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Woran scheitert die Kooperation im Nahen Osten? "Kollektive Identität" als Hindernis des Friedensprozesses

Titre: Woran scheitert die Kooperation im Nahen Osten? "Kollektive Identität" als Hindernis des Friedensprozesses

Dossier / Travail , 2003 , 24 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Georgi Iliev (Auteur)

Politique - Région: Proche-Orient
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Einleitung

Im Nahostkonflikt stehen sich nicht nur zwei Völker oder Kulturen gegenüber, sondern vor allem zwei kollektive Identitäten. „Kollektive Identität“ stellt keine natürliche Kategorie dar, sondern ein imaginäres Gebilde. Die Konstruktion von kollektiven Identitäten führt zur Herausbildung von bestimmten Denkschemata und Verhaltensmustern, die innerhalb des Kollektivs allgemein akzeptiert sind und als Grundlage für gesellschaftliche Normen und Werte, aber auch Mythen und kollektive Erinnerungen dienen. Sie werden durch Sozialisationsprozesse vom Volk aufgenommen und formen eine massenpsychologische Disposition, deren Heranziehung für das Zurechtkommen mit dem permanenten Konfliktzustand obligatorisch wird. Das jahrzehntelange Festhalten an solche Ressentiments konstituiert kollektive Identität als eine besonders starre Konstruktion. Angesichts einer fehlenden Vertrauensbasis zwischen Palästinenser und Israelis ist ein „Ausbrechen“ aus diesen festen und tief verwurzelten Strukturen infolge des Friedensprozesses nicht möglich. Um der Fragestellung nach den Auswirkungen der Konstruktion von „kollektiven Identitäten“ auf den Friedensprozesses gerecht werden zu können, werde ich mich im ersten Abschnitt dieser Arbeit mit den theoretischen Grundlagen dieses Konzeptes befassen. In diesem Komplex werde ich mich auf die Instrumentalisierung der Vergangenheit und auf Selbst- und Fremdzuschreibungen als zentrale Leitgedanken konzentrieren, um zu einer Arbeitsdefinition für den zweiten Teil dieser Arbeit zu gelangen.
Dieser beschäftigt sich dann mit der Analyse der konstituierenden Faktoren zur Konstruktion der „kollektiven Identitäten“ der palästinensischen und israelischen Gesellschaft. Mein Erkenntnisinteresse gilt im dritten Teil dieser Arbeit der Entstehung und Verfestigung von Feindbildern. Dabei werde ich auf die Hauptprämissen der Kognitionspsychologie eingehen, um die psychologischen Aspekte anzuzeichnen, die die Entstehung und Verhärtung von Feindbildern bedingen. Anschließend werde ich die Wahrnehmungsmuster analysieren, die für den israelisch- palästinensischen Konflikt relevant sind. Da ich von der Überzeugung ausgehe, dass es ein dialektisches Verhältnis zwischen kollektiver Identität und Entwicklung des Friedensprozesses besteht, werde ich in einem Schlusskapitel auf die Folgen der Konstruktion von kollektiven Identitäten hinweisen, die das Scheitern des Friedensprozesses begründen

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kollektive Identität- begriffliche Klärung

III. Zur Konstruktion von kollektiven Identitäten

1. Palästinensische Identität

1.1. Identitätsstiftende Themen in der palästinensischen Identität

1.2. Die Intifada

2. Israelische Identität

2.1. Die Gründung Israels

2.2. Die Shoah

IV. Die politische Bedeutung von Feindbildern

1. Entstehung und Verhärtung von Feindbildern

2. Identitätsstiftende Bedeutung von Feindbildern

2.1.Worst-Case-Denken

2.2. Schwarz-Weiß-Denken

2.3. Dehumanisierung des Feindes

V. Kollektive Identitäten und der Friedensprozess im Nahen Osten

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Konstruktion kollektiver Identitäten auf das Scheitern des Friedensprozesses im israelisch-palästinensischen Konflikt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle von Feindbildern und psychologischen Barrieren, die eine notwendige Vertrauensbasis zwischen den Konfliktparteien verhindern.

  • Konstruktion und Instrumentalisierung kollektiver Identitäten
  • Entstehung und psychologische Verfestigung von Feindbildern
  • Die Rolle von Mythen und historischer Gedächtnisarbeit
  • Auswirkungen von Bedrohungsperzeptionen auf politische Entscheidungen
  • Das Scheitern von Friedensbemühungen durch starre Denkmuster

Auszug aus dem Buch

2.1.Worst-Case-Denken

Das Worst-Case-Denken ist ein typisches Element in der Einschätzung des Feindes. Diese Einstellung kommt insbesondere in durch Gewalt begründete Konfliktsituationen zum Vorschein. Das Worst-Case-Denken geht „… von der Annahme aus, dass der Gegner für sich nach dem optimalen Nutzen strebt, was für die eigene Seite den maximalen Schaden bedeutet. Worst-Case-Denken muß unterstellen, dass die Gegenseite nichts unversucht lässt, auf meine Kosten Vorteile zu erreichen“ (Guha, zit. in: Flohr 1991:55f). Ein Beispiel für Worst-Case-Denken ist die gegenseitige Wahrnehmung und Zuschreibung von Absichten im israelisch-palästinensischen Konflikt. Jede Seite perzipierte eine vom Gegner ausgehende existenzielle Bedrohung. Beide Seiten hielten an der Auffassung fest, dass nur eine von ihnen eine Nation sein kann. Daraus resultierte auch die Wahrnehmung des Konflikts als ein Nullsummenspiel.

