Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex aus der Perspektive eines institutionellen Investors

The German Sustainability Code from an institutional investor’s perspective


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Theoretische Grundlagen
1.1 Nachhaltigkeit& Nachhaltige Entwicklung
1.2 Institutioneller Investor
1.3 Entsprechenserklärung
1.4 Corporate Governance und Nachhaltigkeit

2 Konzepte der Nachhaltigkeit
2.1 Das Drei-Säulen-Modell
2.1.1 Die ökonomische Herausforderung
2.1.2 Die ökologische Herausforderung
2.1.3 Die soziale Herausforderung
2.2 Das integrative Nachhaltigkeitsmodell

3 Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex - ein Standard für Nachhaltigkeitsmanagement
3.1 Grundlegende Informationen zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex
3.2 Ziele und Zielgruppen
3.3 Implementierungsvarianten des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

4 Nachhaltigkeitsmanagement aus der Sicht eines Investors unter Berücksichtigung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex
4.1 Motive eines institutionellen Investors für nachhaltiges Handeln
4.2 Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex als Standard für Nachhaltigkeit
4.3 Nachhaltigkeit als unternehmerischer Erfolgsfaktor

5 Kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 -Schnittmengen Nachhaltigkeit und Corporate Governance, eigene Darstellung

Abbildung 2 - Nachhaltigkeitsdreieck, eigene Darstellung

Einleitung

„Nachhaltigkeit“ - oft wird von nachhaltigem wirtschaften oder nachhaltiger Entwicklung ge- sprochen. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Strategie von Unternehmen, auf den Fi- nanzmärkten oder sogar in der Strategie von institutionellen Investoren? Werden die Finanz- märkte von heute und deren Entwicklung innerhalb der letzten Jahre betrachtet, so lässt sich erkennen, dass nachhaltige Anlagestrategien nicht mehr zu den Exoten gehören, sondern viel- mehr eine fundamentale Rolle im Investmentprozess einnehmen. Als Treiber dieser Entwick- lung zu nachhaltigen Investitionen gelten hauptsächlich institutionelle Investoren, die erkannt haben das sich durch nachhaltige Investments das Risiko streuen lässt und das Portfolio opti- miert wird. Institutionelle Investoren stehen vielmehr vor der Problematik wie Nachhaltigkeits- performance messbar und vergleichbar gemacht werden kann. Diese Studienarbeit behandelt im Detail den Deutschen Nachhaltigkeitskodex und dessen Be- deutung für einen institutionellen Investor. Zu Beginn möchte der Verfasser auf die theoreti- schen Grundlagen eingehen und Begriffsdefinitionen erläutern, bevor er anschließend kurz auf die Konvergenz von Corporate Governance und Nachhaltigkeit eingeht. Anschließend werden im 2. Abschnitt geläufige Nachhaltigkeitskonzepte vorgestellt und interpretiert, dies dient der besseren Einordbarkeit des Begriffs und der Vorgehensweise zur erfolgreichen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Abschnitt 3 befasst sich mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex und erläutert seine wesentlichen Bestandteile. Anschließend wird auf die Perspektive des insti- tutionellen Investors unter der Berücksichtigung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex einge- gangen. Abschließend findet eine kritische Würdigung durch den Verfasser statt, in welcher er die mögliche Akzeptanzproblematik des Deutschen Nachhaltigkeitskodex erläutert.

1. Theoretische Grundlagen

1.1 Nachhaltigkeit& Nachhaltige Entwicklung

In der Literatur sind zahlreiche Definitionen für den Begriff der Nachhaltigkeit zu finden, nach der Brundtland-Kommission ist der Begriff der Nachhaltigkeit wie folgt definiert:

„Dauerhaft ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen kön- nen. (…) Im Wesentlichen ist dauerhafte Entwicklung ein Wandlungsprozess, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potenzial vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche erfüllen“. 1

Die Brundtland Kommission war eine im Jahr 1983 gegründete Gruppe aus Sachverständigen mit 19 Vertretern aus 18 verschiedenen Ländern. Die Aufgabe der Brundtland-Kommission war die Erstellung eines Perspektivberichts mit dem Inhalt der globalen nachhaltigen und umwelt- schonenden Entwicklung über das Jahr 2000 hinaus. Der 1987 veröffentlichte Abschlussbericht „ Unsere gemeinsame Zukunft“ sorgte für zunehmenden Diskussionsbedarf und beeinflusste die Debatte Entwicklungs- und Umweltpolitik auf internationaler Ebene richtungsweisend. Die Kommission wurde Ende 1987 aufgelöst und als Centre of Common Future weitergeführt. Mit dem Brundtland-Bericht wurde das erste Leitbild der nachhaltigen Entwicklung erstellt und ist bis heute bedeutend für die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik.2

