Temporaler Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltpolitik der OECD-Staaten


Hausarbeit, 2017
36 Seiten, Note: 1.7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Messung von Umweltperformanz
2.1 Faktor Neokorporatismus
2.2 Faktor Wirtschaftswachstum
2.3 Faktor Heizgrade
2.4 Faktor Zeit

3 Operationalisierung
3.1 Fallauswahl
3.2 Abhängige Variable
3.3 Unabhängige Variable
3.4 Kontrollvariablen

4 Datenanalyse
4.1 Univariate Analyse
4.2 Bivariate Analyse
4.3 Multivariate Analyse

5 Fazit

Anhang

Zusammenfassung/Abstract

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Steigende Verunreinigungen der Umwelt gehen mit enormen gesundheitlichen Risiken für die Weltbevölkerung einher. Bei Menschen, die „Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung“(OECD 2008:255), sowie chemischen Schadstoffen ausgesetzt sind, besteht eine erhöhte Gefahr an Atemwegsbeschwerden, Krebs, Herz-Kreislauf-Systemleiden und anderen Vergiftungen zu erkranken. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind24% der globalen Krankheitslasten, wie auch 23% der weltweiten Todesfälle als Folgen von Umweltverschmutzung zu erkennen. In OECD (Organisation for Economic Coorporation and Developement)- Staaten liegt der Anteil an den durch Umweltfaktoren erkrankten Menschendeutlich niedriger als in Nicht- OECD- Ländern (vgl. OECD 2008:255). Wobei diese Tatsache unter anderem damit begründet werden kann, dass wohlhabendere Länder dazuneigen „ihre Umweltprobleme in die Dritte Welt zu exportieren“ (Vorholz 2012:2), indem siebeispielsweise ihren Giftmüll nach Afrika verschiffen lassen. Fest steht, dass Umweltverschmutzung ein internationales Problem ist. Das wurde im 20. Jahrhundert mit derzunehmenden Umweltzerstörung durch die steigende Wirtschaftsentwicklung in Industrieländern und dem rapiden Anstieg der globalen Bevölkerung allmählich auch der Staatengemeinschaft bewusst (vgl. Steigenberger 2009:1). Wasserverschmutzung, unreine Luft, die schwindende Ozonschicht, die globale Entwaldung, sowie gesundheitsgefährdende Giftstoffe in den Nahrungsmitteln waren kaum noch zu ignorieren (vgl. Steigenberger2009:1). Umweltpolitik nahm damit einen zunehmenden Stellenwert in der Gesellschaft einund festigte sich als ein neues Feld in der internationalen Politik (vgl. Muno 2010:349). Kurze Zeit später entstand auch ein politikwissenschaftlicher Umweltforschungsbereich in dervergleichenden Politikwissenschaft (vgl. Jahn 2006:149 f.). Im Gegensatz zur Umweltforschung für weniger industrialisierte Länder, die sehr unvollständig ist, kann die Umweltforschung für hoch industrialisierte Staaten eine Weiterentwicklung vorweisen.Wobei auch hier noch große Mängel im Informationsgehalt bestehen (vgl. Jahn 2013: 156).Seit 1995 mehren sich Forschungsstudien in diesem Bereich allmählich. Neben weiteren Wissenschaftlern beschäftigen sich insbesondere Jahn (1998) und Sgruggs (2003) in ihren Arbeiten mit dem Einfluss politischer Faktoren auf die umweltpolitischen Entscheidungenund die Auswirkungen von Staaten (vgl. Jahn 2013:152). In den genannten Studien wirdbesonders dem Faktor Korporatismus ein wesentlicher Einfluss beigemessen (vgl. Jahn2013:152). Dieser Faktor soll auch in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit im Zusammenhang mit der Umweltperformanz von hochentwickelten Industiestaaten eine große Rollle spielen. Wie auch in der Studie von Jahn aus 1998 wird auch in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit gemäß der Forschungslogik des Most Similar Systems Designs eine relativ homogene Ländergruppe betrachtet. Und zwar die Ländergruppe der OECD-Staaten. Im Unterschied zu vorherigen Studien wird dabei jedoch ein besonderes Augenmerkauf den zeitlichen Aspekt des Einflusses von Neokorporatismus gelegt. Daher lautet die inder vorliegenden Hausarbeit zur Überprüfung stehende Forschungsfrage: „Welchentemporalen Einfluss hat Neokorporatismus auf die Umweltperformanz in OECD-Staaten?“. Dabei wird anhand mehrerer Querschnitts- Analysen untersucht, welchen Einflussder Neokorporatismus aus den Jahren 1995, 2000, 2005 und 2010 auf die Umweltperformanz2012 in 21 untersuchten OECD- Ländern hat. Die gewählte Forschungsfrage ist dahingehendsehr interessant, weil sie nicht nur versucht herauszufinden, ob Neokorporatismus überhaupteinen Einfluss auf die Umweltperformanz ausübt, sondern weil sie auch versuchtherauszufinden, ob der Neokorporatismus eines bestimmten Jahres einen besonderen Einflussauf die Umweltperformanz im Jahr 2012 hat.

