Zusammenfassung der 17ten und 18ten Vorlesung von Sigmund Freud zur Einführung in die Psychoanalyse. Der Sinn der Symptome und die Fixierung an das Trauma, das Unbewusste


Hausarbeit, 2017
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einführung

1. Definition Zwangsneurose

2. Zwei ausgewählte Fallbeispiel
2.1. Fallbeispiel
2.2. Fallbeispiel

3. Typischen und individuellen Symptome der Zwangsneurose

4. Psychoanalytische Symptomdeutung nach Freud
4.1. Fixierung an ein Trauma
4.2. Existenz unbewusster seelischer Vorgänge

5. Therapie und Aufgabe der Psychoanalyse

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung

Freud gilt als der Begründer und Entwickler der Psychoanalyse. In seiner Berufspraxis als Psychoanalytiker beschäftigte er sich mit den drei klassischen Forschungsfeldern der Psychoanalyse- den Fehlleistungen, der Traumdeutung und den neurotischen Symptomen- sowie den allgemeinen Grundgesetzen seelischen Geschehens. Des Weiteren leitete er aus der Arbeit mit Hysterikerinnen und Patienten mit anderen Neuroseformen erste Behandlungsansätze ab und entwickelte die Psychoanalyse zur eigenständigen Behandlungs- und Therapiemethode fort. In der 17ten und 18ten Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse richtet Freud seinen Blick auf das Forschungsgebiet der neurotischen Symptome und erläutert anhand von zwei ausgewählten Beispielen aus seiner Praxis zu allererst die Definition, beschreibt die Symptome und analysiert deren Sinnhaftigkeit und deren Zweck für die betreffenden Patientinnen. Laut Freud sind Neurosen Äußerungen des Unbewussten, die den Kranken beherrschen und die für das Bewusstsein nicht zugänglich sind. Freud vertritt die These, dass jedes neurotische Symptom einer Zwangshandlung sinnreich ist und eine Fixierung an ein traumatisches Ereignis als Ursprung hat. Weiterhin plädiert er für die Existenz unbewusster seelischer Vorgänge, da die Betroffenen erst durch die Zusammenarbeit in der Therapie den Sinn ihrer Symptome zu verstehen lernen. Dies hat zur Folge, dass die Symptome durch die neu gewonnenen Erkenntnisse verschwinden.

Freud kritisiert die klinische Psychiatrie. Im Gegensatz zu ihr setzt die Psychoanalyse am Erleben der Person und am einzelnen Symptom an. Hinter jedem Symptom steckt ein Sinn, der mit dem Erleben des Kranken korreliert und maßgeblich das neurotische Symptom bestimmt. Daher gilt die Psychoanalyse als eine der ersten Formen der Therapie, die sich mit dem Kranken und seiner Symptomatik intensiv beschäftigt und ihn rehabilitiert, indem sie ihm hilft traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten.

Die vorliegende Hausarbeit ist eine Zusammenfassung der 17ten und 18ten Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse von Sigmund Freud über den Sinn der Symptome und die Fixierung an das Trauma und das Unbewusste. Dazu werden im ersten Kapitel zunächst die Zwangsneurose und ihre typischen Symptome definiert. Nach der Definition stellt Freud im folgenden Kapitel zwei Zwangsneurotikerinnen aus seiner psychoanalytischer Arbeit vor. Er erläutert deren Krankheitsymptomatik und unternimmt auf deren Grundlage erste Deutungen der neurotischen Symptome. Im dritten Kapitel unterscheidet Freud zwischen den typischen und individuellen Symptomen der Zwangsneurose und erklärt, dass sich die Stellung der Diagnose an typischen Symptomen orientiert und dass diese für die Diagnose essentiell sind. Nachdem Freud im zweiten Kapitel erste Deutungen zum Sinn der neurotischen Symptome beschrieben hat, unterzieht er die Symptomdeutung im vierten Kapitel einer intensiveren Analyse und präsentiert anschließend die wichtigsten Ergebnisse der Symptomanalyse. Im abschließenden Kapitel der Zusammenfassung werden die Therapie sowie die Aufgaben der Psychoanalyse beschrieben. Am Ende werden die wichtigsten Thesen noch einmal bündig zusammengefasst und es folgt ein kurzes Fazit.