1.2 Institutioneller Investor

Im Allgemeinen wird unter einem institutionellen Investor eine Gruppe oder Person verstanden, die professionell für Dritte investieren. Im engeren Sinne ist dies eine Bezeichnung für organi- sierte Investoren wie beispielsweise Versicherungsunternehmen, Banken, Fonds oder Kapital- gesellschaften die an Kapitalmärkten agieren und erhaltene monetäre Mittel u.a. gewinnbrin- gend an diesen anlegen.Verschieden sind institutionelle Investoren mit Hinblick auf ihre Ziele, die Rahmenbedingungen für Kapitalanlagen oder auch der Investitionstätigkeit.3

1.3 Entsprechenserklärung

Unternehmen veröffentlichen eine Entprechenserklärung auf der Unternehmenshomepage oder auch im Geschäfts- oder Nachhaltigkeitsbericht. Damit geben Unternehmen ab das sie den An- forderungen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex gerecht werden und berichten über die Erfül- lung der Kodexkriterien oder erklären mögliche Abweichungen. Zu erwähnen ist das eine Berichterstattung nach den anerkannten Berichtsstandards von GRI und EFFAS ebenso einer Er- füllung des Kodex entspricht. Die Veröffentlichung einer Entsprechenserklärung ist nicht weiter notwendig wird aber als sinnvoll angesehen, u.a. um auch eine Verbindlichkeit der Transparenz und die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.4

1.4 Corporate Governance und Nachhaltigkeit

Ereignisse der letzten Jahre wie Unternehmenspleiten, Börsen- oder Finanzkrisen lassen die Rufe nach nachhaltigem wirtschaften immer lauten werden. Vorbei sind die Zeiten von blindem Vertrauen - Investoren, Staat, Lieferanten oder auch Kunden legen immer mehr Wert auf eine gute „Corporate Governance“ und eine solide, transparente und zuverlässige Betriebsführung. Dabei rücken nachhaltiges Wirtschaften und Corporate Social Responsibility in den Fokus der Stakeholder. Eine stark ausgeprägte „Corporate Governance“ und die Beziehung zu den Stake- holdern bildet dabei die Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften und eine verantwortungs- volle Unternehmensführung.

Wird jedoch die Praxis betrachtet liegt vermehrt der Fokus auf der ökonomischen Nachhaltig- keit. Die aufeinander positiv wirkenden Wechselwirkungen der Beziehung aus ökonomischer-, ökologischer- und sozialer Nachhaltigkeit werden kaum berücksichtigt.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 -Schnittmengen Nachhaltigkeit und Corporate Governance, eigene Darstellung

Abbildung 1 stellt vereinfacht die Beziehungen von Nachhaltigkeit anhand von Schnittmengen zur „Corporate Governance“ sowie zur Corporate Social Responsibility dar. Laut Strenger, Auf- sichtsrat der DWS Investment, sind eine „Gute Corporate Governance“, Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung integrale Bestandteile, die sich gegenseitig ergänzen. Dem- nach sind starke Governance Strukturen und die Qualität der Umsetzung eine zwingende Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften und Nachhaltigkeit letztendlich in der Corporate Governance zu integrieren.6

2 Konzepte der Nachhaltigkeit

2.1 Das Drei-Säulen-Modell

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit basiert auf drei Dimensionen – ökonomische, öko- logische und soziale Dimension. Das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung ist die gleichrangige Berücksichtigung dieser drei Dimensionen. Für Unternehmen ergeben sich daraus vier ver- schiedene Anforderungen, die es für den Zweck einer nachhaltigen Entwicklung zu erfüllen gilt:

- Die ökologische Anforderung
- Die ökonomische Anforderung
- Die soziale Anforderung
- Die Integrationsanforderung

In den folgenden Unterpunkten wird näher auf die Dimensionen des Drei-Säulen-Konzepts ein- gegangen. Die folgende Abbildung des „magischen“ Nachhaltigkeitsdreiecks veranschaulicht die Beziehungen der verschiedenen Dimensionen zueinander.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.1 Die ökonomische Herausforderung

