Immer wieder begegnet man Weltbank und Internationalem Währungsfonds in der Presse und in Diskussionsrunden. In letzter Zeit wurden diese beiden Institutionen in den Medien vor allem im Zusammenhang mit der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien genannt. Dass Weltbank und IWF den betroffenen Ländern sehr viel Geld für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen, war in vielen Artikeln zu lesen.
Doch trotz der häufigen „Begegnungen“ mit Weltbank und IWF haben die Wenigsten eine Vorstellung von Aufbau, Idee und Funktion dieser Institutionen. Oft werden ihre Namen auch missbräuchlich verwendet, mit denen anderer internationaler Organisationen oder auch untereinander verwechselt.
Dass Weltbank und IWF von vielen Seiten, vor allem aber von den Globalisierungsgegnern kritisiert werden, ist nicht zu übersehen bzw. zu überhören. Vor allem im Zusammenhang mit Diskussionen über Entwicklungspolitik sind die Bretton-Woods-Organisationen stark umstritten.
So erscheint es angebracht, sich einmal näher mit diesen so wenig bekannten und zugegebenermaßen mitunter auch etwas unübersichtlichen Institutionen zu beschäftigen. Dabei stößt man unweigerlich auf die Frage, ob und inwieweit Weltbank und IWF zusammenarbeiten oder, ob sie sich - wie vielfach behauptet - gegenseitig behindern und die eine Organisation die Entwicklungsprogramme der anderen konterkariert.
Im Rahmen dieser Arbeit sollen die beiden Bretton-Woods-Organisationen und der historische Hintergrund ihrer Entstehung kurz vorgestellt werden. Die Weltbank und der IWF werden zunächst jeweils für sich betrachtet und ihre Aufgaben und Ziele, sowie ihre Vorgehensweise erläutert werden. Dabei kann in dem begrenzten Rahmen dieser Arbeit kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, da es sich um besonders komplexe und umfangreiche Institutionen mit einer schon relativ langen Geschichte handelt. Im Anschluss an die Einzelbetrachtung von IWF und Weltbank folgt eine Gegenüberstellung, deren Ergebnis die Frage klären soll, ob es sich bei den beiden Institutionen eher um Partner oder Konkurrenten handelt. Auch hier kann keine allgemeingültige Aussage erwartet werden, wohl aber eine tendenzielle Annäherung daran.
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. GESCHICHTLICHER HINTERGRUND DER ENTSTEHUNG VON WELTBANK UND IWF
2. DIE WELTBANK
2.1 Aufgaben und Ziele
2.2 Rechtscharakter der Weltbank
2.3 Aufbau und Organisation der Weltbankgruppe
2.3.1 Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD)
2.3.2 Die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA)
2.3.3 Die Internationale Finanz-Corporation (IFC)
2.3.4 Die Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur (MIGA)
2.3.5 Das Internationale Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID)
2.4 Tätigkeitsbereiche
2.5 Finanzierungsmechanismus
2.6 Entwicklung und Reformierungsmaßnahmen
3. DER INTERNATIONALE WÄHRUNGSFOND (IWF)
3.1 Die Idee des IWF bei seiner Gründung
3.2 Rechtscharakter des IWF
3.3 Aufbau und Organisation
3.4 Aufgaben und Ziele
3.5 Tätigkeitsbereiche
3.6 Finanzpolitik und Kreditvergabepolitik
3.7 Finanzierungsmechanismus
3.7.1 Reguläre Fazilitäten
3.7.2 Konzessionäre Hilfe
3.7.3 Sonderfazilitäten
3.7.4 Sonderziehungsrechte (SZR)
3.8 Entwicklung und Reformierungsmaßnahmen
4. GEGENÜBERSTELLUNG WELTBANK – IWF
4.1 Ursprung und Struktur
4.2 Ziele und Tätigkeitsfelder
4.3 Finanzierungsquellen
4.4 Rechtliche Aspekte in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Weltbank und IWF
4.5 Zusammenarbeit zwischen Weltbank und IWF
5. ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNGEN UND FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit dem Ziel zu klären, ob die beiden Institutionen als Partner oder Konkurrenten zu bewerten sind. Dabei werden die jeweiligen historischen Hintergründe, Aufgaben, Strukturen und Arbeitsweisen analysiert, um eine fundierte Aussage über ihre Zusammenarbeit und mögliche Synergien oder Überschneidungen zu treffen.
