Was ist eigentlich ästhetisch? Die meisten sind sich einig, dass etwas schön und ansprechend ist, wenn es ästhetisch ist. Laut der Netzseite wissen.de bedeutet das Adjektiv so viel wie „ausgewogen schön, geschmackvoll, appetitlich, ansehnlich und ansprechend“ (wissen.de). Das ist die häufigste Auffassung dieses Wortes. Der Duden gibt die gleiche Beschreibung, verweist aber gleichzeitig noch auf ein anderes Wort – unästhetisch. Laut dem Duden ist etwas unästhetisch, wenn es abstoßend, entstellt, hässlich oder schauderhaft ist. Die meisten Menschen würden dem auch zustimmen. Nur ist es so, dass etwas nicht schön sein muss, um ästhetisch zu sein. Alles, was unsere Sinne bewegt, ist ästhetisch. Ästhetik ist die Lehre der Wahrnehmung. Es geht nicht darum ob wir das Objekt schön finden oder nicht. Jedes Gefühl und jeder Ausdruck der bei uns, den Subjekten, ausgelöst wird, ist Teil der Ästhetik.
Inhaltsverzeichnis
Der Begriff „ästhetisch“
Das Modell der Textil-Ästhetischen Kommunikation
Erstes Merkmal
Zweites Merkmal
Drittes Merkmal
Viertes Merkmal
Anwendung „eigenes Objekt“
Tagebucheintrag
Analyse
Anwendung „Fläche“
Tagebucheintrag
Analyse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das „Modell der Textil-Ästhetischen Kommunikation“ und prüft, inwieweit sich dieses durch eine praktische Anwendung auf selbstgeschaffene Objekte operationalisieren lässt. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob und wie ein „graduelles Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion“ zwischen dem Subjekt und den Objekten stattfindet.
- Grundlagen der ästhetischen Wahrnehmung
- Die vier zentralen Merkmale des Modells der Textil-Ästhetischen Kommunikation
- Analyse der In-Bezugnahme am Beispiel einer selbstgenähten Tasche
- Untersuchung der In-Bezugnahme am Beispiel eines gefärbten Stoffes
- Vergleich der unterschiedlichen Stärken des Kongruenzerlebens
Auszug aus dem Buch
Erstes Merkmal
Das erste Merkmal dieses Modells ist die Ästhetik und bezieht sich auf die sinnliche Wahrnehmung. Die sinnliche Wahrnehmung ist die Aufnahme von Informationen. Es gibt unterschiedliche Arten von Wahrnehmung; Die haptisch-taktile Wahrnehmung geht über den Tast- und Berührungs- und Temperatursinn, der Geruchssinn führt zur olfaktorischen Wahrnehmung. Die propriozeptive Wahrnehmung ist die Aufnahme von Informationen über die Muskeln und Gelenke, und der Dreh- und Bewegungssinn sind die vestibuläre Wahrnehmung. Dies sind die sogenannten Nahsinne. Die Fernsinne, mit denen wir auch Informationen aufnehmen, sind die visuelle und die auditive Wahrnehmung, also sehen und hören. Mit all diesen Sinnen nehmen wir Informationen von dem Objekt auf.
Die aufgenommenen Informationen lösen eine Reaktion im Subjekt aus. Sowohl positive als auch negative Gefühle und Gedanken können hervortreten. Nun geht es darum, diese Gedanken zu definieren. Ist es Zuneigung oder Abneigung? Welche Gedanken hat das Subjekt?
Die Ästhetik ist nicht länger nur die Lehre vom Schönen, sondern die Theorie der Sinne und der Wahrnehmung, oder auch „Die Ästhetik… ist die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis.“ (Baumgarten, A.G., 1735). Das Subjekt erkennt, dass das Objekt ihm etwas erzählen kann. Es findet eine erste Kommunikation zwischen Objekt und Subjekt statt, die eine Verbindung zwischen ihnen schafft. Somit kommen wir zum zweiten Merkmal der Textil-Ästhetischen Kommunikation.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Begriff „ästhetisch“: Es wird definiert, dass Ästhetik über die reine Wahrnehmung des Schönen hinausgeht und die Lehre der menschlichen Wahrnehmung und sinnlichen Erkenntnis umfasst.