Im Mittelpunkt der ökonomischen Säule bzw. Dimension steht die Unternehmensabsicht, unter Berücksichtigung der ökologischen und sozialen Faktoren, die Wettbewerbsfähigkeit und Exis- tenz des Unternehmens zu sichern. Anders als beim klassischen ökonomischen Ansatz, der aus- schließlichen Betrachtung von monetären Zielgrößen wie z.B. Steigerung der Rentabilität, des Marktanteils oder des Unternehmenswertes, geht es letztendlich bei der ökonomischen Dimen- sion der Nachhaltigkeit darum, das Umwelt- und Sozialmanagement weitestgehend wirtschaft- lich zu gestalten. In diesem Zusammenhang wird von Öko-Effizienz und Sozio-Effizienz ge- sprochen. Öko-Effizienz ist als das Verhältnis einer ökonomischen, monetären und einer ökolo- gischen, physikalischen Größe definiert, z.B. Wertschöpfung (EUR) / verbrauchte Energie.

Wertschöpfung stellt dabei die ökonomische Größe dar und Schadschöpfung die ökologische Dimension. Analog zur Öko-Effizienz wird die Sozio-Effizienz betrachtet. Mit Hinblick auf die Sozio-Effizienz wird das Verhältnis zwischen der Wertschöpfung (ökonomische Größe) und dem sozialen Schaden (soziale Größe) betrachtet, z.B. Wertschöpfung / Personalunfälle. Letzt- endlich gilt für das Nachhaltigkeitsmanagement, das Verhältnis zwischen Wertschöpfung und ökologischer bzw. sozialer Schadschöpfung zu verbessern und damit einen Beitrag zur Steige- rung der Sozio- bzw. Öko-Effizienz zu leisten.8

2.1.2 Die ökologische Herausforderung

Unter der ökologischen Herausforderung wird die Belastung von Ökosystemen durch wirt- schaftliche Aktivitäten verstanden. Ökologische Ressourcen sind einerseits nur begrenzt ver- fügbar bzw. beschränkt belastbar. Nachhaltigkeit bedeutet im Zusammenhang mit der ökologi- schen Größe den einen langfristigen Schutz der natürlichen Umwelt und die Aufrechterhaltung der natürlichen Regenerationsfunktion. Ziel ist es für Unternehmen die verursachte direkte und indirekte Umweltbelastung zu senken und eine Steigerung der Öko-Effektivität zu erreichen.9

2.1.3 Die soziale Herausforderung

Bislang wurde die Betrachtung der sozialen Komponente im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit bzw. der Entwicklung von Nachhaltigkeit eher vernachlässigt. Eng verbunden mit der sozialen Dimension ist der Begriff der „Corporate Citizenship“, welche die sozialen Leistungen eines Unternehmens, wie die Verantwortlichkeit gegenüber der Gesellschaft, den Beziehungen zu den Stakeholdern oder auch einen respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern umfasst. Innerhalb der sozialen Komponente der Nachhaltigkeit wird vom Erhalt des Kapitalstocks gesprochen, was die ökonomische Bezeichnung für gesellschaftliche Stabilität ist und als Sozial Effektivität bezeichnet wird. Unter Berücksichtigung der sozialen Dimension verfolgen Unternehmen das Ziel der Steigerung der Sozial-Effektivität. Unter Sozial-Effektivität wird nach Schaltegger folgendes verstanden:

„Als sozial effektiv kann ein Unternehmen bezeichnet werden, das das absolute Niveau negati- ver sozialer Wirkungen wirksam reduziert hat und halten kann sowie bedeutende positive sozia- le Wirkungen auslöst.“10

Unternehmen stehen folglich der Herausforderung gegenüber, ihre Unternehmenskonzepte so zu gestalten, dass eine Verringerung sozial unerwünschter Leistungen bzw. die Förderung von sozial erwünschten Leistungen ermöglicht wird und dementsprechend die Sozial Effektivität verbessert werden kann.11

2.2 Das integrative Nachhaltigkeitsmodell

Die integrative Anforderung stellt Unternehmen einerseits vor die Aufgabe der parallelen Erfül- lung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeitsanforderung. Dies bedeutet im engeren Sinne, dass Öko-Effektivität, Sozial-Effektivität sowie Öko-Effizienz und Sozial- Effizient gleichermaßen zu berücksichtigen und zu steigern sind. Als weiterer Schritt der Unter- nehmung bzw. als Aufgabe gilt es, das Umwelt- und Sozialmanagement in das konventionelle ökonomische Managementsystem einzubinden. Ausschlich dann, wenn beide Aufgaben der Nachhaltigkeitsanforderung als erfüllt gelten, kann von einer erfolgreichen Umsetzung des in- tegrativen Nachhaltigkeitsmodell gesprochen werden.

