Die vorliegende Arbeit geht der Forschungsfrage nach, ob der person-zentrierte Ansatz für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen geeignet ist. Daher stellt sich die Frage, was das Personsein für einen Menschen mit Demenz bedeutet, wie die Bedürfnisse eines Menschen mit Demenz erkannt werden können und mit welchen Interaktionen das Pflege- und Betreuungspersonal von stationären Einrichtungen diese Bedürfnisse befriedigen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung
2 Ziel und Forschungsfrage
3 Methode
4 Ergebnisse
4.1 Personsein als Mensch mit Demenz
4.2 Entpersonalisierende Interaktionen
4.3 Die Bedürfnisse eines Menschen mit Demenz erkennen
4.4 Anwendung von Dementia Care MappingTM
4.5 Die Pflege mit positiven Interaktionen verbessern
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Anwendbarkeit des person-zentrierten Ansatzes von Tom Kitwood in der stationären Altenpflege. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Pflegepersonal durch ein tieferes Verständnis von Personsein, Bedürfnissen und Interaktionsformen die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern kann, ohne dabei auf zusätzliche zeitliche Ressourcen angewiesen zu sein.
- Grundlagen des person-zentrierten Ansatzes nach Tom Kitwood
- Identifikation und Vermeidung entpersonalisierender (maligner) Interaktionen
- Die psychischen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz (Trost, Bindung, Einbeziehung, Beschäftigung, Identität)
- Einsatzmöglichkeiten von Dementia Care MappingTM in der Praxis
- Positive Interaktionsformen als psychotherapeutische Unterstützung im Pflegealltag
Auszug aus dem Buch
4.2 Entpersonalisierende Interaktionen
Nachdem Kitwood begonnen hatte, sich mit Demenz zu beschäftigen, sind ihm schon bald entpersonalisierende Tendenzen im Umgang mit dem Menschen mit Demenz sehr stark bewusst geworden. Er beschloss diese zu einem Forschungsthema zu machen. Er hat dieses Verhalten mit dem Begriff „maligne, bösartige Sozialpsychologie“ belegt. Das Wort „maligne“ bedeutet etwas sehr Verletzendes und Typisches für ein pflegerisches Umfeld, das das Personsein tief schädigt und möglicherweise das körperliche Wohlbefinden untergräbt. Er gibt an, dass maligne Interaktionen keine böse Absicht von Seite der Betreuenden bedeutet, sondern dass Malignität Teil ihres kulturellen Erbes ist (Kitwood, 2016:91). Die ursprüngliche Liste Kitwoods über maligne Interaktionen enthielt zehn Punkte:
• Betrug: es wurde versucht, Personen zu täuschen oder zu manipulieren
• Zur Machtlosigkeit verurteilen: vorhandene Fähigkeiten werden nicht genutzt
• Infantilisieren: jemanden wie ein kleines Kind behandeln
• Einschüchtern: mit Drohungen Furcht hervorrufen
• Etikettieren: Demenz ist die Hauptgrundlage dieser Interaktion
• Stigmatisieren: jemanden wie ein verseuchtes Objekt behandeln
• Überholen: der Betroffene muss Dinge schneller tun, als er kann
• Entwerten: die Gefühle und die subjektive Realität nicht anerkennen
• Verbannen: jemanden persönlich oder seelisch fortschicken
• Zum Objekt erklären: den Betroffenen wie Materie behandeln
(Kitwood, 2016:91-92).
Im Laufe weiterer Beobachtungen hat Kitwood seine Liste mit zusätzlichen sieben Punkten ergänzt: Ignorieren, Zwang, Vorenthalten, Anklagen, Unterbrechen, Lästern und Herabwürdigen (Kitwood, 2016:92-93). In Trainingseinheiten wird das Personal auf maligne Interaktionen sensibilisiert. Dadurch kann es dieses Verhalten erkennen und es ist ihnen möglich, es erheblich zu reduzieren (Kitwood, 2016:96).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die epidemiologische Situation von Demenzerkrankungen in Deutschland ein und verortet das Konzept von Tom Kitwood im Kontext der aktuellen Altenpflegeausbildung.
2 Ziel und Forschungsfrage: Das Kapitel thematisiert die Herausforderungen im Umgang mit Demenzpatienten und formuliert das Ziel, den Nutzen des person-zentrierten Ansatzes für stationäre Einrichtungen zu evaluieren.
3 Methode: Hier werden die verwendeten Datenbanken und Schlagwörter für die Literaturrecherche sowie die Einbeziehung des Bibliotheksbestandes zur Beantwortung der Forschungsfrage beschrieben.
4 Ergebnisse: Dieser Abschnitt analysiert das Verständnis von Personsein, entpersonalisierende Interaktionen, die zentralen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz sowie die Anwendung von Dementia Care MappingTM und positiven Interaktionen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass die Implementierung des person-zentrierten Ansatzes das Personal entlastet und die Versorgungsqualität ohne Mehraufwand steigern kann.
Schlüsselwörter
Person-zentrierter Ansatz, Tom Kitwood, Demenz, Pflege, Personsein, Dementia Care Mapping, maligne Interaktionen, positive Interaktionen, Bedürfnisse, stationäre Altenpflege, Kommunikation, Lebensqualität, Betreuung, Pflegepädagogik, Ethik in der Pflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Pflege von Menschen mit Demenz unter besonderer Berücksichtigung des person-zentrierten Ansatzes nach Tom Kitwood.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind das Personsein bei Demenz, die Identifikation von negativen (malignen) Interaktionsformen und die Förderung positiver Interaktionen im Pflegealltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob der person-zentrierte Ansatz für die stationäre Altenpflege geeignet ist, um das Wohlbefinden der Bewohner zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken (wie CINAHL) und Bibliothekskatalogen durchgeführt, um den aktuellen Forschungsstand zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Personseins, die Analyse schädigender Interaktionen, die Erläuterung der fünf psychischen Grundbedürfnisse und praktische Ansätze der Interaktionsverbesserung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Person-zentrierter Ansatz, Demenzpflege, Personsein, Dementia Care Mapping, maligne Interaktionen und psychische Bedürfnisse.
Was genau sind "maligne" Interaktionen nach Kitwood?
Dabei handelt es sich um Verhaltensweisen im Pflegealltag, die das Personsein verletzen, wie zum Beispiel Infantilisieren, Etikettieren oder das Entwerten der subjektiven Realität des Demenzkranken.
Was ist das Dementia Care MappingTM (DCM)?
DCM ist ein Beobachtungs- und Evaluationsinstrument, das dabei hilft, die Bedürfnisse und Wünsche von Menschen mit Demenz im Alltag präziser zu erfassen und Pflegeangebote individueller anzupassen.
Erfordert der person-zentrierte Ansatz einen hohen zeitlichen Zusatzaufwand?
Nein, die Arbeit stellt dar, dass positive Interaktionen im Umgang mit Demenzkranken keine zusätzlichen zeitlichen Ressourcen erfordern, sondern eine veränderte Haltung und Sichtweise des Personals voraussetzen.
- Arbeit zitieren
- Doris Wildmann (Autor:in), 2017, Pflege von Menschen mit Demenz. Der person-zentrierte Ansatz von Tom Kitwood, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424782