„Die Umgestaltung ist kein Spaziergang
auf einem planierten Weg.
Es ist die Besteigung eines Berges,
häufig auf Pfaden,
die noch nie jemand begangen hat“.
Gorbačëv wusste bereits vor seinem Amtsantritt zum Generalsekretär 1985, dass die Sowjetunion in einer tiefen Krise steckte. Die sowjetische Wirtschaft stagnierte bereits seit Ende der 70er Jahre, die Reformation der Planwirtschaft unter Brežnev zeigte nicht die gewünschten Früchte. Während der Lebensstandard der sowjetischen Bevölkerung weit unter dem der westlichen Industriestaaten lag, investierte die Führungselite lieber Geld in das Wettrüsten mit den USA. Die Sowjetunion war im Inneren zum „Koloss auf tönernen Füssen“ mutiert, während sie nach außen ganz das Bild einer Supermacht abgab. Nach Brežnevs Tod 1982 sowie seinen Nachfolgern Andropov und Černenko wurde klar, dass etwas geschehen musste.
Mit dem Amtsantritt Gorbačëvs sollte eine neue Epoche beginnen, denn er hatte eingesehen, dass sich das Land am Rande des Abgrundes befand und der einzige Ausweg hieraus aus durchgehenden Reformen und Wandelungen in der Innen- und Außenpolitik bestand. Sein Hauptziel setzte er sich damit, das kommunistische System nicht abzuschaffen, sondern es zu erneuern, um somit einen Zusammenbruch der UdSSR zu verhindern. Wir alle wissen heute, dass es anders kommen sollte...
Das Buch gibt einen ausführlichen Überblick über die damaligen Ereignisse und Geschehen in der Sowjetunion und fokussiert einen Mann, der den Fall des eisernen Vorhangs maßgeblich beeinflusst hat. Es richtet sich insbesondere an Studenten der Slavistik, Geschichte sowie Politikwissenschaften und alle Interessierten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Grundlagen und Ideen neuer Außenpolitik
1.1 Michail Sergeevi Gorbaëv – Eine kurze Biographie
1.2 Notwendigkeit von Perestrojka und Glasnost’
1.3 Reformziele in der Innenpolitik
1.4 Außenpolitik auf Grundlage des neuen politischen Denkens
2. Praxis: Entwicklung der außenpolitischen Beziehungen
2.1 USA – Abrüstungs- statt Aufrüstungspolitik
2.2 Europapolitik – Das gemeinsame europäische Haus
2.3 Dritte Welt
2.3.1 Asien
2.3.2 Lateinamerika
2.3.2 Afrika
3. Das Ende der Sowjetunion: Eine Bilanz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Außenpolitik Michail Gorbaëvs im Zeitraum von 1985 bis 1991. Das primäre Ziel besteht darin, darzulegen, wie durch die innenpolitischen Reformprozesse der Perestrojka und Glasnost' ein fundamentaler Wandel im außenpolitischen Denken eingeleitet wurde, um den wirtschaftlichen Druck auf die Sowjetunion zu mindern und internationale Entspannung zu fördern.
