Die digitale Ungleichheitsforschung auch „Digital Divide“ genannt beschreibt das Phänomen der digitalen Spaltung als Folge einer unterschiedlichen Verteilung und Nutzung von technologischen Ressourcen in der Gesellschaft. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die meisten Aktivitäten von Kommunikation bis Online-Bewerbung medial im Internet abspielen, kann davon ausgegangen werden, dass eine digitale Ungleichheit Auswirkungen auf das soziale Leben hat und zu einer sozialen Benachteiligung führen kann. Mit dem Aspekt der Entstehung von neuen digitalen Ungleichheiten stellen sich für die Soziale Arbeit neue Herausforderungen. Es gilt Ungleichheiten zu beseitigen um die gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit wiederherzustellen. Um der digitalen und sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken, ist es daher wichtig Informationen für alle zugänglich zu machen, Medienkompetenz zu vermitteln aber auch eine zielgerichtete und strukturierte Selektion und Verarbeitung von Informationen zu fördern.
Aus sozialwissenschaftlicher Sicht wird die moderne Gesellschaft durch den ansteigenden Informationsfluss und zunehmende Verfügbarbar von Massenmedien als „Informations- und Wissensgesellschaft“ verstanden. Jedoch existieren laut Wirth (1997) keinerlei Definitionen, die die Konstrukte „Information“ und „Wissen“ präzisieren und voneinander unterscheiden, obwohl sie für die Wissenskluftforschung unverzichtbar sind.
Deshalb werden einleitend im ersten Kapitel zunächst die Begriffe Information und Wissen nach Kuhlen (2004) definiert. Information gilt als die Vorstufe des Wissens, welche lebensdinglich und einen Gebrauchswert für den Nutzer haben muss um dann von ihm aus der Fülle von Informationen selektiert und aneignet werden zu können. Während Information einen Prozess des Wissenserwerbes beschreibt, ist Wissen ein Zustand. An die Definition von Information und Wissen schließt sich im zweiten Kapitel die Beschreibung des Konzeptes der Wissensgesellschaft nach Drucker (1969). Steinbicker (2001) schreibt in diesem Zusammenhang, dass die Gesellschaft einen sozialen und technologischen Wandlungsprozess unterliegt und sich von der industriellen Gesellschaft zu einer modernen Informations- und Wissensgesellschaft entwickelt hat. Informationen und insbesondere Wissen haben in der Gesellschaft eine zentrale Rolle eingenommen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Definition von Information und Wissen
2. Konzept der Informations- und Wissensgesellschaft nach Peter Drucker
3. Einführung in die Wissensklufthypothese
3.1. Ausgangshypothese und Theoretische Begründung
3.2. Konzepterweiterung der Wissenskluftperspektive
4. Von der Wissenskluft zur Spaltung in der Verfügbarkeit und Nutzung von Massenmedien
4.1. Definition Digitale Spaltung
4.2. Soziale Relevanz der digitalen Spaltung
5. Dreistufiges Modell nach Wirth
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der digitalen Ungleichheit und deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Teilhabe. Dabei wird analysiert, inwiefern bestehende Wissensklüfte durch die ungleiche Verfügbarkeit und Nutzung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien fortgeführt oder verstärkt werden.
- Theoretische Fundierung der Informations- und Wissensgesellschaft nach Peter Drucker.
- Analyse der klassischen Wissensklufthypothese von Tichenor, Donohue und Olien.
- Untersuchung der digitalen Spaltung als aktuelle Form der Wissenskluft.
- Darstellung des dreistufigen Modells nach Wirth zur Erklärung digitaler Entstehungsursachen.
- Diskussion der sozialen Relevanz und notwendiger Handlungsfelder für die Soziale Arbeit.
Auszug aus dem Buch
1. DEFINITION VON INFORMATION UND WISSEN
Vor der Erläuterung des Konzeptes der Informations- und Wissensgesellschaft nach Peter Drucker werden zunächst die Konstrukte Information und Wissen definiert und das Verhältnis zwischen dem steigenden Informationsfluss und Wissen in Bezug auf soziale Ungleichheiten dargestellt. Der Wissenskluftforscher Werner Wirth kritisiert an den führenden Wissensklufthypothesen wie die von Tichenor, Donohue und Olien die fehlende Präzisierung und die fehlenden Thesen zum zentralen Konstrukt Wissen, obwohl diese so essentiell für die Wissenskluftforschung seien (Wirth, 1997, S. 20). Des Weiteren führt Wirth die These an, dass eine Zunahme an Informationsangeboten in einer Gesellschaft auch zu einer Zunahme von Wissensklüften führe (Wirth, 1997, S. 20). Kommt es umgekehrt zu einer Stagnation oder einer Abnahme des Informationsflusses, bietet das die Möglichkeit Wissensdefizite auszugleichen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Information und Wissen oft gleichgesetzt und synonym verwendet. Laut Maass (2009) existiert in den unterschiedlichen Wissensdisziplinen und -zweigen eine enorme Bandbreite an Begriffsdefinitionen von Information und Wissen. Am häufigsten wird der Informationsbegriff aus dem Lateinischen (lat. informatio, lt. in Form bringen) zitiert, welcher von Platon und Aristoteles geprägt wurde und damit eine Idee oder eine Vorstellung von einem Sachverhalt und dessen mentale Einprägung abstrakt meint (Maass, 2009, S. 15f.). Im Nachfolgenden wird ein Informations- und Wissensbegriff nach Kuhlen zugrunde gelegt. Der Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen (2004) definierte den Informationsbegriffes wie folgt:
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung umreißt das Phänomen der digitalen Spaltung und stellt die Relevanz der Thematik für die Soziale Arbeit sowie die Forschungsstruktur der Arbeit dar.