1. Definition Zwangsneurose

Um in die Thematik einzusteigen, definiert Freud zunächst das Krankheitsbild der Zwangsneurose und ihre typischen Symptome. Laut Freud äußert sich die Zwangsneurose darin, dass sie weniger ersichtlich ist, keine körperlichen Symptome zeigt, sondern die Psyche des Kranken betrifft. Das Hauptcharakteristikum sind Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Das bedeutet, dass die Betroffenen einen inneren Drang verspüren bestimmte Dinge zu denken und zu tun. Die Ausführung dieser bringt keine Befriedigung, jedoch ist das Unterlassen nicht möglich. Diese Zwangsgedanken und -handlungen werden von den Betroffenen als derart fremdartig empfunden, sodass sie versuchen sich gegen das Auftreten der Zwänge zu wehren, diese aber nicht unterlassen können. Gleichzeitig werden die Zwänge als sinnlos und übertrieben erlebt. Infolgedessen überkommt die Betroffenen ein Gefühl der Hilflosigkeit, die zur Belastung und Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens führt. Weiterhin zweifeln Betroffene allmählich an den eigenen geistigen Kräften. Die Zwangsgedanken sind zwanghafte, sich immer wieder aufdrängende und unsinnige Denkinhalte. Die Zwangshandlungen müssen gegen den Willen des Betroffenen ritualisiert wiederholt werden. Auch wenn die Zwänge sinnlos erscheinen bergen sie jedoch laut Freud erschreckende Versuchungen zu schwereren Verbrechen, sodass sich die Betroffenen Verbote und Freiheitseinschränkungen auferlegen und diese Gedanken leugnen. Schwerwiegende Verbrechen werden aber nie in die Tat umgesetzt. Der Betroffene ist bei klarem Verstand und ist geistesgegenwärtig während er seine Zwänge ausübt.

Weiterhin ist es charakteristisch und typisch, dass Zwänge nicht aufgehoben, sondern lediglich verschoben und durch andere Zwänge ersetzt werden können. Es kommt zu zwanghaften Wiederholungen der Rituale des alltäglichen Lebens wie dem Zubettgehen oder dem Waschen. Ebenfalls kennzeichnend für die Zwangsneurose ist die große Bandbreite an möglichen Krankheitssymptomen, sodass fast jeder Betroffene sein eigenes Symptombild aufweist.

Die klinische Psychiatrie diagnostiziert, katalogisiert, klassifiziert laut Freud lediglich. Sie interessiert sich nicht für das persönliche Erleben und die Erlebnisse des Einzelnen und verurteilt Zwangsneurotiker als „Degenerierte“. Den Hysterikerinnen unterstellt sie Simulation, weil sie keine physiologische Ursache finden kann. Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass die Zwangssymptome durch die Psychoanalyse dauerhaft beseitigt werden können. Der wesentliche Unterschied zwischen der klinischen Psychiatrie und der Psychoanalyse ist der, dass die Psychoanalyse das individuelle Leben eines Menschen ernst nimmt und sich damit auseinandersetzt.

2. Zwei ausgewählte Fallbeispiel

Nach der Einführung in die Thematik und der Definition der Zwangsneurose skizziert Freud zwei Beispiele der Zwangsneurose aus seiner Berufspraxis. Aufgrund der vielfältigen und breit gefächerten Symptomatik beschreibt er die bedeutendsten Symptome von zwei Patientinnen und deutet ihre Sinnstrukturen und die dahinterliegende Intention. Dabei versucht Freud seinen Zuhörern verständlich zu machen, dass neurotische Symptome einen Sinn haben und sie dafür zu sensibilisieren diese richtig zu deuten und zu verstehen. Sobald den Patientinnen bewusstgeworden ist, welcher Sinn hinter ihren Zwangshandlungen steckt, wurden diese nicht weiter ausgeführt.

