Einleitung
Die Diskussion um das Verhältnis von Sprache und Denken hat eine jahrhundertealte Tradition:
Schon Aristoteles verfocht vor fast 2000 Jahren die Ansicht, dass die Prozesse und Strukturen des Denkens die Struktur der Sprache bestimmen.
Diese Ansicht wird heute noch von den meisten Kognitionspsychologen vertreten. Dieser Analyse zufolge, ist die Sprache ein Werkzeug des Denkens, das so geformt wird, dass es den Anforderungen der kognitiven und kommunikativen Prozesse, denen es dient, gerecht wird. Somit ist die Sprache ein Mittel bzw. eine Möglichkeit, um bestimmte Ereignisse und Erfahrungen, welche gespeichert werden sollen, zu enkodieren, wobei die Funktion der Sprache bzw. des Sprechens Kommunikation ist.
Sprache ist zwar eine angeborene Fähigkeit, aber keine genetische Veranlagung. Menschen beginnen nicht automatisch zu sprechen, sondern erlernen Sprache in einem jahrelang andauernden Prozess. Dabei gibt es keinerlei Vorherbestimmtheit , die zur Erzeugung bestimmter Laute führen, so macht es für ein Kind keinen Unterschied, ob es im deutschen oder japanischen Sprachraum aufwächst. Das Kind wird immer die Sprache seiner direkten Umgebung annehmen, worauf unter 2.1 in der Theorie von J. Piaget näher eingegangen wird.
Festgehalten sei, dass das Sprechen zuallererst ein Mittel des sozialen Verkehrs, der Äußerungen und des Verstehens ist. Ohne Sprache oder ein anderes Zeichensystem wäre ein Verkehr bzw. Kommunikation zwischen den Menschen nicht möglich - oder nur auf primitivster Ebene und in eingeschränktem Umfang - wie im Tierreich - möglich. Bei der vorliegenden Arbeit steht die Frage nach der Beziehung zwischen Sprache und Denken im Vordergrund. Es soll also das Verhältnis zwischen Gedanke und Wort näher beleuchtet werden.
Wie klärt man aber nun die Beziehung zwischen Sprache und Denken ?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung unterschiedlicher Theorien
2.1.Die Theorie von J. Piaget
2.2.Die Theorie von W. Sterns
2.3.Die Theorie von B.L. Whorf
3. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Sprache und Denken, wobei der Fokus darauf liegt, wie diese beiden kognitiven Funktionen interagieren und sich gegenseitig beeinflussen. Ausgehend von der Forschungsfrage, inwieweit das Denken durch Sprache geformt wird oder umgekehrt, analysiert der Autor unterschiedliche theoretische Positionen, um den Handlungsspielraum des Menschen in der Wahrnehmung der Wirklichkeit zu beleuchten.
- Grundlagendiskussion des Verhältnisses von Sprache und Denken
- Entwicklungspsychologische Perspektive nach Jean Piaget
- Kognitive und sozialwissenschaftliche Ansätze von L.S. Wygotski
- Linguistischer Determinismus und die Whorf-Hypothese
- Kritische Reflexion der Wechselwirkung zwischen Wort und Gedanke
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Theorie von J. Piaget
Piagets Untersuchungen prägen eine ganze Epoche in der Entwicklung der Theorie über Sprechen und Denken des Kindes, über seine Logik und Weltanschauung. Dabei interessierte er sich nicht dafür, wie viel Kinder wissen oder wissen können, sondern dafür, wie ihr Denken und ihre inneren Vorstellungen von der äußeren Realität sich aus verschiedenen Stufen ihrer Entwicklung verändern. Vor allem die Natur der Veränderungen, der das Denken des Kindes im Verlauf der kognitiven Entwicklung unterworfen ist, gehörte zu seinen Beobachtungen.
Wie überführt also ein Kind spezifische konkrete Informationen in allgemeine abstrakte Begriffe?
