Sprecherwechsel in Alltags- und Unterrichtskommunikation


Hausarbeit, 2017

19 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Alltagskommunikation
2.1 Anfangsphase
2.2 Gesprächsmitte
2.3 Beendigungsphase

3 Unterrichtskommunikation
3.1 Eröffnungsphase
3.2 Instruktionsphase
3.3 Abschlussphase

4 Der Sprecherwechsel
4.1 Fremdwahl – Selbstwahl
4.2 Formen des Sprecherwechsels

5 Formen des Sprecherwechsels im Alltag
5.1 Sprecheraktivität
5.2 Höreraktivität

6 Formen des Sprecherwechsels im Unterricht
6.1 Sprecheraktivität
6.2 Höreraktivität

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Paul Watzlawik

Dieser Satz besagt, dass Kommunikation allgegenwärtig und für unsere Gesellschaft ein wichtiges Instrument ist. Kommunikation kann verbal und nonverbal stattfinden. Nonverbal kann sie beispielsweise durch Gestik oder Mimik ablaufen. Das bedeutet, auch wer nicht spricht, kann unter Umständen kommunizieren. Kommunikation ist jedoch ein komplexes System, das auf verschiedenen Ebenen stattfindet. Und so müssen viele Faktoren übereinstimmen, damit ein Gespräch reibungslos verlaufen kann.

Zu einem Gespräch bzw. einem Dialog braucht man mindestens zwei Gesprächsteilnehmer. Sie müssen für das Gelingen einer Kommunikation in zwei Rollen schlüpfen. Diese sind die Rolle des Hörers und die Rolle des Sprechers. Zudem müssen sie in der Lage sein, diese Rollen auch untereinander zu tauschen.

Damit dies einwandfrei stattfinden kann, wurden verschiedene Arten des Sprecherwechsels festgelegt.

Auf diese Sprecherwechsel wird zu Beginn der Arbeit eingegangen. Der Fokus der Arbeit liegt in einem Vergleich des Sprecherwechsels in der Unterrichtssituation sowie im Alltag. Dazu wird zunächst die Makrostruktur beider Formen erläutert und voneinander differenziert. Darauf aufbauend wird auf die verschiedenen Formen des Sprecherwechsels im Alltag und im Unterricht eingegangen und die jeweilige Sprecheraktivität und Höreraktivität analysiert. Im Fazit wird dann direkt verglichen und die signifikantesten Unterschiede werden nochmals aufgezeigt.

2 Alltagskommunikation

Die Makrostruktur jedes Gesprächs lässt sich in drei Abschnitte gliedern. Diese sind die Anfangsphase, die Gesprächsmitte und die Beendigungsphase.

2.1 Anfangsphase

Die Anfangsphase eines Gesprächs im Alltag wird meist nonverbal eingeleitet. Dies kann beispielsweise durch Blickkontakt oder das Zuwinken geschehen. Anschließend folgt die Phase des verbalen Kontaktaufnehmens. Es werden erste Wörter, wie etwa ein Gruß, miteinander ausgetauscht. Die Dauer der Anfangsphase ist nun davon abhängig, wie gut sich die Gesprächsteilnehmer bereits kennen (vgl. Linke/ Nussbaumer/ Portmann 2004: 319). Zudem hängt sie von der Anzahl der Gesprächsteilnehmer und der zur Verfügung stehenden Zeit ab.

Allgemein lässt sich folgendes festhalten: Je besser sich die Gesprächsteilnehmer kennen und je weniger lange die letzte Begegnung zurückliegt, desto kürzer ist die Anfangsphase. In dieser Phase wird der ‚Boden‘ für die nachfolgende Gesprächsmitte gelegt. Bereits hier können Entscheidungen darüber getroffen werden, ob das Gespräch angenehm oder weniger angenehm verlaufen wird (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 319).

2.2 Gesprächsmitte

In der Gesprächsmitte wird dann auf das eigentliche Thema des Gesprächsanlasses eingegangen. Der Übergang von der Anfangsphase zum Hauptteil des Gesprächs kann sowohl eindeutig, durch beispielweise „nun aber zum Thema“ oder uneindeutig, durch „ehm, tja“ geschehen.

Das Thema des nun beginnenden Gesprächs kann von Anfang an eindeutig festgelegt sein oder sich erst im Gesprächsverlauf entwickeln. Bei einem festgelegten Thema steht nur ein Hauptthema im Fokus des Gesprächs, wohingegen bei einem sich erst entwickelnde Thema im Verlauf des Gesprächs mehrere Themen behandelt werden können (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 322). Das Gespräch im Alltag wird durch Fragen und ständige turn-Wechsel aufrechterhalten.

2.3 Beendigungsphase

In der Beendigungsphase erfolgen keine weiteren turn-Übernahmen mehr. Es wird von allen Gesprächsteilnehmern versucht, gemeinsam oder kurz nacheinander zu einem Gesprächsabschluss zu gelangen. Diese Phase ist meist dadurch gekennzeichnet, dass ein „letztes Wort“ gesprochen wird. Die verbale Beendigung eines Alltagsgesprächs ist durch weitere nonverbale Merkmale identifizierbar. Das Aufsetzen einer Brille oder das Austrinken eines Glases können ein Anzeichen dafür sein (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 323).

