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Überlegungen zur kulturanthropologischen Grundlegung pädagogischer Theoriebildung

Titel: Überlegungen zur kulturanthropologischen Grundlegung pädagogischer Theoriebildung

Diplomarbeit , 2003 , 155 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Uwe von Pentz (Autor:in)

Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit besteht aus 2 Teilen: einem wissenschaftlich-theoretischen schwarzen Teil und einem persönlichen-praxisbezogenen blauen Teil, die sich ergänzen (sollen). In schwarzer Schrift versuche ich allgemeine theoretische Grundlagen, Sichtweisen und Begriffe zu entwickeln.

In blauer Schrift versuche ich mit den Begriffen und Denkweisen der skizzierten Theoriegebäude eine sinnvolle Beschreibung meiner persönlichen pädagogischen Praxis mit einem hirnkranken Mann zu entwickeln. Dabei zeigt sich, wie schwierig es ist mit den Begriffen allgemeiner Theorien der Einzigartigkeit konkreter Entwicklungszusammenhänge gerecht zu werden.

Im 2. Kapitel nähere ich mich zunächst mithilfe zweier älterer Texte von Wilhelm Dilthey und Ernst Krieck dem Gegenstand der Pädagogik bzw. Erziehung an. Dabei zeigt sich das erste Spannungsfeld in dem menschliche Entwicklungstätigkeit geschieht: der/die Einzelne und die Gesellschaft. Beide Seiten bestimmen die Struktur unserer pädagogischen Arbeit. Außerdem beschäftige ich mich aufgrund der Nazi- Vergangenheit von Ernst Krieck mit der Frage, inwieweit pädagogisches Wissen um Strukturen menschlicher Entwicklung überhaupt zu dem pädagogischen Wollen der Entwicklung freier Menschen führen kann.

Im 3. Kapitel beginne ich nun dieses Spannungsfeld von Kultur und Einzelnem näher zu untersuchen. Zuerst zeige ich mit Norbert Elias, dass Persönlichkeitsentwicklung und Kulturentwicklung in einem gegenseitigen Bedingungszusammenhang stehen, dass dieses beiden Seiten menschlicher Entwicklung eine Gegensatz-Einheit bilden. Es wird klar, dass eine Wissenschaft der Pädagogik diesen Kulturzusammenhang berücksichtigen muss. Anschließend suche ich mit Michel Foucault nach den Mechanismen, die diesen Zusammenhang zwischen der persönlichen Entwicklungstätigkeit des Einzelnen (dem `klassischen´ Gegenstand der Pädagogik) und der Kulturentwicklung strukturieren...

Im 4. Kapitel geht es deswegen um die grundsätzlichen Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis. Hier schreibe ich, ohne einer speziellen Theorie zu folgen, recht frei meine Überlegungen nieder...

Im 5. Kapitel schließlich skizziere ich die pädagogische Tätigkeitsverfassung von Erich Westphal, die viele der vorangegangenen Überlegungen berücksichtigt....

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Die Überlegungen zur Vielfalt

Kapitel 1: Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Gliederung & Arbeitsweise

