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Inszenierung des Unheimlichen in Theodor Storms "Der Schimmelreiter" anhand der Figurendarstellung Hauke Haiens

Kognitive Verunsicherung und Teufelspakt trotz Dogmen des poetischen Realismus

Titel: Inszenierung des Unheimlichen in Theodor Storms "Der Schimmelreiter" anhand der Figurendarstellung Hauke Haiens

Seminararbeit , 2018 , 18 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: Kevin Kiy (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Schimmelreiter‘ ist sowohl die umfangreichste und berühmteste, als auch die letzte Novelle Theodor Storms, da er sie in seinem Todesjahr 1888 vollendete und publizierte.

Die vorliegende Proseminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie es Storm gelang, das ‚Unheimliche‘ und ‚Gespenstische‘ in seiner letzten Novelle zu inszenieren, ohne gegen die Kunstansprüche des (poetischen) Realismus zu verstoßen.

Wenn man vom poetischen Realismus spricht, ist ein Zeitraum, der von 1848 bis zum 20. Jahrhundert oder über die Jahrhundertwende hinausreicht, gemeint. Otto Ludwig, auf den oft als ‚Schöpfer‘ des Begriffs referiert wird, definiert den Terminus wie folgt: „Es handelt sich hier von einer Welt, die von der schaffenden Welt vermittelt ist, nicht von der gemeinen; sie schafft die Welt noch einmal, keine sogenannte phantastische Welt, d.h. zusammenhangslose im Gegenteil, eine in der der Zusammenhang sichtbarer ist als in der wirklichen, nicht ein Stück Welt, sondern eine ganze, geschlossene, die alle ihre Bedingungen, alle ihre Folgen in sich selbst hat. […]“

Das Attribut des ‚Poetischen‘ weist auf eine „ästhetisch motivierte Distanz“ zum alleinstehend unqualifizierten Begriff ‚Realismus‘ hin. Das ‚Poetische‘ des deutschen ‚Realismus‘ macht größtenteils auf eine interne Entwicklungslinie aufmerksam. In der Literatur bedeutet ‚Realismus‘ „in erster Linie das, was der Wirklichkeit entspricht“.

Somit war der Kunstanspruch des poetischen Realismus, eine erzählte fiktive Welt zu schaffen, die aber der Wirklichkeit der gemeinen Welt entspricht und gemäß den Gesetzen der realen Welt verwirklicht sein könnte. Der poetische Realismus ist zu umfangreich, um ihn, im Rahmen dieser Proseminararbeit, ausführlicher zu erklären, jedoch sollte, der oben definierten Kunstansprüche wegen, bewiesen sein, dass das Inszenieren des Gespenstischen und des Übernatürlichen im poetischen Realismus problematisch ist und einer besonderen Methodik bedarf, um nicht gegen die besagten Kunstansprüche zu verstoßen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition des poetischen Realismus

III. Definition des Unheimlichen

IV. Inszenierung Hauke Haiens

IV.1. Die Rahmenerzählung

IV.2. „Hol‘ der Teufel den verfluchten Schreiberknecht!“

IV.3. Teufelspakt durch Schimmelkauf?

IV.4. Verfremdung des Bekannten im ‚Schimmelreiter‘

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie es Theodor Storm in seiner letzten Novelle „Der Schimmelreiter“ gelang, das „Unheimliche“ und „Gespenstische“ zu inszenieren, ohne dabei die künstlerischen Ansprüche des poetischen Realismus zu verletzen. Dabei liegt der Fokus auf der Figurendarstellung des Deichgrafen Hauke Haien und der Frage, wie durch eine komplexe Erzählstruktur sowie Verfremdungseffekte eine kognitive Verunsicherung beim Leser erzeugt wird.

  • Analyse der erzählerischen Mittel zur Inszenierung des Unheimlichen
  • Untersuchung der verschachtelten Erzählstruktur und deren Wahrheitsanspruch
  • Interpretation der Figur Hauke Haien im Kontext von Dämonisierung und Verteufelung
  • Diskussion der Bedeutung des Schimmelkaufs als metaphorischer Teufelspakt
  • Reflexion über die Verfremdung des Bekannten als literarisches Verfahren

Auszug aus dem Buch

IV.3. Teufelspakt durch Schimmelkauf?

Haukes Kauf des Schimmels setzt sowohl sein bevorstehendes Ende als Deichgraf, als auch den Anfang seiner Mystifizierung und Dämonisierung als ‚Schimmelreiter‘ in Gang.

Doch bereits vor dem eigentlichen Kauf des Pferds beginnt die Inszenierung des Schimmels als unheimlich und teuflisch. Die bisher realistisch beschriebene Lebensgeschichte wird durch eine kurze Episode, die von einem Pferdegerippe, das auf einer kleinen, nicht bedeichten Insel zu sehen ist und sich scheinbar nachts, bei Mondschein, in ein weißes Pferd verwandle, unterbrochen. Der Schulmeister wendet sich neuen Personen und Schauplätzen zu und verlässt die aktuelle Handlung, um von dem „Geschwätz des ganzen Marschdorfes“ zu berichten. Somit erinnert Storm erneut an den fehlenden Wahrheitsanspruch der Geschichte und bereitet den Leser dahingehend auf die kommenden mystischen und phantastischen Elemente, die sich nun in die Handlung mischen, vor. Die schaurige Episode wird aus der Sicht zweier junger Männer, die im Dienste des Deichgrafen Hauke Haien stehen, erzählt, die nach Feierabend auf die Hallig starren und eine Kreatur auf dieser zu sehen glauben: „[...] da geht ein Pferd – ein Schimmel – das muss der Teufel reiten – [...]“.