3 Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex - ein Standard für Nachhal- tigkeitsmanagement

3.1 Grundlegende Informationen zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex

In den letzten Jahren hat sich das Thema der nachhaltigen Entwicklung in vieler Hinsicht in den Vordergrund unternehmerischen Handelns gespielt. Knapper werdende Ressourcen, Klimawan- del oder auch der demographische Wandel stellen eine Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dar. In der heutigen Zeit reicht es allein nicht mehr aus nur ökonomische Grö- ßen für den unternehmerischen Erfolg zu betrachten. Vielmehr hängt der Erfolg einer Unter- nehmung zudem auch von nachhaltigem wirtschaften ab. Problematisch gestaltet sich dabei die unzureichende Messung der nachhaltigen Unternehmensperformance. Abhilfe soll in diesem Zusammenhang, auf Initiative des Rates für Nachhaltige Entwicklung, der Deutsche Nachhal- tigkeitskodex schaffen.12 Hervorgehend aus der Definition von Nachhaltigkeit nach der Brunt- landt-Kommision, versteht der Rat für nachhaltige Entwicklung unter Nachhaltigkeit die gleich- rangige Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte mit dem Ziel die Umwelt zu schonen, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu erhalten und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex stellt ein Instrument für den Finanzmarkt dar und verdeutlicht die Anforderungen, die an das Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens gestellt werden und macht den Nachhaltigkeitsbeitrag in der Wertschöp- fungskette erkennbar.13 Letztendlich besteht die Absicht, durch den Deutschen Nachhaltigkeits- kodex die Nachhaltigkeitssysteme von Unternehmen sichtbar zu machen und Nachhaltigkeit als Orientierungsgröße für die Wirtschaft und den Kapitalmarkt zu etablieren.14 Um internationalen Anforderungen zu entsprechen und eine Vergleichbarkeit im internationalen Kontext zu ermög- lichen bezieht sich der Deutsche Nachhaltigkeitskodex inhaltlich auf die Prinzipien des UN Global Compact, die OECD Guidelines für multinationale Unternehmen, den Leitfaden ISO 26.000 sowie die internationalen Berichtstandards G3 und EFFAS. Um eine höhere Relevanz, bessere Bewertbarkeit und Vergleichbarkeit zu gewährleisten wurde eine Standardisierung durch Auswahl bestimmter Leistungsindikatoren vorgenommen.15

3.2 Ziele und Zielgruppen

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex richtet sich an Unternehmen jeglicher Größe und stellt ein Instrument zur Verbesserung der Transparenz der Nachhaltigkeitsperformance gegenüber den jeweiligen Stakeholdern dar. Insbesondere für Investoren und Finanzanalysten bietet der Kodex eine Impulsgeberfunktion, indem Informationen zur Nachhaltigkeitsleistung eines Unterneh- mens in die Chancen und Risiken Analyse einfließen. Zudem dient der Kodex als Bewertungs- grundlage im Portfoliomanagement und kann in der Kreditvergabe, bei Unternehmensanleihen oder der Einholung von Anlegerinformationen als Bewertungsmaßstab genutzt werden. Wie bereits erwähnt steht Nachhaltigkeit in einer Beziehung zur Corporate Governance eines Unter- nehmens, durch die Berücksichtigung nationaler und internationaler Rechnungslegungsstan- dards ist der Deutsche Nachhaltigkeitskodex als Ergänzung dieser und des Deutschen Corporate Governance Kodex zu sehen. Vor allem Investoren und Analysten sollen durch den Einsatz des Deutschen Nachhaltigkeitskodex ihr Verantwortungsbewusstsein für eine nachhaltige Entwick- lung verschärfen und die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen in ihren Investitionsent- scheidungen berücksichtigen.16 Zusammengefasst wird durch den Einsatz des Deutschen Nach- haltigkeitskodex beabsichtigt die Nachhaltigkeitsperformance sichtbar zu machen, Mindestan- forderungen an die Transparenz des Nachhaltigkeitsmanagement zu definieren und damit eine verbindliche Basis zur Bewertung von Unternehmen zu schaffen. Desweiteren wird durch den Rat der nachhaltigen Entwicklung das Ziel verfolgt den Deutschen Nachhaltigkeitskodex stetig weiterzuentwickeln. Die Schaffung einer internationalen Plattform auf welcher Unternehmen ihre Entsprechenserklärung veröffentlichen und eine jährliche Dialogveranstaltung unter der Teilnahme aller relevanten Stakeholder sollen diese Weiterentwicklung ermöglichen.