2.1. Fallbeispiel 1

Die erste Patientin, eine 30-Jährige attraktive Frau, die von ihrem Mann getrennt lebte, litt unter schweren Zwangssymptomen und führte wiederholt folgende Zwangshandlung aus: Sie lief ständig aus ihrem Zimmer in ein anderes zum Tisch, rief das Zimmermädchen und gab ihm eine sinnlose Aufgabe oder schickte sie wieder weg. Als Freud die Patientin nach dem Sinn und Zweck der Ausführung dieser Handlung fragte hatte die Patientin keine plausible Antwort darauf und konnte sich das Symptom nicht erklären. Im weiteren Verlauf der Behandlung wusste sie plötzlich warum sie diese Zwangshandlung immer wieder vollführte. Die Patientin berichtete über ein intimes Erlebnis in der Hochzeitsnacht und dass sich ihr Mann bei der Vollführung der Ehe als impotent erwies. Er lief immer wieder in ihr Zimmer um es erneut zu probieren, jedoch erfolglos. Er schämte sich vor dem Stubenmädchen und kippte rote Tinte aufs Betttuch, jedoch auf eine Stelle, die dafür sehr unpassend erschien. Um es zu demonstrieren, führte die Patientin Freud ins Zimmer und ließ ihn einen Fleck auf der Decke des Tisches entdecken. Weiterhin erläuterte sie ihm, dass wenn sie das Stubenmädchen riefe, es den Fleck nicht übersehen könne.

Diese Demonstrierung ließ Freud Parallelen zwischen der Hochzeitsnacht und der Zwangshandlung erkennen. Folglich deutete Freud den Sinn die Zwangshandlung so, dass die junge Frau sich mit ihrem Mann identifizierte, indem sie in der Ausführung der Zwangshandlung seine Rolle einnahm. Laut Freud kann die Zwangshandlung als Darstellung bzw. Wiederholung der Hochzeitsnacht interpretiert werden. Durch die Beschreibung und Aufarbeitung der Beziehung zwischen der Frau und ihrem Mann wird die Intention der Zwangshandlung bestätigt. Die Frau wiederholt nicht nur die Hochzeitsnacht und nimmt darin die Rolle ihres Mannes ein. Sie setzt die Szene fort und korrigiert das peinliche Erlebnis in der Hochzeitsnacht, indem sie dem Stubenmädchen den Fleck auf dem Tuch zeigt und die Potenz ihres Mannes beweist. Der Tisch symbolisiert hier eigentlich das Bett. Trotz der Tatsache, dass die Frau seit mehreren Jahren von ihrem Mann getrennt lebt, ist sie immer noch innerlich stark verbunden mit ihm. Sie bleibt ihm treu trotz der Trennung. Für Freud hat die Zwangshandlung den Zweck den Ruf des Mannes zu schützen und sein Geheimnis der Impotenz zu decken.

Auf der Grundlage der Symptomdeutung von Freud lassen sich folgende Aussagen über den Sinn des Symptoms machen. Einerseits stand das Symptom im engen Zusammenhang mit dem Erleben der Patientin und erfüllte für die Patientin einen Zweck, auch wenn dieser zunächst verborgen war und sinnlos erschien. Andererseits konnte das Symptom auf ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Vergangenheit zurückgeführt werden, welches sehr intim war und sich auf das Sexualleben der Kranken bezog. Nachdem auch der Patientin der Sinn ihrer Zwangshandlung bewusst war, führte sie diese nicht weiter aus.

2.2. Fallbeispiel 2

Die zweite Patientin, ein 19-jähriges Mädchen, Einzelkind, intelligent, extrem reizbar gegenüber der Mutter und ebenfalls Zwangsneurotikerin. Ihre Zwangshandlung äußerte sich in einem für die Zwangsneurose typischen Symptom, dem pathologischen Schlafzeremoniell. Vor dem Zubettgehen müssen für die Patientin ganz bestimmte Vorgaben zum Bett erfüllt sein. Wichtigstes Gebot ist, dass das Kopfkissen nicht die Holzwand des Bettes berühren darf und die Tür zum Schlafzimmer der Eltern aufbleiben muss. Wichtig hierzu ist zu erwähnen, dass insbesondere die Eltern unter dem Schlafzeremoniell ihrer Tochter leiden, da das Schlafzeremoniell mehrere Stunden in Anspruch nimmt und die Eltern nicht zu Ruhe kommen lässt.

