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Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit. Zwischen Fahrstuhleffekt und Nivellierung

Titre: Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit. Zwischen Fahrstuhleffekt und Nivellierung

Dossier / Travail de Séminaire , 2004 , 18 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Alexander-Kenneth Nagel (Auteur)

Sociologie - Système social et Structure sociale
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Problemstellung

Bildungsexpansion, Life-Long-Learning und Wissensgesellschaft. Diese Schlagwörter zwischen Feuilleton und bildungssoziologischer Fachdebatte haben in den letzten Jahren eine politische Dimension (zurück- )gewonnen, welche sie erneut ins Rampenlicht einer akademischen Betrachtung rückt. Dabei gilt es, von einer stark programmatischen Diskussion über Bildungsexpansion als Allheilmittel für soziale Ungleichheit zu einer empirisch fundierten Kenntnis ihrer Mechanismen und Folgen zu gelangen und ihre Wechselwirkung mit anderen sozialen Bereichen, etwa dem Arbeitsmarkt oder Institutionen der politischen Teilhabe zu ergründen.

In dieser Arbeit will ich dem Problem der egalisierenden Potenz der Bildungsexpansion nachgehen. Führt die Ausweitung von Bildungsteilhabe zu einer Verringerung von Bildungsungleichheit ? – Welches sind die Mechanismen, über die sich Bildungsungleichheit trotz Bildungsexpansion reproduziert ?

Vor dem Hintergrund einer Erörterung zweier konträrer Bildungsverständnisse werde ich zunächst die bildungspolitische Diskussion der 60er und 70er Jahre abrissartig darstellen, welche zahlreiche Schlagwörter, die heute in einem Atemzug mit Bildungsexpansion genannt werden (etwa Bildungsbeteiligung und Lebenslanges Lernen), hervorgebracht hat. Im vierten Abschnitt sollen theoretische Modelle von Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit vorgestellt werden. Während Boudon, Erikson/Jonsson und Esser hier als Vertreter des methodologischen Individualismus gelten können, vertritt Becker einen neoinstitutionstheoretischen Ansatz. Die Spezifika der jeweiligen Ansätze werden begleitend in einem fortlaufenden Beispiel illustriert und abschließend im Hinblick auf die Ausgangsfrage zusammengeführt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

2 Problemstellung

3 Paradigmatische Bildungsverständnisse

3.1 Bildung als Konsum- und Investitionsgut

3.2 Bildung als positionales Gut

3.3 Zwischenfazit

4 Die bildungspolitische Diskussion der 60er und 70er Jahre

4.1 „Schule als soziale Dirigierungsstelle“ – Schelsky

4.2 „Bildung als Bürgerrecht“ – Dahrendorf

4.3 Zwischenfazit

5 Modelle von Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit

5.1 Boudon – Reproduktion von Bildungsungleichheit

5.2 Becker – Erweiterung um institutionelle Faktoren

5.2.1 WE-Modell I (Erikson und Jonsson)

5.2.2 WE-Modell II (Esser)

5.2.3 Mehrebenenmodell (Becker)

6 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die egalisierende Wirkung der Bildungsexpansion und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob die Ausweitung von Bildungsteilhabe tatsächlich zur Verringerung von Bildungsungleichheit führt oder ob sich Ungleichheiten trotz Expansion reproduzieren.

  • Analyse konträrer Bildungsverständnisse
  • Darstellung bildungspolitischer Diskurse der 60er und 70er Jahre
  • Vergleich theoretischer Modelle (Boudon, Erikson/Jonsson, Esser, Becker)
  • Untersuchung der Mechanismen von Bildungsungleichheit
  • Bewertung der Rolle institutioneller Faktoren

Auszug aus dem Buch

5.1 Boudon – Reproduktion von Bildungsungleichheit

In seiner Theorie zur Reproduktion von Bildungsungleichheit verbindet Boudon sozialstrukturelle Überlegungen mit einem Modell rationalen Handelns. Dabei löst er das individuelle Streben (aspiration) nach Ausbildung von einer ausschließlich klassenkulturellen Deutung ab und macht stattdessen die aktuelle Klassenlage des Individuums als regionales Gegenstück zu seiner Bildungsaffinität aus. So ist das Streben nach Tertiärbildung eines Arbeiterkindes nicht gleichzusetzen mit der Bildungsaspiration eines Kindes mit Eltern aus der Dienstklasse. Das Streben des ersteren muss deutlich größer sein als das des letzteren, da die Distanz zwischen seiner Klassenposition und dem angestrebten Bildungsgut größer ist. Das Bildungsstreben ist hier also eine Art Schwellenwert, um eine bestimmte, zukünftige Statusinkonsistenz herbeizuführen.