Kapitel 2: Historische Betrachtungen

2.1 W. Dilthey: „Über die Möglichkeit einer allgemeingültigen pädagogischen Wissenschaft“

2.1.1 Warum Ethik keine Grundlage sein kann

2.1.2 Der Zweck des Seelenlebens ist die Entwicklung

2.1.3 Aufgaben an eine allgemeine Wissenschaft der Pädagogik

2.2 Ernst Krieck: „Philosophie der Erziehung“

2.2.1 Kritik der Zielstellungen und des Individualismus

2.2.2 Kritik des Intellektualismus und des Psychologismus

2.2.3 Kritik des Evolutionismus

2.2.4 Zusammenfassung der Gedanken Kriecks

2.3 Was hat es mit Ernst Krieck auf sich?

2.3.1 Kriecks Laufbahn und ergänzende Informationen aus dem Netz

2.3.2 Kann Wissenschaft allein uns zu guten Pädagogen machen?

2.4 Zusammenfassung

Kapitel 3: Soziologie oder: Wir entwickeln uns gemeinsam

3.1 N. Elias: „Über den Prozess der Zivilisation“

3.1.1 Die verschachtelte Prozesshaftigkeit

3.1.2 Die Logik und die Richtung des Prozesses der Zivilisation

3.1.3 Die Monopolinstitute der Gewalt als Ausdruck der Differenzierung

3.1.4 Die gespeicherte Gewalt und ihre Wirkungen

3.1.5 Die fundamentale Geschichtlichkeit und die Verflochtenheit

3.1.6 Der Urgrund der Angst

3.2 M. Foucault: „Der Wille zum Wissen – Sexualität und Wahrheit 1“

3.2.1 Der Diskurs beginnt zu gären

3.2.2 Eine neue Form der Macht – erste Annäherungen

3.2.3 Eine neue Form der Wahrheit

3.2.4 Die Macht ist überall und wirkt strategisch

3.2.5 Die Dispositive der Macht

3.3 Erste Grundlagen einer allgemeinen pädagogischen Theorie

Kapitel 4: Erkenntnistheorie oder: Probleme des Wissens

4.1 Über die Komplexität und die Grenzen von Theorie

4.1.1 Die Formenvielfalt innerhalb des Prozesses der Zivilisation

4.1.2 Die Unendlichkeit und die Einheit

4.1.3 Doch das Leben ist konkret und stellt Bedingungen

4.1.4 Der Doppelcharakter der Erkenntnis

4.2 Das Problem der Sprache

4.2.1 Die Postmoderne macht es deutlich

4.2.2 Erster Kontakt durch die Mimesis

4.2.3 Gemeinsam wird es durch die Sprache

4.4 Zusammenfassung

Kapitel 5: Ansatz einer pädagogischen Tätigkeitsverfassung

5.1 Bewegen als Lebensweise oder: das Muster, das verbindet

5.2 Eine Matrix der menschlichen Entwicklung – der menschlichen Form

5.2.1 Die morphologische Seh-Weise

5.2.2 Bi-polare Gegensatz-Einheiten, um die Bewegung zu logifizieren

5.3 Über das Verstehen-lernen

5.3.1 Pädagogik als Kunst der Wahrnehmung von Entwicklungsmöglichkeiten

5.3.2 Doch die alten Muster wirken oder: wenn die Kultur am Boden liegt

5.3.3 Von Abhängigkeiten und Selbstständigkeit

5.3.4 Die theoretische Beschreibung der Verwandlungswirklichkeit

5.4 Über das Entwickeln-können

5.4.1 Wahrnehmen und Bewegen

5.4.2 Entwickeln-können heißt Sich-überwinden-müssen

5.4.3 Was motiviert uns zur Entwicklung?

5.4.4 Was ist dann pädagogische Arbeit?

5.4.5 Präventive Pädagogik und pädagogische Entwicklungsförderung

Kapitel 6: Schlussbemerkungen

6.1 Die drei Grundprobleme

6.2 Die pädagogische Perspektive

6.3 Literaturhinweise

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, eine allgemeine Theorie der Pädagogik zu entwickeln, die das komplexe Zusammenspiel von individueller menschlicher Entwicklungstätigkeit und gesellschaftlich-kulturellen Rahmenbedingungen erfasst. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Pädagogen ihre Arbeit in diesem Spannungsfeld theoretisch fundieren und praktisch reflektieren können, insbesondere angesichts der Herausforderung, trotz struktureller Zwänge und persönlicher Entwicklungsprozesse pädagogisch handlungsfähig zu bleiben.

  • Strukturen menschlicher Entwicklungstätigkeit und deren kulturelle Bedingtheit.
  • Die Einheit von Individual- und Kulturentwicklung in pädagogischen Prozessen.
  • Die Rolle des Wissens und der Erkenntnistheorie für pädagogisches Handeln.
  • Methodische Ansätze zur pädagogischen Tätigkeitsverfassung (u.a. nach Erich Westphal).
  • Die Bedeutung der Beziehung zwischen Pädagoge und Schützling in ihrer spezifischen historischen und sozialen Situation.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Die Logik und Richtung des Prozesses der Zivilisation

Am Ende seiner empirischen Untersuchungen kommt Elias zu dem Ergebnis: „Wir sehen, dass der Prozess der Zivilisation eine Veränderung des menschlichen Empfindens und Verhaltens in eine ganz bestimmte Richtung ist.“ Diese Veränderung vollziehen sich zwar nicht wirklich planmäßig, dennoch besitzen sie eine „eigentümliche Ordnung.“ Diese „eigentümliche Ordnung“ ist der eigentliche Gegenstand der Untersuchung von Elias, der geschichtliche Wandel, der zwar ungeplant, aber trotzdem nicht ziel- oder richtungslos voranschreitet.

Elias beschreibt es so: „Pläne und Handlungen, emotionale und rationale Regungen der einzelnen Menschen greifen beständig freundlich und feindlich ineinander. Diese fundamentale Verflechtung (...) kann Wandlungen und Gestaltungen herbeiführen, die kein einzelner Mensch geplant oder geschaffen hat. Aus ihr (...) ergibt sich eine Ordnung (...), die zwingender und stärker ist, als Wille und Vernunft der einzelnen Menschen, die sie bilden.“

Selbst Menschen, die sich durch irgendeine Form des Ausstiegs dieser Ordnung entziehen bzw. gegen sie protestieren wollen sind in diesem Verhalten immer schon ein Ausdruck eben dieser Ordnung. Jede menschliche Regung ist ein spezieller Ausdruck des umfassenden Prozesses der Zivilisation – es gibt kein Außen! Vielleicht kann man es bildhaft mit einem Fluss vergleichen, in dem auch immer wieder Wirbel entstehen, die Strömungen gegen die eigentliche Fließrichtung erzeugen, deren Vorhandensein aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass der auch ganze Fluss seine Richtung ändert. Es geht Elias darum, die wesentliche Richtung des Prozesses der Zivilisation zu erkennen. Dazu gehört die Erkenntnis, dass es auch immer zuwiderlaufende Strömungen gibt, die jedoch mit Abstand betrachtet nichts an der eigentlichen Richtung der Kultur ändern, die vielmehr Ausdruck der Prozesse sind, die diese Richtung erzeugen.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1: Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anthropologische und pädagogische Neugier des Autors und formuliert die zentrale Fragestellung nach einer allgemeinen Theorie der Pädagogik.

