Um den Prozess des Wertewandels in der Bundesrepublik Deutschland besser verstehen zu können und die Auswirkungen auf soziale Dienstleiter und jugendliche Lebenswelten dazustellen, werden als erstes die theoretischen Hintergründe des Wertewandels besprochen und die wichtigsten Theoretiker des entsprechenden Diskurses vorgestellt. Anschließend wird aufgezeigt, was den Wertewandel laut des Soziologen R. Inglehart begünstigt hat.
Exemplarisch werden dann die Auswirkungen dieses Wandels auf unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft (Kernfamilie, Geschlechterrollen, Arbeitswelt) aufgezeigt. Anhand der aktuellen Shell-Studie wird diskutiert, welche Auswirkungen der Wertepluralismus und Wandel auf die aktuelle Jugendgeneration hat. Es soll gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen Depression, Sinnfindung und Konsumverhalten in der Postmoderne zu bestehen scheint und warum demokratische Wertebildung einen hohen Stellenwert in der Jugendarbeit einnehmen sollte.
Anschließend wird besprochen, wie soziale Dienstleister junge Menschen erfolgreich auf die Veränderungen in der Gesellschaft vorbereiten können und welche Maßnahmen dazu ergriffen werden müssen. Sinnvermittlung und Wertebildung sind dabei ebenso wichtig wie die Vorbereitung auf neue Geschlechterrollen und veränderte Anforderungen in der Arbeitswelt. Um das Thema in seiner vollen Tiefe zu verstehen, greift die Arbeit zusätzlich das Phänomen der "postmodernen Sinnkriese" auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Ziel der Arbeit
2. Theoretische Hintergründe des Wertewandels
2.1 Ursachen von Wertewandel in der Gesellschaft
3. Die Auswirkungen des Wertewandels auf verschiedene Teilbereiche der Gesellschaft
3.1 Auswirkungen des Wertewandels auf die klassische Kernfamilie
3.2 Auswirkungen des Wertewandels auf Geschlechterrollen und Erwerbswelt
3.3 Auswirkungen des Wertewandels auf die aktuelle Jugendgeneration
4. Anforderungen an soziale Dienstleister im heutigen Wertepluralismus
4.1 Konsumverhalten und Depression durch Sinnvermittlung begegnen
4.2 Durch Familienarbeit die Wertevermittlung stärken
4.3 Wertevermittlung durch Schul- und Jugendarbeit
4.4 Jugendliche Männer auf ein neues Rollenverständnis vorbereiten
4.5 Die Vorbereitung Jugendlicher auf veränderte Anforderungen in der Arbeitswelt
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Prozess des Wertewandels in der Bundesrepublik Deutschland und dessen Auswirkungen auf soziale Dienstleister sowie jugendliche Lebenswelten. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation von Handlungsstrategien, um Jugendlichen in einer von Wertepluralismus und ökonomischer Unsicherheit geprägten Postmoderne Orientierung, Sinnstiftung und Unterstützung für den Übergang in die Erwerbswelt zu bieten.
- Theoretische Grundlagen des Wertewandels und dessen Ursachen.
- Einfluss des Wertepluralismus auf die Kernfamilie, Geschlechterrollen und die Arbeitswelt.
- Analyse der "postmodernen Sinnkrise" und deren Korrelation mit Depressionen bei Jugendlichen.
- Methoden und Ansätze für soziale Dienstleister zur Wertevermittlung und Stärkung der Autonomie.
- Anpassung der Jugendarbeit an veränderte Anforderungen der Erwerbsbiografien und Rollenbilder.
Auszug aus dem Buch
3.3 Auswirkungen des Wertewandels auf die aktuelle Jugendgeneration
Die 14. Shell-Jugendstudie (2002) bezeichnete die aktuelle Jugendgeneration als „Pragmatische Generation“. Diese Generation zeichnet sich in hohem Maße durch Tatkraft und Problemlösungsfähigkeit, sowie einer ausgeprägten ökonomischen und konsumorientierten Einstellung aus. Dabei spielt die Werteveränderung in der Arbeitswelt durch die Globalisierung eine entscheidende Rolle. Heutige Jugendliche sind zunehmend von der Angst des sozialen Abstiegs geprägt. Und war dies noch bis vor einigen Jahrzehnten vor allem ein Problem bildungsferner Schichten, so betrifft dieses Phänomen mittlerweile breite Teile der Mittelschicht, sowie akademische Kreise.
„Hatte bisher jede Generation den Eindruck, sie würde sich im Laufe der Zeit besser stellen als ihre Elterngeneration, so ist dieser Glaube inzwischen erschüttert“ (Gensicke 2009, S. 581).