Daher werden zunächst die theoretischen Grundlagen dargestellt, die zum Verständnis dernachfolgenden Beantwortung der Forschungsfrage notwendig sind und zur Erklärung dergeplanten methodischen Vorgehensweise dienen. Nachfolgend werden die wesentlichen Faktoren dieser Untersuchung operationalisiert, um anschließend die uni-, bi- undmultivariate Analyse der Daten vorzunehmen. In einem weiteren Schritt werden diegewonnen Erkenntnisse ausgewertet und miteinander verglichen. Ein Fazit und ein Ausblickbzw. eine Anregung auf zukünftig interessante Forschungsaspekte beschließen die Arbeit.

2 Messung von Umweltperformanz

Weil die Erforschung von Umweltperformanz einen recht neuen politikwissenschaftlichen Forschungsbereich darstellt, hat das zur Folge, dass der Forschungsstand im Feld der Umweltperformanz (engl. Environmental Performance) bis zum heutigen Zeitpunkt hier und dort noch äußerst lückenhaft ist. Unter dem Begriff Umweltperformanz versteht sich „die Erfassung der politischen Leistungsbilanz als ein evaluativer Prozess“ (Jahn/Wälti 2007:4). Dabei wird der Grad an Performanz „auf einen gesetzten Standard (z. B. Grenzwerte oder Zielvereinbarungen) oder relativ zu anderen Fällen (in unserem Fall Länder) oder Zeitpunkten“ (Jahn/Wälti 2007:4) bewertet.