3.3 Implementierungsvarianten des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Im Rahmen des Entstehungsprozess für den Deutschen Nachhaltigkeitskodex wurde u.a. ein Multistakeholderforum durchgeführt und mögliche Implementierungsvarianten mit Hilfe der Szenario-Technik durchgespielt, diskutiert sowie von den Teilnehmern abschließend anhand eines Punktevergabesystems bewertet.

Der Verfasser geht Aufgrund der Punktevergabe und Relevanz unter den Teilnehmern folgend näher auf die Implementierungsvarianten Selbstauskunft und Transparenzplattform ein.

Selbstauskunft:

Bei der Implementierungsvariante der Selbstauskunft wird dem Unternehmen freigestellt, ob Sie in ihrem Geschäfts- bzw. Nachhaltigkeitsbericht oder auf der Unternehmenshomepage eine Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex veröffentlichen und potenziellen Geschäftspartnern, dem Kapitalmarkt oder anderen Stakeholdern die Einsicht ermöglichen. Bei Nicht-Veröffentlichung wäre es denkbar, dass Anspruchsgruppen, die Wert auf eine transparen- te Nachhaltigkeitsentwicklung legen, zukünftig Sanktionen gegen das Unternehmen einleiten. Die Implementierungsvariante der Selbstauskunft ist als „flexible“ Variante zu betrachten. Es bestehet keinerlei Zwang Informationen zu veröffentlichen, Unternehmen müssten möglicher- weise Anreize geboten werden, damit diese Informationen zur Nachhaltigkeitsleistung veröf- fentlichen. Einerseits bietet die Selbstauskunft durch den Charakter der „Freiwilligkeit“ gewisse Vorteile, aber andererseits könnte dies mit Hinblick auf den Deutschen Nachhaltigkeitskodex u.a. durch die mangelnde Vergleichbarkeit, veraltetet Informationen oder der Qualität der Daten und Informationen zum Verlust des Vertrauens und der Glaubwürdigkeit in den Kodex führen.

Aufbaueiner Transparenzplattform im Internet

Die Implementierung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex geschieht über eine Internetplatt- form, über die Unternehmen die entsprechende Entsprechenserklärung sowie den Erfüllungs- grad der Key Performance Indicators der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Sämtli- che Kriterien können abgefragt und verglichen werden. Eine Internetplattform ermöglicht einen vereinfachten Zugang zu relevanten Informationen ohne hohen bürokratischen Aufwand. Zu- dem ist der Zugang der breiten Öffentlichkeit möglich und somit auch eine internationale An- schlussfähigkeit möglich. Informationen können problemlos verglichen und analysiert werden. Mit Hinblick auf die Kosten und Aufwendungen sind diese im Vergleich zu anderen Implemen- tierungsvarianten gering einzuschätzen. Grundsätzlich sind vor Inbetriebnahme einer Transpa- renzplattform, gerade mit Hinblick der Auswertung der Nutzerstatistik, diverse Datenschutz- richtlinien zu prüfen.

4 Nachhaltigkeitsmanagement aus der Sicht eines Investors unter Berücksichtigung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex

4.1 Motive eines institutionellen Investors für nachhaltiges Handeln

Die Entwicklung sowie die wirtschaftlichen Ereignisse in den vergangenen Jahren haben Nach- haltigkeit stark in den Fokus unternehmerischen Handelns gerückt.17 So stehen Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie verstärkt im Fokus von Investoren, Trends zeigen, dass sich Akteure der Finanzmärkte vermehrt für nachhaltige Investments entscheiden. Dieser Abschnitt erklärt welche Motive institutionelle Investoren dazu bewegen, nachhaltig zu investieren und gleichzeitig die nachhaltige Entwicklung zu fördern. Für institutionelle Investoren stehen nicht mehr allein klassische Motive im Vordergrund. Vielmehr werden auch ökologische und soziale Aspekte in die Investmententscheidung einbezogen. Generell gilt, dass sich nachhaltige und klassische Aspekte langfristig ergänzen und nur die Betrachtung von klassischen oder nachhal- tigen Aspekten in langfristiger Sicht nicht zum Erfolg führt. Motive für nachhaltige Investitio- nen und Handeln aus Sicht eines Investors können folgende Kriterien sein:

