Einleitung
Der Begriff Supply Chain Management (SCM) hat sich Anfang der 80 er Jahre bei angloamerikanischen Consultinggesellschaften entwickelt. In Deutschland ist SCM erst Mitte der 90 er Jahre in Theorie und Praxis etabliert worden1. Konzentration auf Kernkompetenzen, veränderte Kundenanforderungen sowie zunehmende Globalisierung der Märkte sind einige Gründe dafür, warum das Konzept des SCM in den letzten Jahren so stark an Bedeutung gewonnen hat2. Vor allem wegen der hohen Rationalisierungspotentialen, die dem Konzept beigemessen werden, versuchen heute immer mehr Unternehmen ein SCM einzuführen. Unternehmen, die international agieren oder agieren wollen, müssen ein weltweites Beschaffungs-, Produktions- und/oder Distributionsnetz etablieren, das den steigenden Anforderungen des Marktes entspricht. Durch die zunehmende Entfernung zwischen Produktion und Konsum steigen die weltweiten Warenströme. Die Kunden fordern immer höhere Leistungen von ihren Lieferanten, die Variantenvielfalt steigt ständig. Die sinkende Markentreue, die schnelle Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und die hohen Erwartungen an den Lieferservice beeinflussen in hohem Maße das Kundenverhalten3. Ein auf diese Rahmenbedingungen angepasstes SCM kann einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und somit zum Unternehmenserfolg leisten.
Ziel dieser Arbeit ist, die Besonderheiten des internationalen SCM aufzuzeigen und wichtige Voraussetzungen für dessen erfolgreiche Durchführung zu beschreiben. Im ersten Kapitel werden die Begriffe SCM und Internationalisierung von Unternehmen definiert und erläutert. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem SCM im internationalen Kontext. Dabei wird zuerst der Ansatz von Steven/Krüger zur Gestaltung des internationalen SCM dargestellt. Anschließend wird auf einige allgemeine und spezielle Voraussetzungen für das internationale SCM eingegangen. Bei den speziellen Voraussetzungen handelt es sich um Kundenorientierung, Kooperationsmanagement, Informations- und Kommunikationstechnologien, unternehmensübergreifendes Bestandsmanagement und betriebsübergreifende Standortplanung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 Grundlagen des SCM
2.2 Internationalisierung von Unternehmen
3 SCM im internationalen Kontext
3.1 Ansatz zur Gestaltung des internationalen SCM
3.2 Voraussetzungen für das internationale SCM
3.2.1 Allgemeine Voraussetzungen
3.2.2 Spezielle Voraussetzungen
3.2.2.1 Kundenorientierung
3.2.2.2 Kooperationsmanagement
3.2.2.3 Informations- und Kommunikationstechnologien
3.2.2.4 Unternehmensübergreifendes Bestandsmanagement
3.2.2.5 Betriebsübergreifende Standortplanung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Analyse der Besonderheiten des internationalen Supply Chain Managements (SCM) und arbeitet die notwendigen Voraussetzungen für dessen erfolgreiche Implementierung heraus. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identifikation allgemeiner und spezifischer Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um Wertschöpfungsprozesse über Ländergrenzen hinweg effizient zu koordinieren und zu optimieren.
- Grundlagen und Definitionen von SCM sowie Internationalisierung
- Ansätze zur Gestaltung internationaler Wertschöpfungsketten nach Steven/Krüger
- Strategische Bedeutung der Kundenorientierung und des Kooperationsmanagements
- Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in globalen Netzwerken
- Optimierungspotenziale durch unternehmensübergreifendes Bestandsmanagement und Standortplanung
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1 Kundenorientierung
Der Markt hat sich von einem Angebot- in einem aggressiven Nachfragemarkt verändert. Die Kunden erwarten heute, dass die Produkte nicht nur funktionieren, sondern dass die Unternehmen alle Prozesse auf ihren Nutzen ausrichten. Dies betrifft die gesamte Auftragsabwicklung von der Qualität der Beschaffung, über die Schnelligkeit in der Produktion bis zu der Pünktlichkeit in der Distribution.
