Welche Behandlungsmöglichkeiten bei depressiv Erkrankten gibt es?


Hausarbeit, 2018
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einteilung der Depression
2.1 Nach ICD-10
2.2 Nach anderen Schemata

3. Anzeichen einer Depression
3.1. Hauptsymptome
3.2 Zusatzsymptome

4. Mögliche Ursachen einer Depression
4.1 Genetische Ursachen
4.2 Körperliche Ursachen
4.3 Psychische Ursachen

5. Behandlungsmöglichkeiten
5.1 Behandlung mit Antidepressiva
5.2 Psychotherapie
5.3 Soziotherapie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen es nichts gibt, worauf man sich freuen kann, alles grau in grau erscheint, man ,deprimiert' ist.

So kann das Wetter, die berufliche Tätigkeit, oder eine private Enttäuschung als deprimierend erlebt werden. [...] Aber eine Depression im medizinischen Sinne ist etwas anderes als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit und Unlust oder ein Stimmungstief [...]" (Heinz, Rummel-Kluge & Hegerl, 2017, 7).

Laut einer Statistik der World Health Organisation (WHO) litten im Jahr 2015 bereits 322 Millionen Menschen weltweit an einer Depression. Dies entspricht 4,4% der Gesamtbevölkerung. Allein in Deutschland gibt es bereits 4,1 Millionen Betroffene (vgl. Ärzteblatt, 2017).

In den westlichen Industrieländern leiden ca. 2 - 3% der Männer und 5 - 9 % der Frauen an einer behandlungsbedürftigen Depression (vgl. Ostermann, 2011).

Die Leidtragenden kämpfen mit Problemen, die ihre Lebensqualität in manchen Fällen nur geringfügig, in anderen Fällen jedoch massiv einschränken.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, welche Behandlungsmethoden für an Depression erkrankte Menschen zur Verfügung stehen und wie die Betroffenen insbesondere durch die soziotherapeutische Arbeit unterstützt werden können.

Da das Thema Depression sehr breit gefächert ist, beschränkt sich diese Arbeit auf die schwere depressive Episode 'F32.2' (ohne psychotische Symptome[1] ).

Zunächst wird inhaltlich auf das Krankheitsbild einer Depression eingegangen. Hierbei wird die Krankheit nach ICD-10, einem internationalen Klassifikationssystem, definiert. Anschließend werden Anzeichen sowie die möglichen Ursachen näher erläutert.

Des Weiteren werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten genauer untersucht. Hervorgehoben werden in diesem Kapitel die Methoden der Sozialen Arbeit.

Ziel der Arbeit ist es, das Thema Depression näher zu erläutern, sowie die verschiedenen Methoden einer Behandlung darzulegen.

2. Einteilung der Depression

Bei einer Depression sind mehrere Bereiche des psychosozialen Lebens verändert. Gefühlsleben, Denken, Handeln, Motorik und vegetative Funktionen werden in Mitleidenschaft gezogen (vgl. Hennicke, Seidel, 2010, 253).

Um einen ersten Einblick in das Krankheitsbild zu erhalten, wird zunächst der Begriff der Depression mithilfe des Klassifikationssystems ICD-10 definiert.

2.1 Nach ICD-10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einteilung der affektiven Störungen (F3) und der Restkategorien des depressiven Syndroms in der ICD - 10 (eigene Darstellung in Anlehnung an Lehofer/Stuppäck, 2005, 8).

Beim 'International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems', kurz ICD, handelt es sich um eine amtliche Diagnoseklassifikation für Krankheiten, welches in Grundzügen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entworfen wurde. Später wurde die Zuständigkeit der neu gegründeten WHO übertragen. In Deutschland gibt es aufgrund des komplexen Gesundheitssystems eine eigene Klassifizierung, die an die WHO angelehnt ist. Derzeit ist die Fassung ICD-10 gültig. Psychische und Verhaltensstörungen finden sich in der Gruppe V. (vgl. Reimbursement Institute, o.J.).

Die Depression wird den „affektiven Störungen" zugeordnet (F30-F39) (vgl. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, 2015).

„Diese Gruppe enthält Störungen, deren Hauptsymptome in einer Veränderung der Stimmung oder der Affektivität entweder zur Depression - mit oder ohne begleitende(r) Angst [...] bestehen" (Ofenstein & Westphalen, 2018).

Die affektive Störung wird in mehrere Arten, Schweregrade und damit auch unterschiedliche ICD-10-Schlüssel unterteilt. Obige Tabelle gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit.