Der postmoderne Hedonismus, welcher die Generation der 1990er Jahre prägte, wird zunehmend durch eine pragmatische Generation mit Tugenden, Ernsthaftigkeit und Wettbewerbsorientierung ersetzt (vgl. Gensicke 2009, S. 583). Einige Theoretiker der Wertewandelforschung gehen gerade ab den 1990er Jahren von einer Umkehr des thematisierten Wertewandels aus. Sie bringen dabei die gestiegene ökonomische Unsicherheit mit einem steigenden Bedürfnis nach Stabilität und Werten in Zusammenhang. Einige Autoren spekulieren sogar über eine „Rückkehr der Religion“ (vgl. Gensicke 2009, S. 584). Dieser Gedanke ist insofern interessant, als dass bereits in Kapitel 2.4 dieser Arbeit darauf verwiesen wurde, dass der Soziologe R. Inglehart in der postmaterialisten Gesellschaft eine vermehrte Hinwendung zum „Geistigen“ postuliert, wobei hier nicht alleine die metaphysische Ebene gemeint ist (vgl. Inglehart 1989, S. 230). Im Allgemeinen scheinen sich allerdings die Selbstentfaltungswerte vergangener Generationen wieder in Pflichtbewusstsein und Strukturakzeptanz zu wandeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Ziel der Arbeit: Einführung in die Thematik des Wertewandels und Darlegung des Forschungsanliegens zur Unterstützung Jugendlicher durch soziale Dienstleister.
2. Theoretische Hintergründe des Wertewandels: Vorstellung zentraler Werteforscher sowie Definition materialistischer und postmaterialistischer Werte.
2.1 Ursachen von Wertewandel in der Gesellschaft: Analyse der Gründe für den Niedergang traditioneller Werte, wie etwa materielle Sicherheit und Globalisierung.
3. Die Auswirkungen des Wertewandels auf verschiedene Teilbereiche der Gesellschaft: Untersuchung der Folgen des Wertewandels auf das Zusammenleben in der Gesellschaft.
3.1 Auswirkungen des Wertewandels auf die klassische Kernfamilie: Diskussion des Wandels vom Familienideal hin zu pluralistischen Lebensformen.
3.2 Auswirkungen des Wertewandels auf Geschlechterrollen und Erwerbswelt: Betrachtung der Krise traditioneller Männlichkeitsbilder durch veränderte Erwerbsstrukturen.
3.3 Auswirkungen des Wertewandels auf die aktuelle Jugendgeneration: Charakterisierung der "Pragmatischen Generation" und des Spannungsfeldes zwischen Konsumorientierung und Sinnkrise.
4. Anforderungen an soziale Dienstleister im heutigen Wertepluralismus: Diskussion der Herausforderungen für pädagogische Institutionen in der modernen Gesellschaft.
4.1 Konsumverhalten und Depression durch Sinnvermittlung begegnen: Aufzeigen von Ansätzen zur Förderung der persönlichen Autonomie gegen die Flucht in den Konsum.
4.2 Durch Familienarbeit die Wertevermittlung stärken: Bedeutung elterlicher Erziehungsstile für die Werteentwicklung von Kindern.
4.3 Wertevermittlung durch Schul- und Jugendarbeit: Rolle der Schule als Sozialisationsinstanz und Vermittlerin demokratischer Werte.
4.4 Jugendliche Männer auf ein neues Rollenverständnis vorbereiten: Konzepte zur Erweiterung männlicher Rollenbilder durch die Jugendhilfe.
4.5 Die Vorbereitung Jugendlicher auf veränderte Anforderungen in der Arbeitswelt: Strategien zur Förderung von Übergangskompetenzen für den Einstieg in den Arbeitsmarkt.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Notwendigkeit demokratischer Wertevermittlung als präventives Instrument gegen gesellschaftliche Verunsicherung.
Schlüsselwörter
Wertewandel, Wertepluralismus, Jugendhilfe, Sinnstiftung, Postmoderne, Soziale Arbeit, Männlichkeitsbild, Erwerbswelt, Wertevermittlung, Depression, Lebensweltorientierung, Sozialisation, Pragmatische Generation, Identität, Wertehierarchie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Wertewandel in Deutschland und dessen Auswirkungen auf Jugendliche sowie die daraus resultierenden Herausforderungen für die soziale Arbeit und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation von Werten, den Folgen für Familienstrukturen und Erwerbswelt, der Sinnkrise in der Postmoderne sowie der praktischen Wertebildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten für soziale Dienstleister aufzuzeigen, um Jugendliche bei der Entwicklung eines eigenen Wertesystems und der beruflichen Integration zu unterstützen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Studien, ergänzt durch Praxisbezüge zur Jugendhilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Auswirkungen auf Familie, Geschlechterrollen und Jugendgenerationen sowie mit konkreten pädagogischen Ansätzen zur Wertevermittlung und Berufsvorbereitung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Wertewandel, Wertepluralismus, Sinnstiftung, soziale Arbeit und die Rolle des Individuums in der Postmoderne.
Inwiefern beeinflusst der Wertewandel die psychische Gesundheit Jugendlicher?
Der Autor argumentiert, dass der Mangel an Sinnstiftung und die Unsicherheit durch den Wertepluralismus mit einer Zunahme depressiver Symptome bei Jugendlichen korrelieren.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Wertevermittlung?
Schulen werden als wichtige Sozialisationsinstanzen begriffen, die neben der Wissensvermittlung auch demokratische Werte und Orientierungskompetenzen für das Leben in einer pluralistischen Gesellschaft fördern müssen.
- Arbeit zitieren
- Martin Kleefeldt (Autor:in), 2017, Der Wertewandel in der Bundesrepublik Deutschland und seine Auswirkung auf soziale Dienstleister. Dargestellt am Beispiel der Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425412