- Diversifikation des Portfolio - Soziale Kriterien

- Ökologische Kriterien - Performance Marktniveau

- Performance ü. Marktniveau - Einfluss auf Unternehmen

- Ethische Kriterien - Religiöse Kriterien

Eines der wichtigsten Motive, die institutionelle Investoren verfolgen, ist die Diversifikation des Portfolios und die damit verbundene Optimierung des Risikomanagements. Ein Beispiel für die Vermeidung eines „Eventrisikos“ konnte einem Experteninterview entnommen werden. Bei- spielsweise würde ein Investor auf Basis rationaler Gegebenheiten in der heutigen Zeit keine Investition in ein Kernkraftwerk auf Basis von Nukleartechnologie tätigen, da auch bei nicht quantifizierbarem Eintrittsschaden das Eintrittsrisiko und der damit verbundene Reputations- schaden nicht ausgeschlossen werden kann.18 Wie oben erwähnt werden die Nachhaltigkeitsas- pekte immer wichtiger für ihre Investitionsentscheidungen und den damit verbundenen Moti- ven. Um allerdings die Motive zu verfolgen und langfristig erfolgreich nachhaltig zu investieren bedarf es einem glaubwürdigen und verbindlichen Instrument, welches den Vergleich von In- vestitionsalternativen ermöglicht. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex unterstützt die Absicht der Investoren und bietet diesen anhand seiner Struktur und seinem Aufbau eine hervorragende Grundlage zur Unternehmensbewertung. Der Kriterienkatalog des Deutschchen Nachhaltigkeitskodex führt zu einer höheren Relevanz,

[...]


1 Rat der Nachhaltigen Entwicklung 2012, S.1 nach Brundtland-Kommission v. 1987.

2 vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_1987_728.htm, abgerufen am 06.06.2012.

3 vgl. Trübstein 2011, S. 93.

4 vgl. Rat der Nachhaltigkeit 2012, S.21.

5 vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/international/glaubwuerdig-langfristige- unternehmenssteuerung-steigert-ertragspotential-nachhaltiges-wirtschaften-braucht-gute-corporate- governance/2278232.html, zuletzt geprüft am 15.06.2012.

6 vgl. Hesse 2007, S.4.

7 vgl. Wilkens 2008 – effizientes Nachhaltigkeitsmanagement, S.6 ff.

8 vgl. Herzig/Kleiber/Klinke 2007, S. 16 ff.

9 vgl. Herzig/Kleiber/Klinke 2007, S.12

10 Wilkens 2008, S 12 ff.

11 vgl. Stefan Wilkens – effizientes Nachhaltigkeitsmanagement S.14 ff.

12 vgl. http://www.cfoworld.de/orientierung-fuer-wirtschaft-und-kapitalmarkt, abgerufen am 10.06.2012.

13 vgl. Rat der Nachhaltigen Entwicklung 2012, S.16.

14 vgl. http://www.cfoworld.de/orientierung-fuer-wirtschaft-und-kapitalmarkt?page=2, abgerufen am 10.06.2012

15 vgl. Rat der Nachhaltigen Entwicklung 2012, S.17.

16 vgl. Rat der Nachhaltigen Entwicklung, S.19 ff.

17 vgl. Klasen/Christian/Röder/Sandy 2009, S. 6 ff.

18 vgl. http://www.kpmg.de/docs/KPMG_Handbuch_web.pdf, abgerufen am 12.06.2012.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex aus der Perspektive eines institutionellen Investors
Untertitel
The German Sustainability Code from an institutional investor’s perspective
Hochschule
Hochschule für Technik Stuttgart
Veranstaltung
Corporate Finance
Note
2.0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V425371
ISBN (eBook)
9783668703247
ISBN (Buch)
9783668703254
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, sustainability, CSR, corporate social responsibility, Nachhaltigkeitskodex
Arbeit zitieren
Heinrich Bischoff (Autor:in), 2012, Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex aus der Perspektive eines institutionellen Investors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425371

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