Deutsch wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt, vor allem jedoch in den Nachbarländern. Eines davon ist Frankreich. In meiner Bachelorarbeit verglich ich (als Studentin der Fächer Deutsch und Französisch) den dortigen Fremdsprachenunterricht mit dem meines Heimatlands. Schwerpunkte waren Methoden, Sozialformen und Medien, die bei der Vermittlung der deutschen Sprache in Frankreich und im Französischunterricht in Deutschland eingesetzt werden.
Auch meine Masterarbeit hat zum Ziel, einen fächerübergreifenden Beitrag zur Fremdsprachendidaktik zu leisten. Im Fokus steht der Fremdsprachenunterricht in Frankreich und die dortige Vermittlung der deutschen Schriftsprache.
Während meines neunmonatigen Auslandsaufenthalts in Lorient hatte ich die Gelegenheit, ein Deutschtutorium für die Germanistikstudenten an der Université de Bretagne-Sud zu leiten. In dieser Zeit habe ich mitbekommen, dass den meisten Lernern der Umgang mit der deutschen Schriftsprache sehr schwer fällt, auch wenn sie sich sogar dazu entschieden haben, das Fach Deutsch zu studieren. Besonders das Verfassen längerer Texte war für viele Studenten eine unüberwindbare Hürde, da sie sich mit zu vielen Faktoren konfrontiert sahen, auf die sie achten mussten (Grammatik, Rechtschreibung, Satzkonstruktionen, Stilistik…). Dies ergab eine Umfrage, die im Rahmen meiner Bachelorarbeit in dem Deutschkurs durchgeführt wurde.
Bereits damals stellte sich mir die Frage, wie man den französischen Lernern den Umgang mit der Schriftsprache, das Erlernen ihrer Prinzipien und die Anwendung der orthographischen Regeln erleichtern kann. Ein Jahr später besuchte ich ein Seminar zum Schriftspracherwerb und die Fragestellung trat erneut in den Vordergrund. Die vorliegende Masterarbeit schien mir eine geeignete Gelegenheit, sie aufzuarbeiten, das Problem zu reflektieren und Lösungsansätze zu finden.
Inhaltsverzeichnis
0 EINLEITUNG
1. TEIL A: HISTORISCHE GRUNDLAGEN
1.1 Französisch – Die Entwicklung einer romanischen Sprache
1.1.1 Die Romanisierung Galliens
1.1.2 Der sprachliche Einfluss auf das Vulgärlatein und die Herausbildung des Französischen
1.1.3 Die Verschriftlichung des Französischen
1.1.4 Das Altfranzösisch
1.1.5 Das Mittelfranzösisch
1.1.6 Das Neufranzösisch
1.2 Deutsch – Die Entwicklung einer germanischen Sprache
1.2.1 Vom Indogermanischen zur germanischen Sprache
1.2.2 Die Entstehung des Deutschen
1.2.3 Althochdeutsch
1.2.4 Mittelhochdeutsch
1.2.5 Neuhochdeutsch
1.2.6 Das heutige Standarddeutsch
2. TEIL B: LINGUISTISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Definitionen
2.1.1 Phonem, Phon und Allophon
2.1.2 Graphem, Graph und Allograph
2.1.3 Phonologie, Graphematik und Orthographie
2.2 Die verschiedenen Schriftsysteme
2.2.1 Die lateinische Alphabetschrift
2.2.2 Das französische Schriftsystem
2.2.3 Das deutsche Schriftsystem
2.3 Die deutsche Orthographie
2.3.1 Die Prinzipien der deutschen Rechtschreibung
2.3.2 Die Ebene der Rechtschreibregeln
2.4 Die deutsche Grammatik
3. TEIL C: DIDKATISCHE ÜBERLEGUNGEN
3.1 Definitionen
Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache
3.2 Das Erlernen der deutschen Schrift
3.2.1 Deutsch als Fremdsprache im französischen Lehrplan
3.2.2 Die Lernvoraussetzungen
3.2.3 Das Lernen der neuen Schrift
3.3 Mögliche Schwierigkeiten beim Schrifterwerb des Deutschen
3.3.1 Die deutsche Silbe
3.3.2 Die Auslautverhärtung
3.3.3 Die Nominalisierung
3.3.4 Komposition von Substantiven
3.4 Fehleranalyse – Deutsche Texte von französischen Lernern
3.4.1 Aufgabenauswahl, Vorgehensweise und Ziele der Untersuchung
3.4.2 Textanalyse und Fehlerinterpretation
3.4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.5 Fremdsprachendidaktische Überlegungen
3.5.1 Die deutsche Silbe – Umgang mit Schwierigkeiten
3.5.2 Die Auslautverhärtung – Umgang mit Schwierigkeiten
3.5.3 Die Nominalisierung – Umgang mit Schwierigkeiten
3.5.4 Komposition von Substantiven – Umgang mit Schwierigkeiten
3.5.5 Der freie Text – Anwendung des erworbenen Wissens
4. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Schrifterwerb der deutschen Sprache durch französische Lerner. Ziel ist es, fächerübergreifende Ansätze für die Fremdsprachendidaktik zu entwickeln, um französischen Lernenden den Zugang zur komplexen deutschen Orthographie zu erleichtern und sie bei der Überwindung typischer Hürden zu unterstützen.
- Historische und linguistische Grundlagen beider Sprachsysteme.