1. Definition von Information und Wissen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe Information und Wissen und beleuchtet deren Bedeutung für die Wissenskluftforschung.
2. Konzept der Informations- und Wissensgesellschaft nach Peter Drucker: Das Kapitel erläutert den gesellschaftstheoretischen Hintergrund nach Peter Drucker, der Wissen als zentralen Innovations- und Produktionsfaktor einstuft.
3. Einführung in die Wissensklufthypothese: Hier werden die Ursprünge der Wissenskluftforschung sowie die traditionelle Hypothese von Tichenor, Donohue und Olien detailliert beschrieben.
3.1. Ausgangshypothese und Theoretische Begründung: Dieses Unterkapitel widmet sich den theoretischen Wurzeln der Wissenskluftforschung und den Studien zur Korrelation zwischen Bildung und Wissenserwerb.
3.2. Konzepterweiterung der Wissenskluftperspektive: Hier werden kritische Weiterentwicklungen der Hypothese aufgezeigt, die zusätzliche Faktoren wie Motivation und technologische Innovation berücksichtigen.
4. Von der Wissenskluft zur Spaltung in der Verfügbarkeit und Nutzung von Massenmedien: Das Kapitel überträgt die Erkenntnisse der Wissenskluftforschung auf die heutige digitale Realität und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen.
4.1. Definition Digitale Spaltung: Das Kapitel definiert den Begriff "Digital Divide" und beleuchtet die historische Entwicklung sowie die Debatte um die automatische Überwindung der Spaltung.
4.2. Soziale Relevanz der digitalen Spaltung: Dieser Abschnitt erörtert, inwiefern der digitale Graben mit sozialer Benachteiligung und Lebenschancen korreliert.
5. Dreistufiges Modell nach Wirth: Das Kapitel stellt Werner Wirths Modell vor, das Wissensklüfte in eine angebots-, nutzungs- und rezeptionsbedingte Dimension unterteilt.
Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Thesen zusammen und betont die Notwendigkeit von Medienkompetenzförderung, um digitaler Exklusion entgegenzuwirken.
Schlüsselwörter
Digitale Ungleichheit, Digital Divide, Informationsgesellschaft, Wissensgesellschaft, Wissensklufthypothese, Wissenskluft, Medienkompetenz, Digitale Spaltung, soziale Benachteiligung, Information, Wissen, Mediennutzung, Partizipation, Tichenor, Wirth.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit behandelt das Phänomen der digitalen Ungleichheit und analysiert, wie soziale Unterschiede durch den ungleichen Zugang zu und die Nutzung von modernen Kommunikationstechnologien fortbestehen oder zunehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Wissen und Information, das Konzept der Wissensgesellschaft nach Drucker, die historische Wissenskluftforschung sowie das aktuelle Phänomen der digitalen Spaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie digitale Ungleichheit zu sozialen Benachteiligungen führt und welche Rolle die Wissensklufttheorie dabei spielt, um daraus Implikationen für die Soziale Arbeit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Literaturarbeit, in der bestehende wissenschaftliche Konzepte, Studien und Thesen (u.a. von Drucker, Tichenor und Wirth) zusammengeführt und kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Information und Wissen, die Beschreibung der Wissensgesellschaft, die historische Herleitung der Wissensklufthypothese und die Anwendung dieser Erkenntnisse auf die digitale Spaltung inklusive des Modells nach Wirth.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Digitale Ungleichheit, Digital Divide, Wissenskluft, Informationsgesellschaft, Medienkompetenz und soziale Benachteiligung.
Warum spielt Bildung für die Wissenskluft eine so zentrale Rolle?
Bildung korreliert laut der Arbeit stark mit der Fähigkeit, Informationen schneller zu verarbeiten und effizienter zu selektieren, was Höhergebildeten einen Vorteil beim Wissenserwerb verschafft.
Was unterscheidet die angebotsbedingte von der rezeptionsbedingten Wissenskluft?
Während die angebotsbedingte Kluft durch fehlende finanzielle Mittel oder fehlenden Zugang zu Internetressourcen entsteht, bezieht sich die rezeptionsbedingte Kluft auf die individuelle Kompetenz, Informationen sinnvoll auszuwählen und zu verarbeiten.
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- Natalie Alber (Autor:in), 2017, Digitale Ungleichheit in der Informations- und Wissensgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425080