögen

4.1. Beschreibung, Durchführung und Zielsetzung der Befragung

4.1.1. Beschreibung

4.1.2. Durchführung

4.1.3. Zielsetzung

4.2. Auswertungsmethode

4.3. Ergebnisse

4.3.1. Allgemein

4.3.2. Kontaktaufnahme zu Jedermann e.V.

4.3.3. Die Motivation

4.3.4. Die Beurteilung aus Teilnehmersicht

4.3.5. Der Lerneffekt

4.3.6. Verbesserungsvorschläge

4.4. Fazit

4.5. Kritik

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen häuslicher Gewalt gegen Frauen mit einem Fokus auf die männliche Perspektive und analysiert bestehende Anti-Gewalt-Projekte für Täter. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Beratungsangeboten und Anti-Gewalt-Trainings zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Täter zur Übernahme von Verantwortung für ihr Verhalten bewegt werden können.

  • Theoretische Grundlagen männlicher Gewalt und Gewaltursachen.
  • Die Täter-Opfer-Beziehung und Dynamik der Gewaltspirale.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Interventionsmöglichkeiten (z.B. Gewaltschutzgesetz, Platzverweis).
  • Praktische Darstellung von Täterberatung und Anti-Gewalt-Trainings (z.B. EuGeT, ProMann, JederMann e.V.).
  • Evaluation der Maßnahmen durch Befragung ehemaliger Teilnehmer.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die historische Entwicklung männlicher Gewalt in der westlichen Gesellschaft

Die Kulturgeschichte unserer westlichen Gesellschaft ist die Geschichte des Patriarchats. Sie ist geprägt von der Herrschaft des Mannes über die Frau. Ein deutlicher Beweis dafür ist die Tatsache, dass in vielen Sprachen die Wörter Mann und Mensch das gleiche bedeuten (van Aaken 2000, S. 15). Männliche Dominanz gegenüber Frauen war so selbstverständlich, dass niemand auf die Idee kam, sie zu begründen oder in Frage zu stellen. Religion, Philosophie, gesetzliche Bestimmungen usw. waren eine Männerdomäne, zu der Frauen keinen Zutritt hatten.

So sagte z. B. der griechische Philosoph Aristoteles: „ Ferner ist, was das Verhältnis zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen betrifft, das eine besser und das andere weniger wert, und damit das eine zum Regieren und das andere zum Regiertwerden bestimmt. Und ganz ebenso muss es sich verhalten innerhalb der Menschheit als ganzer (dass die Völker zum Regieren und die anderen zum Regiertwerden bestimmt sind...)“ (Aristoteles, zitiert nach van Aaken 2000, S. 21). Die westliche Gesellschaft stimmte mit den griechischen Philosophen im Bezug auf die Unterschiede von Männern und Frauen und deren gesellschaftliche Rollen überein (van Aaken 2000, S. 13ff.).

Bestätigung fand das christliche Abendland auch in der biblischen Überlieferung. Danach wurde die Frau (Eva) nur erschaffen, um dem bereits vorhanden Menschen (Adam) eine Hilfe zu sein (Genesis, 2, 20). Nachdem Eva von den Früchten des verbotenen Baumes gegessen hatte und auch Adam dazu verführt hatte, es ihr nachzutun, sagte Gott zu ihr: “Ich will dir viele Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst, du sollst mit Schmerzen Kinder gebären und dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein und er soll dein Herr sein.“ (Genesis, 3, 16) Eine Frau gehört demnach also zu ihrem Mann und hatte ihm zu gehorchen bzw. der Mann hatte umgekehrt das Recht, über seine Ehefrau zu bestimmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Begriffserläuterung: Das Kapitel differenziert zwischen den Begriffen Aggression und Gewalt im Kontext der täterorientierten Arbeit.

2. Ist Gewalt ein männliches Phänomen?: Hier wird die Geschlechtsstruktur der Tatverdächtigen beleuchtet und die unterschiedlichen Ausprägungsformen von Gewalt zwischen den Geschlechtern diskutiert.

