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Städtische Verwaltung in der Frühen Neuzeit - Bielefeld im 18. Jahrhundert

Title: Städtische Verwaltung in der Frühen Neuzeit - Bielefeld im 18. Jahrhundert

Thesis (M.A.) , 1996 , 87 Pages , Grade: gut

Autor:in: Axel Oberschelp (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit ist in den Jahren 1995 und 1996 als Abschlußarbeit meines Studiums der Geschichte an der Universität Bielefeld entstanden. Es handelte sich dabei um die Fortführung einer Seminararbeit aus dem Wintersemester 1993/94, die im Rahmen des von Prof. Neithard Bulst und Prof. Wolfgang Mager abgehaltenen Seminars „Städtische Führungsschichten im Vergleich“ entstand.

Mit der Anfertigung dieser Seminararbeit waren erstmals im Rahmen meiner Ausbildung zum Historiker umfangreiche Archivarbeiten erforderlich. Dementsprechend schwierig und langwierig gestalteten sich die Sichtung des Materials, die Entzifferung der Handschriften und schließlich die inhaltliche Auswertung und Interpretation der Quellen. Im Ergebnis war die Seminararbeit zwar in hohem Grade quellengesättigt, allerdings ging dieser Vorzug zu Lasten der methodischen Reflexion. Diese Asymetrie findet sich, wenngleich in abgeschwächter Form, auch in der auf die Seminararbeit aufbauenden Magisterarbeit.

Ungeachtet dieser kritischen Einschätzung aus heutiger Perspektive erscheint – auch zu diesem späten Zeitpunkt – eine Publikation der bislang unveröffentlichten und unbeachteten Arbeit lohnenswert und wichtig: Wenngleich ich das Studium der früheuzeitlichen Verwaltungsgeschichte nach Abgabe der Arbeit nicht weiter verfolgt habe, so besteht doch Grund zu der Annahme, daß die Ergebnisse von zumindest lokalgeschichtlicher Relevanz sind, vielleicht sogar in eine (Neu-)Interpretation der brandenburg-preußischen Verwaltungsgeschichte einfließen können. Die Untersuchung hat außerdem eine Vielzahl familiengeschichtlich bedeutsamer Befunde ergeben, die auf diesem Wege einer interessierten Forschergemeinde zu Verfügung gestellt werden. Zudem erscheint es mir wichtig, das Faktum, daß dieses Thema bereits bearbeitet wurde, Lehrenden und künftigen Studierenden zur Kenntnis zu bringen. Auch wenn die Anforderungen an Seminar- und Magisterarbeiten nicht in der Erbringung eigenständiger Forschungsleistungen liegen, ist der Aspekt wissenschaftlichen Fortschritts im Hinblick auf lokalgeschichtliche Studien hier doch von Relevanz. Und schließlich ist es ein persönliches Interesse, die Unzufriedenheit darüber, daß die vielen in die Abfassung dieser Arbeit gesteckten Stunden ohne Nutzen bleiben, das mich zu einer vorsichtigen Überarbeitung und anschließenden Veröffentlichung dieser Arbeit bewogen haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Darstellender Teil

1. Die frühneuzeitliche Stadt im Spiegel der Forschung

2. Die Verwaltungsstrukturen in Bielefeld

2.1. Vor der Reform von 1719

2.2. Die Reform von 1719

3. Die "Professionalisierung frühneuzeitlicher Stadtverwaltungen"

4. Quellenlage und Methode

III Auswertung des Quellenmaterials

1. Das Sozialprofil der Gruppe

2. Die Juristen innerhalb der Gruppe

3. Die Bedeutung verwandtschaftlicher Beziehungen

3.1. Verwandtschaftliche Protektion

3.2. Genealogische Darstellung der verwandtschaftlichen Beziehungen

4. Die Bürokratisierung der Verwaltung

4.1. Die Rekrutierung neuer Ratsmitglieder

4.2. Die Professionalisierung des Verwaltungsablaufes

4.3. Das Zusammenspiel städtischer und staatlicher Behörden

IV Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Untersuchung analysiert die städtische Verwaltung Bielefelds im 18. Jahrhundert, um den Prozess der Professionalisierung und das Verhältnis des Stadtbürgertums zum absolutistischen Staat zu klären, wobei der Fokus auf einer prosopographischen Analyse der städtischen Führungsschicht liegt.