Kapitel 2: Historische Betrachtungen: Dieses Kapitel setzt sich mit Dilthey und Krieck auseinander, um den Erziehungsbegriff über die zweckgerichtete Tätigkeit hinaus als Teil umfassenderer kultureller Prozesse zu verstehen.

Kapitel 3: Soziologie oder: Wir entwickeln uns gemeinsam: Hier wird anhand von Elias und Foucault der komplexe, wechselseitige Bedingungszusammenhang zwischen dem Individuum und gesellschaftlichen Strukturen analysiert.

Kapitel 4: Erkenntnistheorie oder: Probleme des Wissens: Dieses Kapitel reflektiert die Grenzen menschlicher Erkenntnis und zeigt, dass Wissen untrennbar mit der konkreten Lebensweise und der sozialen Situiertheit verbunden ist.

Kapitel 5: Ansatz einer pädagogischen Tätigkeitsverfassung: Der Autor skizziert den Ansatz einer morphologischen Tätigkeitsverfassung, um pädagogisches Handeln als einen fortlaufenden, selbsttätigen Entwicklungsprozess theoretisch zu strukturieren.

Kapitel 6: Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion der Grundprobleme menschlicher Entwicklungstätigkeit und deren Bedeutung für eine pädagogische Perspektive, die sich ihrer eigenen Begrenztheit und Verantwortung bewusst ist.

Schlüsselwörter

Pädagogik, menschliche Entwicklungstätigkeit, Zivilisationsprozess, Erziehungsphilosophie, Norbert Elias, Michel Foucault, Ernst Krieck, Bildung, Sozialpädagogik, Erkenntnistheorie, Handlungskompetenz, Wirkungseinheit, Tätigkeitsverfassung, Mimesis, Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Grundlegung pädagogischer Theoriebildung unter kulturanthropologischen Gesichtspunkten. Der Autor sucht nach Wegen, menschliche Entwicklung in ihrer komplexen Verflochtenheit zwischen Individuum und Gesellschaft wissenschaftlich zu erfassen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die Soziologie der Entwicklung, erkenntnistheoretische Grundlagen von Wissen und pädagogischem Handeln sowie Ansätze einer pädagogischen Tätigkeitsverfassung, illustriert durch die praktische Begleitung eines an Ataxie erkrankten Menschen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu verstehen, wie eine allgemeine pädagogische Theorie beschaffen sein muss, die es ermöglicht, sowohl die allgemeine Struktur menschlicher Entwicklung als auch die Einzigartigkeit individueller Lebenszusammenhänge theoretisch zu erfassen und praktisch zu gestalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor verbindet wissenschaftlich-theoretische Analysen (unter anderem mit Bezug auf Dilthey, Krieck, Elias und Foucault) mit einem persönlichen, praxisbezogenen „blauen Teil“, in dem er seine Erfahrungen aus der Betreuung eines an Ataxie leidenden Mannes als Fallbeispiel zur Überprüfung der theoretischen Ansätze nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen der Erziehungsphilosophie, soziologische Perspektiven auf den Prozess der Zivilisation und Machtstrukturen sowie eine erkenntnistheoretische Reflexion über die Grenzen und Möglichkeiten des Wissens im Kontext pädagogischer Arbeit.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind die „allgemeine menschliche Form der Existenz“, „Wirkungseinheit“, „Tätigkeitsverfassung“, „Prozess der Zivilisation“ sowie „Verstehen-lernen und Entwickeln-können“.

Wie beeinflusst die Krankheit des Klienten Klaus die Theoriebildung des Autors?

Die Erkrankung von Klaus an cerebraler Ataxie dient als konkreter Prüfstein für die Theorien. Der fortlaufende Fähigkeitsverlust zwingt den Autor dazu, traditionelle Fortschrittsbegriffe zu hinterfragen und Pädagogik eher als begleitende Gestaltung der Lebensweise und des Umgangs mit Grenzen zu verstehen.

Warum spielt der „blaue Teil“ eine so wichtige Rolle für das Verständnis der Arbeit?

Der persönliche Teil verdeutlicht, dass theoretisches Wissen allein nicht ausreicht. Er zeigt die Schwierigkeit und notwendige Intuition beim „Verstehen durch Liebe“ und macht deutlich, dass pädagogische Arbeit immer auch die Auseinandersetzung des Pädagogen mit der eigenen Entwicklung und dem eigenen „Wollen“ erfordert.

Ende der Leseprobe aus 155 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Überlegungen zur kulturanthropologischen Grundlegung pädagogischer Theoriebildung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Autor
Uwe von Pentz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
155
Katalognummer
V42499
ISBN (eBook)
9783638405164
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundlegung Theoriebildung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Uwe von Pentz (Autor:in), 2003, Überlegungen zur kulturanthropologischen Grundlegung pädagogischer Theoriebildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42499
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Leseprobe aus  155  Seiten
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