- Biografischer Hintergrund von Michail Gorbaëv
- Die ideologische Neuausrichtung der sowjetischen Außenpolitik
- Rüstungskontrolle und die bilateralen Beziehungen zu den USA
- Das Konzept des "gemeinsamen europäischen Hauses"
- Der Rückzug aus regionalen Konflikten in der sogenannten Dritten Welt
Auszug aus dem Buch
1.4 Außenpolitik auf Grundlage des neuen politischen Denkens
Die neue Außenpolitik, welche Gorbaëv mit Äußerungen des neuen politischen Denkens formulierte, diente vor allem der außenpolitischen Absicherung der Perestrojka. Die größere Offenheit nach außen sollte eine Entspannungsatmosphäre wieder beleben und eine engere Zusammenarbeit mit den westlichen Industriestaaten nach sich ziehen. Gorbaëv ging von dem Fortbestand der bipolaren Machtstruktur aus, somit musste den USA besondere Aufmerksamkeit in Form von Entspannungspolitik zugewiesen werden. Auch Westeuropa wies Gorbaëv eine eigenständige Rolle zu, der Begriff des gemeinsamen europäischen Hauses sollte seine Europapolitik prägen.15
Wie bereits erwähnt stand die Sowjetunion unter dem Problem, dass sie sich primär mit den inneren Umgestaltungsproblemen auseinander zu setzten hatte und hierzu eine entspannte Außenpolitik benötigte. „Alles ist durch und durch faul“, sagte Außenminister Ševardnadže in einem Gespräch mit Gorbaëv 1984. Das Ziel müsse die Verringerung militärischer Konkurrenz, Beseitigung von Konfrontationen zu anderen Staaten und Vermeidung von Krisen und Konflikten sein.16
Hier wurde zum ersten Mal zugegeben, dass die Sowjetunion sich außenpolitisch total übernommen hatte. Auch der große Druck des Vorbildcharakters für die anderen sozialistischen Staaten nahm mit der Zeit zu, Glasnost’ legte die wirkliche Lage der SU offen! Die einzige Möglichkeit war ein Kurswechsel: Statt wichtige Gelder ins Wettrüsten zu vergeuden sollten nun die inneren Probleme mit ausländischen Fördergeldern beseitigt werden. Gorbaëv sah sich nun gezwungen, in Zusammenarbeit mit den USA eine Konfrontationspause einzulegen sowie eine neue Integration der Sowjetunion in die Weltordnung anzustreben. „Dialog“ war das neue Kernwort, welches das Wettrüsten ablösen sollte. Sicherheit kann es nur unter der Absage militärischer Überlegenheit geben, man dürfe für militärische Zwecke nicht mehr als nötig ausgeben. 17
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Sektion skizziert die tiefe wirtschaftliche und politische Krise der UdSSR Mitte der 1980er Jahre und definiert das Ziel, das kommunistische System durch Reformen zu erneuern.
1. Grundlagen und Ideen neuer Außenpolitik: Das Kapitel beleuchtet den Lebensweg Gorbaëvs sowie die Notwendigkeit, durch Glasnost' und Perestrojka sowie ein neues politisches Denken die Grundlage für eine geänderte Außenpolitik zu schaffen.
2. Praxis: Entwicklung der außenpolitischen Beziehungen: Hier wird die praktische Umsetzung der neuen Außenpolitik analysiert, insbesondere die Abrüstungsbemühungen gegenüber den USA, die Europapolitik und der Rückzug aus den Konflikten der Dritten Welt.
3. Das Ende der Sowjetunion: Eine Bilanz: Der Schlussteil zieht ein Fazit über das Scheitern der Reformbemühungen und den finalen Zerfall der Sowjetunion Ende 1991.
Schlüsselwörter
Michail Gorbaëv, Außenpolitik, Sowjetunion, Perestrojka, Glasnost', Neues Politisches Denken, Abrüstung, Kalter Krieg, Reformpolitik, KPdSU, Gemeinsames europäisches Haus, Friedliche Koexistenz, Transformationsprozess, Machtkonzentration, Nationalitätenproblem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der sowjetischen Außenpolitik unter Michail Gorbaëv zwischen 1985 und 1991 und deren Verknüpfung mit innenpolitischen Reformen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Notwendigkeit der Perestrojka, das neue politische Denken, die Abrüstungsdiplomatie mit den USA und die Neugestaltung der Beziehungen zu Osteuropa und der Dritten Welt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gorbaëv versuchte, durch eine Abkehr von Konfrontationspolitik und militärischer Überdehnung den Zusammenbruch der UdSSR durch Modernisierung und internationale Integration zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine landeskundliche Analyse unter Verwendung historischer Quellen, Reden und politischer Berichte aus der Ära Gorbaëv.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des neuen politischen Denkens und die praktische Umsetzung in der Außenpolitik gegenüber verschiedenen Weltregionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Perestrojka, Glasnost', Wettrüsten, Abrüstung und den Zerfall der Sowjetunion geprägt.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der "2 plus 4 Verhandlungen"?
Der Autor ordnet diese Verhandlungen als Meilenstein ein, der das vereinte Deutschland als potenziellen „Türöffner“ für Russland zur EU und zur Weltgemeinschaft positionierte.
Warum scheiterte laut der Arbeit der Reformkurs Gorbaëvs letztendlich?
Das Scheitern wird auf eine Kombination aus dem ungelösten Nationalitätenproblem, dem Widerstand der alten Funktionärseliten und der Unvereinbarkeit von Sozialismus und Weltmachtstreben zurückgeführt.
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- Natalie Webbeler (Author), 2003, Die Außenpolitik Gorbatschows, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42581