  • Strukturanalyse der frühneuzeitlichen Stadtverwaltung Bielefelds
  • Auswirkungen der Verwaltungsreform von 1719
  • Rolle verwandtschaftlicher Netzwerke in der Führungsschicht
  • Wandel zur modernen Bürokratie und staatliche Kontrollmechanismen
  • Sozialprofil und Karrieremuster der Ratsmitglieder

Auszug aus dem Buch

Die frühneuzeitliche Stadt im Spiegel der Forschung

Im Gegensatz zur mittelalterlichen Stadt war die Geschichte der Stadt in der Frühen Neuzeit bislang kein zentrales Objekt der Stadtgeschichtsforschung. Im Vergleich mit der „Blütezeit“ der Städte im Mittelalter, die ihrem Landesherrn im Verlauf langwieriger Auseinandersetzungen Rechte und Privilegien abringen konnten und dadurch zu einer weitgehend autonomen politischen Stellung gelangten, erschienen die ihrer Selbständigkeit weitgehend beraubten Städte der Frühen Neuzeit als unattraktiv. Ein weiterer Grund für die Marginalisierung der frühneuzeitlichen Stadt in der bisherigen Forschungsgeschichte ist sicherlich in der zunehmenden Heterogenität zu suchen, die das Bild der Stadt in dieser Epoche prägt und die generalisierende Aussagen erschwert. Zwar stellen sich das äußere Erscheinungsbild der Städte sowie ihr wirtschaftliches und soziales Gefüge im Vergleich zum Mittelalter nahezu unverändert dar. Im Verhältnis der Stadt zum Territorialstaat kam es hingegen zur Ausbildung unterschiedlichster Herrschafts- und Abhängigkeitsbeziehungen.

Das Spektrum reicht von der sich selbst regierenden Reichsstadt, die mit ihren Zuständigkeiten für die Finanzverwaltung, Rechtsprechung, Wehrhoheit, Bündnis- und Statuarrecht den Territorialstaaten gleichgestellt war, bis hin zur völlig dem Landesherrn unterworfenen Residenzstadt, „in der die autonome Stadtverwaltung nur noch auf wenige marginale Bereiche reduziert erscheint“.

Zu dem am häufigsten vorkommenden Städtetyp – zu dem auch Bielefeld zählt –, der in den fürstlichen Territorialstaat eingegliederten Landstadt, verbleiben zahlreiche offene Fragen das Ausmaß staatlicher Einflußnahme betreffend. In der älteren historischen Forschung, und hier verweise ich auf die Arbeiten Gustav Schmollers, Hugo Preuss` und Otto Hintzes, war das Bild der Stadt im 17. und 18. Jahrhundert geprägt von Niedergang und zunehmender Bevormundung durch die Landesherren. Einen wichtigen Grund für diese Entwicklung sah Gustav Schmoller in der allmählichen Oligarchisierung der Ratsherrschaft, die eine politische Beteiligung der meisten Stadtbürger am Gemeinwesen unmöglich gemacht habe. Die Verheerungen durch die Kriege des 17. Jahrhunderts – vor allem des Dreißigjährigen Krieges – und die damit einhergehende Verschuldung fast aller Städte sollen diesen Prozeß beschleunigt haben. An seinem Ende stand, so Schmoller, Stagnation und Verkrustung der politischen Verhältnisse im Innern und der Verlust der politischen Selbständigkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Definiert den Untersuchungsgegenstand, die prosopographische Analyse der Bielefelder Führungsschicht im 18. Jahrhundert und die Forschungsfragen zum Professionalisierungsprozess.