In einem Bildungssystem mit prinzipieller Chancengleichheit und unter den Annahmen rationaler Wahl sind folglich die schlechteren Bildungskarrieren von Kindern aus der Arbeiterklasse eine Konsequenz geringerer Bildungsaspirationen. Dabei ist der Entscheidungsmechanismus klassenübergreifend derselbe, es variieren lediglich die faktischen Handlungsbeschränkungen (etwa Studiengebühren) sowie die Beurteilung der entstehenden Kosten und Nutzen. Innerhalb der Bildungsbiographie des Kindes wirken sog. primäre und sekundäre Effekte mit unterschiedlicher Intensität. Primäre Effekte im weiteren Sinne sind all jene kulturellen, psychologischen oder genetischen Einflüsse des Elternhauses, welche die Fähigkeiten des Kindes innerhalb der früheren Abschnitte der Beschulung bestimmen. Wenn ein Kind also bereits zu Beginn seiner Schullaufbahn durch mangelnde Sprachkenntnisse hinter seinen Mitschülern zurückbleibt, handelt es sich ebenso um einen primären Effekt, wie im Falle einer körperlichen oder Lernbehinderung.

Sekundäre Effekte meinen dagegen die klassenspezifischen Beurteilungskriterien von Nutzen und Kosten zusätzlicher Ausbildung, insoweit dadurch faktisch Entscheidungssituationen über Bildungsübergänge strukturiert werden. Dabei geht Boudon davon aus, dass die Bedeutung der primären Effekte im Lebensverlauf abnimmt, während die sekundären Effekte immer bestimmender werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Problemstellung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang zwischen Bildungsexpansion und sozialer Ungleichheit zu hinterfragen.

Paradigmatische Bildungsverständnisse: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen Bildung als Konsum-/Investitionsgut und Bildung als positionales Gut.

Die bildungspolitische Diskussion der 60er und 70er Jahre: Es werden die Positionen von Schelsky und Dahrendorf zur bildungspolitischen Rolle der Schule dargestellt.

Modelle von Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit: Vorstellung und Diskussion soziologischer Modelle zur Entstehung und Reproduktion von Bildungsungleichheit.

Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze und Ableitung bildungspolitischer Handlungsempfehlungen.

Schlüsselwörter

Bildungsexpansion, Bildungsungleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Humankapitaltheorie, Rational Choice, Sekundäre Herkunftseffekte, Primäre Herkunftseffekte, Bildungssystem, Selektion, Sozialstruktur, Statusbewusstsein, Institutionelle Faktoren, Bildungsrendite, Bildungsinvestitionen, Chancengleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht, ob die Ausweitung von Bildungsteilhabe (Bildungsexpansion) tatsächlich soziale Ungleichheit abbaut oder ob sie lediglich bestehende Strukturen auf einem höheren Niveau reproduziert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die soziologische Bildungsforschung, den Vergleich verschiedener Bildungsverständnisse und die Analyse von Entscheidungsmodellen zur Bildungsbeteiligung.

Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?

Die primäre Frage ist: Führt die Ausweitung von Bildungsteilhabe zu einer Verringerung von Bildungsungleichheit und durch welche Mechanismen reproduziert sich diese trotz Expansion?

Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, indem sie verschiedene Erklärungsmodelle (methodologischer Individualismus und neoinstitutionalistische Ansätze) gegenüberstellt und anhand von Beispielen illustriert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert konträre Bildungsbegriffe, die bildungspolitische Historie der 60er/70er Jahre sowie theoretische Modelle wie die von Boudon, Esser und Becker.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Wichtige Begriffe sind Bildungsexpansion, Bildungsgerechtigkeit, Rational Choice, primäre und sekundäre Herkunftseffekte sowie Selektionsmechanismen.

Wie unterscheidet Boudon primäre und sekundäre Effekte?

Primäre Effekte beziehen sich auf die durch das Elternhaus geprägten Fähigkeiten des Kindes, während sekundäre Effekte die klassenspezifische Kosten-Nutzen-Abwägung bei Bildungsentscheidungen beschreiben.

Was ist das zentrale Argument des Mehrebenenmodells von Becker?

Becker argumentiert, dass man nicht nur die individuellen Bildungsabsichten betrachten darf, sondern die institutionellen Selektionsmechanismen des Bildungssystems in die Analyse integrieren muss.

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Résumé des informations

Titre
Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit. Zwischen Fahrstuhleffekt und Nivellierung
Université
University of Bremen  (Institut für empirische und angewandte Soziologie (EMPAS))
Cours
Mikrodeterminanten von Bildungsungleichheit
Note
1,0
Auteur
Alexander-Kenneth Nagel (Auteur)
Année de publication
2004
Pages
18
N° de catalogue
V42512
ISBN (ebook)
9783638405270
Langue
allemand
mots-clé
Bildungsexpansion Bildungsungleichheit Zwischen Fahrstuhleffekt Nivellierung Mikrodeterminanten Bildungsungleichheit
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Alexander-Kenneth Nagel (Auteur), 2004, Bildungsexpansion und Bildungsungleichheit. Zwischen Fahrstuhleffekt und Nivellierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42512
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