Sie kommen zu dem Schluss, dass sich das Pferdegerippe, das tagsüber auf der Hallig zu sehen ist, nachts in den Schimmel verwandle und beschließen, nicht mehr daran zu denken, um kein Unheil durchs Reden heraufzubeschwören. Als Hauke Haien jedoch mit einem zweiten Pferd, einem Schimmel, nach Hause kommt und daraufhin das Pferdegerippe nicht mehr auf der Hallig zu sehen ist, gehen die beiden jungen Männer davon aus, dass zwischen dem Deichgrafen und dem teuflischen Pferd ein Zusammenhang besteht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Storm in „Der Schimmelreiter“ das Unheimliche unter Wahrung der realistischen Kunstansprüche inszeniert.

II. Definition des poetischen Realismus: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des poetischen Realismus als eine erzählte fiktive Welt, die trotz künstlerischer Gestaltung der Wirklichkeit entsprechen soll.

III. Definition des Unheimlichen: Hier wird der Begriff des Unheimlichen basierend auf Freud und Strowick als eine kognitive Verunsicherung durch die Verfremdung des Bekannten definiert.

IV. Inszenierung Hauke Haiens: Der Hauptteil analysiert die erzählerischen Mittel, die Rahmenerzählung, die Verteufelung Hauke Haiens sowie den Schimmelkauf als Momente der Unheimlichkeit.

IV.1. Die Rahmenerzählung: Dieses Kapitel untersucht die komplexe, dreifache Erzählstruktur, die den Wahrheitsanspruch der Geschichte untergräbt und den Leser verunsichert.

IV.2. „Hol‘ der Teufel den verfluchten Schreiberknecht!“: Hier werden die frühen Vorboten der Katastrophe und die Dämonisierung Haukes durch die Dorfgemeinschaft beleuchtet.

IV.3. Teufelspakt durch Schimmelkauf?: Dieses Kapitel analysiert den Kauf des Schimmels als kritisches Ereignis, das Hauke zum Ziel von Mythenbildung macht.

IV.4. Verfremdung des Bekannten im ‚Schimmelreiter‘: Es wird dargestellt, wie Storm durch die Konfrontation von Rationalität und Aberglauben sowie die Unsicherheit der Erzählinstanzen den Leser zur kritischen Reflexion der Realität zwingt.

V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Storm durch die Kunstgriffe der Erzählstruktur das Unheimliche innerhalb des poetischen Realismus erfolgreich verankern konnte.

Schlüsselwörter

Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Poetischer Realismus, Unheimliches, Hauke Haien, Teufelspakt, Erzählstruktur, Kognitive Verunsicherung, Dämonisierung, Aberglaube, Realität, Fiktion, Deichbau, Gespenstergeschichte, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Inszenierung des Unheimlichen in Theodor Storms letzter Novelle „Der Schimmelreiter“ unter Berücksichtigung der ästhetischen Vorgaben des poetischen Realismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Erzählstruktur, die Figur Hauke Haien, das Motiv des Teufelspakts und der Konflikt zwischen Aberglaube und Rationalität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Storm mittels erzählerischer Finessen das Mystische und Gespenstische inszeniert, ohne gegen die Kunstansprüche des Realismus zu verstoßen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Begriffe wie den poetischen Realismus und das Unheimliche (nach Freud und Strowick) theoretisch fundiert anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Rahmenerzählung, den verschiedenen Erzählinstanzen, der Verteufelung Hauke Haiens und den Verfremdungseffekten innerhalb der Novelle.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schimmelreiter, poetischer Realismus, Unheimliches, Teufelspakt und kognitive Verunsicherung charakterisiert.

Wie beeinflusst die Rahmenerzählung die Wahrnehmung des Lesers?

Die verschachtelte Struktur mit mehreren Erzählern macht den Wahrheitsgehalt der Geschichte unbestimmbar und fordert den Leser heraus, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.

Warum wird Hauke Haien im Laufe der Novelle verteufelt?

Seine rationale Art, sein Fortschrittsdenken und sein Kampf gegen die traditionelle, abergläubische Dorfgemeinschaft führen dazu, dass er zunehmend als dämonische, unheimliche Figur wahrgenommen wird.

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Details

Titel
Inszenierung des Unheimlichen in Theodor Storms "Der Schimmelreiter" anhand der Figurendarstellung Hauke Haiens
Untertitel
Kognitive Verunsicherung und Teufelspakt trotz Dogmen des poetischen Realismus
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Die Untoten
Note
3,0
Autor
Kevin Kiy (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V424852
ISBN (eBook)
9783668702578
ISBN (Buch)
9783668702585
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unheimliche Untote Schimmelreiter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kevin Kiy (Autor:in), 2018, Inszenierung des Unheimlichen in Theodor Storms "Der Schimmelreiter" anhand der Figurendarstellung Hauke Haiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424852
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Leseprobe aus  18  Seiten
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