II Darstellender Teil: Erörtert die frühneuzeitliche Stadt im Forschungsdiskurs, die spezifischen Verwaltungsstrukturen in Bielefeld vor und nach der Reform von 1719 sowie den Professionalisierungsbegriff.

III Auswertung des Quellenmaterials: Untersucht das Sozialprofil der Führungsgruppe, die Rolle der Juristen, die Bedeutung familiärer Netzwerke und die zunehmende Bürokratisierung der Verwaltung.

IV Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach der Professionalisierungsprozess eher partiell verlief und traditionelle oligarchische Strukturen in Bielefeld weiter bestanden.

Schlüsselwörter

Bielefeld, 18. Jahrhundert, städtische Verwaltung, Absolutismus, Prosopographie, Führungsschicht, Professionalisierung, Bürokratisierung, Leinenhandel, Magistrat, Ratsherren, Verwandtschaftsnetzwerke, Verwaltungsreform, Preußen, Sozialstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die städtische Verwaltung von Bielefeld im 18. Jahrhundert, um deren Entwicklung unter dem Druck des preußischen Absolutismus zu untersuchen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Verwaltungsstrukturen, die Rolle der politischen Elite, das Wirken von verwandtschaftlichen Netzwerken und der Prozess der Bürokratisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob sich in Bielefeld bereits Strukturen einer "modernen Bürokratie" abzeichneten oder ob ein traditionelles, durch Nepotismus geprägtes Politikmodell dominierte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine prosopographische Methode, um die biographischen Daten und Beziehungsgeflechte der Mitglieder der städtischen Führungsschicht systematisch zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der historischen Rahmenbedingungen, die Reform von 1719, eine detaillierte Auswertung des Sozialprofils der Gruppe und die Analyse von Korruptions- und Professionalisierungserscheinungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Bielefeld, Absolutismus, Professionalisierung, Bürokratisierung, Führungsschicht, Leinenhandel und verwandtschaftliche Netzwerke.

Welche Bedeutung hatte die Reform von 1719 für die Stadt Bielefeld?

Die Reform führte zu einer Verkleinerung des Magistrats, einer stärkeren staatlichen Kontrolle durch Einführung der Akzise und einer neuen Aufgabenverteilung unter den Verwaltungsbeamten.

Inwiefern beeinflussten verwandtschaftliche Beziehungen das politische Handeln?

Die Studie zeigt, dass familiäre Verbindungen (Protektion) eine wesentliche Rolle bei der Rekrutierung und Besetzung von Ratsstellen spielten, was auf ein starkes Beharrungsvermögen traditioneller Strukturen hindeutet.

Welche Rolle spielten Juristen in der städtischen Führung?

Juristen besetzten zwar Schlüsselpositionen, waren jedoch in die traditionelle Elite eingebunden, wobei für die Mehrheit der Amtsgeschäfte eher Grundkenntnisse als eine akademische Promotion entscheidend waren.

Zu welchem Schluss kommt der Autor bezüglich des Professionalisierungsprozesses?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Professionalisierungsprozess nur in Teilbereichen stattfand und nicht als grundlegende Transformation, sondern als Anpassung der traditionellen Eliten an neue staatliche Vorgaben zu verstehen ist.

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Details

Title
Städtische Verwaltung in der Frühen Neuzeit - Bielefeld im 18. Jahrhundert
College
Bielefeld University  (Fakultät für Philosophie und Geschichtswissenschaft)
Grade
gut
Author
Axel Oberschelp (Author)
Publication Year
1996
Pages
87
Catalog Number
V42540
ISBN (eBook)
9783638405485
Language
German
Tags
Städtische Verwaltung Frühen Neuzeit Bielefeld Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Oberschelp (Author), 1996, Städtische Verwaltung in der Frühen Neuzeit - Bielefeld im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42540
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