In den letzten Jahren erlebte Deutschland einen wahren „Flüchtlings-Boom“. In den Jahren von 2015 bis 2017 wurden in Deutschland 1.362.586 Erstanträge auf Asyl eingereicht. Zum Vergleich: In den Jahren von 2012 bis 2014 waren es lediglich 347.191 Erstanträge, also rund 75% weniger. Diese Zahlen wirken sich natürlich auch auf das deutsche Bildungssystem aus, denn so strömen immer mehr Kinder, die Deutsch als Zweitsprache neu erlernen müssen, in die Schulen.
Aus der Aktualität dieses Themas heraus ist es naheliegend, die Förderung dieser Kinder noch einmal genauer in den Blick zu nehmen. Deswegen beschäftigt sich diese Arbeit mit der Studie von Raphaela Schätz zur mündlichen Erzählentwicklung von DaZ-Grundschulkindern. Bisheriges Wissen zur Entwicklung von Erzählen soll mit in die Betrachtungen einbezogen werden.
Da sich diese Arbeit mit einer speziellen Studie befasst, wird diese auch als Hauptliteratur dienen. Des Weiteren wird die von Schätz verwendete Literatur genauer betrachtet werden, um ein eigenes Bild vom Forschungsstand zum Zeitpunkt von Schätz‘ Studie zu erlangen.
Das Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Studie, um die bisherigen Förderungsansätze und deren Wirksamkeit zu überprüfen. Dazu soll folgende Frage beantwortet werden: Wie lassen sich durch die Ergebnisse von Schätz‘ Studie die Fördermöglichkeiten für DaZ-Grundschulkinder zusammenfassen und bewerten? Dazu sollen zunächst die wichtigsten Begriffe, wie beispielsweise Muttersprache und Zweitsprache, erklärt werden, denn diese sind Grundlage für das Verständnis der nachfolgenden Ausführungen. Ebenfalls wichtige Grundlagen sind die bisherigen Erkenntnisse zu den Komponenten, zum Erwerbsverlauf und zur Förderung der mündlichen Erzählfähigkeit. Deshalb werden diese im Anschluss an die Begriffsbestimmungen ausführlich erläutert. Bezüglich der Förderung mündlicher Erzählfähigkeit soll dann ein kurzer Einblick in das von Schätz‘ betrachtete Sprachförderprogramm MITsprache gegeben werden, damit danach Schätz‘ Fragestellung sowie die Ergebnisse der Studie erläutert werden können.
Aufgrund des Umfanges dieser Arbeit erfolgt die Fokussierung auf die sprachlichen Komponenten der mündlichen Erzählfähigkeit, personale oder situative Faktoren werden bewusst ausgeklammert, da diese in Schätz‘ Studie eine eher untergeordnete Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Begriffsbestimmungen
3 Komponenten mündlicher Erzählfähigkeit
3.1 Basale sprachliche Fähigkeiten
3.2 Spezifische pragmatische Fähigkeiten
4 Erwerbsverlauf der sprachlichen Komponente mündlicher Erzählfähigkeit zweisprachiger Kinder
4.1 Erwerb der basalen sprachlichen Fähigkeiten
4.2 Erwerb der spezifischen pragmatischen Fähigkeiten
5 Förderung der mündlichen Erzählfähigkeit in Deutsch als Zweitsprache
5.1 Förderung der basalen sprachlichen Fähigkeiten
5.2 Förderung der spezifischen pragmatischen Fähigkeiten
6 MITsprache als Sprachförderprogramm
7 Empirische Studie nach Schätz
7.1 Fragestellungen
7.2 Ergebnisse
8 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Wirksamkeit des Sprachförderprogramms "MITsprache" bei DaZ-Grundschulkindern, wobei der Fokus auf der Entwicklung ihrer mündlichen Erzählfähigkeiten unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Sprachentwicklung liegt.
- Analyse basaler sprachlicher Komponenten wie Phonetik, Semantik und Syntax.
- Erforschung spezifischer pragmatischer Fähigkeiten für kohärentes Erzählen.
- Untersuchung der Förderansätze und deren praktische Umsetzung im Schulalltag.
- Evaluierung der empirischen Ergebnisse der Studie von Raphaela Schätz.
- Vergleich des Erwerbsverlaufs bei zweisprachigen Kindern im Vergleich zu einsprachigen Kindern.
Auszug aus dem Buch
3.1 Basale sprachliche Fähigkeiten
Die basalen sprachlichen Fähigkeiten beinhalten die Bereiche Phonetik und Phonologie, Semantik und Lexikon sowie Morphologie und Syntax. Diese sollen im Folgenden knapp beschrieben werden.
Der Bereich der Phonetik und Phonologie ist für das Mündliche wesentlich. Auf Seiten der Phonetik umfasst er die sprachlichen Laute sowie die Bildung von Sprachlauten, auf Seiten der Phonologie die Funktion von Lauten. Des Weiteren spielen auch Merkmale wie Intonation, Lautheit, Sprechtempo und Sprechrhythmus und deren Erkennen eine wichtige Rolle im Bereich der Phonetik und Phonologie.