In der vergleichenden Umweltforschung und Praxis existieren einige unterschiedliche Indices, die eine ländervergleichende Messung der Umweltperformanz möglich machen. Nach Jahn sollte die Variable Umweltperformanz dabei immer als Outcome -Variable in Analysenverwendet werden und offensichtlich für politische Akteure sein, da politische Akteure nurauf ein Problem reagieren können, wenn sie es auch tatsächlich wahrnehmen (vgl. Jahn Vortrag). In diesem Feld unterscheiden sich die etablierten Indices im Wesentlichenhinsichtlich des Messungsgegenstandes. Also hinsichtlich dessen, ob sie den Umweltzustandoder die Umweltleistung von Ländern messen. Indices, die primär den Umweltzustandbewerten, beziehen häufig Indikatoren mit ein, die relativ unabhängig von gesellschaftlichen Entscheidungen sind. Damit sind Indikatoren gemeint, wie Biodiversität, die Dichte der Bevölkerung, der geografischen Standort, sowie der Industrialisierungszeitpunkt derjeweiligen Länder (vgl. Jahn 2013:153). Als Beispiel hierfür lässt sich der allgemein bekannte Ecological Footprint des Word Wide Fund als Umweltindikator anführen . In diesem werdeneine Vielzahl von Umweltdaten und Wirkungsbeziehungen zu einem zweckmäßigen Wertzusammengefasst (vgl. Bayrisches Landesamt für Umwelt 2008:1). Bei der Berechnung desÖkologischen Fußabdrucks wird „von einer gewissen Biokapazität eines Landesausgegangen“ (vgl. Jahn 2013:153). Gegenüber zu alternativen OECD-Staaten fällt die Biokapazität von Neuseeland zum Beispiel relativ groß aus. Was vor allem mit der großen Artenvielfalt und den klimabedingten Zuständen innerhalb des Landes begründet werdenkann (vgl. Jahn 2013:153). Allgemein ist der ökologische Fußabdruck durch die Differenzzwischen Biokapazität und menschlichen Eingriffen zu ermitteln (vgl. Jahn 2013:153). Damiterlaubt der Index eine „fortlaufende Beobachtung und Bewertung, ein sogenanntes‚Monitoring’, der globalen Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt“ (Bayrisches Landesamt für Umwelt 2008:1), bleibt dabei jedoch extrem abhängig von der Biokapazität(vgl. Jahn 2013:153). Obwohl der Ecological Footprint, als auch der Environmental Sustainability Index (ESI), auf den jetzt nicht näher eingegangen wird, eher den Umweltzustand und nicht die Umweltperformanz messen, werden sie dennoch in einigen Studien (Lane/Ersson 2008) zur Messung der Umweltperformanz verwendet.

Der international wohl bekannteste Umweltperformanz-Index ist der Environmental Performance Index (EPI). Dieser ist aus einem Forschungsprojekt zwischen den hochrenommierten US- Universitäten Yale und Columbia heraus entstanden und wurde vom Weltwirtschaftsforum Davos beauftragt. Er beinhaltet mehr als 20 Indikatoren (vgl. EPIReport 2016:11) für 180 (vgl. EPI Report 2016:18) Länder und soll die Möglichkeit schaffendie Umweltperformanz dieser Länder quantitativ miteinander zu vergleichen. „These indicators are combined into nine issue categories, each of which fit under one of two overarching objectives“ (EPI Report 2016:27). Zur Berechnung werden zuvor für diverse Umweltsektoren bestimmte Zielgrößen festgesetzt. Unter Beachtung dieser Zielgrößen solldie Messung zeigen, inwieweit die Staaten diese Ziele realisieren bzw. nicht realisieren. Ineinem Länder-Ranking werden die Staaten dann aufgelistet und jährlich im EPI-Reportveröffentlicht. Mit dem Report der EPI sollen „Erfolgsbedingungen erfolgreicher Umweltpolitik“ (Umweltbundesamt 2008:2) gefördert und die „derzeit geltenden internationalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen wissenschaftlich“ (Umweltbundesamt 2008:2) erweitert werden. In einem vom deutschen Umweltbundesamtherausgegebenem Forschungsbericht 2008 wird der EPI-Index stark kritisiert. Dort heißt es,dass „Sowohl die geringe Anzahl an EPI-Indikatoren, als auch die teilweise mangelhafte Datenlage“ es nicht erlaubt „die Umweltleistung eines Staates in seiner Gesamtheit wirklichzu erfassen und zu beurteilen“ (2008:2). Außerdem würden die ausersehenen Indikatoren des EPI „in vielen Bereichen nicht die zentralen Umweltprobleme, die von besonderer Bedeutungin Industrieländern wie Deutschland sind“ (Umweltbundesamt 2008:2) reflektieren. Darüberhinaus sei der Ursprung der verwendeten Daten nicht ganz klar, sowie die Methode nichtentsprechend der „nationalen Daten“ (Umweltbundesamt 2008:2). Jahn bestätigt die Kritik,indem er behauptet, dass der Index auf „Reliabilitätsgrenzen“ (2013:154) trifft, weil nicht füralle Indikatoren gleichviele Informationen zu allen Ländern zur Verfügung stehen (vgl. Jahn2013:154). Ergänzend dazu ist er der Meinung, dass die älteren Indices der EPI inkongruentzu den aktuelleren sind, da die Entwickler vielmals methodische Veränderungen in der Indexerstellung vorgenommen haben (vgl. Jahn 2013:154).

