Ist Werbung für Kinder eine negative Beeinflussung oder dient sie ihnen eher zur Konsumsozialisation ?
Die negativkritische Haltung gegenüber der Werbung hält immer noch an. Ganz besonders im Hinblick auf die Kinder: Sie seien schutzlos der Werbemanipulation ausgesetzt. Außerdem gebe die Werbesprache ein schlechtes Beispiel ab.
Doch gibt es bis dato noch keine Beweise in dieser Richtung. Längerfristige Werbewirkungen sind nicht nachweisbar.
Dennoch ist sich die Werbewirtschaft ihrer Verantwortung gegenüber Kindern bewusst. Deshalb existieren in Deutschland strenge rechtliche Bestimmungen für den Bereich Werbung und Kinder. Die Frage ist nur, ob die Kinder und Jugendlichen wirklich als sogenannte „Manipulationsopfer“ gesehen werden können. Wenn man von ihrer heutigen Lebenswelt ausgeht und die gesellschaftliche Entwicklung betrachtet, scheinen sie doch mit Medien und Konsum aufzuwachsen. Gehört es nicht sogar stückweise zu ihrer Kultur ?
Aufgabe aller Eltern und Pädagogen sollte es daher sein, den Kindern Sinn und Zweck von Werbung zu erläutern, und sie darüber aufzuklären, dass auch sie schon am modernen Marktgeschehen beteiligt sind.
Voraussetzung dafür ist eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Werbung und natürlich auch die Beschäftigung mit den Einstellungen der Kinder und Jugendlichen heute.
Ziel sollte dabei sein, den Kindern sehr früh zu einer Eigenkompetenz im Bereich Werbung und Konsum zu verhelfen.
„Selbstbewusstsein und Kompetenzgefühl kann durch Kommunikation über Konsum aufgebaut werden.“
Im Folgenden soll dies nun ein Kommunikationsversuch darstellen, der einerseits die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen heute skizziert, ihren Weg in die Werbewirtschaft beschreibt und andererseits ihre Hilflosigkeit dementiert.
Den Abschluss bilden konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für die Medien- und Konsumerziehung in der Grundschule, um die angestrebte Werbe- und Medienkompetenz zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Lebenswelt der Kinder heute
1.1. Medienbesitz und Mediennutzung
2. Kinder als Zielgruppe
2.1. Einstellung zu Marken und Konsum
2.2. Lebens- und Werteeinstellung der Kinder
2.3. Kinder im Umgang mit Werbung
3. Stellungnahme der Medienpädagogen
4. Medien- und Konsumerziehung in der Grundschule
4.1. Lernziele
4.2. Umsetzung im Grundschulunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der kindlichen Lebenswelt und dem Einfluss von Werbung, um daraus pädagogische Ansätze für eine kritische Konsumerziehung in der Grundschule abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Kinder zu einer eigenständigen Werbe- und Medienkompetenz befähigt werden können, ohne dabei pauschal als manipulierbare Opfer betrachtet zu werden.
- Die heutige Lebenswelt von Kindern im Kontext von Medienkonsum und Terminkultur.
- Die Rolle von Kindern als Konsumenten und deren Einstellung zu Marken.
- Medienpädagogische Perspektiven auf den Einfluss von Werbung auf die Sozialisation.
- Didaktische Konzepte zur Förderung von Werbekompetenz in der Grundschule.
- Methodische Ansätze zur praktischen Umsetzung im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
1. Die Lebenswelt der Kinder heute
In den letzten vierzig Jahren hat sich die Lebenswelt der Kinder drastisch verändert. Der gesellschaftliche Rahmen ist geprägt von der Zunahme der multikulturellen Gesellschaft, der Massenarbeitslosigkeit und der Zunahme von sozialen Ungleichheiten. In der familiären Lebenswelt gibt es immer weniger Kinder innerhalb einer Familie und immer vielfältigere Familienformen. Durch den kindzentrierten und liberalen Erziehungsstil der 90er Jahre entsteht eine enge emotionale Eltern-Kind-Beziehung, die durch Kommunikation und gegenseitiges Aushandeln geprägt ist. Jedes Kind wächst also ganz unterschiedlich auf und jede Kindheit weist Individualisierungstendenzen auf.
