Unter allen Staatszielbestimmungen die das deutsche Grundgesetz nennt, ist die Bundesstaatlichkeit die einzige, die durch Art. 79 Abs. 3 GG eine doppelte Verankerung in der Verfassung für sich beanspruchen kann. Dennoch hat es die föderale Ordnung schwer, die gleiche Anerkennung unter der Bevölkerung zu erreichen, wie etwa die Gebote der Demokratie oder der Rechtsstaatlichkeit. Dabei hat der Föderalismus einen hohen Traditionswert. Viele Staatsgebilde auf deutschem Boden hatten mehr oder weniger starke föderale Tendenzen. Doch Traditionspflege allein kann eine Staatsausformung nicht legitimieren. Sie muss sich vielmehr ständig neu beweisen. Die Bundesstaatlichkeit kann sich dieser Herausforderung stellen, denn ihre Vorzüge zeigen sich in einem hohen Potential an Freiheitssicherung und Bürgernähe, sowie schlicht in der Art und Weise der Staatsorganisation.
Vor allem in Zeiten des Wandels durch Reformen ist es unverzichtbar, sich die ursprünglichen Ziele des Föderalismus, die gleichzeitig seine Vorteile darstellen und auch heute unverändert aktuell sind, zu verdeutlichen. Denn nur wenn man das Ziel kennt, ist der Weg dorthin sinnvoll optimierbar.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
I. Weshalb diese Untersuchung?
II. Begriffsabgrenzung – Gegenstand der Untersuchung
B. Ziele des Föderalismus
I. Historische Zielsetzungen am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts
1. Sicherheit
2. Erhaltung des status quo
3. Erleichterung des Beitritts
4. Nach dem Schrecken: Die neue alte Ordnungsidee
II. Föderalismus und Organisation
1. Die kleinen Einheiten
a) Überschaubarkeit und Transparenz
b) Effizienzgesichtspunkte
c) Entlastungen
2. Einheit durch Vielfalt
a) Die Gegensätze
b) Die Synthese durch den Föderalismus
c) Die Zufriedenheit der Teile mit dem Ganzen
3. Konflikt und Kompromiss
4. Experimentierfelder
a) Sachliche Felder
b) Personelle Felder
5. Wettbewerb
III. Föderalismus und Demokratie
1. Zur Verwandtschaft der Prinzipien
2. Attraktivität der Teilhabe
3. Minderheitenschutz
4. Steigerung des politischen Bewusstseins
IV. Föderalismus und Freiheit
1. Vertikale Gewaltenteilung
a) Kompetenzaufteilung
b) Die zweite Kammer
c) Bundestreue
d) Wirkung der vertikalen Gewaltenteilung
2. Innere Freiheit in Parteien und Verbänden
3. Verwirklichung des Subsidiaritätsprinzips als Ziel des Föderalismus?
C. Zusammenfassung
D. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das föderalistische Prinzip in Deutschland, um dessen zentralen Ziele und Vorzüge aufzuzeigen, da das aktuelle Bild des Föderalismus von Reformbedarf und Erfolglosigkeit geprägt ist. Dabei wird analysiert, inwieweit eine bundesstaatliche Organisation durch die Prinzipien der Organisation, Demokratie und Freiheit legitimiert ist und ob diese in der gegenwärtigen Praxis noch erreicht werden.
- Historische und staatstheoretische Grundlagen des Föderalismus.
- Die organisatorischen Ziele: Effizienz, Transparenz und Entlastung.
- Föderalismus als Instrument zur Konfliktbewältigung und Kompromissfindung.
- Die Verschränkung von Föderalismus, Demokratie und Minderheitenschutz.
- Vertikale Gewaltenteilung und die Sicherung der Freiheit.