Die meisten aktuelleren Indices enthalten vorwiegend Daten über OECD-Länder (vgl. Jahn2013:154). Die OECD ist eine internationale Organisation und „bietet Regierungen ein Forumzur Zusammenarbeit - hier können sie Erfahrungen austauschen und Lösungen fürgemeinsame Probleme suchen“ (OECD online). Unter anderem auch im Bereich der Umweltpolitik. Grund für die Einschränkung der Untersuchungsobjekte auf OECD-Länderist, dass die Umweltforschung für weniger industrialisierte Staaten äußerst lückenhaft ist (vgl.Jahn 2013:156) und somit auch geeignete Daten schwerer zu erhalten sind als für hochindustrialisierte Staaten. Darüber hinaus haben fortgeschrittene Industrieländer, wie die der OECD, andere Umweltprobleme als die weniger industrialisierten Länder und auch ganzandere Instrumente (vgl. Huber 2011:49) diese zu reduzieren bzw. ihnen entgegenzuwirken.Deshalb wäre ein Vergleich der Umweltperformanz zwischen allen Staaten der Welt weniger aussagekräftig. Diese Einschränkung auf OECD-Länder übernehmen auch Jahn (1998) und Scruggs (2003) in ihren Studien zur Umweltperformanz.

Jahn befasst sich 1998 mit der Umweltperformanz und dem Energieverbrauch von 18 OECD-Staaten (vgl. Böcher/Töller 2012:86). Dabei betrachtet er in der Zeit von 1980-1990 OECD-Daten zur Verschmutzung von Wasser, Boden und Luft, als auch zur Abfallwirtschaft. Ineiner weiteren Studie in 2007 widmet er sich gemeinsam mit Wälti einer neuen Berechnungder Umweltperformanz zu. Dieses Mal bedient er sich an Daten aus dem Jahr 2003 und zieht 21 Staaten der OECD in die Analyse mit ein (vgl. Böcher/Töller 2012:86). 2013 untersuchtauch Scruggs die Umweltperformanz von 17 hoch industrialisierten demokratischen Staaten,indem er sich an fast allen Indikatoren von Jahn bedient aber sich vorwiegend auf die Veränderungen der Jahre 1975 bis 1995 fokussiert (vgl. Jahn 2014:85). Alle erwähnten Studien haben gemeinsam, dass sie Indikatoren nutzen, die von politischen Akteurenbeeinflusst werden können und nur hochindustrialisierte Demokratien betrachten (vgl. Jahn2014:86). Sowohl Jahn als auch Scruggs kommen zum Resultat, dass besonders der Faktor Neokorporatismus einen positiven Einfluss auf die Umweltperformanz eines Landes zunehmen scheint.

2.1 Faktor Neokorporatismus

Bevor auf den Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltperformanz eingegangenwerden kann, sollte erst einmal klar gestellt werden, was man unter dem Begriff’’Korporatismus’’ überhaupt zu verstehen hat. Schmitters Definition dazu lautet wie folgt:

„Corporatism can be defined as a system of interest representation in which the constituent units areorganized into a limited number of singular, compulsory, noncompetitive, hierarchically ordered andfunctionally differentiated categories, recognized or licensed (if not created) by the state and granted adeliberate representational monopoly within their respective categories in exchange for observing certaincontrols in their selection of leaders and articulations of demands and supports.“ (1974:93 f.)