Der semantisch-lexikalische Bereich der basalen sprachlichen Fähigkeiten bezieht sich auf die Bedeutung von Sprache. Die lexikalische Ebene kann auch als Wortschatz bezeichnet werden, denn sie enthält phonologische, semantische und syntaktische Eigenschaften von Wörtern. Die semantische Ebene hingegen bezieht sich auf Bedeutungen von Zeichen, die dann Sachverhalten oder Objekten in der Wirklichkeit zugeordnet werden. Sie umfasst also beispielsweise die Bedeutung von Wörtern oder Sätzen.
Die dritte wichtige Ebene der basalen sprachlichen Fähigkeiten ist die der Morphologie und Syntax. Dieser Bereich umfasst allgemein gesagt die Grammatik bzw. die Regeln einer Sprache. Die Morphologie beinhaltet die Wortbildung und dabei insbesondere die Flexion von Wörtern. Auch Regeln zur Neubildung von Wörtern können zur Morphologie gezählt werden. Die Syntax hingegen bezieht sich auf das Zusammenstellen von Sätzen mithilfe von Wörtern.
Zusammengefasst gehören zu den basalen sprachlichen Fähigkeiten also die Bildung und Aussprache einzelner Laute, der Lautgebrauch, der Wortschatz, die Bedeutung von Zeichen bzw. Wörtern sowie die Wortbildung und die korrekte Bildung von Sätzen. All diese Fähigkeiten sind unumgänglich für das Erzählen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Sprachförderung für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache in Deutschland und definiert das Ziel der Arbeit, die Studie von Schätz zu analysieren.
2 Grundlegende Begriffsbestimmungen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Mutter-, Fremd- und Zweitsprache voneinander abgegrenzt.
3 Komponenten mündlicher Erzählfähigkeit: Es erfolgt eine theoretische Einteilung der Erzählfähigkeit in basale sprachliche sowie spezifische pragmatische Fähigkeiten.
4 Erwerbsverlauf der sprachlichen Komponente mündlicher Erzählfähigkeit zweisprachiger Kinder: Dieses Kapitel beschreibt, wie zweisprachige Kinder basale und pragmatische sprachliche Strukturen erwerben.
5 Förderung der mündlichen Erzählfähigkeit in Deutsch als Zweitsprache: Es werden didaktische Ansätze vorgestellt, wie die zuvor definierten sprachlichen Komponenten gezielt gefördert werden können.
6 MITsprache als Sprachförderprogramm: Vorstellung des spezifischen Förderprogramms, das als Grundlage für die betrachtete empirische Untersuchung dient.
7 Empirische Studie nach Schätz: Darlegung der Forschungsfragen und der Ergebnisse der Studie hinsichtlich der Wirksamkeit von Sprachförderung.
8 Schluss: Fazit der Arbeit mit einer zusammenfassenden Bewertung der Studienergebnisse zur Wirksamkeit des Förderprogramms.
Schlüsselwörter
DaZ, Deutsch als Zweitsprache, mündliche Erzählfähigkeit, Sprachförderung, MITsprache, basale sprachliche Fähigkeiten, pragmatische Fähigkeiten, Sprachentwicklung, Syntax, Semantik, Grundschule, Zweitspracherwerb, Raphaela Schätz, Sprachstandstest, Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten der Förderung von Deutsch als Zweitsprache bei Grundschulkindern, basierend auf der empirischen Studie von Raphaela Schätz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt den Spracherwerb (basal und pragmatisch), Fördermethoden und die spezifische Evaluation des Programms "MITsprache".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu bewerten, wie durch die Ergebnisse der Studie von Schätz die Wirksamkeit von Fördermaßnahmen für DaZ-Kinder eingeschätzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die Auswertung und kritische Auseinandersetzung mit der empirischen Studie von Schätz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit vermittelt?
Der Hauptteil erarbeitet die theoretischen Grundlagen der Sprachentwicklung und überträgt diese auf die praktische Sprachförderung und die empirischen Ergebnisse der Studie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören DaZ, Sprachförderung, Erzählfähigkeit, Pragmatik, Syntax und die Evaluation von Förderprogrammen.
Wie unterscheidet sich der Erwerb von basalen Fähigkeiten bei DaZ-Kindern?
DaZ-Kinder zeigen teilweise einen anderen Erwerbsverlauf als einsprachige Kinder, wobei der Prozess des Artikelerwerbs oder der syntaktischen Strukturen komplexer sein kann.
Warum spielt das Programm "MITsprache" eine zentrale Rolle?
Es fungiert als konkretes Fallbeispiel, anhand dessen die Wirksamkeit von Theorie-basierter Sprachförderung in der Grundschule empirisch untersucht wird.
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- Anja Elfert (Author), 2018, Deutsch als Zweitsprache fördern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425590