Die spanische, d.h. kastilische Sprache ist mehreren Ländern der Welt Landessprache und wird in Mittel- und Südamerika sowie in Spanien gesprochen. Das Kastilische ist in all diesen Ländern in verschiedenster Form mit anderen Sprachen in Kontakt getreten, und dieser Kontakt hat die spanische Sprache maßgeblich beeinflusst. Betrachtet man heutzutage die Kontaktsprachen des Kastilischen in Spanien, so fallen vor allem das Baskische und das Katalanische auf. Katalonien besitzt eine sehr bewegte Geschichte, die nicht erst mit Francos Tod beginnt. Aber erst nach 1975 durften die katalanische Kultur und ihre Sprache nach einer langen Zeit der Unterdrückung wieder gelebt und gepflegt werden. Das Leben einer katalanischen Identität beginnt und endet für die Katalanen mit dem Sprechen ihrer Sprache.
Der großen Bedeutung, die der katalanischen Sprache im Bemühen um die katalanische Kultur zugemessen wird, wird vor allem durch die Pflege der Sprache Rechnung getragen. Der herausragenden Stellung der Sprache in Katalonien ist im Rahmen dieser Arbeit ein eigenes Kapitel gewidmet. Das Bemühen um die katalanische Sprache fand in den letzten 30 Jahren nicht zuletzt durch die Gesetzgebung statt. In diesem Zusammenhang sind neben dem Autonomiestatut für Katalonien vor allem die beiden sprachenpolitischen Gesetze, die llei 7/1983, de 18 de abril, de normalizació lingüística1, und die llei 1/1998, de 7 de gener, de política lingüística2, zu nennen.
Letzteres soll in dieser Arbeit in seinen wichtigsten Aspekten angesprochen und seine Wirkungsweise dargelegt werden. Für die Untersuchung der Auswirkungen des Gesetzes 1/1998 wurden mehrere von der Generalitat Kataloniens herausgegebene sprachenpolitische Berichte verwendet. Neben dem Gesetz selbst dienten der Informe de política lingüsitica von 2003, der Cens lingüístic von 2001 und die Estadística d’usos lingüístics a Catalunya von 2003 der Beurteilung der linguistischen Situation Kataloniens. Vorweg sollte aber die Frage geklärt werden, ob das Gesetz von 1998 unter die begriffliche Definition von „Sprachpolitik“ bzw. „Sprachenpolitik“ zu subsumieren ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die besondere Rolle der Sprache in Katalonien
3. Der Weg zum sprachenpolitischen Gesetz 1/1998, llei de política lingüística
4. Das Gesetz 1/1998 als Maßnahme von Sprachenpolitik
5. Die Auswirkungen des Gesetzes 1/1998, der llei de política lingüística
5.1 Ziel und Gegenstand
5.2 Llengua pròpia und llengües oficials
5.3 Öffentliche Verwaltung
5.4 Justiz und Recht
5.5 Onomatologie
5.6 Bildung
5.6.1 Nicht-universitäre Ausbildung
5.6.2 Universitäre Ausbildung
5.6.3 Erwachsenenbildung
5.7 Rundfunk und Fernsehen
5.8 Presse
5.9 Bücher und Literatur
6. Die Entwicklung der Sprachkenntnisse in der Bevölkerung
6.1 Die Bevölkerung spanischer Nationalität
6.2 Die Bevölkerung ausländischer Nationalitäten
6.3 Gesamtbetrachtung
7. Der Gebrauch des Katalanischen
8. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachpolitischen Maßnahmen in Katalonien, insbesondere die Auswirkungen des Gesetzes 1/1998 (llei de política lingüística) auf den Status und Gebrauch des Katalanischen in verschiedenen Lebensbereichen. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit das Gesetz dazu beigetragen hat, das Katalanische als zentrale Sprache der katalanischen Identität zu etablieren und die Zweisprachigkeit in der Region zu fördern.
- Sprachenpolitische Gesetzgebung in Katalonien (Gesetz 7/1983 und Gesetz 1/1998)
- Status des Katalanischen als llengua pròpia und Amtssprache
- Implementierung in öffentlichen Institutionen, Justiz, Bildungswesen und Medien
- Quantitative Entwicklung der Sprachkenntnisse und des Sprachgebrauchs
- Integrationsfunktion des Katalanischen bei der ausländischen Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
2. Die besondere Rolle der Sprache in Katalonien
Während des diktatorischen Regimes Francos waren alle Regionalsprachen Spaniens geächtet und nur das Kastilische als Landes-, Amts- und Umgangssprache erlaubt, was nahezu zu einem gänzlichen Verschwinden der katalanischen Sprache aus dem öffentlichen Leben geführt hatte. In den 80er Jahren konnten die Katalanen eine merkliche Wende feststellen, die vor allem von der katalanischen Tageszeitung AVUI und der Generalitat durch permanente Kampagnen und merkliche Änderungen, das tägliche Leben betreffend forciert wurde. Die katalanische Sprache wurde schon vorher im Kampf um die Autonomie Kataloniens als Werkzeug eingesetzt, nach ihrer Wiedererlangung aber wurde die katalanische Sprache zu einer Art Symbol der katalanischen Identität.
Die enormen Anstrengungen, die unternommen worden sind, um das Katalanische wieder zur Sprache des täglichen Lebens zu erheben, lassen sich mit zweierlei Zielsetzung erklären: Einerseits geht es dabei um die Aufwertung der katalanischen Sprache, besonders im Konflikt mit dem Kastilischen; andererseits bezwecken diese Anstrengungen die Aufwertung der Geschichte Kataloniens, besonders im Konflikt mit den Inhalten der nationalen spanischen Einheit und Identität. Gerade in Katalonien ist die Sprache ein bedeutendes und zudem wirksames politisches Werkzeug.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung der katalanischen Sprache und Vorstellung der relevanten sprachenpolitischen Gesetze als Basis dieser Untersuchung.
2. Die besondere Rolle der Sprache in Katalonien: Analyse der katalanischen Sprache als identitätsstiftendes Symbol und politisches Werkzeug nach der Zeit der Unterdrückung unter Franco.
3. Der Weg zum sprachenpolitischen Gesetz 1/1998, llei de política lingüística: Rückblick auf die Vorläufergesetzgebung von 1983 und die gesellschaftspolitischen Forderungen, die zur Verabschiedung des neuen Gesetzes 1998 führten.
4. Das Gesetz 1/1998 als Maßnahme von Sprachenpolitik: Theoretische Einordnung des Gesetzes als staatliche, politisch motivierte Intervention in einem multilingualen Kontext.
5. Die Auswirkungen des Gesetzes 1/1998, der llei de política lingüística: Detaillierte Untersuchung der gesetzlichen Implementierung in Bereichen wie Verwaltung, Justiz, Bildung, Medien und Kultur.
6. Die Entwicklung der Sprachkenntnisse in der Bevölkerung: Auswertung statistischer Daten zur Sprachkompetenz (Verstehen, Sprechen, Lesen, Schreiben) unter Berücksichtigung von Alter und Nationalität.
7. Der Gebrauch des Katalanischen: Analyse des tatsächlichen Sprachverhaltens und der Verwendung der Sprachen in familiären und öffentlichen Alltagssituationen auf Basis einer aktuellen Umfrage.
8. Schlussbemerkungen: Fazit zur Wirksamkeit des Gesetzes und Ausblick auf künftige Herausforderungen durch Immigration und Globalisierung.
Schlüsselwörter
Katalonien, Katalanisch, Sprachenpolitik, Gesetz 1/1998, llei de política lingüística, Generalitat, Kastilisch, Zweisprachigkeit, Identität, Sprachkompetenz, Normalisierung, Integration, Sprachgebrauch, Autonomie, Sprachgesetzgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moderne Sprachenpolitik in Katalonien und untersucht speziell die Wirksamkeit des sprachenpolitischen Gesetzes 1/1998 auf den Status des Katalanischen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der gesetzlichen Verankerung der Zweisprachigkeit, der Förderung des Katalanischen in öffentlichen Institutionen und Medien sowie der Entwicklung der Sprachkompetenz in der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, wie das Gesetz 1/1998 zur Normalisierung des Katalanischen beigetragen hat und wie die Gesellschaft auf diese Maßnahmen reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf der Auswertung offizieller sprachenpolitischer Berichte, statistischer Daten (Volkszählungen) und aktueller Umfrageergebnisse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung, eine detaillierte Analyse der Gesetzesauswirkungen auf spezifische Lebensbereiche (Verwaltung, Justiz, Bildung, Medien) sowie die statistische Auswertung der Sprachkenntnisse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Katalanisch, Sprachenpolitik, Gesetz 1/1998, Zweisprachigkeit, Katalonien, Identität, Integration.
Wie hat sich die Sprachkompetenz der Einwanderer entwickelt?
Die Daten zeigen, dass vor allem jüngere Generationen und Kinder von Einwanderern durch das Schulsystem Katalanischkenntnisse erwerben, während bei älteren Zuwanderern oft das Kastilische dominiert.
Warum ist das Bildungssystem für die Sprachenpolitik so zentral?
Das Schulsystem dient als primäres Instrument der Katalanisierung, da es sicherstellt, dass die nachfolgenden Generationen unabhängig von ihrer Herkunftssprache zweisprachig aufwachsen.
Welche Rolle spielt die Justiz bei der Etablierung des Katalanischen?
Obwohl das Gesetz 1/1998 die Gleichberechtigung anstrebt, stößt die vollkommene Katalanisierung der Justiz an Grenzen, da das gesamtspanische Recht das Kastilische als allgemeine Prozesssprache definiert.
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- Katharina Kirsch de Fernandez (Author), 2005, Sprachenpolitik in Katalonien: Das Gesetz 1/1998, llei de política lingüística und die aktuelle Situation des Katalanischen in Katalonien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42549