Im Gegensatz zu Schmitters Definition, die primär die strukturellen Eigenschaften von Korporatismus hervorhebt, unterstreicht Lehmbruch mit seiner Definition mehr den Interessenvermittlungsprozess im Korporatismus. Nach Lehmbruch ist Korporatismus dieinstitutionalisierte Beteiligung von Interessen an der Politik (vgl. Lehmbruch 1977:94).Allgemein kann man sagen, dass Neokorporatismus „von einem koordinierten Zusammenspiel von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren“ (Jahn 2013:114) ausgeht. Mit nichts-staatlichen Akteuren sind beispielsweise Gewerkschaften und andere Interessenverbände gemeint, die zwar kein Recht aussprechen können aber trotzdem in der Lage sind indirekt großen Einfluss auf die Politik zu nehmen. Sie nehmen eine Art Rolle als Veto-Player ein. Es sind streng zentralisierte, wirtschaftliche Interessengruppen, die hauptsächlich die Interessen von Geld und Arbeit vertreten. Der Korporatismus-Ansatz beschreibt eine mehr einvernehmliche Art der Politik, da diese Interessengruppen am politischen Prozess mitwirken können (vgl. Jahn 2016).

Wird Neokorporatismus in Verbindung mit Umweltperformanz betrachtet, lassen sich in derpolitikwissenschaftlichen Literatur vergleichbare Studien finden, die eine positive Beziehungzwischen beiden nicht ausschließen und den positiven Effekt starker neokorporatistischer Strukturen auf die Umweltperformanz sogar empirisch untermauern. In mehreren wissenschaftlichen Arbeiten wird behauptet, dass Systeme mit höherem Neokorporatismusgrad eher zur Lösung ökologischer Probleme im Stande sind alspluralistische Regierungen (vgl. Beasley 2008). Auch die Politikwissenschaftler Scruggs und Jahn, deren Studien besonders relevant für die vorliegende Hausarbeit sind, unterstreichendiese Meinung. Scruggs untersuchte 2003 den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Umweltperformanz. Neben Faktoren wie Wachstum, Einkommen, Stärke von Umweltbewegungen, Bevölkerungsdichte etc., betrachtete er zentral den Faktor Neokorporatismus. Es geht ihm dabei darum, zu ergründen, ob Neokorporatismus einepositive oder negative Wirkung auf die Umweltperformanz eines Staates aufzeigt (vgl. Lauth2002:384). In Folge seiner Analyse kommt er, wie auch Jahn (1998), zum Resultat, dass Länder mit hohem Neokorporatismusgrad erheblich bessere Werte in der Umweltperformanzerreichen, als Länder mit niedrigem Neokorporatismusgrad (vgl. Scruggs 1999:30f.). In einerweiteren Studie in 2003 bestätigt er diesen Standpunkt erneut (vgl. Scruggs 2003). Er führtaußerdem drei klare Argumente an, die den positiven Einfluss erklären sollen. Seiner Meinung nach sind „neokorporatistische Verhandlungssysteme durch einen impliziten‚shadow of strict regulation’ charakterisiert, dem die Industrie durch Abkommen“(Jahn/Wälti 2007:11) versucht auszuweichen. Zweitens würden neokorporatistische Vereinbarungen den Aufbau von vertrauensvollen und langwährenden Beziehungenzwischen Staat und Produzenten fördern (vgl. Jahn/Wälti 2007:11). Als drittes Argumentführt er weiterhin an, dass diese Vereinbarungen „kollektives Handeln unabhängig vonpartikularistischen und lokalistischen Interessen“ (Jahn/Wälti 2007:11) vereinfachen.

Auch in der vorliegenden Arbeit soll der Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltperformanz anhand von Querschnittsanalysen untersucht werden. Die dazugehörende Hypothese (H1) lautet: „ Je h ö her der Korporatismusgrad eines Landes, desto besser ist die Umweltperformanz dieses Staates “ .