Auszug aus dem Buch
1. Sicherheit
Eine Legitimation zieht die föderalistische Idee aus Umständen die das Nebeneinander der Staaten in unsicheren Zeiten mit sich bringt. Kleinere Staaten, die sich alleine nicht gegen Übergriffe von außen behaupten können, suchen Sicherheit im Bündnis mit anderen Staaten. Ein Phänomen, das so alt ist wie das Leben selbst. Es handelt sich hierbei um eine historisch-politische Erklärung des Phänomens Föderalismus, das gleichzeitig eines seiner Ziele beschreibt: Es geht um die „gute“ Staatsform, um die Fähigkeit von Zusammenschlüssen, Sicherheit und Wohlfahrt der ihrer Hoheitsgewalt unterworfenen Personen zu sichern. Über diese Zielsetzung berichtete auch Montesquieu in seinem Werk „Vom Geist der Gesetze“. Er sah in einem föderativ ausgestalteten Staat die Vereinigung von Volksherrschaft nach Innen mit der Kraft der Verteidigung nach außen. Als Beispiel dienten ihm in diesem Zusammenhang die griechischen Städtebünde, der Bund der Schweizer Kantone, das Deutsche Reich und Holland. Das heilige römische Reich deutscher Nation bezeichnete er als „république fédérative“ und als „Staatswesen von ewiger Dauer“. Deren föderative Elemente seien Mittel der Sicherung der Freiheit gewesen. Es ist tatsächlich nicht abwegig, das Alten Deutschen Reich, jedenfalls nach Abschluss des Westfälischen Friedens (1648), als bundesstaatsähnliches Gebilde anzusehen. Vor allem, wenn man das Grundprinzip des aus Staaten zusammengesetzten Staates mit jeweils doppelter Staatsgewalt unterstreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik am Föderalismus in der Bundesrepublik Deutschland und motiviert die Untersuchung als notwendigen Schritt, um durch das Aufzeigen der Ziele und Vorzüge eine angemessene Reformgrundlage zu schaffen.
B. Ziele des Föderalismus: Dieses Hauptkapitel analysiert das Wesen des Föderalismus anhand der drei zentralen Säulen Organisation, Demokratie und Freiheit, wobei historische Entwicklungen sowie organisatorische und rechtsstaatliche Aspekte detailliert beleuchtet werden.
C. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die wesentlichen Vorteile föderaler Strukturen und betont, dass die ursprünglichen Ziele wie Sicherheit und Machtvergrößerung heute hinter strukturellen Vorteilen wie Transparenz, Effizienz und demokratischer Teilhabe zurücktreten.
D. Ausblick: Der Ausblick kritisiert die gegenwärtige bundesdeutsche Praxis der Kompetenzverflechtung und fordert eine Entflechtung der Aufgaben, um die positiven Zielsetzungen des Föderalismus wieder wirksam werden zu lassen.
Schlüsselwörter
Föderalismus, Bundesstaat, Staatsorganisation, Gewaltenteilung, Demokratie, Freiheit, Subsidiarität, Kompetenzverteilung, Bundestreue, Minderheitenschutz, Wettbewerbsföderalismus, politische Identifikation, Verwaltungsapparate, Staatsgewalt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit möchte dem aktuellen negativen Bild des Föderalismus in Deutschland entgegenwirken, indem sie die zugrunde liegenden Ziele und Vorzüge des föderalistischen Prinzips systematisch darlegt und auf ihre heutige Gültigkeit prüft.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Das Werk behandelt den Föderalismus im Kontext von Organisation, Demokratie und Freiheit, ergänzt durch historische Perspektiven und aktuelle staatstheoretische Fragestellungen.
Was ist das primäre Ziel der untersuchten föderalistischen Ordnung?
Das Ziel ist die Errichtung einer Staatsform, die Einheit und Vielfalt verbindet, die Macht des Staates durch vertikale Gewaltenteilung kontrolliert und den Bürger durch mehr Teilhabe und Bürgernähe in das politische System integriert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung genutzt?
Es handelt sich um eine staatsrechtliche und politische Analyse, die historische Beispiele, theoretische Konzepte (wie die Integrationslehre) und aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen (Grundgesetz) zur Herleitung föderaler Ziele verwendet.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sicherheit und Organisation, die Wechselwirkung von Föderalismus und Demokratie, den Minderheitenschutz sowie die vertikale Gewaltenteilung als Instrument der Freiheit.
Was zeichnet die Definition von Föderalismus in dieser Arbeit aus?
Der Autor definiert Föderalismus als politisches und staatstheoretisches Ordnungssystem, das auf einer vertikalen Gewaltenteilung basiert und nicht mit dem gesellschaftspolitischen Subsidiaritätsprinzip gleichgesetzt werden sollte.
Wie bewertet der Autor die aktuelle Situation des Föderalismus in der BRD?
Der Autor konstatiert eine kritische Entwicklung durch übermäßige Kompetenzverflechtungen und eine Blockadehaltung im Bundesrat, was den ursprünglichen föderalen Zielen wie Transparenz und Wettbewerb entgegenwirkt.
Welche konkrete Lösung schlägt der Ausblick vor?
Um die Vorzüge des Föderalismus wieder zu beleben, wird eine Entflechtung der Aufgaben zwischen Bund und Ländern sowie die Abschaffung von Gemeinschaftsaufgaben und überflüssigen Kontrollbefugnissen des Bundes gefordert.
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- Lukas Beck (Author), 2005, Ziele des Föderalismus - Was bringt eine bundesstaatliche Organisation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42484