3 Unterrichtskommunikation

Im Folgenden wird auf die Makrostruktur eines Unterrichtsgesprächs eingegangen. Auch im institutionellen Rahmen gibt es drei Phasen, in die eine Unterrichtsstunde gegliedert werden kann. Diese sind die Eröffnungsphase, die Instruktionsphase oder auch Gesprächsmitte genannt und die Abschlussphase.

3.1 Eröffnungsphase

In der Eröffnungsphase hat die Lehrkraft die Aufgabe, eine kommunikative Ordnung zu schaffen und die thematischen Inhalte der Unterrichtsstunde vorzustellen. Die Lehrperson und die SuS nehmen sich gegenseitig wahr und signalisieren sich, dass der Unterricht nun beginnen kann. Dazu muss der institutionell geregelte Kommunikationsverlauf aus dem Interaktionskontext herausgelöst werden. Erst dann tritt die institutionelle Regelung in Kraft (vgl. Becker-Mrotzek 2009: 161).

3.2 Instruktionsphase

Die Instruktionsphase hat die Aufgabe der Wissensvermittlung. Sie behandelt die thematisch-inhaltlichen Fachaspekte. In dieser Phase versucht die Lehrkraft durch Fragen und Aufforderungen die Schüler und Schülerinnen in den Unterricht miteinzubeziehen. Sie sollen dann durch Gesprächsbeiträge am Unterricht teilnehmen und ihn voranbringen. Die Lehrperson evaluiert diese Beiträge anschließend.

3.3 Abschlussphase

In der Abschlussphase sollen die Ergebnisse der Stunde gesichert und das Gelernte reflektiert werden. Die Lehrperson und die SuS fassen zusammen, welchen Lernfortschritt sie erzielt haben. Zum Abschluss beendet die Lehrperson den Unterricht durch auflösende Äußerungen.

Die Eröffnungsphase und die Abschlussphase sind zunehmend durch direkte und informative Sequenzen geprägt. Unter direkten Sequenzen versteht man zum Beispiel Aufforderungen, die organisatorisch auf den Unterricht vorbereitet werden müssen. Informative Sequenzen beruhen auf Meinungen und Ideen und dienen der Aufmerksamkeitsgewinnung (vgl. Mosbach 2015: 16f.). Die Instruktionsphase ist durch Elizitations-Sequenzen geprägt. In dieser soll den SuS Wissen entlockt werden. So wird das alltägliche Verhalten vom unterrichtlichen Verhalten abgegrenzt.

4 Der Sprecherwechsel

Für den weiteren Verlauf der Arbeit müssen zunächst zwei grundlegende Definitionen dargelegt werden. Beim Sprecherwechsel geht es um die Organisationsform eines Gesprächs. Hierbei gibt es abhängig von dem zu analysierenden Gesprächstypen (Alltags- oder Unterrichtskommunikation) verschiedene festgelegte Mechanismen und Regeln, die einen reibungslosen Ablauf ermöglichen. Zunächst sind zwei Begriffe zu klären.

Turn:

Unter dem Begriff „Turn“ versteht man den Redebeitrag, der von einer Person über einen bestimmten Zeitraum gehalten wird.

Turn-taking :

Es folgt ein Sprecherwechsel. Das bedeutet, dass der Redebeitrag nun von einer weiteren Person übernommen wird.

Man spricht bei einem Wechsel des Redebeitrags bei zwei Sprechern auch von einem Rollenwechsel. Der ehemalige Sprecher tritt nun in die Rolle des Hörers und der Hörer nimmt die Rolle des Sprechers ein.

4.1 Fremdwahl – Selbstwahl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: zwei Arten des Zustandekommens des Sprecherwechsels

Unterschieden wird beim Wechsel des Sprechers zwischen Selbstwahl und Fremdwahl. Selbstwahl findet statt, wenn keine Zuweisung des Rederechts vorausgeht. In diesem Falle kann jeder andere Teilnehmer die Sprecherrolle übernehmen. Nach Sacks gilt dann das First-Starter-Prinzip. Derjenige, der als Erster zu Sprechen beginnt, erhält das Recht, die Rolle des Sprechers zu übernehmen. Selbstwahl findet also statt, wenn ein Sprecher oder eine Sprecherin den Redebeitrag beendet hat, ohne dass eine bestimmte Person bereits zum nächsten Sprecher fremd-gewählt worden ist (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 301).

Unter Fremdwahl versteht man die direkte Zuweisung des Rederechts durch den gegenwärtigen Sprecher. Nur dieser ausgewählte Sprecher erhält das Recht und die Pflicht das Gespräch zu übernehmen. Fremdwahl kann auf explizite Art und auch auf implizite Art erfolgen (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 301). Beispielsweise erfolgt die Zuweisung durch den Aufruf des Namens, aber auch die Fremdzuweisung auf nonverbaler Ebene durch Blickkontakt ist möglich.