Als ein zweiter einflussreicher Faktor für die Umweltbilanz wird die Wirtschaftskraft angesehen (vgl. Jahn 2013:155). Zum Verhältnis von Umweltschutz und Wirtschaftswachstum existieren in der vergleichenden Literatur äußerst kontroverse Hypothesen. In Kapitel 2.2 wird versucht ein Überblick dieser Kontroversen herzustellen und die Wichtigkeit dieses Faktors in Bezug auf die folgende Analyse darzustellen.

2.2 Faktor Wirtschaftswachstum

Nicht nur in Studien zur Umweltperformanz erhält der Faktor Wirtschaftswachstum eine gesonderte Rolle. Wirtschaftswachstum stellt in vielen empirisch- politikwissenschaftlichen Untersuchungen ein wesentliches Kriterium zur Erklärung bestimmter Phänomene in der Politik dar. Der Faktor zählt, trotz seiner großen Bedeutung, aber mehr zu den „Rahmenbedingungen“ (Jahn 2013:47). Von Wirtschaftswachstum wird gesprochen, „wenn die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen, genauer gesagt das ‚reale Bruttoinlandsprodukt’ (BIP)“ (Wirtschaftslexikon online) ansteigt. Kaum ein anderer Index verfügt über solch eine große Wichtigkeit für Gesellschaft und Politik, wie das Bruttosozialprodukt (BSP) (vgl. Jahn 2013:47). Selbst eine kleine Bewegung der Wachstumsraten, ganz gleich ob diese positiv oder negativ ist, nimmt mehrfache Auswirkungen auf das politische Handeln einer Regierung.

Mit Blick auf den umweltpolitischen Aspekt, lassen sich aus der politikwissenschaftlichen Literatur unterschiedliche Thesen zur Beziehung zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz zusammenfassen. Prof. Dr. Rolf-Ulrich Sprenger ist Leiter der Umweltökonomie-Abteilung des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München und hatdie existierenden Kontroversen in einem Artikel zum Thema „Umweltschutz und Wirtschaftswachstum - Zum Für und Wider der zentralen Thesen in einer Kontroverse ohne Ende“ kurz zusammengeführt und erklärt (vgl. 1994:534). Darin geht er auf die vier meistartikulierten Thesen in der Forschungsliteratur ein, die sich mit dem Thema „ Wirtschaftversus Umweltschutz“ (1994:534) beschäftigen. Er unterscheidet die „Entkoppelungsthese“,die „Komplementäritätsthese“, die „Konfliktthese“ und die „Integrationsthese“ (Sprenger 1994). Um den Umfang dieser Hausarbeit nicht zu überschreiten, wird hier jedoch nur auf die für uns relevante Entkoppelungsthese eingegangen. Die Entkoppelungsthese besagt, dass eszwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz keine sichtbare Verbindung gibt (vgl.Sprenger 1994:534). In Bezug darauf argumentierte das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel schon1991, dass „das Ausmaß der Umweltbelastung nicht erkennbar an das Niveau oder die Änderungsrate der wirtschaftlichen Aktivitäten gekoppelt“ (zitiert nach Junkernheinrich/Klemmer 1991:105) ist. Laut Jahn wirkt sich eine „Entkopplung von wirtschaftlichem Wachstum und erhöhter Umweltbelastung“ (2013:155) „für hoch entwickelten Industrienationen“ (2013:155) positiv auf deren Umweltperformanz aus. Graphisch darstellen lässt sich die Entkoppelung durch eine „ökologische Kuznets- Kurve“ (2013:155) mit einem umgekehrten u-förmigem Verlauf (Abb. 1).

Abb.1: ökologische Kuznets-Kurve

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://ecoglobe.ch/economics/d/entk5d26.htm

Hier ist zu erkennen, dass eine Steigerung des Wohlstandes vorerst die Umweltverschmutzung zunehmen lässt, um ab einem bestimmten Niveau einenentgegengesetzten Weg einzuschlagen und die Umweltverschmutzung zu vermindern (vgl.Jahn 2013:155). Daraus ergibt sich die zweite Hypothese (H2) dieser wissenschaftlichen Arbeit. H2 lautet daher: „ Je h ö her das Bruttoinlandsprodukt eines Landes ist, desto h ö her ist seine Umweltperformanz “.