Der Genfer Psychologe, welcher nie eine eigene Spracherwerbstheorie ausarbeitete, definierte Sprache und Spracherwerb als nicht eigenständige Faktoren und Gebiete der kindlichen Entwicklung. Sprache sei eben ein Teil der Gesamtentwicklung beim Kind (wie Denken, Handeln und Urteilen), der sich nicht isoliert für sich betrachten lasse, sondern immer in Auseinandersetzung mit der Welt und mit dem Weltbild des Kindes gesehen werden müsse und der in den jeweils herausgebildeten Schemata seine Ausprägung findet.
Sprache ist an erster Stelle "ein fertiggestelltes System“, das von der Gesellschaft entwickelt wird und für den Denkprozess der Personen, die es erlernen (bevor sie selbst zu seiner Bereicherung beitragen können) viele kognitive Instrumente enthält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Tradition der Diskussion über das Verhältnis von Sprache und Denken und führt in die grundlegende Fragestellung der Arbeit ein.
2. Darstellung unterschiedlicher Theorien: Dieser Hauptteil analysiert detailliert drei zentrale theoretische Ansätze, um die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen sprachlicher und kognitiver Entwicklung aufzuzeigen.
2.1.Die Theorie von J. Piaget: Das Kapitel erläutert Piagets Sichtweise, in der Sprache lediglich als instrumentelle Funktion innerhalb der allgemeinen kognitiven Gesamtentwicklung betrachtet wird.
2.2.Die Theorie von W. Sterns: In diesem Abschnitt wird die Position von Wygotski dargelegt, die davon ausgeht, dass Sprache und Denken zunächst getrennt entstehen und später miteinander verschmelzen.
2.3.Die Theorie von B.L. Whorf: Das Kapitel setzt sich kritisch mit dem linguistischen Determinismus und der Relativitätstheorie auseinander, die behaupten, dass das Denken durch die jeweilige Muttersprache determiniert sei.
3. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst die Schwierigkeiten einer eindeutigen Definition der Begriffe zusammen und betont, dass Denken und Sprechen stets die Struktur der Wirklichkeit mitgestalten.
Schlüsselwörter
Sprache, Denken, Kognitionspsychologie, Spracherwerb, Jean Piaget, L.S. Wygotski, B.L. Whorf, linguistischer Determinismus, linguistische Relativitätstheorie, Objektkonstanz, Symbolfunktion, egozentrisches Sprechen, Weltansicht, kognitive Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Untersuchung des wechselseitigen Verhältnisses von Sprache und Denken unter Einbeziehung kognitionspsychologischer Ansätze.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des kindlichen Denkens, die Rolle der Sprache als Werkzeug des Geistes sowie den Einfluss grammatikalischer Strukturen auf die Weltsicht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Frage zu klären, ob Sprache das Denken determiniert, ob das Denken der Sprache vorausgeht oder ob eine wechselseitige Beeinflussung vorliegt.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die verschiedene psychologische und linguistische Theorien vergleicht und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Theorien: Die Sichtweise von Jean Piaget, den Ansatz von L.S. Wygotski sowie die Hypothesen von B.L. Whorf.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Wesentliche Begriffe sind "Linguistischer Determinismus", "Egozentrisches Sprechen", "Symbolfunktion" und "kognitive Entwicklung".
Wie unterscheidet sich Wygotskis Verständnis des egozentrischen Sprechens von dem Piagets?
Während Piaget egozentrisches Sprechen als Ausdruck der Unfähigkeit zur Perspektivübernahme wertet, sieht Wygotski darin ein wichtiges Hilfsmittel des Kindes zur Selbststeuerung beim Problemlösen.
Warum wird die Whorf-Hypothese in der Arbeit als kritisch betrachtet?
Die Arbeit führt an, dass empirische Befunde, wie etwa die Untersuchung der Hopi-Sprache durch Gipper, die These einer vollständigen Sprachdeterminiertheit des Denkens widerlegen.
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- Kai-Oliver Müller (Author), 2004, Die Beziehung zwischen Sprache und Denken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42545