Die Kundenorientierung gilt somit als einer der strategisch wichtigsten Wettbewerbsfaktoren und bildet den Ausgangspunkt für das SCM. „(...) Sie umfasst alle Prozesse ausgehend vom Endkunden bis hin zu den Rohstofflieferanten, die zur Bewegung und Transformation von Gütern erforderlich sind.“
Eine verstärkte Kundenorientierung bedeutet oft, dass die Produkte kundenindividueller gefertigt werden müssen. Dies führt zur Steigerung der Variantenvielfalt und verlangt von den Unternehmen mehr Flexibilität. Gerade in einer internationalen SC müssen die Produkte und Leistungen länderspezifisch angepasst werden. Das liegt daran, dass weltweit die Kunden unterschiedliche Präferenzen aufweisen und die Standards in den Ländern verschieden sind.
Ein Prinzip im SCM, das zur Erhöhung der Produktindividualisierung und zur Senkung der Komplexität in der Lieferkette führt ist Postponement. Postponement bedeutet, dass die Variantenbildung möglichst spät im Wertschöpfungsprozess erfolgen muss. So werden die produktspezifischen Versionen nicht auf Basis von Prognosen, sondern erst in der letzten Fertigungsstufe festgelegt, sobald sichere Kundeninformationen vorliegen. Somit orientiert sich Postponement streng nach den Kundenwünschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehung des SCM-Konzepts und skizziert die Notwendigkeit globaler Netzwerke aufgrund steigender Marktanforderungen.
2 Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert SCM als partnerschaftliche Integration von Wertschöpfungsketten und differenziert das Konzept gegenüber der klassischen Logistik sowie dem Prozess der Internationalisierung.
3 SCM im internationalen Kontext: Hier werden Gestaltungsansätze für globale Lieferketten vorgestellt und sowohl allgemeine als auch spezielle Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung im internationalen Umfeld detailliert analysiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Prozessintegration zusammen und betont, dass der Erfolg eines internationalen SCM maßgeblich von den speziellen Voraussetzungen wie IT-Unterstützung und Kooperationsfähigkeit abhängt.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, Internationale Logistik, Wertschöpfungskette, Kundenorientierung, Kooperationsmanagement, Informations- und Kommunikationstechnologien, Bestandsmanagement, Bullwhip-Effekt, Standortplanung, Globalisierung, Postponement, Pull-Prinzip, Wettbewerbsfähigkeit, Prozessintegration, IT-Systeme.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Gestaltung und Optimierung von internationalen Supply Chain Prozessen, um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in globalen Märkten zu sichern.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Im Fokus stehen die Definition des SCM, der Ansatz zur internationalen Strukturierung nach Steven/Krüger sowie spezielle operative Voraussetzungen wie Kundenorientierung, IT-Infrastruktur und Bestandsmanagement.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, Besonderheiten internationaler Lieferketten aufzuzeigen und die essenziellen Voraussetzungen zu beschreiben, die für eine erfolgreiche internationale Durchführung erforderlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze und Konzepte der Betriebswirtschaftslehre im internationalen Kontext zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, die Vorstellung von Gestaltungsfeldern für internationales SCM und die detaillierte Ausarbeitung spezieller Erfolgsfaktoren für die internationale Praxis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Supply Chain Management, Globalisierung, Prozessintegration, Kundenorientierung und technologische Unterstützung wie ERP- und APS-Systeme.
Wie unterscheidet sich das internationale SCM von nationalen Ansätzen?
Das internationale SCM steht vor höheren Anforderungen hinsichtlich der räumlichen, zeitlichen und kulturellen Distanzen, was eine komplexere Koordination und Anpassung an länderspezifische Bedingungen notwendig macht.
Was besagt das Postponement-Prinzip im SCM?
Es beschreibt die Strategie, die Produktdifferenzierung so spät wie möglich im Wertschöpfungsprozess vorzunehmen, um auf Basis echter Kundeninformationen zu produzieren und Lagerbestände zu reduzieren.
Was ist der Bullwhip-Effekt und wie wird er thematisiert?
Der Effekt beschreibt, wie kleine Nachfrageschwankungen am Ende der Kette zu massiven Schwankungen bei den vorgelagerten Partnern führen können; das Dokument schlägt als Lösung eine zentrale Planung und vernetzte IT-Systeme vor.
Warum spielt die Standortplanung eine wichtige Rolle im internationalen SCM?
Sie dient nicht mehr nur der reinen Exportsteigerung, sondern der effizienten Gestaltung globaler Produktionsnetzwerke, um Transportströme zu optimieren und Marktnähe zu sichern.
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- Daniela Kandrova (Author), 2003, Internationales Supply Chain Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42561