2.3 Faktor Heizgrade

Der Energieverbrauch eines Landes ist stark von den klimatischen Bedingungen dieses Landes abhängig. In einem Land, indem es vorwiegend warm ist, wird weniger geheizt. In wiederum eher kälteren Ländern wird mehr geheizt und damit auch mehr Energie pro Kopfverbraucht. Das klingt erst einmal ganz logisch. Der Energieverbrauch spiegelt sich auch inder Umweltperformanz der Staaten wieder. Beispielsweise könnte die Umweltperformanz Deutschlands durch besonders lange und kalte Winter innerhalb des Landes negativbeeinflusst werden. Da dadurch verständlicherweise in Haushalten und Betrieben mehrgeheizt werden müsste. „Nicht der Mangel an Kohle, Öl und Gas das größte Problem der Menschheit darstellt, sondern deren Nutzung im Überfluss„ (Klingholz 2010:1). Durchübermäßigen Energieverbrauch können große ökologische Probleme für die Umweltentstehen. Heizen kostet nicht nur Geld, sondern verschmutzt auch die Umwelt. Nach der Nutzung der Energie-Rohstoffe zum Heizen entstehen eine Menge Abfälle. Zum Beispielführt Energieverbrauch dazu, dass „jährlich über 26 Millionen Tonnen Kohlendioxid, diedurch das Verfeuern von fossilen Brennstoffen und das Brandroden von Wälder in die Atmosphäre gelangen“ (Klingholz 2010:1). Größtenteils entsteht dieser Schaden durch diehochindustrialisierten Staaten und weniger durch die Entwicklungsländer. In den letzten Dreißig Jahren erfolgte eine Verdopplung des „Weltenergieverbrauchs“. Diehochindustrialisierten Länder stellen nur Ein-Fünftel der Weltbevölkerung dar „beanspruchenaber zwei Drittel der Energie“ (Klingholz 2010:1). Daher lautet die Dritte Hypothese (H3)dieser Arbeit: „Je häufiger in einem Land geheizt wird, desto schlechter wird die Umweltperformanz dieses Landes.“

2.4 Faktor Zeit

Der temporale Faktor spielt in der Untersuchung der Forschungsfrage eine übergeordnete Rolle. Im Gegensatz zu vorherigen Untersuchungen politischer Einflussfaktoren auf die Umweltperformanz, besteht die Aufgabe in dieser Hausarbeit primär darin, die Einflusswirkung von Neokorporatismus aus den Jahren 1995, 2000, 2005 und 2010 auf die Umwelt performanz in 2012 zu analysieren. Aufgrund der Ergebnisse von Scruggs (2003) und Jahn (1998) in ihren Studien, könnte theoretisch schon von einer positiven Wirkungneokorporatistischer Strukturen auf die Umweltperformanz in OECD Staaten ausgegangenwerden, dies wird jedoch in der Hausarbeit nochmals untersucht. Aber welches Jahr imspeziellen den meisten Einfluss auf die Umweltperformanz der OECD- Länder im Jahr 2012hat, wurde in der vergangenen Forschung noch nicht explizit behandelt und wird in der Folgenden empirischen Analyse die Hauptrolle spielen.

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Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Temporaler Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltpolitik der OECD-Staaten
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1.7
Jahr
2017
Seiten
36
Katalognummer
V426211
ISBN (eBook)
9783668749726
ISBN (Buch)
9783668749733
Dateigröße
1556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
temporaler, einfluss, neokorporatismus, umweltpolitik, oecd-staaten
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Temporaler Einfluss von Neokorporatismus auf die Umweltpolitik der OECD-Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426211

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