Die Untersuchung betrachtet die rechtsextrem motivierten Übergriffe der frühen 1990er-Jahre und versucht, in der Konzentration auf die deutschen Formen der rechten Gesinnung, also dem Rechtsextremismus der 1990er und dem gegenwärtigen Rechtspopulismus, Analogien dieser beiden Phänomene, aber auch Unterschiede und mögliche Erklärungen zu identifizieren. Denn gerade die rechtsgerichteten Gruppierungen und deren Aufschwung stellen keine neue Entwicklung dar, sondern ein „Schwelen“ rechtspolitischer Gesinnung, die bereits in Deutschland in den 1990er-Jahren deutlich zum Ausbruch kam.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das singuläre Ereignis als „Erschütterung“
3 Rechtsextreme Gewalt in den 1990er Jahren
3.1 Die „Erschütterung“ und ihre Folgen
3.2 Das wahrgenommene Phänomen
3.3 Entwicklung
4 Der aktuelle Rechtspopulismus
4.1 Die „Erschütterung(en)“
4.1.1 Lehmann Kollaps und Bankenkrise
4.1.2 Flüchtlinge und Migrationsbewegungen
4.1.3 Wirkung
4.2 Das wahrgenommene Phänomen
5 Rechtsextremismus und Rechtspopulismus – gleiches Programm aber nicht gleiche Akzeptanz?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Rechtsextremismus der 1990er Jahre und dem aktuellen Rechtspopulismus, um zu klären, ob es sich dabei um eine Kontinuität oder um singuläre Phänomene handelt. Dabei wird insbesondere die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern der aktuelle Rechtspopulismus eine gesellschaftskonforme Fortsetzung rechtsextremer Strömungen darstellt, die durch krisenhafte Ereignisse, sogenannte „Erschütterungen“, begünstigt wird.
- Analyse der Begriffe Rechtsextremismus und Rechtspopulismus im deutschen Kontext.
- Untersuchung der Rolle von „Erschütterungen“ (wie Wende, Finanzkrise, Migrationsbewegungen) als Auslöser für Existenzängste.
- Vergleich der gewaltorientierten Strategien der 1990er Jahre mit der kommunikationsbasierten Strategie heutiger rechtspopulistischer Akteure.
- Identifikation der Funktion von Angst als politisches Steuerungsinstrument.
Auszug aus dem Buch
Die „Erschütterung“ und ihre Folgen
Nach wochenlangen Demonstrationen der Menschen in der DDR und der Lockerung der Reisebestimmungen nach Ungarn, öffnete sich, für alle Beteiligten überraschend, am 9. November 1989 die innerdeutsche Grenze in Berlin. Obwohl sich die westdeutsche Politik per Grundgesetz einem Bestreben zur Einheit verpflichtet hatte und die Demonstrationen der Menschen in der DDR großen Zulauf fanden, war so plötzlich nicht damit zu rechnen, dass die beiden Teile Deutschlands wiedervereinigt würden.
Nachdem sich die erste Euphorie über das Gelingen der friedlichen Revolution gelegt hatte und auch die ehemaligen Besatzungsmächte einer Wiedervereinigung zugestimmt hatten, wurden bereits die Herausforderungen deutlich, die auf die Politik aber auch auf jeden einzelnen Deutschen zukamen. Denn für den Aufbau des infrastrukturell und wirtschaftlich schwachen Gebiets der ehemaligen DDR wurde 1995 eine Ergänzungsabgabe für die Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer und Kapitalertragssteuer eingeführt, die durch alle erwerbstätigen Deutschen zu leisten war. Weiterhin hatte sich die BRD im Grundgesetz zwar dazu verpflichtet, im Falle einer Wiedervereinigung neu über eine Verfassung zu bestimmen, sich aber im Moment der Wiedervereinigung dazu entschieden, am Status Quo des Grundgesetzes fest zu halten. Durch den Beitritt der ehemaligen DDR als neue Bundesländer zu den bestehenden Bundesländern der BRD nach Art. 23, wurden neben den Erwartungen, eine neue Verfassung zu erhalten auch territoriale Hoffnungen der nationalistischen Opposition enttäuscht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des Rechtspopulismus in Europa ein und stellt die Forschungsfrage, ob eine Kontinuität zwischen dem Rechtsextremismus der 1990er und dem heutigen Rechtspopulismus besteht.