Diese Interpretation des Konfliktes bezog sich als erstes im Hinblick auf das Territorium. Beide nationale Bewegungen – der Zionismus und die palästinensische Bewegung – machten ihre Ansprüche auf dasselbe Territorium geltend. Die Nullsummendefinition des Konfliktes stand aber vornehmlich in Bezug auf nationale Identität und nationales Existenzrecht. Beide Seiten empfanden die bloße Existenz des jeweils anderen als Bedrohung der eigenen Existenz und des eigenen Rechts eine Nation zu sein. Die in beiden Konfliktparteien wahrgenommenen Absichten des Feindes gipfelten in beiden Kollektiven in tiefe Ängste für die eigene Existenz. Die für ein Nullsummenspiel charakteristische Disposition fand ihren Ausdruck in den Überzeugungen beider Konfliktparteien, dass die Verwirklichung der nationalen Identität einer der Gruppen gleichbedeutend mit der Zerstörung der Identität der jeweils anderen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Problemstellung ein, dass der Nahostkonflikt maßgeblich durch die Konstruktion und Konfrontation zweier kollektiver Identitäten geprägt ist.

II. Kollektive Identität- begriffliche Klärung: Das Kapitel definiert kollektive Identität als soziales Konstrukt, das durch ein kollektives Gedächtnis und die selektive Interpretation von Vergangenheit geformt wird.

III. Zur Konstruktion von kollektiven Identitäten: Hier werden die Identitätsbildungsprozesse der palästinensischen und israelischen Gesellschaft unter Berücksichtigung historischer Ereignisse wie 1948, der Intifada und der Shoah analysiert.

IV. Die politische Bedeutung von Feindbildern: Dieses Kapitel beleuchtet psychologische Mechanismen der Identitätsstärkung durch Abgrenzung, insbesondere durch Worst-Case-Denken, Schwarz-Weiß-Denken und Dehumanisierung.

V. Kollektive Identitäten und der Friedensprozess im Nahen Osten: Die Untersuchung zeigt auf, wie tief verwurzelte Feindbilder und gegenseitiges Misstrauen die Friedensverhandlungen (Oslo-Prozess) behinderten und scheitern ließen.

VI. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein dauerhafter Frieden den Abbau starrer Wahrnehmungsschemata erfordert, da die bestehenden Identitätskonstruktionen weiterhin als Hindernis fungieren.

Schlüsselwörter

Nahostkonflikt, kollektive Identität, Friedensprozess, Feindbilder, Kognitionspsychologie, Israel, Palästina, Nullsummenspiel, kollektives Gedächtnis, Bedrohungsperzeption, Sicherheitsverlangen, Dehumanisierung, Identitätskonstruktion, Oslo-Abkommen, politische Mythen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie kollektive Identitäten und die darauf basierenden Feindbilder im israelisch-palästinensischen Konflikt als Barrieren wirken, die einen dauerhaften Friedensprozess erschweren oder unmöglich machen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Identitäten, die Instrumentalisierung von Geschichte und Erinnerung, die psychologische Entstehung von Feindbildern sowie deren Auswirkungen auf politisches Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Friedensprozess nicht allein an politischen Modalitäten scheiterte, sondern maßgeblich an tiefsitzenden psychologischen Dispositionsmustern in beiden Gesellschaften.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen politikwissenschaftlichen und politpsychologischen Analyseansatz, um die Wechselwirkungen zwischen kollektiven Identitätsmustern und Konfliktverlauf zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Identitätsbildung beider Völker, die kognitionspsychologischen Grundlagen der Entstehung von Feindbildern sowie die Analyse der Friedensbemühungen unter dem Aspekt der Bedrohungswahrnehmung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätskonstruktion, Feindbild, Nahostkonflikt, Friedensprozess, Bedrohungsperzeption und kognitive Konsistenz charakterisiert.

Welche Rolle spielt der Begriff "Nakbah" in der palästinensischen Identität?

Die "Nakbah" fungiert als zentrales, identitätsstiftendes Thema, das die Vertreibung und das Leid der Palästinenser als kollektives Gedächtnis verankert und die Grundlage für den nationalen Widerstand bildet.

Wie instrumentalisiert die israelische Politik die Shoah?

Die Arbeit legt dar, dass die Shoah im israelischen Kollektivbewusstsein als Legitimationsbasis für die Existenz und Sicherheit des Staates genutzt wird, was oft zu einer instrumentellen Vereinnahmung für außenpolitische Zwecke führt.

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Résumé des informations

Titre
Woran scheitert die Kooperation im Nahen Osten? "Kollektive Identität" als Hindernis des Friedensprozesses
Université
Free University of Berlin
Note
1,7
Auteur
Georgi Iliev (Auteur)
Année de publication
2003
Pages
24
N° de catalogue
V42480
ISBN (ebook)
9783638405003
Langue
allemand
mots-clé
Woran Kooperation Nahen Osten Kollektive Identität Hindernis Friedensprozesses
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Georgi Iliev (Auteur), 2003, Woran scheitert die Kooperation im Nahen Osten? "Kollektive Identität" als Hindernis des Friedensprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42480
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Extrait de  24  pages
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