Ein weiterer Punkt stellt die Terminkultur unserer Kinder dar, die den individuellen Freizeitplan der Kinder gestaltet. Einen großen Teil ihrer Zeit verbringen sie in Betreuungseinrichtungen wie Kindergarten und Schule. Danach folgen die vielfältigen Kinderkulturangebote wie Sport in einem Verein, Musikunterricht, usw. Davon erhoffen sich die Eltern einen besseren Bildungsabschluss und einen besseren Start ins Berufsleben für ihre Kinder. Der Lebensraum unserer Kinder hat sich somit vergrößert, es müssen immer weitere Wege in der Freizeit zurückgelegt werden. Man spricht von einer „Verinselung“ des kindlichen Lebensraumes. „Kinder müssen größere Entfernungen überbrücken, geplant Verabredungen treffen, um mit den wenigen Gleichaltrigen in Kontakt treten zu können.“ Hierbei haben sie „aber auch die Chance, sich gezielt um Spielpartner und Freunde zu bemühen.“
Der Alltag der Kinder ist zeitlich geplant, sie müssen lernen sich zu integrieren, zu koordinieren und Entscheidungen zu treffen. Zeit ist also auch zu einem Konsumgut geworden, mit der man haushalten muss.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage, ob Werbung eine negative Beeinflussung darstellt oder zur Sozialisation beiträgt, und skizziert das Ziel der Arbeit, Wege zur Werbekompetenz aufzuzeigen.
1. Die Lebenswelt der Kinder heute: Das Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Wandel sowie die zunehmende Individualisierung, Terminkultur und Medialisierung der kindlichen Lebenswelt.
2. Kinder als Zielgruppe: Hier wird der Einfluss von Kindern als Konsumenten analysiert, wobei Faktoren wie Markenbewusstsein und die Verschiebung von Wertehierarchien beleuchtet werden.
3. Stellungnahme der Medienpädagogen: Dieses Kapitel hinterfragt die oft einseitige Sichtweise von Kindern als manipulierbare Werbeopfer und betont stattdessen die wachsende Werbekompetenz.
4. Medien- und Konsumerziehung in der Grundschule: Der abschließende Teil thematisiert konkrete Lernziele und praktische Unterrichtsmodelle zur Förderung eines bewussten Medienumgangs.
Schlüsselwörter
Werbung, Kinder, Konsumerziehung, Grundschule, Medienkompetenz, Werbekompetenz, Lebenswelt, Zielgruppe, Markenbindung, Mediennutzung, Sozialisation, Werbewirtschaft, Werteorientierung, Didaktik, Konsum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Kinder in einer mediengeprägten Gesellschaft mit Werbung umgehen und wie Schule diese Erfahrung für eine bewusste Medien- und Konsumkompetenz nutzen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der modernen Kindheit, dem Verhalten von Kindern als Konsumenten, den Ansätzen der Medienpädagogik und der praktischen unterrichtlichen Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Kindern zu einer Eigenkompetenz im Bereich Werbung und Konsum zu verhelfen, anstatt sie ausschließlich als passive „Manipulationsopfer“ zu betrachten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Forschungsberichte und medienpädagogischer Literatur, ergänzt durch didaktische Empfehlungen für den Grundschulalltag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebenswelt von Kindern, die Analyse ihres Konsumverhaltens, medienpädagogische Einschätzungen und konkrete didaktische Methoden wie Collagen oder Rollenspiele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Medienkompetenz, Werbekompetenz, Konsumsozialisation, kindliche Lebenswelt und zielgruppenorientierte Markenbindung.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Autorin von einer rein negativen Werbekritik?
Die Autorin argumentiert, dass Kinder nicht schutzlos ausgeliefert sind, sondern früh eine kritische Distanz und Werbekompetenz entwickeln, die es pädagogisch zu stärken gilt.
Welche Bedeutung hat der „hessische Rahmenplan“ für diese Untersuchung?
Der hessische Rahmenplan dient als didaktische Grundlage, um die Forderung nach fächerübergreifender Medienerziehung und kritischer Reflexion im Grundschulunterricht zu begründen.
Warum wird die „Traumpaar-Collage“ im praktischen Teil empfohlen?
Diese Methode dient als niedrigschwelliger Einstieg, um Konsumtrends, die Rolle von Vorbildern und die Einzigartigkeit der einzelnen Schüler im Vergleich dazu sichtbar zu machen.
- Quote paper
- Nathalie Reis (Author), 2002, Kinder und Werbung, auch schon ein Thema für die Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42504