Das Modell der Textil-Ästhetischen Kommunikation: Das theoretische Modell mit seinen vier Merkmalen – Ästhetik, Kommunikation, In-Bezugnahme und Kongruenzerleben durch Sinnkonstruktion – wird vorgestellt.
Erstes Merkmal: Dieses Kapitel erläutert die sinnliche Wahrnehmung, unterteilt in Nah- und Fernsinne, als Grundlage für die erste Verbindung zwischen Objekt und Subjekt.
Zweites Merkmal: Die Kommunikation wird als „über die Sache vermittelte Selbstkommunikation“ beschrieben, in der sich Subjekt und Objekt verschränken.
Drittes Merkmal: Es werden sechs Prozesse der In-Bezugnahme dargelegt, die von gesellschaftlich-sozial deutenden bis hin zu biografisch sinngebenden Wirkungen reichen.
Viertes Merkmal: Das graduelle Kongruenzerleben wird als Prozess definiert, bei dem das Subjekt dem Objekt eine individuelle Bedeutung zuschreibt.
Anwendung „eigenes Objekt“: In der praktischen Analyse einer selbstgenähten Tasche wird das Kongruenzerleben durch persönliche Erinnerungen und eine starke emotionale Bindung nachgewiesen.
Anwendung „Fläche“: Anhand eines gefärbten Stoffes wird aufgezeigt, dass hier ein eingeschränktes Kongruenzerleben vorliegt, da persönliche biografische Anker fehlen.
Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Kongruenzerleben in verschiedenen Stärken existiert und maßgeblich von der biografischen Sinngebung abhängt.
Schlüsselwörter
Textil-Ästhetische Kommunikation, Ästhetik, Wahrnehmung, In-Bezugnahme, Kongruenzerleben, Sinnkonstruktion, Subjekt-Objekt-Beziehung, Selbstkommunikation, Biografie, Objektanalyse, Designprozess, Sinne, Kommunikation, Identifikation, Gestaltungsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und praktischen Überprüfung des Modells der Textil-Ästhetischen Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ästhetische Wahrnehmung, die Kommunikation zwischen Mensch und Objekt sowie die Frage, wie durch Sinnkonstruktion eine persönliche Beziehung (Kongruenz) entsteht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu operationalisieren, ob und wie ein „graduelles Kongruenzerleben“ zwischen einem Subjekt und einem Objekt – etwa einer selbstgenähten Tasche – anhand von Tagebucheinträgen nachgewiesen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Analyse von zwei Objekten durchgeführt, wobei eigene Tagebucheinträge nach den Kriterien des Modells der Textil-Ästhetischen Kommunikation kategorisiert und reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der vier Merkmale des Modells und eine zweigeteilte praktische Anwendung, bei der ein funktionales Objekt und ein experimentelles Textilstück analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kongruenzerleben, In-Bezugnahme, sinnliche Wahrnehmung, Subjekt-Objekt-Kommunikation und biografische Sinngebung.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen dem „eigenen Objekt“ und der „Fläche“?
Die Differenzierung dient dazu, unterschiedliche Intensitätsstufen des Kongruenzerlebens aufzuzeigen; während die Tasche eine tiefe persönliche Geschichte hat, bleibt der gefärbte Stoff eher auf einer assoziativen Ebene.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich des Kongruenzerlebens?
Die Autorin stellt fest, dass es verschiedene Arten des Kongruenzerlebens gibt: eine starke, auf persönlichen Erinnerungen basierende Form und eine schwächere Form, die eher prozessorientiert und assoziativ geprägt ist.
- Arbeit zitieren
- Antonia Worm (Autor:in), 2016, Das Modell der textil-ästhetischen Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424851