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Sozialintegration durch Religion?

Title: Sozialintegration durch Religion?

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 48 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Alexander-Kenneth Nagel (Author)

Sociology - Religion
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Summary Excerpt Details

Problemstellung

Was macht Religion mit Gesellschaft ? Ist sie der Kern alles Sozialen oder ein bloßes Epiphänomen ? Finden Menschen durch Religion nur zu sich selbst – oder auch zur Gesellschaft ? War und ist religiöser Pluralismus eine Bedrohung bestehender Sozialordnungen oder deren Voraussetzung ? – das Diskursfeld zwischen Religion und Integration ist gekennzeichnet durch eine hohe Polarisierung der vertretenen Auffassungen, welche nicht selten entlang etablierter politischer Konfliktlinien verlaufen.

Diese Arbeit ist der Frage gewidmet, ob und inwiefern Religionen zur Integration bzw. Desintegration von modernen Industriegesellschaften beitragen. Religionen werden dabei auf einer Makroebene aufgefasst als Dimension von Sozialstruktur (Affiliation zu religiösen Vereinen, Gemeinden etc.) sowie auf einer Mikroebene als Dimension individueller Situationsbestimmung (Identifikation mit religiösen Traditionen). Integration meint zunächst den Zusammenhalt von Teilen in einem (systemisch gedachten) Ganzen. Sie kann von den Teilen her gedacht werden als relational zum System oder aber absolut den Zusammenhang des Systems bezeichnen1. Ferner kann sich Integration sowohl auf eine Struktur als auch auf einen Prozess beziehen, indem sie entweder mehr auf die Entwicklung oder den Bestand einer Gesellschaft abstellt.

Da Integration also zumindest als weiter, wenn nicht gar „unbestimmter“ Begriff (Friedrichs/Jagodszinki) zu gelten hat, wird sie im Theorieteil dieser Arbeit nach einer knappen methodischen Einleitung jeweils im Kontext der einze lnen Konzepte von Religion und Sozialintegration näher besprochen. Den Abschluss des theoretischen Teils bilden einige Hypothesen, die im folgenden anhand des vorliegenden Datenmaterials geprüft werden.

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1 Friedrichs/Jagodszinski, S. 11, H. Esser 2000, S. 261f.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2. Problemstellung

3. Quellen, Daten und Methoden

4. Religion und Sozialintegration – Theorie

4.1 Eigenschaftsraum von Religion

4.2 Integrationstheorien der Religion

4.3 Monistische Konzepte

4.3.1 Religion und Gesellschaftsvertrag – Hobbes und Rousseau

4.3.2 Religion als Inbegriff des Sozialen – Emile Durkheim

4.3.3 Religion als System – Das systemtheoretische Paradigma

4.4 Das Pluralistische Konzept G. Simmels

4.4.1 Integration durch Überschneidung sozialer Kreise

4.4.2 Die Rolle der Religion

4.4.3 Zwischenfazit

4.5 Hypothesenbildung

4.5.1 Indikatoren für Religion

4.5.2 Indikatoren für Integration

4.5.3 Hypothesen

5. Religion und Sozialintegration – Empirie

5.1 Faktorenanalysen

5.1.1 Faktoren für Integration

5.1.2 Faktoren für Religion

5.2 Zusammenhangsanalysen

5.2.1 Überblick

5.2.2 Interpretation

6. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob und inwiefern Religionen zur sozialen Integration oder Desintegration in modernen Industriegesellschaften beitragen. Dabei wird ein explorativer Ansatz verfolgt, der theoretische Konzepte mit einer empirischen Analyse auf Basis der ISSP-Daten von 1991 und 1998 verbindet, um den komplexen Zusammenhang zwischen religiöser Praxis und systemischem Zusammenhalt zu beleuchten.

  • Sozialtheoretische Einordnung von Religion und Integration.
  • Differenzierung zwischen monistischen und pluralistischen Konzepten.
  • Hypothesenbildung zur Interdependenz von religiösen und sozialen Faktoren.
  • Empirische Überprüfung mittels Faktorenanalysen und multipler Regression.
  • Kritische Reflexion der Integrationsleistung von Religionen in der Moderne.

Auszug aus dem Buch

4.4.1 Integration durch Überschneidung sozialer Kreise

In seinem Aufsatz „Die Kreuzung sozialer Kreise“ entwirft Simmel das Programm der pluralistischen Konzepte von Religion als Faktor sozialer Integration. Soziale Kreise sind im weitesten Sinne geeinte Gruppen. Diese Einung kann aufgrund indisponibler (Geschlecht, Alter) und disponibler Merkmale (Interesse) der Beteiligten bewirkt werden. Die Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft wird nun dialektisch in den Zusammenhang des Einzelnen zu seinen sozialen Kreisen aufgelöst:

„Nachdem die Synthese des Subjektiven das Objektive hervorgebracht hat, erzeugt nun die Synthese des Objektiven ein neueres und höheres Subjektives – wie die Persönlichkeit sich an den sozialen Kreis hingibt und sich in ihm verliert, um dann durch die individuelle Kreuzung der sozialen Kreise in ihr wieder ihre Eigenart zurückzugewinnen.“

Soziale Kreise (oder: Strukturen) bestehen also nur in Trägerschaft durch die beteiligten Einzelnen, gleichzeitig aber erfolgt Individuation nur durch die je einzigartige Kombination sozialer Kreise, die der Einzelne aufweist. Je differenzierter eine Gesellschaft, desto mehr soziale Kreise weist sie auf, desto genauer bestimmbar ist der Einzelne (Individualisierung). Die Gefahr der Dissoziation, wie sie einer Gesellschaft etwa durch zunehmende Arbeitsteilung ankommen mag, wird hier nicht –wie bei Durkheim- durch ein soziales Band aufgefangen, sondern vielmehr in das Individuum hinein verlagert. Der Einzelne, die Schnittstelle sozialer Strukturen wird zum Kampfplatz der dissoziativen Tendenzen. Er reagiert darauf entweder mit psychischer Desintegration („seelischer Dualismus und Zerreißung“) oder aber mit einem gestärkten Ich-Bewusstsein:

„Je mannigfaltigere Gruppeninteressen sich in uns treffen und zum Austrag kommen wollen, um so entschiedener wird das Ich sich seiner Einheit bewusst.“

Zusammenfassung der Kapitel

2. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Debatte ein, ob Religion ein integrierender Kern oder ein desintegrierendes Epiphänomen moderner Gesellschaften ist.

3. Quellen, Daten und Methoden: Hier werden die methodischen Grundlagen dargelegt, insbesondere die Nutzung der ISSP-Surveys von 1991 und 1998 als empirische Basis.

4. Religion und Sozialintegration – Theorie: Dieser Abschnitt erarbeitet den theoretischen Rahmen und unterscheidet zwischen monistischen Ansätzen (Hobbes, Rousseau, Durkheim, Systemtheorie) und dem pluralistischen Konzept Simmels.

5. Religion und Sozialintegration – Empirie: Hier findet die statistische Auswertung statt, bei der durch Faktorenanalysen und multiple Regressionen die Hypothesen zur Integrationsleistung von Religion geprüft werden.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass ein globaler positiver Zusammenhang zwischen Religion und Integration nicht belegbar ist, zeigt jedoch spezifische Wirkungsmechanismen auf.

Schlüsselwörter

Sozialintegration, Religion, ISSP, Systemtheorie, Pluralismus, Monismus, Faktorenanalyse, Identifikation, Akzeptanz, Devianz, Individualisierung, Religionssoziologie, moderne Industriegesellschaft, soziale Kreise, empirische Sozialforschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Fragestellung, welche Rolle die Religion bei der Integration oder Desintegration moderner Industriegesellschaften spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Integrationsbegriffen sowie die empirische Untersuchung von religiösen Einstellungen und Verhaltensweisen in Bezug auf gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die explorative Bestimmung der Integrationsleistung von Religion, wobei die Forschungsfrage untersucht, ob ein positiver Zusammenhang zwischen Religion und Indikatoren der sozialen Integration besteht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden quantitative Verfahren verwendet, konkret Faktorenanalysen zur Datenreduktion und multiple Regressionen zur Prüfung von Wirkungszusammenhängen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Theoriearbeit, die verschiedene soziologische Denkansätze gegenüberstellt, und einen umfangreichen empirischen Teil, der Daten internationaler Surveys auswertet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind soziale Integration, Religion, Identifikation, Akzeptanz von Institutionen sowie die systemtheoretische und pluralistische Perspektive.

Wie unterscheidet sich das Modell von Simmel von dem der Systemtheorie?

Während die Systemtheorie die Integration durch Religion in modernen Gesellschaften skeptisch beurteilt und oft verneint, wertet Simmel den religiösen Pluralismus als einen weiteren sozialen Kreis, der die Gesellschaft auf komplexerem Niveau stabilisieren kann.

Welche Rolle spielt die "Devianzakzeptanz" im empirischen Teil?

Devianzakzeptanz dient im Modell als Indikator für Identifikation; sie misst, ob die Bereitschaft, das System oder die Gemeinschaft durch Fehlverhalten zu schädigen, mit religiösen Faktoren korreliert.

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Details

Title
Sozialintegration durch Religion?
College
University of Bremen  (Institut für empirische und angewandte Soziologie (EMPAS))
Course
Sozialintegrationstheorien
Grade
1,3
Author
Alexander-Kenneth Nagel (Author)
Publication Year
2003
Pages
48
Catalog Number
V42548
ISBN (eBook)
9783638405553
Language
German
Tags
Sozialintegration Religion Sozialintegrationstheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander-Kenneth Nagel (Author), 2003, Sozialintegration durch Religion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42548
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