Im Gegensatz zur Umweltforschung für weniger industrialisierte Länder, die sehr unvollständig ist, kann die Umweltforschung für hochindustrialisierte Staaten eine Weiterentwicklung vorweisen. Seit 1995 mehren sich Forschungsstudien in diesem Bereich allmählich. In verschiedenen Studien wird besonders dem Faktor Korporatismus ein wesentlicher Einfluss beigemessen. Dieser Faktor soll auch in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit im Zusammenhang mit der Umweltperformanz von hochentwickelten Industriestaaten eine große Rolle spielen. Dabei wird gemäß der Forschungslogik des Most Similar Systems Designs eine relativ homogene Ländergruppe betrachtet. Und zwar die Ländergruppe der OECD-Staaten.
Im Unterschied zu vorherigen Studien wird dabei jedoch ein besonderes Augenmerk auf den zeitlichen Aspekt des Einflusses von Neokorporatismus gelegt. Daher lautet die in der vorliegenden Hausarbeit zur Überprüfung stehende Forschungsfrage: „Welchen temporalen Einfluss hat Neokorporatismus auf die Umweltperformanz in OECD-Staaten?“
Dabei wird anhand mehrerer Querschnitts-Analysen untersucht, welchen Einfluss der Neokorporatismus aus den Jahren 1995, 2000, 2005 und 2010 auf die Umweltperformanz 2012 in 21 untersuchten OECD-Ländern hat. Die gewählte Forschungsfrage ist dahingehend sehr interessant, weil sie nicht nur versucht herauszufinden, ob Neokorporatismus überhaupt einen Einfluss auf die Umweltperformanz ausübt, sondern weil sie auch versucht herauszufinden, ob der Neokorporatismus eines bestimmten Jahres einen besonderen Einfluss auf die Umweltperformanz im Jahr 2012 hat.
Daher werden zunächst die theoretischen Grundlagen dargestellt, die zum Verständnis der nachfolgenden Beantwortung der Forschungsfrage notwendig sind und zur Erklärung der geplanten methodischen Vorgehensweise dienen. Nachfolgend werden die wesentlichen Faktoren dieser Untersuchung operationalisiert, um anschließend die uni-, bi- und multivariate Analyse der Daten vorzunehmen. In einem weiteren Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet und miteinander verglichen. Ein Fazit und ein Ausblick bzw. eine Anregung auf zukünftig interessante Forschungsaspekte beschließen die Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Messung von Umweltperformanz
2.1 Faktor Neokorporatismus
2.2 Faktor Wirtschaftswachstum
2.3 Faktor Heizgrade
2.4 Faktor Zeit
3 Operationalisierung
3.1 Fallauswahl
3.2 Abhängige Variable
3.3 Unabhängige Variable
3.4 Kontrollvariablen
4 Datenanalyse
4.1 Univariate Analyse
4.2 Bivariate Analyse
4.3 Multivariate Analyse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den zeitversetzten Einfluss neokorporatistischer Strukturen auf die Umweltperformanz von 21 OECD-Staaten. Ziel ist es, durch eine multivariate Regressionsanalyse zu ermitteln, ob der Korporatismusgrad vergangener Jahre eine signifikante Wirkung auf die Umweltbilanz des Jahres 2012 entfaltet und welche Rolle dabei ökonomische und klimatische Kontrollvariablen spielen.
- Analyse des Einflusses von Neokorporatismus auf die Umweltperformanz
- Untersuchung temporaler Effekte (Zeitverzug von bis zu 17 Jahren)
- Überprüfung der Entkoppelungsthese zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung
- Operationalisierung und Vergleich von Umweltperformanz-Indices
- Empirische Regressionsanalyse unter Einbezug von OECD-Länderdaten
Auszug aus dem Buch
2.1 Faktor Neokorporatismus
Bevor auf den Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltperformanz eingegangen werden kann, sollte erst einmal klar gestellt werden, was man unter dem Begriff ’’Korporatismus’’ überhaupt zu verstehen hat. Schmitters Definition dazu lautet wie folgt: „Corporatism can be defined as a system of interest representation in which the constituent units are organized into a limited number of singular, compulsory, noncompetitive, hierarchically ordered and functionally differentiated categories, recognized or licensed (if not created) by the state and granted a deliberate representational monopoly within their respective categories in exchange for observing certain controls in their selection of leaders and articulations of demands and supports.“ (1974:93 f.)