- Historische Entstehung der Bretton-Woods-Organisationen
- Aufbau, Ziele und Finanzierungsmechanismen von Weltbank und IWF
- Analyse der Zusammenarbeit und Kooperationsmechanismen
- Kritische Betrachtung der institutionellen Reformen und des Einflusses der Organisationen
Auszug aus dem Buch
1. Geschichtlicher Hintergrund der Entstehung von Weltbank und IWF
In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat die große Depression die Weltwirtschaft völlig aus dem Gleichgewicht gebracht und das internationale Finanz- und Währungssystem nahezu komplett lahm gelegt. Konkurse, Arbeitslosigkeit, Inflation und Massenarmut sind nur einige der Probleme, mit denen die Welt zu kämpfen hatte. Das Vertrauen in Papiergeld war so tief verletzt, dass es zu einer derart vermehrten Goldnachfrage kam, dass diese von den Finanzministerien der einzelnen Staaten nicht befriedigt werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Wert jeder Währung als eine bestimmte Goldmenge festgesetzt. Das Gold hatte dem Geld also einen bekannten und stabilen Wert verliehen. Als der vermehrten Goldnachfrage nicht mehr entsprochen werden konnte, brach das System zusammen.
Um über diese Probleme zu verhandeln und mit dem Ziel, sie zu überwinden, trafen sich vom 1. bis 22. Juli 1944 Delegierte aus 44 Staaten in Bretton Woods im US-amerikanischen Bundesstaat New Hampshire zur United Nations Monetary and Financial Conference. Auf dieser Konferenz wurden zwei Pläne für die Schaffung eines neuen Weltwährungssystems diskutiert, zum einen der Vorschlag des US-Amerikaners Harry Dexter White und der Entwurf des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes.
Nach langwierigen und durch die Kriegsbedingungen erschwerten Verhandlungen wurde der White-Plan beschlossen, in dessen Mittelpunkt der US-Dollar stand, dessen Wert gegenüber dem Gold festgelegt war, verbunden mit der Verpflichtung der US-Zentralbank, Dollar in Gold einzulösen. Die anderen Mitglieder des Systems vereinbarten starre Wechselkurse gegenüber dem Dollar.
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Wahrnehmung von Weltbank und IWF, betont das Defizit an Wissen über deren Aufgaben und führt die Forschungsfrage nach dem kooperativen oder kompetitiven Verhältnis ein.
1. GESCHICHTLICHER HINTERGRUND DER ENTSTEHUNG VON WELTBANK UND IWF: Das Kapitel beschreibt die wirtschaftliche Krisensituation der 1930er Jahre und die Konferenz von Bretton Woods als Ursprung des internationalen Finanz- und Währungssystems.
2. DIE WELTBANK: Hier werden Aufbau, Ziele, Finanzierung und die Reformen der Weltbankgruppe detailliert dargestellt.
3. DER INTERNATIONALE WÄHRUNGSFOND (IWF): Dieses Kapitel analysiert die Gründungsidee, die Organisationsstruktur, die Überwachungsfunktionen und die Kreditpolitik des IWF.
4. GEGENÜBERSTELLUNG WELTBANK – IWF: Dieses Kapitel vergleicht beide Institutionen hinsichtlich Ursprung, Struktur, Zielen und Arbeitsweise und untersucht die Dynamik ihrer Zusammenarbeit.
5. ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNGEN UND FAZIT: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Weltbank und IWF weder als reine Partner noch als echte Konkurrenten einzuordnen sind, sondern ein komplexes Beziehungsgeflecht aufweisen.
Schlüsselwörter
Weltbank, IWF, Bretton-Woods-System, internationale Finanzordnung, Weltwirtschaft, Entwicklungspolitik, Währungspolitik, Finanzhilfen, Strukturanpassung, Kapitalmärkte, Armutsbekämpfung, Sonderziehungsrechte, IBRD, IDA, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis zwischen Weltbank und IWF und untersucht, ob diese beiden Organisationen als komplementäre Partner oder als Konkurrenten fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entstehung, der organisatorischen Struktur, den Tätigkeitsbereichen sowie den Finanzierungsmechanismen beider Institutionen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Klärung der Frage, ob eine klare Aufgabenteilung existiert und wie die tatsächliche Zusammenarbeit in der Praxis gestaltet ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen und einer komparativen Gegenüberstellung beider Organisationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelbetrachtung der Weltbank und des IWF sowie einen Vergleichsteil, der die rechtlichen und operativen Aspekte der Zusammenarbeit beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Untersuchung?
Zu den zentralen Begriffen gehören das Bretton-Woods-System, Strukturanpassung, finanzielle Konditionalität und die Stabilität internationaler Währungsbeziehungen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Weltbank und IWF oft schwierig?
Beide Organisationen entstanden in Bretton Woods, arbeiten eng zusammen, teilen sich teilweise Sitzungstermine und agieren auf dem Gebiet der internationalen Wirtschaftspolitik, was ihre Identitäten für Außenstehende verschwimmen lässt.
Welches Ergebnis erzielt die Untersuchung im Fazit?
Der Autor gelangt zu dem Schluss, dass es keine einfache Antwort gibt; die Organisationen weisen zwar Ähnlichkeiten auf, verfolgen aber unterschiedliche Schwerpunkte, weshalb ihr Verhältnis ein "Beziehungsextrem" zwischen Kooperation und Konkurrenz darstellt.
- Quote paper
- Katharina Kirsch de Fernandez (Author), 2005, Weltbank und IWF: Partner oder Konkurrenten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42639