2 Das singuläre Ereignis als „Erschütterung“: Dieses Kapitel definiert den Begriff der „Erschütterung“ als plötzliches, politisch und gesellschaftlich veränderndes Ereignis, das Existenzängste in der Bevölkerung auslöst und von politischen Gruppierungen instrumentalisiert wird.
3 Rechtsextreme Gewalt in den 1990er Jahren: Die Untersuchung betrachtet die rechtsextremen Übergriffe der frühen 1990er Jahre als Reaktion auf die durch die deutsche Wiedervereinigung ausgelösten Unsicherheiten und Ängste.
4 Der aktuelle Rechtspopulismus: Dieses Kapitel analysiert den Aufstieg des Rechtspopulismus im Kontext des 21. Jahrhunderts, wobei insbesondere die Auswirkungen von Terroranschlägen, der Bankenkrise und der Flüchtlingskrise als „Erschütterungen“ beleuchtet werden.
5 Rechtsextremismus und Rechtspopulismus – gleiches Programm aber nicht gleiche Akzeptanz?: In der Schlussbetrachtung werden die beiden Phänomene kontrastiert und das Ergebnis dargelegt, dass der Rechtspopulismus als eine gesellschaftskonformere Kommunikationsvariante des rechtsextremen Gedankenguts fungiert.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Erschütterung, Existenzangst, Wiedervereinigung, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, AfD, Migration, Politik, Kommunikation, soziale Unsicherheit, Identität, Überfremdung, Radikalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die inhaltlichen und strategischen Parallelen zwischen dem deutschen Rechtsextremismus der 1990er Jahre und dem gegenwärtigen Rechtspopulismus unter besonderer Berücksichtigung ihrer jeweiligen historischen Kontexte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die Entstehung von Existenzängsten durch gesellschaftliche Krisen, der Einfluss medialer Berichterstattung, die Instrumentalisierung von Migration sowie die programmatischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten rechter Gruppierungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Hauptfrage ist, ob der aktuelle Rechtspopulismus eine direkte Kontinuität des Rechtsextremismus der 1990er Jahre darstellt oder ob es sich um zwei eigenständige, singuläre Phänomene handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der existierende Studien und Berichterstattungen zu rechtsextremen und rechtspopulistischen Phänomenen unter Anwendung der theoretischen Kategorie der „Erschütterung“ gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die rechtsextreme Gewalt nach der Wiedervereinigung sowie die späteren „Erschütterungen“ (11. September, Finanzkrise, Flüchtlingskrise) untersucht, um daraus abzuleiten, wie diese als Katalysatoren für rechte Parteien dienen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Existenzangst, Identitätsstiftung und gesellschaftliche Krisenereignisse.
Wie unterscheidet sich die Strategie der AfD von früheren rechtsextremen Gruppierungen?
Während frühere Gruppen oft durch offene Gewalt auffielen, setzt der aktuelle Rechtspopulismus – beispielhaft an der AfD dargestellt – primär auf eine erfolgreiche, medienwirksame Kommunikation, um in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.
Welche Rolle spielt die „Erschütterung“ für den Erfolg rechter Parteien?
Die „Erschütterung“ erzeugt eine kollektive Verunsicherung und Existenzangst, die von populistischen Akteuren genutzt wird, um einfache Erklärungsmodelle und klare Feindbilder anzubieten, für die sie sich als einzige Lösung präsentieren.
- Arbeit zitieren
- Sarah Wunderlich (Autor:in), 2017, Rechtsradikalismus der 1990er und aktueller Rechtspopulismus heute. Kontinuität oder singuläre Phänomene?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426225