- Analyse typischer Fehlerquellen französischer Lerner im Deutschen.
- Didaktische Strategien zum Umgang mit spezifischen Phänomenen wie Auslautverhärtung, Nominalisierung und Komposita.
- Förderung der Schreibkompetenz durch prozessorientierte Lehrmethoden.
- Diagnostik und konstruktive Fehleranalyse im Fremdsprachenunterricht.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Die deutsche Silbe
Selbst bei Schülern, für die das Deutsche die Erstsprache ist, sind fehlende Konsonantendoppelungen zu beobachten. In den 70er Jahren fanden verschiedene Untersuchungen statt, die zeigten, dass 7% der Rechtschreibfehler (insgesamt 79%) von Schülern im Alter von 15-16 Jahren auf Konsonantenverdopplungen fallen, 14% auf Zusammen- und Getrenntschreibung und 4% auf das Dehnungs-h (vgl. Ossner 2010: 38f). Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Prozentzahlen höher wären, wenn ausschließlich Texte französischer Lerner untersucht worden wären.
Der Grund ist folgender: Auch im Französischen spielen die Silben eine Rolle, wenn es um die Worttrennung geht. Es lassen sich aus ihnen jedoch keine Regeln zur Schreibung ableiten. Anders im Deutschen: Wie bereits in Kapitel 3.2.3 ausführlicher erklärt, erklären sich verschiedene Schriftbilder anhand des Silbenprinzips. So werden beispielsweise die Wörter Strich oder Stift mit
Im Inneren eines Wortes kann dies jedoch durchaus vorkommen, insbesondere bei Komposita (die nach morphologischem Prinzip getrennt werden), wie zum Beispiel Waschpulver oder Waschtisch. Hier muss der Lerner also unterscheiden, ob es sich um silbische Schreibung handelt oder ob das zu schreibende Wort eine Zusammensetzung ist, bei der die ursprünglichen Silben beibehalten werden, auch wenn dadurch mehrere Konsonanten aufeinander folgen. Für den Fremdsprachenlerner ist dies also auch Wortschatzarbeit. Auch die Schreibung des silbeninitialen
Zusammenfassung der Kapitel
0 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Schreibens als Mittel zur Kommunikation und identifiziert das Erlernen der deutschen Schriftsprache als zentrale Herausforderung für französische Lernende.
1. TEIL A: HISTORISCHE GRUNDLAGEN: Dieser Teil zeichnet die Entwicklung des Französischen als romanische und des Deutschen als germanische Sprache nach, um historische Unterschiede in den Sprachsystemen zu verdeutlichen.
2. TEIL B: LINGUISTISCHE GRUNDLAGEN: Hier werden linguistische Kernbegriffe sowie die phonologischen und graphematischen Systeme des Deutschen und Französischen dargestellt, um die Komplexität der deutschen Orthographie zu begründen.
3. TEIL C: DIDKATISCHE ÜBERLEGUNGEN: Dieser zentrale Abschnitt erarbeitet didaktische Lösungsansätze, analysiert spezifische Schwierigkeiten (wie die deutsche Silbe, Auslautverhärtung, Nominalisierung und Komposita) und evaluiert Fehler in Texten französischer Lernender.
4. SCHLUSS: Die Arbeit resümiert, dass die Unterschiede zwischen beiden Schriftsystemen Hürden beim Erwerb darstellen, die jedoch durch gezielte, prozessorientierte didaktische Förderung und eine konstruktive Fehleranalyse abgebaut werden können.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, Schrifterwerb, Orthographie, Fehleranalyse, französische Lerner, Silbenprinzip, Auslautverhärtung, Nominalisierung, Komposita, Fremdsprachendidaktik, Sprachvergleich, Schreibkompetenz, Rechtschreibregeln, Morphologie, Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie französische Schüler die deutsche Schriftsprache erlernen und welche spezifischen orthographischen Schwierigkeiten dabei auftreten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung beider Sprachen, die linguistischen Grundlagen der Orthographie und didaktische Konzepte zur Förderung der Schreibkompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Hürden französischer Lerner zu schaffen und Lehrern praktische Methoden an die Hand zu geben, um den Schrifterwerb effektiv zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus historischer Analyse, linguistischer Definition von Schriftsystemen und einer Fehleranalyse von Texten französischer Probanden angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Grundlagen, linguistische Erläuterungen (z.B. phonologische Prinzipien) sowie didaktische Überlegungen zum Umgang mit Phänomenen wie der deutschen Silbe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören DaF-Unterricht, Orthographie, Silbenprinzip, Nominalisierung, Komposita und Fehleranalyse.
Warum stellt das "Silbenprinzip" eine so große Hürde für französische Lerner dar?
Das silbische Prinzip ist im Französischen nicht in derselben Weise verankert. Deutsche Regeln, wie die Schreibung am Silbengelenk oder das stumme initiale "h", sind den Schülern fremd und erfordern ein explizites Training.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Fehleranalyse bei?
Die Autorin betrachtet Fehler nicht als negatives Versagen, sondern als essenziellen Bestandteil des Lernprozesses, der Aufschluss über die "Lernersprache" gibt und als diagnostisches Werkzeug für gezielte Fördermaßnahmen dient.
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- Anika Zoermer (Author), 2016, Das Erlernen der deutschen Schriftsprache am Beispiel französischer Lerner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425597