Im Gegensatz zu Schmitters Definition, die primär die strukturellen Eigenschaften von Korporatismus hervorhebt, unterstreicht Lehmbruch mit seiner Definition mehr den Interessenvermittlungsprozess im Korporatismus. Nach Lehmbruch ist Korporatismus die institutionalisierte Beteiligung von Interessen an der Politik (vgl. Lehmbruch 1977:94). Allgemein kann man sagen, dass Neokorporatismus „von einem koordinierten Zusammenspiel von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren“ (Jahn 2013:114) ausgeht. Mit nichts-staatlichen Akteuren sind beispielsweise Gewerkschaften und andere Interessenverbände gemeint, die zwar kein Recht aussprechen können aber trotzdem in der Lage sind indirekt großen Einfluss auf die Politik zu nehmen. Sie nehmen eine Art Rolle als Veto-Player ein. Es sind streng zentralisierte, wirtschaftliche Interessengruppen, die hauptsächlich die Interessen von Geld und Arbeit vertreten. Der Korporatismus-Ansatz beschreibt eine mehr einvernehmliche Art der Politik, da diese Interessengruppen am politischen Prozess mitwirken können (vgl. Jahn 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der globalen Umweltverschmutzung und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des temporalen Einflusses von Neokorporatismus auf die Umweltperformanz.
2 Messung von Umweltperformanz: Theoretische Herleitung und Diskussion der Faktoren Neokorporatismus, Wirtschaftswachstum, Heizgrade und Zeit sowie deren Relevanz für das Regressionsmodell.
3 Operationalisierung: Erläuterung des methodischen Designs (Most Similar Systems Design), Auswahl der 21 OECD-Länder und Definition der abhängigen sowie unabhängigen Variablen für die Analyse.
4 Datenanalyse: Durchführung der uni-, bi- und multivariaten Datenanalyse zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen unter Anwendung statistischer Verfahren wie Korrelations- und Regressionsanalysen.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Interpretation der Ergebnisse, welche einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen dem Neokorporatismus des Jahres 2000 und der Umweltperformanz 2012 bestätigen.
Schlüsselwörter
Neokorporatismus, Umweltperformanz, OECD, Regressionsanalyse, Wirtschaftswachstum, ökologische Kuznets-Kurve, Umweltpolitik, Most Similar Systems Design, zeitliche Effekte, Umweltverschmutzung, Interessenvertretung, industrielle Demokratien, Umweltbelastung, Korrelationsanalyse, politische Leistungsbilanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und in welcher zeitlichen Form neokorporatistische Strukturen in einem Land dessen Umweltperformanz beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die vergleichende Regierungslehre, Umweltpolitikforschung sowie die Analyse von Korporatismus-Modellen in hochindustrialisierten Demokratien.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welchen temporalen Einfluss hat Neokorporatismus auf die Umweltperformanz in OECD-Staaten?“ Ziel ist es, den Einfluss aus verschiedenen Zeitpunkten (1995-2010) auf das Jahr 2012 zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Most Similar Systems Design angewandt, ergänzt durch univariate, bivariate und multivariate Regressionsanalysen der Daten von 21 OECD-Ländern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Messung der Umweltperformanz, die Operationalisierung der Variablen sowie die detaillierte statistische Datenanalyse und Ergebnisinterpretation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Neokorporatismus, Umweltperformanz, OECD, Regressionsanalyse und politische Steuerung charakterisieren.
Warum wurde das Jahr 2000 als einflussreichstes Jahr für die Umweltperformanz 2012 identifiziert?
Die Regressionsanalysen zeigten, dass der Neokorporatismus dieses Jahres die stärkste statistische Signifikanz aufwies, was auf einen Zeitverzug von etwa zehn Jahren zwischen der politischen Struktur und der ökologischen Wirkung hindeutet.
Welche Rolle spielen die Kontrollvariablen reales BIP und Heizgrade?
Sie dienen dazu, den Effekt von Wirtschaftskraft und klimatischen Bedingungen auf die Umweltperformanz zu isolieren; jedoch erwiesen sich diese in der vorliegenden Analyse als statistisch nicht signifikant.
Warum wurden die Fälle Dänemark und USA aus bestimmten Analysen entfernt?
Da diese Länder statistische Ausreißer im Datensatz darstellten, die die Ergebnisse der Regressionsanalyse stark verzerrten, wurden sie für eine robustere statistische Aussagekraft exkludiert.
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- Anonym (Author), 2017, Temporaler Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltpolitik der OECD-Staaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426211