Das pathologische Schlafzeremoniell ist hier von dem ritualisierten Zubettgehen eines normalen zu unterscheiden. Charakteristisch dafür ist die übertriebene Sorgfalt und dass durch die widersprüchlichen Bestimmungen nicht rational begründet werden kann. Zum einen fordert die Patientin Ruhe zum Schlafen, indem sie alle Störquellen beseitigt. Auf der anderen Seite besteht sie aber darauf, dass die Tür zwischen ihrem Zimmer und dem Schlafzimmer der Eltern offenbleibt, was wiederrum eine Störquelle darstellt. Die Neurotikerin gibt Ruhe als Begründung für das Schlafzeremoniell.

Anders als bei der ersten Patientin gestaltete sich die Therapie und die Analyse des Schlafzeremoniell etwas komplizierter, da die Patientin kein einschneidendes und intimes Erlebnis mit dem Schlafzeremoniell in Verbindung bringen konnte. Sie musste mithilfe von Freuds Andeutungen und Vorschlägen erst lernen, was sich hinter den einzelnen Bestimmungen verbirgt und was sie bedeuten. Als die Patientin dann im Laufe der Behandlung anfing, sich mit der Deutung und der Bedeutung der Maßregelungen auseinanderzusetzen und Zusammenhänge herzustellen reduzierten sich die Bestimmungen ihres pathologischen Schlafzeremoniells bis sie letztlich komplett schwanden.

Das zentrale Symptom des Schlafzeremoniells war es, das Polster von der Bettwand fernzuhalten. Die Patientin erklärte, dass das Polster eine Frau darstellt, demnach ist die Bettwand symbolisch dann ein Mann. Sie beabsichtigte mit dieser Vorschrift ihre Eltern auseinander zu halten, sodass es folglich zu keinem Geschlechtsverkehr zwischen den beiden kommen könnte. Die eigene Symptomdeutung bestätigte sich, als die Patientin erzählte, dass sie bereits in jungen Jahren versucht hatte den elterlichen Geschlechtsakt zu verhindern, indem sie vorgab Angst zu haben und die Eltern bat die Türen nicht zu schließen. Nicht zufrieden genug mit dem Gebot der offenen Türen, gelang es ihr dann im Bett der Eltern zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater zu schlafen. Als sie größer wurde und wusste, dass sie nicht mehr ins Bett der Eltern passen würde täuschte sie Angst vor, sodass die Mutter ihr sogar die Seite ihres Ehebettes überließ und selbst wo anders schlief. So gelang es ihr letztendlich die Eltern physisch voneinander zu trennen und den elterlichen Geschlechtsverkehr zu verhindert. Die tatsächliche Angst galt aber nicht dem Verkehr zwischen Mutter und Vater, sondern, dass die Mutter schwanger werden könnte und dass sie mit einem Geschwisterchen um die Liebe der Eltern konkurrieren müsste. Gleichzeitig empfindet die Patientin eine sexuelle Zuneigung zu ihrem Vater. So ist es für Freud unmissverständlich, dass die Ablehnung und Leugnung ihrer Sexualität und ihrer sexuellen Wünsche hinter den pathologischen Schlafzeremoniell stehen.

Freud hat anhand der ausgewählten Beispiele und deren Analyse zeigt, dass neurotische Symptome einen Sinn haben und in engem Zusammenhang mit dem Leben der Patientinnen stehen. Im folgenden Kapitel führt uns Freud in die Einteilung von individuellen und typischen Symptomen der Zwangsneurose. Freud hat bereits bei der Definition der Zwangsneurose festgehalten, dass es eine große Bandbreite an möglichen Symptomen gibt und die Symptomdeutung der Fallbeispiele hat gezeigt, dass die neurotischen Symptome sehr individuell und komplex sein können. Dennoch können neurotische Symptome in typische und atypische bzw. individuelle Symptome eingeteilt werden.

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zusammenfassung der 17ten und 18ten Vorlesung von Sigmund Freud zur Einführung in die Psychoanalyse. Der Sinn der Symptome und die Fixierung an das Trauma, das Unbewusste
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Begriff des Unbewussten in Philosophie und Psychoanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V425079
ISBN (eBook)
9783668704374
ISBN (Buch)
9783668704381
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unbewusste, philosophie, sigmund freud, psychoanalyse, trauma, fixierung
Arbeit zitieren
Natalie Alber (Autor), 2017, Zusammenfassung der 17ten und 18ten Vorlesung von Sigmund Freud zur Einführung in die Psychoanalyse. Der Sinn der Symptome und die Fixierung an das Trauma, das Unbewusste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425079

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