2.2 Nach anderen Schemata

Darüber hinaus gibt es spezielle Formen der Depression, auf die hier eingegangen werden soll.

Hierzu zählt zum Beispiel die Winterdepression. Eine verminderte Zufuhr von Vitamin D durch mangelnde Exposition im Sonnenlicht kann zu Problemen im Skelettsystem führen, aber auch zu einer Depression. (vgl. Zentrum der Gesundheit, 2017).

Des Weiteren gibt es die Altersdepression, auch Involutionsdepression genannt, und die Schwangerschaftsdepression (vgl. Ostermann, 2011, 265).

Im ersten und letzten Drittel einer Schwangerschaft sind häufig

Stimmungsschwankungen zu beobachten, welche selten einer Behandlung bedürfen. Nach der Entbindung leiden jedoch 10 - 15% aller Frauen an depressiven Verstimmungen. Symptome und Verlauf können von wenigen Tagen mit einem leichten Stimmungstief, dem sogenannten 'Baby Blues', bis hin zu einer massiven psychotischen Dekompensation variieren (vgl. ebenda, 267).

Eine andere Form, die sich hauptsächlich in körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Übelkeit widerspiegelt, ist die somatisierte[2] Depression (vgl. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2016).

Über das operationalisierte psychodynamische Diagnostiksystem (OPD)[3], das von Psychologen/Psychologinnen und Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen neben dem ICD-10 zum besseren Verständnis 1992 ins Leben gerufen wurde, erfolgen spezifischere Einteilungen anhand psychodynamischer und deskriptiver Achsen, die mit Querschnittserfassungen von Persönlichkeitsstruktur, Konfliktverhalten, Ressourcen und Veränderungsprozessen wesentliche genauere Bestimmungen erlauben (vgl. Sonnenmoser, 2008).

3. Anzeichen einer Depression

Die vielfältigen Symptome einer Depression werden in Haupt- und häufige Zusatzsymptome unterteilt.

Um die Diagnose 'schwere Depression' zu erhalten, müssen alle der drei Hauptsymptome zutreffen, sowie mindestens vier der Nebensymptome. Dies muss über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen geschehen (vgl. Lieb, Frauenknecht, Brunnhuber, 2008, 162).

3.1. Hauptsymptome

Das erste Hauptanzeichen ist eine depressive Stimmung, welche sich auf unterschiedliche Weise äußern kann: innere Unruhe, Abgeschlagenheit oder Gefühlslosigkeit, häufig begleitet durch eine körperliche Schwäche (vgl. Praxis Vita, o.J.). Ein weiteres Hauptsymptom ist der Interessenverlust sowie der Verlust von Freude.

Als drittes Hauptsymptom muss auch ein Antriebsmangel oder eine erhöhte Ermüdbarkeit der Betroffenen vorhanden sein (vgl. Lieb et al., 2008).

3.2 Zusatzsymptome

Eines der Zusatzsymptome nach ICD-10 sind Schlafstörungen. Diese beeinträchtigen die Aufmerksamkeit erheblich, wodurch wiederum die Leistungsfähigkeit der Betroffenen sinkt. Dies kann sich negativ auf ihr berufliches Umfeld auswirken und dort zu weiteren Problemen führen.

Auch fehlende Aufmerksamkeit oder mangelnde Konzentrationsfähigkeit sind ein eigenständiges Anzeichen einer Depression.

Ein weiteres Symptom ist der vermehrte bzw. der verminderte Hunger. Personen, die vermehrten Hunger verspüren, befriedigen das Verlangen oft mit Genussmitteln, wie Süßigkeiten, Alkohol oder Drogen. Anderen fehlt das Hungergefühl, so dass sie kaum Nahrung zu sich nehmen bzw. nehmen wollen. Infolgedessen gleiten viele Menschen in eine weitere Krankheit, wie z.B. in die Magersucht.

Ebenso haben viele der Leidtragenden eine sehr pessimistische Zukunftseinstellung. Sie sehen keine Perspektiven mehr, verlieren dadurch vermehrt den Antrieb und versinken immer tiefer in die Depression (vgl. Lieb et al., 2008).

„Neben dem massiven Verlust an Lebensqualität, der mit der depressiven Erkrankung einhergeht, ist Suizidalität die schwerste und nicht selten die tödlichste Begleiterscheinung und Folge von Depressionen" (Ostermann, 2011, 274).

Nicht zu unterschätzen ist die hohe Suizidneigung vieler Erkrankter. Das Risiko ist bei an Depression erkrankten Personen 30mal höher als der Durchschnitt. Von den 10.000 Suiziden, die jährlich in Deutschland begangen werden, sind an die 70% auf eine depressive Erkrankung zurückzuführen (vgl. Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, 2015).