Wenn nun weder durch Selbstwahl noch durch Fremdwahl ein neuer Sprecher gefunden wurde, hat der gegenwärtige Sprecher die Pflicht, das Gespräch fortzuführen.

4.2 Formen des Sprecherwechsels

Es gibt vier Formen, in die man den Sprecherwechsel unterteilen kann. Im Folgenden werden diese kurz erläutert.

I. Sprecherwechsel mit oder ohne „gap“

Die erste Form des Sprecherwechsels lautet Sprecherwechsel mit oder ohne Sprechpause (gap). Dies ist die häufigst verwendete Art der Redebeitragsübergabe. Dabei entsteht zwischen den Beiträgen entweder eine kurze Pause oder der Wechsel findet direkt und ohne Unterbrechungen statt. Dieser reibungslose Sprecherwechsel zeugt von einer sehr guten Koordination in der Gesprächsaktivität. Denn die Voraussetzung dessen ist eine perfekte Antizipation der Gesprächshandlungen unter den einzelnen Gesprächsteilnehmern (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 302).

II. Sprecherwechsel mit „overlap“

Die zweite Art der Redebeitragsübergabe ist der Sprecherwechsel mit Überlappungen (overlap). Hierbei folgt eine kurze Überlappung einzelner Wörter oder Silben am Ende des ersten Redners mit anfänglichen Wörtern des nächsten Sprechers. Dies wird von den Gesprächsteilnehmern jedoch nicht als störend empfunden. Zumeist handelt es sich bei den Überlappungen um verbale Pufferzonen, wie zum Beispiel "ehm, jaa" oder "nun". Man spricht bei dieser Art des Sprecherwechsels immer noch von einem glatten Wechsel (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 302).

III. Sprecherwechsel mit längeren Pausen/ Schweigen

Die dritte Form des Sprecherwechsels bezieht sich auf längere Pausen oder sogar Schweigen. Diese Art wird meist als unangenehm empfunden und kann durch die Beziehungen der Teilnehmer unterschiedlich wahrgenommen werden. Sie kann ebenfalls als peinliches Schweigen oder mangelndes Interesse am Gespräch oder dem Gesprächspartner verstanden werden. Es ist jedoch zu betonen, dass die Bedeutung dieser Pausen von der entsprechenden Kultur und den Normen einer Gesellschaft abhängig sind. So werden beispielsweise in der Schweiz längere Gesprächspausen eingelegt als in Deutschland. Zudem spielen Faktoren wie der Bekanntheitsgrad auch hier wieder eine Rolle (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 303).

IV. Sprecherwechsel durch Unterbrechung

Die vierte und letzte Form des Sprecherwechsels ist der Sprecherwechsel durch Unterbrechung. Diese Art ist ähnlich der zweiten Form (overlap), wird jedoch als "latent aggressiv und vom betroffenen Sprecher meist als unangenehm empfundene Form der Selbstwahl" angesehen (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 303). Der Sprecherwechsel durch Unterbrechung kann vom Betroffenen auch als überraschende Selbstauswahl empfunden werden. Dies ist der Fall, wenn die Unterbrechung zu einem übergangsrelevanten Zeitpunkt geschieht, das heißt zum Beispiel am Ende eines Witzes, eines Satzes oder Teilsatzes (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004: 303).

5 Formen des Sprecherwechsels im Alltag

In Alltagskommunikationen, wie in Gesprächen unter Freunden, hat jeder Gesprächsteilnehmer die Möglichkeit, durch Fremdwahl aber auch durch Selbstwahl das Wort bzw. den turn zu erhalten. Es gibt in einem Alltagsgespräch, in diesem Falle dem Gespräch unter Freunden, keine Hierarchie und somit keine Ordnung, der die Gesprächsteilnehmer unterliegen. Zumeist geschieht der Sprecherwechsel im Alltagsgespräch unter Freunden durch Selbstwahl. Es ist allerdings auch möglich, durch Fremdwahl den turn zu erhalten, wenn man direkt angesprochen und gefragt wird.

Im Alltagsgespräch treten zudem auch alle anderen Formen des Sprecherwechsels auf. In einem angeregten Gespräch finden oft turn-takings ohne ‚gap‘ statt. Aber auch ‚overlaps‘ können in einem Gespräch unter Freunden vorkommen. Da niemand einer Hierarchie unterliegt und es gilt, wer zuerst spricht, erhält den turn, können häufig Überlappungen und Unterbrechungen auftreten. Dies wird meist jedoch nicht als störend empfunden, da jeder in der Lage ist, den turn zurück zu erlangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sprecherwechsel in Alltags- und Unterrichtskommunikation
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V424786
ISBN (eBook)
9783668700512
ISBN (Buch)
9783668700529
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprecherwechsel, alltags-, unterrichtskommunikation
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Sprecherwechsel in Alltags- und Unterrichtskommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424786

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sprecherwechsel in Alltags- und Unterrichtskommunikation



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden