Adipositas bei Jugendlichen aus Familien mit niedrigen Wohlstand


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Hintergrund

2 Epidemiologie

3 Theoretischer Kontext
3.1 Konzepte des Lebensstils und Milieus
3.2 Sozialisationstheorie

4 Diskussion

5 Schlussfolgerung

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

Abstract

Das Kindes- und Jugendalter ist die Lebensphase, die am wenigsten von Krankheit betroffen ist. Kinder haben heutzutage eine bessere Chance auf ein langes und gesundes Leben als jede Generation davor. Allerdings ist im Laufe der letzten Jahrzehnte ein Wandel hin zu immer mehr chronischen Erkrankungen festzustellen, zu denen auch Adipositas zählt (Schlack 2004).

Die Zahl der adipösen jungen Menschen in Deutschland ist auf eine alarmierende Zahl von 800.000 Kindern und Jugendlichen angestiegen, insbesondere Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status sind davon betroffen. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Adipositas bei Kindern und Jugendlichen, die in Familien mit niedrigem Wohlstand aufwachsen. Grundlage hierfür ist die von der Weltgesundheitsorganisation geförderte internationale Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC), die den Zusammenhang zwischen niedrigem Wohlstand und kindlicher Adipositas darstellt.

1 Einleitung und Hintergrund

In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, mit einem guten Sozialversicherungssystem, wachsen nicht alle Kinder und Jugendliche unter gleichen Lebensbedingungen auf. Dabei ist zu beobachten, dass insbesondere sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche seltener Sport treiben, sich ungesünder ernähren und zu einem größeren Anteil übergewichtig sind (RKI 2015: 1).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Adipositas zu den größten Risikofaktoren für Gesundheit und seelisches Wohlergehen der Menschen im 21. Jahrhundert und spricht von einer Adipositas-Epidemie in Europa. Adipositas, auch Fettleibigkeit genannt, bezeichnet einen erhöhten Körperfettanteil, der durch den Body-Mass-Index (BMI) berechnet wird. Beträgt der BMI 25 oder mehr, wird von Übergewicht gesprochen, beträgt er 30 oder mehr liegt Adipositas vor (Deutsche Adipositas Gesellschaft 2012).

Schon in der Kindheit kann Adipositas zu gesundheitlichen Beschwerden führen und Folgen haben, die weit bis in das Erwachsenenalter reichen. Adipöse Kinder und Jugendliche haben ein höheres Risiko an Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen zu leiden, später sind sie anfälliger für Krebserkrankungen sowie für vorzeitige Mortalität, denn wer bis zum 13. Lebensjahr fettleibig ist, bleibt dies zu 80 Prozent auch im fortgeschrittenen Alter (RKI 2018, Kieler Studie).

Bereits der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), durchgeführt von dem Robert-Koch-Institut, der Kinder und Jugendliche auf ihre Gesundheit untersucht, stellt heraus, dass 6,3 Prozent der 3 bis 17-Jährigen in Deutschland unter Adipositas leiden. Zudem zeigt sich in der Studie, dass ein klarer Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und Adipositas besteht. Die Adipositas-Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen ist im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren um ein Dreifaches angestiegen. (Kurth et al 2010)

Soziale Ungleichheit bedeutet, dass der Stand einer Person oder Gruppe in der Gesellschaft mit gesellschaftlichen Vor- oder Nachteilen verbunden ist. Diese beziehen sich meistens auf die Verfügung von Ressourcen wie beispielsweise Einkommen, Bildung oder Wissen oder auf ungleiche Wege, um zu diesen zu gelangen. Daraus folgen unterschiedliche Lebensbedingungen hinsichtlich Wohnen, Arbeit und Umfeld und es entstehen verschiedene Einstellungen und Verhaltensgewohnheiten der Menschen (Hradil 2009).

Die Autorin fokussiert sich in vorliegender Arbeit auf den Zusammenhang von Wohlstand und Adipositas, weil der sozioökonomische Status einen erheblichen Einfluss auf die gesundheitliche Situation im Kindes- und Jugendalter hat und sich in fast allen relevanten Entwicklungs- und Gesundheitsbereichen bemerkbar macht.

Um die Sachlage und die Zusammenhänge darzustellen, wird in dieser Arbeit unter Berücksichtigung von epidemiologischen Maßzahlen die Entwicklung und Entstehung kindlicher Adipositas in Familien mit niedrigem Wohlstand untersucht und anhand von Theorien zu Milieu bzw. Lebensstil nach Vester und Hradil sowie anhand der Theorie der Sozialisation auf Grundlage der Literatur von Tillmann und Hurrelmann erläutert. Diese Theorien wurden gewählt, da sie wichtige Aspekte zur Erklärung der Entstehung von Krankheiten im jungen Alter liefern, sodass abschließend ein kritischer Blick auf die bewerteten Daten genommen werden kann, um eine Schlussfolgerung bezüglich des gesundheitlichen Problems zu ziehen.

Weshalb genau begünstigen wohlstandsschwache Familien die Entstehung Adipositas bei Kindern und Jugendlichen? Wie könnten sinnvolle Präventionsansätze aussehen, um Adipositas im Kindesalter vorzubeugen?

2 Epidemiologie

Um an geeignete Literatur zu gelangen wurde zunächst großflächig im Internet nach „Adipositas bei Kindern und Jugendlichen“, „niedriger Sozialstatus und Adipositas“ und einer Kombination aus beiden gesucht, um Klarheit über die Begrifflichkeiten zu erlangen und deren Zusammenhang verstehen zu können. Spezifischere Online-Recherchen führten dann auf Webseiten, wie auf die des Robert-Koch-Instituts (RKI), die der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die der Bundeszentrale für politische Bildung und zur deutschen Seite der HBSC-Studie. Zudem wurden Literaturquellen herangezogen, die die angewandten Theorien ausführlich beschrieben haben.

Da die epidemiologischen Maßzahlen der wichtigsten Studien nicht älter als fünf Jahre alt sein sollten, wurde die Suche dementsprechend eingegrenzt. Grundsätzlich wurden möglichst viele Quellen herangezogen, um eine weite Betrachtung auf das komplexe Thema möglich zu machen und die Beurteilung der Autoren abzusichern.

Letztendlich wurde sich für die von der WHO geförderte internationale Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) entschieden, an der 2013/2014 weltweit über 40 Länder teilgenommen haben. In Deutschland wird die Studie von Prof. Dr. Matthias Richter[1] durchgeführt und gibt nicht nur Auskunft über die Gesundheit und das gesundheitsrelevante Verhalten, sondern auch über die personalen und sozialen Rahmenbedingungen, die die Gesundheit und die gesunde Entwicklung positiv oder negativ beeinflussen, um so auch Ansatzpunkte für Gesundheitsförderung und Prävention identifizieren zu können. Die Studie stellt eine repräsentative Erfassung[2] des Gesundheitszustandes und Gesundheitsverhaltens der Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 15 Jahren in Deutschland dar. Insgesamt wurden 2.329 Schülerinnen und 2.530 Schüler befragt (HBSC-Studie 2013).

Laut der Studie sind ungeachtet der Altersklassen durchschnittlich 2,8 Prozent der Mädchen und 3,3 Prozent der Jungen adipös, wobei der Anteil der adipösen Kinder und Jugendlichen mit zunehmendem Alter ansteigt. Jungen sind in allen Altersklassen stärker betroffen sind, als die Mädchen (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Adipositas nach Alterskategorien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an die HBSC-Studie 2013/2014

Die Studie belegt sehr deutlich, dass der Anteil von adipösen Kindern und Jugendlichen aus Familien mit niedrigem Wohlstand deutlich höher ist, als bei Gleichaltrigen aus Familien mit einem hohen Sozialstatus (siehe Abb. 2). Um die Zuordnung der Befragten zu den Wohlstandkategorien vorzunehmen, wurden Angaben wie die Anzahl von Autos, Urlaubsreisen, IT-Geräten und die Zimmerausstattung der Jugendlichen herangezogen.

Abb. 2: Anteil von adipösen Kindern und Jugendlichen nach Wohlstandskategorien (niedrig, mittel, hoch)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an die HBSC-Studie 2013/2014

Wie die Tabelle zeigt, gibt es einen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Erkrankung an Adipositas zwischen Kindern aus Familien mit hohem Wohlstand und Kindern aus Familien, bei denen der Wohlstand gering ist. Bei Jungen ist das Risiko fettleibig zu werden bei einem niedrigen familiären Wohlstand um mehr als ein Fünffaches erhöht gegenüber zu Jungen mit einem hohen familiären Wohlstand. Bei Mädchen ist das Risiko um mehr als ein Vierfaches erhöht.

Diese Ergebnisse werden durch die KiGGS-Umfrage bestätigt, die ebenfalls zeigt, dass der sozioökonomische Status einer Familie maßgeblichen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten der Kinder hat und als großer Risikofaktor für Adipositas gilt. Nach deren Erhebung ist der Anteil der adipösen Kinder aus sozial benachteiligten Familien dreimal so hoch wie aus Familien mit hohem Sozialstatus (RKI 2008).

Bei einer von der DAK veröffentlichten Statistik im Jahr 2010 wurden Kinderärzte zu den Ursachen von Übergewicht bei Kindern befragt. Hier ließ sich ebenfalls feststellen, dass sowohl ein niedriger Bildungs- als auch ein niedriger Einkommensstandard der Eltern, Übergewicht bei Kindern begünstigt. Jedenfalls bestätigen das 74 von 100 befragten Kinderärzte. Zudem wurden mangelnde Bewegung, Fehlernährung und intensiver Medienkonsum als weitere Faktoren genannt, die zu Übergewicht und schließlich zu Adipositas führen können. Diese drei Punkte sind im Kindes- und Jugendalter allerdings maßgeblich davon abhängig was die Eltern vorleben können (Statista 2010: 34).

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass die epidemiologischen Zahlen alarmierend sind und Adipositas bereits in Kindheit und Jugend einen nennenswerten Anteil ausmacht. Die Fallzahlen von adipösen Kindern und Jugendlichen sind in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Das zeigt den dringenden Handlungsbedarf, die Ursachen zu bekämpfen und präventiv vorzugehen, um die steigende Zahl der fettleibigen Kinder und Jugendlichen einzudämmen.

Eine prioritäre Zielgruppe für Präventionsmaßnahmen sind daher, nach HBSC-Studie, Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Wohlstand. Dabei ist zu überlegen, wie durch Maßnahmen nachhaltig Einfluss auf Lebensstil und Sozialisation genommen werden kann, um so die Gesundheitschancen der benachteiligten sozialen Schichten zu verbessern und durch Vorbildverhalten an die nächste Generation zu vererben (HBSC-Studie 2013).

3 Theoretischer Kontext

3.1 Konzepte des Lebensstils und Milieus

Die Theorien von Milieu und Lebensstil erklären, weshalb Kinder und Jugendliche, die in einem sozial benachteiligten Umfeld groß werden, anfälliger dafür sind, Adipositas zu entwickeln. Obwohl in der vorliegenden Arbeit der Parameter „Wohlstand der Familien“ im Zusammenhang mit adipösen Kindern untersucht wird, wurde bewusst kein Klassen- oder Schichtmodell gewählt, sondern das Konzept des Lebensstils und Milieus, um aufzuzeigen wie der Lebensstil durch das Einkommen geprägt wird und durch ökonomisches Kapital subjektive Werte entstehen.

In der Milieutheorie geht es um die dominierenden Einflüsse der Umwelt im Gegensatz zu der prägenden Wirkung der Erbanlagen. Das Milieu, in dem Menschen aufwachsen, ist überwiegend für die Entwicklung des Lebensstils ausschlaggebend. Als Milieus werden Gruppen bezeichnet, die aufgrund ihrer Umwelt einen ähnlichen Habitus aufweisen, das heißt, die eine vergleichbare innere und äußere Haltung haben, und eine sich ähnelnde Alltagskultur pflegen. Die Einstellungen und Werte des Milieus sind durch die Lebensumstände und Gewohnheiten geprägt, und lassen sich nicht beliebig ändern. Für gewöhnlich werden diese Werte von den Eltern an die Kinder weitergegeben, sodass in der Kindheit oft schon die Weichen gestellt werden, was zum Beispiel auch die Bildungswege betrifft (Vester 2012).

Milieus bilden sich zum einen aus objektiven Lebensbedingungen und zum anderen aus der subjektiven Position in der Gesamtgesellschaft heraus. Sie sind insofern nicht strikt abgegrenzt, sondern entwicklungsfähig, trotzdem aber sind sie oft tief verankert und beständig (Vester 2012; Hradil 2006).

Die Umwelt, also das Milieu, in das der Mensch geboren wird, bestimmt ihn und sein Leben. Er kann sich der Bestimmung nur schwer entziehen. Die Menschen, die sich dem gleichen sozialen Milieu zugehörig fühlen, gestalten ihre Umwelt in einer ähnlichen Art und Weise und unterscheiden sich somit von anderen Milieus. Wächst ein Kind beispielsweise in einer von Fettleibigkeit betroffenen Umwelt auf, so wird es, im Erwachsenalter auch mit dem Problem konfrontiert sein (bpb 2006).

[...]


[1] Institut für Medizinische Soziologe, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

[2] In Abhängigkeit der Größe der Bundesländer wurden für die Erhebung der Daten bis zu 36 Schulen gezogen, aus denen jeweils eine Schulklasse (entweder Klassenstufe 5, 7 oder 9) per Zufall ausgewählt wurde.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Adipositas bei Jugendlichen aus Familien mit niedrigen Wohlstand
Hochschule
Hochschule Fulda
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V424817
ISBN (eBook)
9783668700161
ISBN (Buch)
9783668700178
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Epidemiologie, Lebensstil, Milieu, Sozialisationstheorie
Arbeit zitieren
Hannah Rauth (Autor), 2018, Adipositas bei Jugendlichen aus Familien mit niedrigen Wohlstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424817

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