Laut der 'Deutschen Depressionshilfe' liegt die Ursache hierfür häufig in einer nicht richtig behandelten Depression (vgl. Mautus, 2016).

Gemäß DSM-IV, einem anderen Klassifikationssystem für psychische Störungen, können weitere Symptome einer Depression vermindertes Selbstwertgefühl, mangelndes Selbstvertrauen und Selbstzweifel sein. Oft kreisen viele Gedanken der Betroffenen um die eigene Person. Sie fühlen sich wertlos und sehen keinen Sinn in ihrem Dasein. Sie sind innerlich leer und oft verängstigt (vgl. Hautzinger, Thies, 2009).

4. Mögliche Ursachen einer Depression

Die Ursachen einer Depression können in drei Bereiche eingeteilt werden: Genetische, körperliche und psychische Ursachen. Diese können wie ihre Anzeichen vielfältig und verschieden sein.

4.1 Genetische Ursachen

Genetische Ursachen sind durch ein erbliches Risiko bedingt. Eine Studie der Familien-, Zwillings- und Adoptionsforschung zeigt, dass das Risiko, ebenfalls an einer affektiven Störung zu erkranken, bei zwei erkrankten Elternteilen bei 55% liegt (vgl. Ostermann, 2011, 258).

4.2 Körperliche Ursachen

Zu den körperlichen Ursachen zählen häufig chronische Erkrankungen, die die Leidtragenden belasten und möglicherweise in ihrem Leben einschränken.

Ebenso kann eine Störung des Hormonhaushaltes zu einer Depression führen.

Hierzu gehören z.B. Aufputschmittel. Durch den Konsum von Koffein oder Nikotin müssen die Nebennieren, die für die Bildung von Stresshormonen zuständig sind, eine Hochleistung erbringen, um den Hormonhaushalt wieder auf ein normales Niveau zu bringen. Für eine kurze Dauer ist dies für den Körper unproblematisch, doch der Konsum darf nicht zu hoch sein (vgl. Zentrum der Gesundheit, 2017).

Eine Depression kann auch durch neurobiologische Aspekte ausgelöst werden. Die Neurobiologie beschäftigt sich mit dem Aufbau des Nervensystems, der Informationsweitergabe sowie der Funktionsweise der einzelnen Neuronen und dem Zusammenwirken im Gewebe (vgl. Kubb, 2017).

"Während einer Depression sind verschiedene Funktionen im Gehirn verändert. Daran sind zahlreiche Botenstoffe wie Noradrenalin und Serotonin [...] beteiligt. Botenstoffe, die Reize von einer Nervenzelle in die andere übertragen, ermöglichen die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Diese Kommunikation ist die Grundlage für verschiedene Funktionen, wie das Denken, Fühlen und Handeln" (Heinz et al., 21).

Auch schwere chronische Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom[4] oder bestimme Arzneimittel wie z.B. Glukokortikoide[5] können zu einer Depression führen (vgl. Dobmeier & Fux 2017).

[...]


[1] Psychotische Symptome können u.a. Halluzinationen (meist akustischer Art z.B. das Hören von Stimmen oder Geruchs- sowie Geschmackstäuschungen) sein, meist verbunden mit einer auffälligen Sprechweise (Faust, oJ.).

[2] Somatisierungsstörungen sind körperliche Beschwerden ohne organische Befunde (vgl. Faust, o.J.).

[3] In einem operationalisierten Diagnostiksystem werden i.d.R. diagnostische Entscheidungsfindungen sowie Ein- und Ausschlusskriterien oder diagnostische Entscheidungsregeln definiert (vgl. Hogrefe, o.J.).

[4] Unter dem Cushing-Syndrom ist eine körperliche Veränderung zu verstehen, die durch eine erhöhte Konzentration von Nebennierenrinden-Hormonen verursacht wird (vgl. Berufsverband Deutscher Internisten e.V., oJ.).

[5] Glukokortikoide dienen der Bereitstellung von Energie und als Stresshormon (vgl. Facharztwissen, 2014).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Welche Behandlungsmöglichkeiten bei depressiv Erkrankten gibt es?
Hochschule
Hochschule Fresenius München
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V426457
ISBN (eBook)
9783668707689
ISBN (Buch)
9783668707696
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Depression, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Tammy Sperber (Autor), 2018, Welche Behandlungsmöglichkeiten bei depressiv Erkrankten gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426457

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