3. Warum werden Männer gewalttätig?: Dieses Kapitel analysiert historische, psychologische und soziologische Ursachen sowie Einflüsse wie Sozialisation und Alkohol.

4. Täter-Opfer-Beziehung: Es werden Dynamiken in gewaltbesetzten Partnerschaften sowie das Modell der Gewaltspirale erläutert.

5. Interventions- und Handlungsmöglichkeiten: Hier werden die aktuelle Gesetzeslage, polizeiliche Interventionen sowie Handlungsmöglichkeiten für Betroffene erörtert.

Teil 2 - 1. Entstehung in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Anti-Gewalt-Arbeit für Männer in Deutschland nach.

Teil 2 - 2. EuGeT: Vorstellung des Dachverbandes EuGeT und dessen Modellprojekt einer Hotline für Gewalttäter.

Teil 2 - 3. Täterberatung und Anti-Gewalt-Training: Beschreibung der Konzepte von ProMann und JederMann e.V. sowie erste Evaluationsergebnisse.

Teil 2 - 4. Auswertung der Fragebögen: Detaillierte Analyse einer Befragung ehemaliger Teilnehmer von Anti-Gewalt-Trainings.

Schlüsselwörter

häusliche Gewalt, Männergewalt, Anti-Gewalt-Training, Täterberatung, Gewaltschutzgesetz, Platzverweis, Patriarchat, Sozialisation, Täter-Opfer-Beziehung, Gewaltspirale, Gewaltprävention, männliche Identität, Intervention, Evaluation, Dunkelfeld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen männlicher Gewalt in Beziehungen und der Darstellung von Projekten, die mit männlichen Gewalttätern arbeiten, um Gewalt langfristig zu stoppen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Themenfelder sind psychologische und historische Hintergründe männlicher Gewalt, gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die Evaluation spezieller Anti-Gewalt-Trainingskurse.

Was ist die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach den Ursachen männlicher Gewalttätigkeit und untersucht, inwieweit professionelle Anti-Gewalt-Maßnahmen und Täterberatungen effektiv zur Verhaltensänderung der Männer beitragen können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Neben einer ausführlichen Literaturanalyse und dem Exkurs zur Rechtslage führt die Autorin eine qualitative Befragung ehemaliger Teilnehmer von Anti-Gewalt-Trainings durch, um deren Erfahrungen und Veränderungen im Alltag zu evaluieren.

Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse von Gewaltursachen (Sozialisation, Psychologie), eine Darstellung des rechtlichen Interventionsrahmens und einen praktischen Teil über Täterarbeit und Trainingskonzepte.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie häusliche Gewalt, Täterarbeit, Gewaltspirale, Gewaltschutzgesetz und die Förderung von Verantwortung bei Gewalttätern.

Wie bewerten die Teilnehmer das Anti-Gewalt-Training?

Die Befragung der Teilnehmer von JederMann e.V. zeigt eine insgesamt positive Rückmeldung hinsichtlich der Inhalte und der Trainingsleiter, wobei die praktische Anwendbarkeit des Gelernten im Vordergrund stand.

Welche Bedeutung hat das Gewaltschutzgesetz für die Praxis?

Das Gewaltschutzgesetz und das Platzverweisverfahren stellen wesentliche Instrumente dar, um Opfern kurzfristig Sicherheit zu bieten und den Täter zur Auseinandersetzung mit seinem Verhalten zu zwingen.

Excerpt out of 141 pages  - scroll top

Details

Title
Versprechen allein? Nein! Theorien zur häuslichen Gewalt und Darstellung von Anti-Gewalt-Projekten für Männer
College
University of Welfare Mannheim
Grade
sehr gut (1,0)
Author
Nicole Haßdenteufel (Author)
Publication Year
2004
Pages
141
Catalog Number
V42473
ISBN (eBook)
9783638404945
Language
German
Tags
Versprechen Nein Theorien Gewalt Darstellung Anti-Gewalt-Projekten Männer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Haßdenteufel (Author), 2004, Versprechen allein? Nein! Theorien zur häuslichen Gewalt und Darstellung von Anti-Gewalt-Projekten für Männer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42473
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  141  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint