Erklären und Beschreiben mit Bildergeschichten


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung in den Lehrplan

3. Bildergeschichte
3.1 Merkmale einer Bildergeschichte
3.2 Papa Moll und die misslungene Suppe

4. Beschreiben und Erzählen
4.1 Merkmale des Beschreibens
4.2 Merkmale des Erzählens
4.3 Die Progression vom Beschreiben zum Erzählen
4.4 Didaktische Implikationen zur Bildergeschichte

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich zum Einen mit der Frage, ob Bilderge­schichten der Kategorie „Beschreiben“ oder „Erzählen" zugeordnet werden müssen. Wo werden die Grenzen gezogen und wo gibt es vielleicht fließende Übergänge? Zum Anderen gebe ich einen Überblick über den didaktischen Einsatz von Bilderge­schichten in Grundschulen. Welche kognitiven Voraussetzungen müssen dafür ge­geben sein und eignen sich Bildergeschichten überhaupt zum Erlernen narrativer und beschreibender Strukturen?

Im Seminar „Kommunikative Praktiken“ im Sommersemester 2016 beschäftigten wir uns unter anderem mit der kommunikativen Praxis „Beschreiben“. Drei meiner Kommilitonen und ich arbeiteten ein Referat dazu heraus, bei dem mich vor allem die Bildbeschreibung faszinierte. Ich erinnerte mich an meinen Deutschunterricht in der Grundschule, in dem meine Lehrerin gerne Bildergeschichten von „Papa Moll“ und „Der kleine Herr Jakob“ als Mittel zum Üben von Aufsätzen verwendete. Mir gefiel diese Art von Aufsätzen immer sehr und es motivierte mich zum Schreiben. Aber was genau tat ich dabei eigentlich? Beschrieb ich die einzelnen Bilder und fügte sie nur mit wenigen Worten zusammen oder entwarf ich eine Erzählung aus der Abfolge von Bildern? Um nicht den Rahmen dieser Arbeit zu sprengen, gebe ich zu den Praktiken „Beschreiben“ und „Erzählen“ nur einen groben Überblick und widme mich dann den didaktischen Implikationen zur Bildergeschichte.

2. Einordnung in den Lehrplan

Im Nord-Rhein-Westfälischen Lehrplan für Grundschulen sollen die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden als SuS bezeichnet) im Bereich des Schreibens (Kom­petenzerwartung 3.2) lernen, Sachverhalte, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu verschriftlichen. Dabei lernen sie geeignete Textmuster und Sprachmittel kennen, mit denen sie ihre Schreibabsichten bewusst gestalten können.

Am Ende der Schuleingangsphase sollen die Kinder eigene Texte nach Vorgaben schreiben können. Diese Vorgaben sind beispielsweise Erlebnisse oder Texte in Anlehnung an Bilderbücher (Bildergeschichten). Am Ende der vierten Klasse sollten SuS in der Lage sein, Phantasiegeschichten zu produzieren.[1]

3. Bildergeschichte

3.1 Merkmale einer Bildergeschichte

Eine Bildergeschichte ist eine Abfolge von mindestens zwei logisch zusammen hän­genden Bildern, die zusammen „eine Handlung, einen Vorgang, ein Geschehen"[2] ergeben. Man spricht von kleinen Höhepunkterzählungen, die meistens eine witzige Pointe haben. Sowohl die innere als auch die äußere Handlung dieser Erzählungen sind von den Vorgaben der Bilder und somit von der Intention des Autors bzw. Zeichners bestimmt.[3] Laut Kliewer und Pohl ist die Bildergeschichte eine „Form des Nacherzählens, die auf der sprachlich-geistigen Auseinandersetzung mit einem Bild (Bildgeschichte) oder einer Bilderfolge (Bildergeschichte) basiert."[4] Eine Bildergeschichte hat sprachliche Voraussetzungen, wie eine logisch zusam­menhängende Struktur bzw. Reihenfolge, die beim Verfassen eingehalten werden muss. Sie kann im Präsens aber auch im Präteritum stehen. Hat man sich für einen Tempus entscheiden, darf dieser während der Geschichte nicht mehr gewechselt werden.[5] Meistens werden Aufsätze zu Bildergeschichten jedoch im Präteritum ver­fasst. Zu beachten ist, dass der Inhalt der Geschichte nicht von dem Inhalt der Bil­der abweicht.[6] Die Schwierigkeit einer Bildergeschichte ist die kognitive Schritt-für- Schritt-Verarbeitung der einzelnen Bilder und das Erkennen des Höhepunktes und der anschließenden Pointe. Die Bilder müssen zu einer Geschichten-Einheit ver­schmelzen. Dabei wird die Kreativität gefordert, denn es gibt Lücken zwischen den einzelnen Bildern zu füllen und ein Rahmen sowie eine Überschrift müssen geschaf­fen werden.[7]

3.2 Papa Moll und die misslungene Suppe

Eines Tages kochte Papa Moll für sich und seinen Sohn eine Suppe zum Mittages­sen. Als der Sohn zu ihm in die Küche kam, sah dieser den dunklen Rauch, der vom Herd aufstieg und rümpft die Nase, da es verbrannt roch. Als die beiden am Ess­tisch saßen, mochte der Sohn die Suppe nicht essen. Daraufhin forderte Papa Moll ihn auf, den Teller leer zu machen, da er dafür lange in der Küche gestanden hatte.

Aber der Sohn stocherte nur missmutig in seiner Suppe herum. Schließlich kam er auf die Idee, dem Hund das Essen in dessen Napf zu schütten. Papa Moll schimpf­te: „Wie kannst du das tun? Das gute Essen!". Doch als er sah, dass sogar der ver­fressene Hund die Suppe mied und den Napf mit seinem Hinterbein wegstieß, gab auch er zu, dass ihm das Essen nicht schmeckte und schüttete seine Suppe ins Spülbecken. Damit die beiden doch noch zu ihrem Mittagessen kamen, gingen sie in die Konditorei um die Ecke, wo sie sich Kuchen schmecken ließen und der Hund einen leckeren Knochen bekam.

4. Beschreiben und Erzählen

4.1 Merkmale des Beschreibens

Beim Beschreiben werden mit sprachlichen Mitteln sachgerechte Informationen zu­sammenhängend und geordnet dargestellt. Beschrieben wird zum Beispiel ein Ge­genstand, eine Person, ein Vorgang oder ein Bild. „Entwicklungen und Prozesse [werden] in ihrer mehr oder weniger komplexen Struktur"[8] erfasst und in Sprache gefasst. Dabei weißder Beschreiber zunächst mehr über das zu beschreibende Objekt bzw. den Sachverhalt als der Leser/Hörer und führt diesen während des Be­schreibens durch einen sogenannten „Gang durch den Vorstellungsraum"[9]. Die we­sensbestimmenden Eigenschaften und Beziehungen des zu beschreibenden Ob­jekts müssen hervorgehoben werden, um es für den Leser/Hörer nachvollziehbar und überschaubar zu machen. Dabei muss zwischen subjektiver und objektiver Sichtweise unterschieden werden. Ist ein sachlich-informativer Text zu gestalten, sollte die persönliche Anteilnahme zurückgenommen werden. Bei der Bildbeschrei­bung werden zum Beispiel nur natürlich wiedererkennbare Dinge beschrieben. An­ders ist es bei der Bildanalyse oder der Bildinterpretation, wie zum Beispiel bei Landschaftsbeschreibungen oder Kunstgegenständen. Hierbei „erhöht sich der An­teil von Subjektivität."[10]

An dieser Stelle gilt es kurz zu erwähnen, dass mit dem „Beschreiben" die sprachli­che Tätigkeit gemeint ist, mit der etwas Wahrnehmbares sprachlich ausgedrückt wird und die „Beschreibung“ ist das gesellschaftlich bewährte Textmuster innerhalb der kommunikativen Gattung deskriptiver Texte.[11]

Beschreiben bedeutet nicht automatisch „Schreiben“. Der größte Teil unserer Sprachtätigkeit und damit auch des Beschreibens findet mündlich statt, zum Beispiel Wegbeschreibungen. Besonders wichtig und didaktisch wertvoll ist mündliches Be­schreiben für den Unterricht, denn die Schüler müssen lernen, Arbeitsaufträge vom Lehrer und dessen Vorgangsbeschreibungen nachzuvollziehen, um anschließend gezielt arbeiten zu können. Beschreiben deutet jedoch stark auf Schriftlichkeit hin, durch die „kognitive Ordnung, der eine Beschreibung gehorchen sollte“[12]. Diese kann, in einer von Spontanität geprägten mündlichen Situation, nur schwierig befolgt werden. Generell beschreiben wir jedoch sowohl mündlich als auch schriftlich.[13]

Um etwas beschreiben bzw. einer Beschreibung folgen zu können, muss man be­stimmte kognitive Voraussetzungen mitbringen. Zum Beispiel eine „figural-räumliche Vorstellung von Dingen, Personen, Orten, Lagen und Wegen [sowie] die Fähigkeit zum Abstrahieren“[14], um eine überdetaillierte Beschreibung zu vermeiden. Außer­dem muss das mentale Lexikon soweit entwickelt sein, dass es gespeicherte Be­deutungen abgleichen kann.[15] Im Vorfeld muss sichergestellt werden, dass Be­schreiber und Hörer/Leser über einen entsprechenden Wortschatz verfügen, der für die zu beschreibende Sache relevant ist. Im optimalen Fall sollten die beteiligten Personen möglichst über den gleichen Wortschatz verfügen. Sollen die Kinder in der Schule zum Beispiel eine vom Lehrer erfundene Maschine beschreiben können, ist es zunächst hilfreich, die Abbildung der Maschine entsprechend zu beschriften. Da­bei wäre es günstig, nicht nur Nomen, sondern auch Verben, Adjektive und Präposi­tionen zu verwenden, um daraus anschließend eine schlüssige Beschreibung der Maschine zu erstellen. Zu dem jeweiligen Sach- und Fachwortschatz, sollte man zusätzlich über einen eigenen Beschreibungswortschatz verfügen.[16] Gerade beim mündlichen Beschreiben neigen wir zu deiktischen Ausdrücken, da wir den Vorgang oder das Bild mental genau vor Augen haben. Ausdrücke wie „da oben“ oder „so rum“ sind für den Leser/Hörer nicht nachvollziehbar. Daher sollte beim Beschreiben auf ein präzises Beschreibungsvokabular geachtet werden.[17]

Im Unterricht ist es wichtig, im Vorfeld festzulegen, zu welchem Zweck eine Be­schreibung verfasst werden soll, um die Genauigkeit, Richtigkeit und Vollständigkeit sicher zu stellen.[18] So gibt es die Unterscheidung zwischen der Gegenstands-, der Personen-, der Landschafts- und der Vorgangsbeschreibung. In der Grundschule lernen die Kinder zunächst „äußerlich wahrnehmbare Eigenschaften von Gegen­ständen und Vorgängen noch relativ aneinandergereiht wieder[zu]geben"[19]. Wäh­rend bei der Gegenstandbeschreibung über Dinge, Erscheinungen oder Zustände sachlich informiert wird, werden bei der Vorgangsbeschreibung, „Handlungen, Ab­läufe oder Prozesse"[20] sachbezogen und informierend dargestellt.

Das Ziel bei der Vorgangsbeschreibung ist es, essentielle Phasen eines Vorgangs zu einem Gesamtverlauf zusammen zu fassen. Dafür muss der Beschreiber die wesentlichen Merkmale des Vorgangs erkennen und diese so detailliert wie möglich darstellen, sodass der Leser/Hörer den Ablauf nachvollziehen kann. Diese Eigen­schaften der Vorgangsbeschreibung und auch die Relevanz der dabei einzuhalten­den Reihenfolge ähneln sehr stark den Merkmalen einer Bildergeschichte. Erst „das Nacheinander der Teilvorgänge führt zu einer linearen Struktur des Textes."[21] Wäh­rend eine unpersönliche Ausdrucksweise dazu dient, eine Beschreibung allgemein gültig zu gestalten, können bzw. sollen bei Vorgangsbeschreibungen und insbeson­dere bei Bildergeschichten „subjektives Empfinden und Beobachten, Lebendigkeit und sprachliche Genauigkeit, Einfallsreichtum und klare Strukturierung bewusst mit­einander verbunden werden und sich wechselseitig stimulieren."[22], um diese leben­dig zu machen.

Erst am Anfang der Sekundarstufe lernen die Kinder „Beschreibungen von Gegen­ständen mit denen von Vorgängen zu verbinden"[23] sowie insgesamt „Wirklichkeits­ausschnitte in ihrem Beziehungsgefüge zu erfassen und zu versprachlichen."[24] Im Laufe der Zeit werden die Beschreibungen dann zu Erklärungen umgeformt und mit Anleitungen verbunden.[25]

[...]


[1] Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule (2016). Kompetenzerwartung im Bereich Schreiben. 3.2. URL: http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator- grundschule/deutsch/lehrplan-deutsch/kompetenzen/index.html [25.10.2016].

[2] Thalheim, P. (1998). Unterrichtspraxis Aufsatz. Handbuch für Sekundarstufe I. Oldenburg, 4. Kapitel.

[3] Ebd.

[4] Kliewer, H., Pohl, I. (2006). Lexikon Deutschdidaktik. Band 1 A-L. Baltmannsweiler, S. 132.

[5] Becker, T. (52015). Kinder lernen erzählen. Zur Entwicklung der narrativen Fähigkeiten von Kindern unter Berücksichtigung der Erzählform. Baltmannsweiler, S. 62.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Becker, T. (52015). Kinder lernen erzählen. Zur Entwicklung der narrativen Fähigkeiten von Kindern unter Berücksichtigung der Erzählform. Baltmannsweiler, S. 44.

[9] Fix, M. (22008). Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. Paderborn, S.99.

[10] Ebd.

[11] Feilke, H., Pohl, Th. (2014). Schriftlicher Sprachgebrauch. Texte verfassen. Baltmannsweiler, S.254.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Becker, S. (2013). Voraussetzung und Teilkompetenzen des Beschreibens. Deutsch 5-10 35, S. 32.

[15] Ebd.

[16] Ebd., S. 33.

[17] Ebd.

[18] Kliewer, H., Pohl, I. (2006). Lexikon Deutschdidaktik. Band 1 A-L. Baltmannsweiler, S. 44.

[19] Ebd.

[20] Ebd., S. 46.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Ebd., S. 47.

[24] Ebd., S. 44.

[25] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erklären und Beschreiben mit Bildergeschichten
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V425538
ISBN (eBook)
9783668702462
ISBN (Buch)
9783668702479
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erklären, beschreiben, bildergeschichten
Arbeit zitieren
Anja Ruege (Autor:in), 2015, Erklären und Beschreiben mit Bildergeschichten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425538

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